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Dingle Irland 2019
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Reisebericht

Wir schwitzen 3.9.2022

Hoch Temperatur Gegend

Nach einer sehr geruhsamen Nacht an einem wunderschönen Ort erwachen wir heute bei leicht bedecktem Himmel. Die Laune ist spitzenmässig, auch wenn wir wissen, dass wir nun noch ein paar Kilometer auf dieser furchtbaren Strasse vor uns haben. Dann sind wir auf der Ringstrasse, der grössten und besten ausgebauten Strasse in Island. Wir folgen dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke und sind uns das ruhige dahingleiten gar nicht mehr gewohnt. In Island gibt es nur drei Geschwindigkeitsbeschränkungen: 50km in Überbautem Gebiet, 90km/h auf asphaltierten Strassen und 80 km/h auch Schotterpisten.

Krafla-Krater, Leirhnjúkur und Dusche

Wir fahren also mit 90 km/h 30km Richtung Myvatn-See, dann setzen wir den Blinker und biegen rechts ab Richtung Krafla. Irgendwie sind wir noch die einzigen, die samstags um 9 Uhr auf den Strassen Islands unterwegs sind.

Wir fahren 4km bis wir bei der Endlos-Dusche in der Pampa sind. Eine Dusche, bei der 365 Tage 24 Stunden immer warmes Wasser herausläuft. Ist ja klar, dass wir da auch parken müssen und ein paar Fotos schiessen. Und dann kommt das Gefühl über uns, dass wir dringend eine Dusche nötig hätten. Also ziehe ich mich kurzentschlossen aus und geniesse eine ausgiebige, heisse Dusche in der Natur. Während ich dann nach langer Zeit so richtig schön sauber bin, überkommt Anita plötzlich auch noch das Duschenmüssen-Gefühl.

Die Dusche wird aus dem Abwasser des Kraftwerkes gespiessen, wir vergeuden hier also keine Energie.

Nachdem wir sauber und angezogen sind, fahren wir weiter Richtung Krafla-Krater, parkieren unser Knutschi und ziehen die Wanderschuhe an. Wir wollen auf den Krater und oben rund herum, merken aber bald, dass der Parkplatz quasi schon auf dem Krater ist und wir keine 100m laufen müssen. Der See im Krater ist super schön blau, aber irgendwie sind wir das erste mal nicht ganz so himmelhochjauchzend. So wirklich spektakulär ist es nicht, da haben wir uns etwas mehr vorgestellt. Aber immerhin schwitzen wir das erste Mal, denn es wird immer wärmer.

Nach dem Kratersee fahren wir 2km und parken auf dem Parkplatz von Leirhnjúkur, einem Lavafeld und Hochtemperaturgebiet. Nach einem Kilometer Fussmarsch brodelt es aus dem Boden, Schwefelduft in der Luft und ein prächtiges Farbenspiel. Es ist echt eindrücklich, wir klettern über erstarrte Lava und überall dampft es aus dem Boden. Frieren müssen wir nicht, wir können einfach vor so einem Dampfausgang stehen bleiben und die heissen Temperaturen geniessen. Was aber ebenso eindrücklich ist, sind die schwarzen Lavaströme von einem vergangenen Vulkanausbruch. Es sieht aus wie ein schwarzer Gletscher. Wir finden diese Lavafelder sensationell.

Hverarönd

Als wir dann wieder beim Knutschi sind fahren wir auf die Ringstrasse zurück und sehen einen Parkplatz mit vielen Autos drauf. Also muss da etwas los sein und wir fahren da natürlich auch hin. Es ist der Parkplatz von Hverarönd, wo es wieder aus der Erde zischt, dampft und blubbert. Es ist echt eindrücklich, welche Kraft die Natur hat, wenn sie hier mit Hochdruck Dampf aus dem Boden presst, und das mit einem ziemlichen Getöse. In anderen Becken blubbert heisser Schlamm seit tausenden von Jahren.

