Die Insel hat uns trotz des durchzogenen Wetters total in den Bann gezogen.
Ich sitze im Wohnmobil, gehe im Kopf den heutigen Tag durch und schaue unsere Fotos an. Den ganzen Tag stark bewölkt und viel Regen zwischendurch. Man könnte meinen, unser erster ganzer Tag in Nordirland sei ins Wasser gefallen. Aber weit gefehlt, eine kurze Zusammenfassung: Wow!!!
Aber von Anfang an. Morgens auf dem kleinen Campingplatz in Larne entsorgen wir und füllen frisches Wasser. Danach fahren wir 15km nach Ballystrudder Richtung Süden zum Besucherzentrum von Gobbins Cliff Path. Wir sind um 8:45 Uhr die ersten auf dem Parkplatz, haben darum auch noch viel Platz, um unser Knutschi zu parken. Wir ziehen unsere Wanderschuhe an, packen die Fotoausrüstung inkl. Stativ mit und melden uns mit der Reservierung für die erste geführte Tour um 9:30 Uhr am Welcomedesk. Mischt, keine Rücksäcke erlaubt, kein Stativ, nicht mal ein Selfistab oder gar ein Tablet darf man mitnehmen. Aus Sicherheitsgründen, man könnte ja ins Meer fallen. Also legen wir alles ins Womo zurück und starten den zweiten Versuch. Sam, unser Guide drückt uns zwei Berghelme in die Hand, obligatorisch wegen der Sicherheit. Wir hören in den nächsten halben Stunde Sicherheitshinweise noch und nöcher, man könnte meinen, wir bereiten uns auf einen Weltraumflug vor. Aber schlussendlich sitzen wir zu zwölft in einem kleinen Bus, der uns etwa 3km bis zum Start der Wanderung bringt.
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und wir marschieren einen Weg steil zur Küste hinab. Dort unten gibt es einen verschlossenen Eingang, wo der Gobbins Cliff Path beginnt.
Wir marschieren über Fussgängerbrücken, in den Fels gehauenen Weg und durch Felsspalten und Tunnels immer schön unterhalb der Klippen und oberhalb des rauschenden Meeres. Aber extrem abgesichert durch dicke Stahlgeländer. Zwischendurch stoppt Sam, unser Guide immer wieder und erklärt über Natur, Bau, der Vorbeifahrt der Titanic und was weiss ich noch alles. Alles auf englisch, und dadurch verstehen wir wenn wir noch etwas aufrunden etwa 10% von allem. Aber nicht schlimm, wir sind wegen den Fotos und dem Erlebnis hier. Um 12 Uhr sind wir wieder zurück im Wohnmobil. Ich habe über den Gobbins Cliff Path noch einen eigenen, detaillierten Bericht geschrieben.
Wir überlegen uns, ob wir die Küstenstrasse Richtung Norden fahren sollen oder doch den etwas schnelleren Weg im Landesinneren. Da es wieder regnet erwarten wir von der Küstenstrasse leider nicht allzu gute Fotos, aber nach einigem Hin und her entscheiden wir uns doch, der Causaway Coastl Route zu folgen. Und wir bereuen keine Sekunde. Die Strasse führt meistens direkt am Meeresufer entlang, durch altertümliche Dörfer und zwischendurch auch wiedermal etwas in die Hügel. Auch ist sie keinesfalls so schmal, wie ursprünglich befürchtet, es geht tiptop. Es gibt sehr viele Haltemöglichkeiten entlang dieser Route, die allerschönsten sind aber mit Höhenbeschränkungen gegen Wohnmobile gesichert, aber trotzdem gibt es mehr als genug Fotomöglichkeiten. Auch machen wir mindestens fünf gut geeignete Übernachtungsmöglichkeiten aus, wo wir uns problmelos hinstellen könnten. Es ist also nicht ganz so schlimm, wie wir befürchtet und auch schon gehört haben. Wir geniessen die Fahrt trotz Regen und stellen uns diesen Küstenabschnitt vor, wenn die Sonne scheint. Es muss traumhaft sein.
Zwischendurch gehen wir noch kurz einkaufen und sehen dort im kleinen Einkaufszenter grad auch noch einen Geldautomat. Endlich können wir 100 Pfund in Bar in die Hände nehmen, Allerdings schauen wir beide ganz verdutzt: das soll Geld sein? 10x 10£-Scheine, die aussehen wie Spielgeld? Oder ähnlich sind wie Reka-Checks? Der Automat war von der Ulister Bank und auf dem Geldschein steht auch gross Ulister Bank. Werden die grad im Automat frisch gedruckt oder sind das wirklich eine Art Check? Beim Einkauf versuchen wir dann ganz scheu, ob die an der Kasse diese Spielscheine auch nehmen. Ja es geht, es ist anscheinend doch echtes Geld!
