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Schlangenbucht Spanien 2021
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Reisebericht

Dursy Island und Gaelic Football 23.5.2019

Wir lernen etwas über irischen Sport und besuchen mit einer Schwebebahn eine Insel

Ich könnte jetzt schreiben, dass es 2:21 Uhr ist, der Whisky und die Gläser nach einer Tour durch alle Pubs nun auch noch im Wohnmobil stehen und wir einen geilen irischen Abend hatten. Aber dann wisst ihr Leser nicht, was wir heute alles erlebt haben.

Den ganzen Morgen prasselten Regentropfen auf unser Dach, der Nebel schlich sich um unser Wohnmobil und wir schliefen bei diesem Wetter einfach aus. Danach musste ich noch ein paar Arbeiten erledigen und irgendwie könnte heute unser Ausflug und die Fahrt mit der einzigen Schwebebahn Irlands ins Wasser fallen.

Aber nicht mit uns! Mittags ziehen wir unsere Gummistiefel an, holen die Regenpellerinen aus der Garage, verpacken den Fotoapparat wasserdicht und fahren mit unseren Fahrrädern zur Schwebebahn am Ende des Festlandes. Dort angekommen sind wir die einzigen Touristen und fragen höflich, ob die Bahn auch in diesem Wetter fährt. «Aber klar doch, das Wetter ist doch gar nicht so schlimm.» Also bezahlen wir die Fahrt für zwei Personen mit der uralten Schwebebahn, worin Schafe, Kühe, Material und Menschen auf die Insel gefahren werden. Da wir weit und breit die einzigen Fahrgäste sind, dürfen wir sogar unsere Velos mit in die Bahn und auf die Insel nehmen.

Es regnet noch immer in Strömen aber in der Gondelbahn sind wir endlich im Trockenen. Leider dauert die Fahrt über das Meer nur gerade etwa fünf Minuten, bis wir auf Dursy Island wieder aussteigen müssen. «Er sehe uns dann schon auf der anderen Seite, wir müssten einfach warten, bis er die Bahn wieder zu uns zurückschicke» meinte der Fahrleiter wegen der Rückfahrt.

bei der ersten Überfahrt waren wir noch auf Regen eingestellt

Also fahren wir nun auf der Insel auf dem schmalen Strässchen Richtung Süden. Auf der Insel gibt es eine Handvoll Häuser, ein Strässchen, viele Schafe und ein paar Kühe. Weder ein Pub, noch sonst welche Infrastruktur für Touristen. Hier kann man eigentlich nur wandern, die 6km zum anderen Ende und über den Hügel wieder zurück. Wir sind aber bei diesem Wetter im Vorteil, weil wir eben die Räder mit in die Bahn nehmen durften.

Wir radeln gemütlich das Strässchen hoch, passieren ein paar wenige Häuser und viele Ruinen, während der Regen langsam nachlässt. Bei der grösseren Steigung müssen wir dann unsere Pelerinen abziehen, da wir sonst ins Schwitzen kommen und der Regen sowieso aufgehört hat.

wir halten uns an die Höchstgeschwindigkeit

Inzwischen ist das Strässchen nur noch ein Feldweg und dann kommt eine der Tafeln, die signalisiert, dass hier 100km/h Höchstgeschwindigkeit zählt. Die Iren sind da aber sehr optimistisch, erstens ist es hier unmöglich, schneller wie 50 zu fahren, zweitens werden hier sicher keine Radarkontrollen gemacht, und drittens hat es auf der Insel gar kein Auto, das so eine Geschwindigkeit erreichen kann. Es hat nämlich nur «Schrottkarren» hier, die man auf dem Festland wahrscheinlich gar nicht mehr fahren darf. Die Einwohner sind hier unter sich, wenn es überhaupt welche hat. Wir sehen ungefähr zwei Häuser, wo wir vermuten, dass überhaupt jemand darin lebt.