Hier hat es zum ersten Mal ziemlich Touristen, das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Auch bezahlen wir zum ersten Mal einen Eintritt für eine Sehenswürdigkeit, das heisst, wir müssen den Parkplatz bezahlen, ca. 5.- CHF. Es fiel uns bisher gar nicht auf, dass wir eigentlich überall kostenlos waren, sogar für den Campingplatz heute Morgen haben wir nur 14.- bezahlt. Die anderen waren um die 25.-. Soooo teuer ist Island bisher überhaupt nicht.

Als wir genug von blubbernden Schlammlöchern und Duft von faulen Eiern haben, fahren wir wieder nur wenige Kilometer weiter. Jetzt ist Erholung angesagt.

Myvatn Natur-Bad

Wir stoppen beim Jarðböðin við Mývatn, einem Naturbad, das ähnlich wie die Blaue Lagune auf Island sein soll. Da wir die Blaue Lagune nicht kennen, können wir keinen Vergleich ziehen, aber hier ist es sensationell. Wir bezahlen ca. 40.- Eintritt pro Person und sind dann im Umkleideraum. Dort muss man sich zuerst ohne Badehosen gründlich waschen, genau nach Anleitung und mit Seife: Kopf, Achseln, Hände, Intimbereich und Füsse, danach darf man die Badehosen anziehen und kann ins Bad (ist in Island übrigens bei jedem Bad so Vorschrift).

Das Wasser ist hellblau und 41 Grad warm, tolle Aussicht in die Umgebung bis zum Myvatn-See. Einfach nur toll! Wir genehmigen uns einen Drink direkt vom Wasser aus.

Da wir viele badende Gäste sehen, die mit Handy und Fotoapparaten trotz Fotoverbot im Bad Bilder schiessen und keine Aufsichtsperson etwas sagt, entschliessen wir uns, auch unseren Fotoapparat zu holen. Allerdings haben wir da die Drinks schon leer…

Kurz gesagt: ein Aufenthalt in diesem Bad ist ein Muss! Wir sitzen mehr wie zwei Stunden im warmen Wasser, je nach Aufenthaltsort im Becken ist es etwas kälter oder wärmer.

Als wir wieder bei unserem Knutschi sind, merken wir, dass wir kein Portemonnaie mehr haben. Da beginne ich nun wirklich zu schwitzen, suche und gehe schliesslich zur Reception des Bades. Wie wir denn heissen, meint die Dame nur und schon zückt sie mein Portemonnaie unter der Theke hervor und erstattet es mir zurück. Mir fällt ein Stein vom Herzen und ich bin froh, im Land mit der tiefsten Kriminalität in Europa unterwegs zu sein…

Nun geht es etwa 6km weiter auf den nächsten Campingplatz mit toller Sicht auf den Myvatn-See. Übersetzt heisst das übrigens Mückensee, es soll da Millionen von Mücken haben. Aber jetzt im September schwirrt hin und wieder mal eine vorbei, aber echt, stören tut es nicht. Und übrigens: in Island gibt es keine Mücken, die stechen! Es sind also eher so kleine Fliegen. An alle, die uns vor diesen in Schwärmen auftretenden Mücken gewarnt haben: uns geht es gut und wir sind sehr entspannt. Also keine Panikmache.

Ach ja, wir sitzen jetzt vor dem Womo bei 22 Grad und blicken auf den See mit dutzenden kleinen Inseln.

Übernachtung

Reykjahlíð - Hlíð ferðaþjónusta ****
Island, Camping
tolle Sicht auf den See
Koordinaten: 65.64957, -16.91892
N 65° 38' 58.5"  E -16° 55' 8.1"
letzter Besuch: 9.2022

Nordosten Islands im Video 4.9.2022

Eindrücke in bewegten Bildern

Überwältigt 4.9.2022

Göngur, Réttir, Útsýnisflug und Goðafoss

Uns gehen die Superlativen aus! Was soll ich überhaupt noch schreiben?

Der Tag beginnt mit blaustem von blauem Himmel, ohne Wolken, ohne Wind. Solche Tage wird es in Island nur wenige geben, vermuten wir mal.