Nach etwa 80 km kommen wir dann auf dem Parkplatz von Carrick-a-Rede an, einer kleinen Hängebrücke auf eine kleine Insel hinüber. Wir dürfen tatsächlich auf den unteren gekiesten Parkplatz, der in einer grossen steinbruchartigen Felskreis mit Meersicht liegt. Ich bin nur schon von diesem Parkplatz beeindruckt und begreife, dass dort wo jetzt unser Knutschi steht, eine imposantes Kriegerdorf für Games of Thrones aufgebaut und die gesamte Szene gefilmt wurde. Für mich wirklich ein Wahnsinns Platz.
Wir packen wieder unsere Fotoausrüstung und gehen zu Fuss zum Kassenhäuschen, um die 9£ Eintritt pro Person zu bezahlen und den einen Kilometer bis zur Hängebrücke zu spazieren. Es stehen ziemlich viele Leute an und warten, bis sie über die Brücke zur kleinen Felseninsel dürfen. Wir laufen etwas weiter zu einem kleinen Aussichtspunkt und machen Fotos in die andere Richtung, wo es keine Menschen mehr hat. Ein halbe Stunde später ist die Warteschlange fast verschwunden und wir wagen nun auch den Gang über die schaukelnde Seilbrücke. Mann, ist die hoch und schaukelt nicht nur ein kleines bisschen.
Auf der kleinen Insel machen wir natürlich wieder Fotos. Inzwischen wurde es 17 Uhr und wir sind nun fast alleine dort. Wir können sogar ein kleines Video drehen, wie Anita über die wackelnde Brücke läuft. Auch von Carrick-a-Rede werde ich später noch einen eigenen Beitrag schreiben
Wir beschliessen danach, auf diesem fantastischen Platz hoch über dem Meer zu übernachten. Wir erlebten einen absolut fantastischen Tag und diese Insel hat uns schon in ihren Bann genommen.
Es regnet übrigens seit wir zurück vom Spaziergang sind…
Übersicht Causeway Coastal Route
Die kurze Wanderung auf dem Klippenweg mit einer Beschreibung, wie alles abläuft.
Beim Besucherzentrum gibt es einige Parkplätze, auch drei für Busse. Perfekt ist, wenn man morgens bis etwa 9 Uhr dort eintrifft, um für grössere Wohnmobile noch Platz zu finden. Für Kastenwagen ist es auch später kein Problem mehr. Übernachten auf dem Platz ist übrigens verboten.
Die Touren kann man im Voraus über die Webseite reservieren und bezahlen. Macht man dies nicht, kann man hoffen, dass es bei Ankunft noch freie Plätze gibt. Bei einer Reservierung sollte man sich mindestens eine Viertelstunde vor dem Start der Tour bei der Reception melden.
Auf die Tour darf man aus Sicherheitsgründen weder Rucksack, Tablet oder gar Selfistick mitnehmen. Mein Fotostativ musste gezwungenermassen im Wohnmobil bleiben. Dafür bekommt man einen Berghelm, den man auf der Wanderung tragen muss.
Danach wird man in Gruppen bis 12 Personen in einem Kleinbuss die 3 Km bis zum Start der Tour gefahren. Ab dort muss man ca. 500m steil abwärts bis ans Meer laufen, bevor durch das abgeschlossene Tor der Gobbins Cliff Path beginnt.
Der Weg schätze ich einen Kilometer lang, nicht länger. Es folgen Brücken und auch ein Tunnel, am Ende muss man wieder umdrehen und den gleichen Weg zurück. Insgesamt brauchten wir vom Visitorcenter bis wieder zurück ungefähr 2¼ Stunden. Für Fotos ist der Schluss (Rückwärtsfotos) oder vorne hinter dem Guide für Vorwärtsfotos. Wenn man auf dem Hinweg vorne läuft, sollte man auch auf dem Rückweg diese Position halten, damit man eine andere Perspektive hat.
Der Weg ist gut gemacht, die Brücken sind sehr cool und der Tunnel auch. Aber so ganz vom Hocker hat uns diese Wanderung nicht gehauen. Ob das wohl darum ist, dass wir fleissige Berggänger sind und auch schon ein paar 4000er bestiegen haben?
Die Sicherheitshinweise waren etwas zu viel des Guten und die Geländer sind so gesichert, dass man keine Chance hat, irgendwo den Weg auch nur für eine Sekunde zu verlassen. Nichtsdestotrotz sollte man diesen Weg absolvieren, wenn man in der Gegend ist.