Wir finden es eine geniale Insel, auch als wir am Schluss mit unseren Fahrrädern nur noch über Wanderwege fahre. Und dann ganz am Ende kommt die Sonne hervor und aus dem Nichts ein Jogger. Er beginnt sofort mit schwatzen und da in der Gegend jeder jeden kennt, weiss er schon, dass wir wahrscheinlich der Besuch aus der Schweiz bei Carina und Marc sind. Wir sollen ihnen einen Gruss sagen und dann verschwindet der Jogger wieder, wir wissen weder seinen Namen noch sonst etwas.

Wir schauen auf die kleinen vorgelagerten Inseln, sehen einen verfallenen und einen relativ neuen Leuchtturm und machen uns dann bei immer schönerem Wetter wieder auf den Rückweg.

Als wir wieder bei der Bahn ankommen und auch schön die Höchstgeschwindigkeit nicht überschreiten, startet tatsächlich die Schwebebahn auf der anderen Seite und kommt in langsamer Fahrt rüber auf die Insel.

Und dann taucht plötzlich der Jogger mit Werkzeug bei uns auf, spricht von super Timing und fährt mit uns wieder auf das Festland rüber, mit uns ununterbrochen schwatzend. Nun kennen wir fast die ganze Geschichte von den Wikingern bis zu den Engländern und die letzte Sichtung der Titanic vom Land aus fand auch hier statt.

Als wir uns dann verabschieden, stehen auf dieser Seite zwei irische Motorradfahrer, die an einem Töff einen Platten haben und eine Luftpumpe suchen. Da man hier kein Handynetzt hat, rasen wir mit den Fahrädern zu Marc, der lädt seinen Luftkompressor ins Auto und rettet so auch diese zwei Motorradfahrer. Ist hier auf dem äussersten Zipfel ganz normal, dass man eben hilft.

Gaelic Football Champion

Inzwischen wurde es schon 18 Uhr und wir sind zum Abendessen wieder bei Carina eingeladen. Als wir das Haus betreten, steht ein riesiger Pokal auf dem Küchentisch, Nischa der jüngste Spross, wurde heute mit seinem Team als Kapitän Schulmeister im Gaelic Football von Westkork (Neben Hurling die populärste Sportart in Irland, eine Mischung von Rugby, Fussball). Eine riesen Nummer für diese kleine Schule hier. Ist ja klar, dass wir dies gebührend feiern müssen und darum nach Allihies fahren und ein Pub besuchen. Nachdem wir im ersten Pub alle anwesenden kennen, gibt es eine Tür nebenan noch ein zweites Pub und dann zwei Häuser weiter auch noch ein Drittes. Und so wurde es eben dann sehr spät und der Abend klang in unserem Wohnmobil bei Whisky dann ziemlich viel später aus.

vor dem ersten Pub war es noch hell

Die Fahrt mit der Seilbahn war ein Erlebnis, Dursy Island ist wunderschön und viel grösser wie angenommen. Entweder nimmt man bei schönem Wetter auf der Insel das einzige Taxi und lässt sich bis zum Ende fahren und marschiert zurück (falls der Taxifahrer Zeit hat und im Dienst ist) oder man nimmt bei schlechten Wetter seine Fahrräder mit. Aber ein Besuch ist diese Insel allemal wert, auch wenn es keine Möglichkeit für eine Einkehr oder einen Wetterschutz hat. 


Übernachtung

Garinish - Beara Joinery ***
Irland, Stellplatz
einfacher Stellplatz, noch keine WC-Entsorgung, aber Wasser. Platz für drei Womos
Koordinaten: 51.60988, -10.12742
N 51° 36' 35.6"  E -10° 7' 38.7"
letzter Besuch: 6.2019

Neuer Stellplatz und Mini-Leuchtturm bei Mizen-Head 24.5.2019

Wir kriegen eine neue Familie und einen neuen Stellplatz, fahren nun aber trotzdem wieder weiter.

Es ist elendig früh heute um 9 Uhr, als ich schon Betrieb in der Schreinerei höre. Nach nicht mal sechs Stunden schlaf quäle ich mich aus dem Bett und schaue nach, was Marc denn um diese Zeit schon macht, schliesslich kehrten wir gemeinsam von der Pub-Besichtigung heim.