Kurz nach dem Aufstehen wird mit Pferden, Fussvolk und Motocrossmaschinen eine Schafherde vom Hochland mitten durch den Campingplatz direkt vor unserem Womo durchgejagt. Es ist nämlich Göngur: immer Anfangs September werden alle Schafe vom Hochland von den Bauern gemeinsam zusammen getrieben und in ein vorher festgelegtes Gehege getrieben. Heute ist schon der vierte und letzte Tag, denn in wenigen Stunden beginnt das Réttir. Das wissen wir aber in diesem Moment noch nicht, aber dort werden dann die Schafe anhand ihrer Ohrenmarke in das jeweilige Gatter des Besitzers und von dort entweder mit Schafanhänger oder zu Fuss nach Hause in den Stall getrieben.

Island-Rundflug

Wir bleiben aber im Womo sitzen, Anita backt ihr feines Brot fertig und danach Frühstücken wir ausgiebig und geniessen die Sonne. Und da nun so tolles Wetter ist, schauen Anita und ich uns in die Augen und entschliessen spontan, zum Flugfeld hinter dem Campingplatz zu fahren. Vielleicht gibt es von dort einen Rundflug?

über dem Myvatnsee

Keine Stunde später sitzen wir mit Guðni als Pilot in einem kleinen, alten Propellerflugzeug und heben ab. Wir fliegen über den Myvatn-See und über ein Rettir, wo die Schafe sortiert werden. Rundherum alle Bauern, die ihre Schafe verladen.

Danach geht es in der Luft über kilometerlange Lavafelder, dutzende Krater bis zum Askjy Vulkansee, über Gletscher und dann zum Herðubreið, dem Göttersitz von Odin und Königin der isländischen Berge. Er ragt über 1000m aus seiner Umgebung hervor. Die letzten 10 Minuten dieser Strecke steuert übrigens Anita das Flugzeug, der Pilot will man Pause machen. Komisch, dass wir am Schluss dann doch den vollen Preis bezahlen müssen, obwohl wir viel selber geflogen sind…

Anita als Pilotin

Der Flug ist ein absoluter Hammer, auch die warmen Felder mitten im grossen Gletscher sehen atemberaubend aus. Nach rund 90 Minuten sind wir wieder sicher auf dem Flughafen mit einer ziemlich holprigen Piste. So ein Flug bei schönstem Wetter ist unbedingt zu empfehlen, das macht man ja im Leben wahrscheinlich nur einmal und von daher sind die 820 CHF gut zu verkraften. Wir sind echt froh, haben wir dieses Geld an so einem schönen Tag investiert, auch wenn es nun die nächsten paar Tage nur noch Servelathäute zu essen gibt…

Wir sind so überwältig, als wir zurück beim Knutschi sind, dass wir uns zuerst mal eine Stunde erholen und die Eindrücke verarbeiten müssen. Unsere geplante Wanderung auf den Hverfjall-Krater lassen wir sausen. Schliesslich haben wir ihn schon von oben und allen Seiten gesehen…

Heisses Gebiet mitten im Gletscher

Godafoss 

Als wir dann fähig sind weiter zu fahren, entschliessen wir uns direkt auf der 1 zu bleiben und die 50km zum Godafoss zu fahren. Mehr Eindrücke einzusammeln liegt einfach nicht drin…

Bei immer noch blauem Himmel und über 20 Grad (!) kommen wir beim göttlichen Wasserfall an und machen zuerst mal ein paar Bilder. Und da wir gleich ein Schild zu einem Campingplatz (na ja, eher ein Parkplatz, wo übernachten erlaubt ist) sehen, entschliessen wir uns direkt, hier zu bleiben. Es ist zwar erst Anfangs Nachmittag, aber so können wir die Sonne geniessen und unsere Eindrücke noch immer verarbeiten.

Godafoss

Und es hat noch einen weiteren Grund: Gestern und heute Nacht sind Nordlichter vorhergesagt, gestern konnten wir sie wegen Wolken nicht sehen aber wenn das Wetter so bleibt, haben wir in der kommenden Nacht eine grosse Chance, welche zu sehen. Man stelle sich ein Foto vor: im Vordergrund der mächtige Wasserfall, im Hintergrund die Nordlichter!