Alleine ist dies aber keinesfalls möglich, man muss immer vom Visitorcenter aus starten und findet in der Nähe des eigentlichen Startpunktes keine Parkmöglichkeiten, schon gar nicht für ein Wohnmobil.
Übersicht Causeway Coastal Route,
Wir besuchen mit dem Wohnmobil einen der Drehorte von Games of Thrones in Nordirland
Der Wecker klingelt um 6 Uhr in der früh, denn wir wollen zu der Dunklen Hecke. Diese kam in der Serie «Games of Thrones» vor und seitdem mausert sich diese Strasse zu einer der grössten Sehenswürdigkeiten Nordirlands. Da sie nur gerade 10km von unserem Schlafplatz weg ist, wollten wir mit dem Fahrrad hin, aber irgendwie trauen wir dem Wetter nicht und draussen ist es so früh am Morgen saukalt. Also Womo zusammenpacken und hinfahren.
The Dark Hedges Blick Richtung Nordwest
Nach kurzer Fahrzeit kommen wir am nord-westlichen Ende der Strasse beim Golfclub an, allerdings sehen wir grad keine Parkmöglichkeit mit unserem Womo. The Dark Hedge ist für den Autotouristenverkehr gesperrt, also fahren wir einen kleinen Umweg von 3km und sind dann am süd-östlichen Ende der etwa 800m lange Strasse. Dort gibt es genug Parkmöglichkeiten für unser Womo.
Sofort Fotoausrüstung zusammenraufen und losmarschieren. Es sind schon ein paar wenige andere Fotografen hier, die Fotos machen, aber zum Glück kommen sie nicht vor unsere Linsen. Wir durchschreiten die gesamte Strasse in beide Richtungen. Der perfekte Fotopunkt liegt etwas 300m vom «Westend» und man fotografiert Richtung Osten, also leicht den Berg hoch.
The Dark Hedges Blick Richtung Südost
Die Bilder werden besser wie angenommen und wir sind echt erfreut. Eine halbe Stunde später sind wir zufrieden und schon wieder im Womo. Nun ab nach Bushmills, wo wir auf dem grossen Parkplatz frühstücken. Nachmittags kommt Giant’s Causaway an die Reihe.
Parkgelegenheit für unser Womo am östlichen Ende
Übersicht Causeway Coastal Route
Wir marschieren zu Giant's Causeway den alten Geleisen nach.
Nach den Dark Hedges sind wir schnell in Bushmills und folgen den Schildern von Park & Ride. Den grossen Parkplatz nahe dem Zentrum finden wir so recht einfach und sehen auch schon drei Wohnmobile, die anscheinend da übernachtet haben. Wir parken unser Knutschi und schon klopft es an unsere Türe. Es ist die nette Engländerin vom Womo nebenan. Sie beginnt gleich zu reden und erklärt uns, wir sollen unbedingt der alten Bahnlinie zu Fuss bis zum Giant’s Causaway laufen, es sei viel schöner und man könne so den Eintritt von 12.50£ sparen, das sei sowiso viel zu teuer. Sie schnenkt uns dann sogar noch eine Strassenkarte des Wild Atlantic Ways und sagt, den müssen wir unbedingt folgen, das sei viel schöner wie bei ihr zu Hause in Schottland. Und schon brausen sie im Womo davon und rufen uns hinterher, vielleicht treffen wir uns ja später wieder etwas weiter im Süden.
Unser Spazierweg hin und zurück
In so kurzer Zeit haben wir wieder so viele Infos. So beschliessen wir dann wirklich, den alten Gleisen zu Fuss zu folgen und auf den Shuttle-Buss zu verzichten. Leider fährt die hergerichtete historische Schmalspurbahn jetzt im Mai nur an den Wochenenden, so müssen wir die drei Kilometer entlang der Geleise halt laufen. Es hat jedoch einen wirklich schönen Spazierweg, der immer den Gleisen folgt, über Brücken und zwischendurch sogar an die Dünen am Meeresufer. Nach einer Stunde Fussmarsch kommen wir an unserem heutigen Ziel an und wir halten uns links zu den Klippen und lassen das Besucherzentrum rechts liegen. Von dort sehen wir den Weg, der zu zum Damm der Riesen führt, steigen die Treppe hinunter und marschieren mit ziemlich vielen Leuten zum Meer hinab. Nach etwa nochmals 20 Minuten Fussmarsch kommen wir bei den 6-eckig geformten abertausenden Steinsäulen an. Vor 60 Millionen Jahren kühlte diese Lava unter hohem Druck extrem langsam ab und so ergaben sich diese natürlichen Kunstwerke.
Es hat ziemlich viele Leute, der Himmel ist Weiss in Weiss und es windet ziemlich stark. Keine guten Voraussetzungen, für mein gewünschtes Foto von hier, also improvisieren wir und knipsen wie ganz normale Touristen drauf los. Es ist irgendwie schon imposant, was die Natur alles herzaubern kann.