Er hat doch echt schon einen kleinen Briefkasten gezimmert. Wow, das ging ja schnell, mein Bruder hat mich zwar gewarnt, dass die Iren sehr spontan sind (er nennt es nicht strukturiert) aber dass es grad so schnell geht, hätte ich mir auch nicht gedacht.

unterer Stellplatz

Marc und ich haben in den letzten Tagen oft über einen Stellplatz auf Lambs Head diskutiert. Parkplätze sind hier Mangelware, ebene sowiso, dazu ist beim Parkplatz der Seilbahn «no overnight camping» um den Einheimischen nicht die letzten Parkplätze zu nehmen. Mit dem Wohnmobil in der Gegend zu übernachten, geht mit legalen Mitteln eigentlich nicht. Warum bei Marc die ebenen Flächen nicht für Wohnmobile zur Verfügung stellen? Und da ich im Womo noch ein schönes Womoschild habe und ihm geschenkt hatte, war die Idee dann in der Bierrunde schnell gefasst: Wir richten bei ihm vor der Schreinerei in Wohnmobilstellplatz ein. Eben, mit frischem Wasser und Top Meersicht! Keine zwei Km von der Luftseilbahn und Dursey Island entfernt.

Lage Stellplatz

Und jetzt prangt von der Strasse gut sichtbar eine Womotafel an der Wand und darunter ein kleiner Briefkasten mit den Instruktionen und Telefonnummer. 10€ die Nacht, Platz für 2 – 3 Womos inkl. Wasser. Die Toilettenentsorgung ist noch nicht gemacht, wird aber auch noch kommen. Die Idee geht nämlich noch weiter: Es müssen zuerst aber noch ein paar Landbesitzabklärungen gemacht werden (es ist hier am Ende der Welt noch nicht ganz klar, wem welches Land rechtlich gehört) und sobald dieses abgeschlossen ist, gäbe es Platz für einen tollen Womoplatz für 5 – 10 Wohnmobile mit Strom, Wasser und Entsorgung, herrlicher Meersicht und himmlischer Ruhe. Dazu Tipps und eventuelle Tourenführungen von Carina, die hier die Gegend seit ihrer Kindheit kennt.

neue Familie inkl. Grosmutter und Hund auf dem oberen Stellplatz

Das ist doch was, dann hätten wir Wohnmobilisten auch in diesem Zipfel aussen eine tolle Übernachtungsmöglichkeit und die einheimischen einen kleinen Zusatzverdienst. Ich halte euch auf dem Laufenden… Ach ja, wenn jeder Wohnmobilist alle fünf Jahre nur jemand überzeugt, einen Stellplatz zu schaffen, hätten wir überall genug Übernachtungsmöglichkeiten…

Koordinaten: 51.609892, -10.127353

Durch die Schaffung eines neuen Stellplatzes und den erhalt einer neuen Familie inklusive Grossmutter und Hund, verzögert sich unsere Abfahrt bis nachmittags. Aber dann sind wir wieder unterwegs, wir wollen zum Mizen Head, dem südlichsten Punkt Irlands, am nördlichsten und westlichsten waren wir ja schon. Unterwegs kaufen wir noch ein beim echten Wollshop in Glengarriff am heutigen Markt in Bantry, dazu essen wir die besten Krabbenbrötchen von Irland in Crookhaven, alles Tipps von Carina (danke, nochmals, voll in Schwarze getroffen). Dann nach 122km Fahrt kommen wir Ende Nachmittag auf dem Parkplatz von Mizen Head an.

Mizen Head

Es ist der südlichste Punkt Irlands, der nicht auf einer Insel liegt und ich erwarte hier einen tollen Leuchtturm. Der Parkplatz und die Sicht übers Meer ist schon mal sehr gut. Im kleinen Besucherzentrum muss man dann 7.50 € Eintritt bezahlen und kann dem Besucherweg Richtung Klippen folgen. Es gibt eine tolle Brücke, die zum Leuchtturm führt und auch drei Aussichtsplattformen, wo man die Brücke von oben und unten, und auch eine super spektakuläre Sicht auf die Klippen hat. Nur den Leuchtturm sehen wir noch nicht. Ist der wieder unsichtbar oder etwa durchsichtig?