Übernachtung

Fossholl - Guesthouse ***
Island, Stellplatz
nur ein Parkplatz
Koordinaten: 65.68494, -17.53744
N 65° 41' 5.8"  E -17° 32' 14.8"
letzter Besuch: 9.2022

Von Planung und Glück 5.9.2022

Nordlichter, Wale und vieles Andere

Wir sind schon Glückskinder, das darf man zweifellos sagen. Allerdings muss man auch sehen, dass ein ganz klein wenig auch Planung dazugehört. Beispiel diese Islandreise. Wir wussten dank Polarvorhersage-App schon etwa vier Tage zum Voraus, dass Samstag und Sonntag gute Chancen bestehen, intensive Polarlichter zu sichten. Das isländische Wetterapp versprach ab Sonntag auf unserer ungefähren Reise bestes Wetter, also mussten wir den Sonntagabend so planen, dass wir an einem möglichst dunklen Ort sein werden. Was bietet sich da besseres an, wie der Guldifoss? Keine Ortschaft in der Umgebung und ein Übernachtungsplatz fussläufig entfernt. Also mussten wir die letzten Tage unsere Kilometerzahl in ungefähr diesem Ziel anpassen.

Sonntag schönstes Wetter, noch viel Zeit bis abends, also suchen wir den Campingplazt am Myvatn-See so aus, dass wir mal zu Fuss zum Flugfeld laufen können, um abzuklären, was man von dort aus machen kann. Gemäss der Webseite des dortigen Reiseanbieters würde um 10 Uhr ein Flugzeug für einen Rundflug starten. Also müssen wir doch schon um 9 Uhr dort sein, um auch danach zu fragen…

Es ist also nicht ganz alles Zufall. Auch die Endlosdusche bei Krafla kann man sich ja denken, dass nachmittags da echt was los sein wird, also planen wir so, dass wir da um 9 Uhr und ganz alleine sind…

Aber für Spontanität muss immer Zeit bleiben. Als Dolores und Andreas uns zu Beginn der Reise von einem heissen Wasserfall vorgeschwärmt haben, konnten wir so umplanen, dass wir eben dort auch hinfahren. Und den Wasserfall konnten wir auch nur besuchen, weil wir unsere Bikes dabei hatten, obwohl alle Islandfahrer uns geraten haben, lasst die Velos zu Hause, die braucht ihr nicht. Den eigenen Kopf und eigene Ideen eben trotzdem verfolgen…

Zurück zu den Nordlichtern. Da reicht es eben auch nicht, nur schnell ein paar Handyfotos zu machen, denn wenn es dunkel ist, ist eine gute Fotoausrüstung eben Gold wert. Dabei ist wichtig, dass der Fotoapparat eben auch im dunkeln bedient und die richtigen Einstellungen betätigen werden kann. Ebenso braucht man ein stabiles Stativ, denn ohne ist es auch nicht möglich. Dazu standen wir mehr wie zwei Stunden in der nächtlichen, feuchten Kälte und warteten. Den Standort für die Fotos haben wir am Nachmittag schon auskundschaftet, denn ihn im Dunkeln zu suchen, nützt auch nichts mehr.

Darum, etwas vorausdenken gehört für uns zu einer tollen Reise eben auch dazu.

So haben wir heute auch wenige Kilometer zurückgelegt im Hintergrund, das schöne Wetter auszunützen. Denn um 13:30 Uhr würde ein Wal-Watching-Tour in Hauganes stattfinden. Also planen wir die heutige Strecke so, dass wir spätestens um 12:30 Uhr dort ankommen.

So und nun zum Blogeintrag.