Als wir es gesehen haben, wandern wir wieder zurück und wundern uns, dass wir nirgends Eintritt zahlen mussten. Wir merken erst etwas später, dass mit bezahltem Eintritt das Besucherzentrum besichtigen dürften und auch dann der Shuttle-Bus zurück zu unserem Parkplatz gratis ist. Was machen wir? Bezahlen wir jetzt noch Eintritt, obwohl wir es schon gesehen haben? Wir klären diese Frage aber während einem Aufenthalt im Pub vor dem Besucherzentrum bei Fish and Chips (wenn ich gewusst hätte, dass das so gut ist, hätte ich es schon viel früher probiert. Na gut, ich wusste auch nicht, dass Chips in England Frits sind.). Wir kommen zum Schluss, dass wir den Eintritt nicht mehr nachträglich bezahlen und mit dem öffentlichen Bus zurückfahren. Unglücklicherweise fährt dieser aber erst in 40 Minuten, also beschliessen wir, auch den Weg zurück den Gleisen nach zu laufen.
Es ist wirklich schön und wir haben Wetterglück, wir bekommen keinen Tropfen Regen ab, kommen dann aber mit ziemlichen Plattfüssen bei unserem Womo an. Im Nachhinein hätten mich die 25£ für zwei Personen, Busfahrt hin und zurück und den Eintritt ins Besucherzentrum nicht gereut. Jetzt haben wir wohl gespart, sind aber ziemlich auf dem Hund. So beschliessen wir, gleich hier zu übernachten und erst morgen weiter zu fahren. Eventuell geht es dann heute Abend nochmals in ein Pub.
Die älteste Whiskybrennerei der Welt mit offizieller Brenngenehmigung schauen wir uns heute in Bushmills nicht mehr an, wir sind einfach nur platt.
100 schönsten Orte mit dem Wohnmobil
Übersicht Causeway Coastal Route
Ein Erfahrungsbericht über die 190km der nordirische Küstenstrasse von Belfast nach Londenderry.
Wir fahren diese Küstenstrasse im Mai 2019 mit unserem 7.50m langen und 2.35m breiten Wohnmobil.
Die Strassen sind nicht wirklich schmal, breiter wie in Wales oder Schottland, von daher kein Problem. Sie verläuft wirklich meist direkt an der Küste mit Meersicht. Entlang der Strasse gibt es sehr viele Möglichkeiten, Fotostopps zu machen, einen Parkplatz dafür zu finden viel uns immer sehr leicht.
Viele Parkplätze, Picknickstellen und Aussichtspunkte sind gut markiert. Bei den allerschönsten Picknickplätzen hat es entweder eine Höhenbeschränkung oder ein Schild «no overnight parking», also kein Übernachten möglich. Wir finden aber, dass dies absolut gerechtfertigt ist, denn wie schnell wären diese tollen Parkmöglichkeiten alle von Wohnmobilen belegt. Man findet auch sonst genügend Möglichkeiten, frei zu übernachten und Campingplätze gibt es ja auch noch.
Sehr gut gefallen zum Übernachten hat uns der untere Parkplatz bei Carricke-a-red und Park & Ride in Bushmill. Auch wäre es möglich, direkt am Fährterminal von Larne zu schlafen.
Wir besuchten den Gobbins Cliff Path, Carricke-a-red Rope-Bridge, Dunclue Castle, Giants Causaway, Downhill Demesne und Mussender Temple und machten einen Abstecher zu den Dark Hedges. Beeindruckt hat uns der Tempel und das Demense Herrschaftshaus, auch Bishop’s Garden, der dazugehört, war super. Diese Lokalität gefällt Leuten, die Einsamkeit und weite mögen. Die Dark Hedges sind sensationell für Fotos und bei Carrick-a-red hat uns der Übernachtungsplatz sehr gut gefallen, hoch über dem Meer in einem Felsenkessel. Dunclue Castle gibt auch super Fotos, darf aber nicht übernachtet werden.
Gobbins Cliff Path war ok, ebenfalls Giants Causaway, dort hat es einfach immer viele Touristen. Leider haben wir in Bushmills die älteste Whisky-Destillerie mit offizieller Lizenz nicht besucht, ebenfalls fuhr die kleine Schmalspurbahn von Bushmills nach Giants Causaway nicht.
Die Causeway Coastal Route hat unheimlich viel zu bieten und verdient ein absolut empfehlenswert. Da das Wetter nicht immer ganz top sein kann, macht sich für Fotografen ein Grauverlaufsfilter bezahlt, um den meist zu hellen Himmel etwas abzudecken.
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