Brücke zum Mizen Head

Als wir dann bei den Leuchtturmgebäuden sind wird alles sehr schön erklärt, im «Überwachungszimmer» hat man eine tolle Aussicht über das Meer nur der Leuchtturm ist eigentlich gar keiner, sondern einfach eine Lampe auf Stelzen. Da ist ja Anita noch grösser! Aber da es hier so steile Klippen hat und die Gebäude so hoch oben sind, mussten sie hier gar keinen Turm mehr bauen! Schade, ich hätte hier noch einen wuchtigen Turm hingebaut, dass man das Leuchtfeuer noch viel weiter sehen könnte! Oder wenigstens für die Touristen ein Türmlein von mindestens 5m Höhe, aber einfach nichts. So wird es nichts mit einem spektakulären Leuchtturmfoto heute. Aber Mizen Head ist trotzdem einen Besuch wert.

Und da wir nun alleine auf dem grossen Parkplatz sind, entschliessen wir, gleich hier zu übernachten. Denn wir haben schon Pläne, wie es weiter geht und wenn alles mit dem Wetter klappt, sehen wir auf dieser Reise noch den spektakulärsten Leuchtturm von ganz Irland!


Übernachtung

Mizen Head - Parkplatz ****
Irland, frei
problemlos mit super Meersicht
Koordinaten: 51.45227, -9.808752
N 51° 27' 8.2"  E -9° 48' 31.5"
letzter Besuch: 5.2019

Eisenbahnbrücke, Altar und Speck-Zigarre 25.5.2019

Ein paar Irrtümer bei den irren Iren und kein Diesel mehr.

Wir haben heute nur eine kurze Tagesetappe vor uns, nicht mal ganz 60 km, vom Mini-Leuchtturm bei Mizen Head zum Bootsableger des Super-Leuchturm Fastnet Rock. Allerdings kann auch diese Fahrt zum Abenteuer werden, wenn wir mit leuchtender Warnlampe der Tankanzeige schon losfahren und auf dem Display des Bordcomputer Reichweite ---- angegeben wird. Und die nächste Tankstelle 33km entfernt ist. Aber gestern hat der Computer doch noch eine Reichweite von 55km angezeigt, dann müsste dies doch zu schaffen sein, wenn der Diesel über Nacht nicht weniger geworden ist. Diesel verdunstet im Gegensatz zu Benzin doch nicht, oder?

Na egal, wir fahren nicht ganz so entspannt los und hoffen einfach mal dass es reicht. Im allerschlimmsten Fall hätten wir ja noch die Fahrräder und einen Kanister wäre schnell gekauft. 

Tuama Dingeach na hAltóra

Nach 18 km sehen wir einen schönen Parkplatz mit wunderbarer Aussicht auf das Meer. Klar doch, dass wir da mal stoppen und dann sehen wir ein Schild zu einem Altar. Also besichtigen wir diesen 4000 Jahre alten Altar auch noch grad. Allerdings ist es nicht ein Altar, sondern ein Meghaliten Keilgrab aus der Gegend von Altar, auf irisch «Tuama Dingeach na hAltóra». Dass wir keinen Altar besichtig haben, merken wir allerdings erst beim Blog schreiben. Aber da wir noch nicht wussten, dass es sich um keinen Altar handelte, haben ich im Stillen doch noch ein Stossgebet gegen den Himmel gerichtet, dass unser Diesel bitte noch bis zur nächsten Tankstelle reichen soll. Es ist wunderschönt hier, zum Teil aber auch vom Wetter begünstigt, da wir blauen Himmel haben.

Dann endlich, nach 33km fahren wir durch Ballydehob, wo es endlich eine Tankstelle haben soll. Sie ist dermassen gerammelt voll, dass wir mit unserem Knutschi keine Möglichkeiten haben, auf den Platz zu fahren, also muss ich 100m weiter und dort rechts in eine Strasse, um zu wenden. Schnell sehe ich da einen perfekten Platz, aber dahinter noch eine perfektere Brücke! Das Tanken kann jetzt warten, wir steigen aus und bestaunen die alte Eisenbahnbrücke. Die Geleise sind zwar nicht mehr dort, dafür kann man zu Fuss über und unter der Brücke einen Spaziergang machen. Es gibt sogar noch extra einen künstlichen Steg durch das Meer, so dass man die Brücke wirklich toll sieht. Und dazu hat es auf der Meeresseite noch einen Parkplatz, wo zwei Womos idyllisch genächtigt haben. Kein schlechter Platz, den wir uns merken, falls wir nichts finden. Ich finde, das ist wirklich eine tolle Brücke die man unbedingt besichtigen sollte, wenn man hier durchfährt.