Nachdem wir gestern bis 2 Uhr nachts draussen standen, Nordlichter bestaunten, fotografierten aber noch mehr dieses Naturphänomen bewunderten, sind wir glücklich, erschöpft und durchfroren in unsere warmen Betten gestiegen. Es war phänomal, zum Teil war der ganze Himmel grün, oder mindestens genau über unserem Womo. Stundelang waren sie am Himmel, so, dass wir irgendwann doch ins Womo sind…

Heute fuhren wir dann weiter Richtung Akureyri, der grössten Stadt im Norden. Leider verpassen wir den Abzweiger auf die Bergstrasse und finden uns im 7km langen Tunnel wieder. 7km keine Aussicht, völlig ungewohnt. Und danach fahren wir wieder völlig ungewohnt in eine Stadt! Häuser, Strassen und Verkehrsampeln! Die ersten, die wir auf Island sehen! Und das Rotlicht ist überall jeweils ein Herzchen! Wahrscheinlich weltweit die einzigen sympathischen Rotlichter!

Bei einem grossen Einkaufszentrum stoppen wir auf dem Parkplatz und wollen einkaufen. Es ist 9:30 Uhr und alle Läden sind noch geschlossen. Perfekt um nach dem Rundflug viel Geld zu sparen, Anita kann nämlich nichts kaufen…  Also warten wir und kaufen Lebensmittel ein. Die Peperonis lassen wir aber sein, zwei kosten über 10 Stutz! Aber endlich finden wir Wasserflaschen mit Kohlensäure. Aber im Gestell haben sie nur 4 Einheiten, also kaufen wir die vier Flaschen, was anscheinend hier ziemlich aussergewöhnlich ist. Normales Wasser kauft man hier nicht, überall kann man Wasser aus den Leitungen trinken, aber Wasser mit Kohlensäure kauft man anscheinend auch nicht. Denn an der Kasse macht uns die Kassiererin noch extra darauf aufmerksam, dass dies dann Wasser mit Kohlensäure sei…

Walwatching

Danach fahren wir einige Kilometer dem Meer entlang nach Haugenens, parkieren dort auf dem Campingplatz mit Meersicht und marschieren zum Walwatching-Touranbieter. 10 Minuten später haben wir gebucht und müssen um 13 Uhr wieder dort sein.

Pünktlich sind wir zur Stelle, bekommen alte Sicherheitsanzüge der norwegischen Küstenwache, und dann warten wir mit diesen Mondanzügen vor dem Walfängerboot, sorry, Walbeobachtungsboot. Gut gefüllt legt es ab Richtung Meer, dachten wir. Haugenes liegt am gössten Fjord von Island und um die Wale zu beobachten, müssen wir keine 500m fahren, und schon schnauft der erste in der Nähe unseres Bootes. Wow, und schon habe ich die erste Schwanzflossenwalfoto, von dem ich seit Jahren träume, im Kasten! War das einfach!

Wir sind absolut begeistert, merken aber, dass es doch nicht ganz so einfach ist, nahe an die Wale zu kommen. Ihr verhalten ist aber einfach zu durchschauen, sie tauchen vier Mal alle ca. 30 Sekunden auf um Luft zu holen und beim fünften Mal machen sie den Tauchgang, wo dann eben die Schwanzflosse so in die Luft geht. Danach sind sie vier bis fünf Minuten auf Tauchgang, bevor sie wieder auftauchen und das Spiel von neuem beginnt.

Wir sehen in diesen zwei Stunden auf einem ruhigen Fjord sicher 10 verschiedene Wale, machen Fotos und geniessen so eine Schwanzflosse auch mal, ohne durch den Fotoapparat zu gucken. Einige sind mehrere hundert Meter weg, andere in rund 50m Entfernung. Eindrücklich und unbedingt ein Muss! Am meisten Freude hat Anita, vor allem, weil man nicht wie befürchtet auf das offene Meer fahren muss sondern im sicheren, ruhigen Fjord bleibt. Noch ein Tipp zum Schluss: ganz vorne am Boot ist der beste Platz, weil man auf beide Seiten sieht. Die Wahlbeobachtungsboote fahren die Wale immer von hinten an, weil man dann die Schwanzflosse beim beginnenden Tauchgang am besten sieht…

Der Hafen liegt nur 100m vom Campingplatz entfernt, also sind wir schnell bei unserem Knutschi. Nach einem feinen Vesperplättli stürzen wir uns in unsere Bademäntel und machen die drei HotTube und das umfunktionierte Segelboot direkt am Meeresufer unsicher. Das Wasser ist mit 40 Grad herrlich warm und wir geniessen gleichzeitig den Ausblick aufs Meer. Wale sehen wir aber keine mehr.