Die Fotos haben wir im Kasten, aber immer noch kein Diesel. Also wieder zurück zur Tankstelle und dieses mal ist sie leer, so dass ich mit unserem Knutschi problemlos Platz finde und 109l Diesel tanke. Das sollte nun reichen bis wir dann wieder in Frankreich ankommen.

Nun fahren wir die restlichen Km bis nach Baltimor an den Hafen. Vor dem Hafen rechts finden wir einen perfekten Parkplatz, laden unsere Räder ab und fahren zum Hafen. Ich habe nämlich über Internet endlich eine Fahrt zum Fastnet Rock Lighthous buchen können, einem auf Bilder grandiosem Leuchtturm mitten im Meer auf einer ganz kleinen Felseninsel. Die Bootsfahrt ist aber erst morgen, heute will ich die Gegend auskundschaften, nicht dass wir noch das Schiff verpassen. Es gibt momentan wöchentlich nur gerade eine einzige Fahrt dorthin, und die will ich unbedingt kriegen. Es sieht alles ziemlich easy aus und in der Ferne sehen wir dann eine weisse, grosse Zigarre senkrecht auf einem Felsen über das Meer ragen. Was könnte denn das sein?

eben keine Speck-Zigarre


Also mit den Fahrrädern ungefähr diese Richtung einschlagen und schon wenige Kilometer später stehen wir bei diesem Turm hoch über dem Meer. Angeschrieben ist er als «Der Speck» (The Beacon). Was es wohl mit dem Namen auf sich hat? Auch egal, wir geniessen die tolle Aussicht auf die gesamte Bucht, wo gerade eine Segelregatta mit alten Segelschiffen stattfindet. Es sieht toll aus!

Jetzt während dem Schreiben des Blog merke ich, dass Beacon nicht Speck heisst, sondern Leuchtfeuer. Na ja, ist auch etwas logischer, wenn dieser Turm Leuchtfeuer Zigarre heisst wie Speck-Zigarre.

Aussicht von der Leuchtfeuer-Zigarre


Wieder beim Knutschi zurück diskutieren wir, wie es weitergehen soll. Hier auf dem nicht eben romantischen Parkplatz den Nachmittag verbringen, ins Dorf zur Segelregatta und ein Guinness trinken oder irgendwie weiter? Auf der Karte sehen wir nicht weit von hier einen Strand mit einem grossen Parkplatz davor. Wäre doch sicher besser wie hier im Wohnquartier, wo wir jetzt stehen. Also fahren wir die 15km nach Tragumna. Unterwegs sehen wir noch einen schönen, grünen Stellplatz und merken ihn uns auch vor. An der Beach sitzen wir dann auf der Mauer, sehen zu, wie einige Iren im kalten Wasser schwimmen und die Kinder am Sandstrand Burgen bauen. Aber irgendwie haut es uns nicht vom Hocker, wir haben schon viel zu schöne Orte gesehen und sind darum irgendwie viel zu verwöhnt.

erholen vom Urlaub

Anita und ich schauen uns stumm an und beide denken zu diesem Zeitpunkt das Gleiche: Lass uns zum schönen Stellplatz zurückfahren, dort unser Knutschi parkieren, die Stühle hervornehmen, an die Sonne sitzen und einfach nur warten, bis es Abend wird.

Gedacht getan, und nur 20 Minuten später sitzen wir auf dem Hideaway Caravan Park vor dem Knutschi, werden braun und geniessen das Leben. Für das Abendessen kocht dann Anita mit Spaghetti Bolognaise endlich wieder mal ein typisches Schweizer Gericht ;-)


Übernachtung

Skibbereen - Hideaway Caravan Park ****
Irland, Stellplatz

Koordinaten: 51.54161, -9.259443
N 51° 32' 29.8"  E -9° 15' 34"
letzter Besuch: 5.2019

Abwasch in der Womoküche 26.5.2019

Wie bei uns ein ganz normaler Küchenalltag im Womo aussieht

Gestern war bei uns ein normaler Irland-Reisetag mit vier Zwischenstopps und abends etwas relaxen. Erster Zwischenstopp: «Wart mal schnell, ich mach mir ein Kaffee». Zweiter Zwischenstopp: «Wart mal, ich muss mir noch einen Kaffee machen». Dritter Zwischenstopp: «sollen wir etwas kleines Essen?» Vierter Zwischenstopp: «ich mach mir schnell einen Kaffee».

Und als wir dann endlich auf dem Stellplatz ankommen und draussen sitzen: «ich mach uns mal schnell ein Plättchen…»

In der Zwischenzeit wurde alles angebrauchte Geschirr in der Spüle zwischengelagert, macht ja auch Sinn. Dann schreibe ich den gestrigen Blogeintrag und Anita kocht feine Spaghetti Bolognaise, mit viel Fleisch und Tomatensauce. Da wir Zeit haben, köchelt diese feine Sauce eine Stunde vor sich hin (die erste Viertelstunde ohne Deckel, so dass alles um die Pfannen schön verspritzt ist).

Das Essen ist aber fantastisch, da gibt es nichts auszusetzen.

Nach dem Essen türmt sich das Geschirr in der gesamten Küche, Ablage, Kochfeld, Spüle. Und mein Schatz: «Nicht so schlimm, ich mach das. - Ohh, wir haben gar kein heisses Wasser! Aber ich schalt den Boiler an und lege mich mal aufs Bett, bis das Wasser heiss ist».

Nach einer Stunde kocht das Wasser schon lange im Boiler, meine Holde liegt aber immer noch im Bett und das Geschirr türmt sich überall bergeweise.

Ok, verstanden, ich mache heute freundlicherweise den Abwasch. Also beginne ich ganz logisch: heisses Wasser einfüllen, Spülmittel dazu, und dann kommen zuerst das einigermassen sauberen Geschirr an die Reihe: Weingläser und Besteck. Als die Tropfablage voll ist, kommt meine Holde Kunigunde und sagt: «Ich helfe dir abtrocknen, mache mir aber vorher noch einen Tee» (bei Kaffee kann sie danach nicht mehr schlafen).

auch das noch

In der Zwischenzeit habe ich so viel abgetrocknet, dass ich weiter abwaschen kann. Nun kommt das dreckige Geschirr und die Pfannen mit der Sauce. Und während ich das abgewaschene Geschirr auf die Abtropfplattform lege, nimmt meine Holde das Abtrocktuch und das erste Geschirrstück in die Hand und legt es mir wieder ins Abwaschwasser «Hier ist noch Tomatensauce dran» und ich beginne von vorne. Und dann endlich, als ich nach gefühlten Stunden fertig bin tönt es wieder: «Halt, hier hat es noch einen Becher, und schaue mal in den Backofen, dort sollte noch das Blech von gestern drin sein!» Mann, endet das denn nie? Und als endlich, endlich alles fertig ist und glänzt, meint meine Holde: «Wow, das ging heute aber schnell und leicht. Wenn man zu zweit ist, geht es viel besser». Ich verdrehe die Augen sage nichts und denke: Morgen gehen wir wieder Fish and Chips essen, gibt viel weniger Arbeit…

geschafft

Anmerkung: eventuell sind bei einigen Passagen die Namen vertauscht, aber nur bei wenigen…

Während ihr das liesst, sind wir unterwegs zur Bootsfahrt zum Leuchtturm Fastnet Rock, dem imposanten Leuchtturm Irlands weit draussen im Meer. Mehr darüber aber erst am Abend.


Fastnet Rock Lighthouse 26.5.2019

Hochs und Tiefs liegen 5m auseinander.

Wenn man uns später fragt, wie der heutige Tag war, die verschiedenen Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein.

  • Ich: absolut genial, nicht wiederholbar.
  • Anita: absoluter Horror!

Schuld waren die 5m zwischen einem Wellental und einem Wellenberg. Und wenn man da mit einem Boot unterwegs ist, das genau zwei Stockwerke gross ist, sind 5m ungeheuer viel. Auf der unteren Etage beim Bug vorne hätte man nur mit der Badehose stehen können und auf der zweiten Etage habe ich dann meine Regenjacke montiert. Aber die Sonne schien und der Himmel war blau. Aber eben, die Wellen treffen beim Leuchtturm nach 3000km seit Neufundland das erste Mal auf Felsen. Auf jenes Stück Fels, das die irischen Auswanderer auf der Titanic als letztes von ihrer Heimat sahen.

der letzte Anblick der Passagiere der Titanic vom letzten Flecken Irland

Der Leuchtturm ist übrigens gigantisch, er steht auf der Seite des Felsen, der gegen den Atlantik schaut und dass dieses Bauwerk der Naturgewalten trotzen kann, wurde er aus massiven Marmorblöcken gebaut, wo jeder in den andern verkeilt wurde. Mit normalen Maurerarbeiten hätte dieser Wegweiser nicht lange überlebt.

Morgens waren wir pünktlich beim Pier und wir wussten irgendwie nicht, wie das Ganze ablaufen würde. Aber das wusste der Kapitän da auch noch nicht, denn es war nur klar, dass wir sicher bis zur Insel Cope Clear Island kommen würden, denn unser Boot war die fahrplanmässige Fähre für die Einheimischen. Danach müsse man schauen, wie es mit dem Wellengang aussehe, er wolle ja nicht, dass die Leute sein Schiff verkotzen und keiner den Leuchtturm geniessen kann.

auf der Insel

Nach einer Stunde Fahrt mit ziemlich Wellengang lud er die Passagiere auf der Insel aus, die Leuchtturmenthusiasten sollen Punkt 15 Uhr wieder hier am Hafen sein. Wir hatten also drei Stunden Zeit, die Insel zu erkunden. Da Anita und ich die Fahrräder auf das Boot nahmen, waren wir jetzt auf der Insel im Vorteil. Allerdings sind die Strassen dort so steil, dass man fast rauf und runter das Rad schieben müsste und bis zum kleinen Museum könnte man problemlos auch zu Fuss gehen. Am Hafen hat es übrigens ein kleines Beizchen und eine kleine Einkaufsmöglichkeit, sonst nichts. Das Museum des Leuchtturms ist klein, aber super gemacht. Uns hat es gefallen. Wir genossen am Hafen die Sonne und fütterten Joe an, um ein tolles Foto schiessen zu können.

Joe

Um 15 Uhr trafen sich dann ein paar Unerschrockene mit Fotoapparaten am Pier ein, darunter, man staune, auch Anita. Der Rest ist schnell erzählt: eine Stunde hinaus zum Leuchtturm, zwei Umrundungen, eine Stunde nach Hause.

  • Die Fotografen und ich: absolut begeistert, die beste Bootsfahrt ever, und ein Wahnsinns Eindruck vom Leuchtturm
  • Anita und ein paar Andere: der absolute Horror, und wo gibt es noch mehr Kotztüten? Leuchtturm, nie gesehen!

Jetzt sitzen wir im Womo, Anita ist nur noch bleich und nicht mehr blaugrün im Gesicht, so dass wir wahrscheinlich grad hier in Baltimore übernachten und nicht wie geplant, noch etwas weiter fahren.

später war Anita da nicht mehr alleine

Diese Fahrten zum Leuchtturm Fastnet Rock finden unregelmässig statt, jetzt im ganzen Mai gab es nur gerade zwei Fahrten. Normalerweise eine Fahrt sonntags, aber auch die werden häufig wegen dem Wetter und Wellengang abgesagt. Hat man also die Möglichkeit, diesen Leuchtturm von nahem zu bestaunen, unbedingt wahrnehmen. War einer der Höhepunkte, dieser Irlandreise!


Übernachtung

Baltimore - Parkplatz ***
Irland, Parkplatz
einfacher Parkplatz
Koordinaten: 51.48649, -9.369079
N 51° 29' 11.4"  E -9° 22' 8.7"
letzter Besuch: 5.2019

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