Wir haben unsere Dusche im Womo noch nie so wenig gebraucht, wie auf dieser Reise. Aber man sollte sich den hiesigen Bräuchen anpassen und diese Badekultur verinnerlichen. Ich beneide die Isländer darum, auch wenn wir nun diese HotTube direkt am Meer für uns alleine hatten…

Übernachtung

Haugenes - Camping ***
Island, Camping
100m von heissen HotPots direkt am Meer
Koordinaten: 65.92345, -18.30636
N 65° 55' 24.5"  E -18° 18' 22.9"
letzter Besuch: 9.2022

Der Weg ist das Ziel 6.9.2022

Und die Strasse der Star

Wir schlafen heute aus und machen es wie die Isländer: vor 9 Uhr läuft gar nichts. So wie auf der Insel bisher, alle Geschäfte frühestens um 10 Uhr geöffnet, die Bäder um 12, also warum sollen wir pressieren? Aber der Hauptgrund ist ein andere: wir haben in der letzten Woche so viele Eindrücke in unseren Köpfen, dass wir regelrecht kaputt und müde sind. Ok, es fehlt auch noch etwas Schlaf von den Nordlichtern, genug Grund, es heute gemächlich anzugehen. Auch wissen wir noch nicht wirklich, bis wohin wir fahren werden, entscheiden wir unterwegs, je nach Lust und Laune.

Wir fahren durch Dalvik und dann vor Ólafsfjörður stecken wir plötzlich in einem 3 Kilometer langen Tunnel, der nur einspurig ist. Alle 100m kommt eine Ausweichstelle für den Gegenverkehr, allerdings sind wir die, die ausweichen müssen. Und es ist im Tunnel ziemlich schwierig, die entgegenkommenden Lichter richtig einzuschätzen, Geschwindigkeit und Distanz, gar nicht so einfach. Aber wir kommen gut durch und nehmen vor dem nächsten langen Tunnel die Passstrasse über die Berge.

Lagheiði

Wir sind alleine unterwegs, es ist eine Schotterstrasse durch eine wunderschöne Gegend mit vielen Bachläufen und kleinen Seen. Irgendwann packen wir noch unsere kleine Drohne aus und lassen sie automatisch unserem Womo folgen. Es gibt spektakuläre Bilder und wir sind froh, haben wir sie uns noch vor der Reise gekauft, auch wenn es doch einige Franken waren (ca. 1050.- die Dij Mini 3 pro). Für Drohnen ist Island ein super Land und wir lassen sie uns ein paar Mal folgen. So ganz ohne Verkehr und ohne Bäume und andere Hindernisse ist es eben doch etwas einfacher wie in der Schweiz.

Nach dem wunderschönen Pässchen Lagheiði, die Strasse heisst Ólafsfjörðarvegur (82), sind wir wieder am Meer und machen bei einem Picknickplatz Rast. Obwohl gerade Mittag ist, tischen wir uns unser Frühstück auf und geniessen die Sonne und den prächtigen Ausblick. Wir haben wieder ein grosses Wetterglück.

Nachdem wir gestärkt sind, fahren wir weiter bis Hofsós und stoppen kurz beim Pool mit Meerblick. Irgendwie haben wir aber keine Lust, zu baden und hier zu campieren. Wir entschliessen uns, einfach weiter zu fahren und sind 10 Minuten später in dichtem Nebel. Von wo kommt der denn nun so plötzlich her? Jetzt schätzen wir unser Wetterglück erst recht, wenn man die ganze Reise nur diesen nebligen Ausblick hätte? Wegen dem Nebel entschliessen wir uns, das Meer zu verlassen und ins Landesinnere zu fahren. Weniger Kilometer später verzieht sich der Nebel so plötzlich wie er gekommen ist und wir fahren wieder bei Sonnenschein auf die Ringstrasse.

Strasse 35

20 Kilometer später wollen wir die 35 doch probieren. Es ist eine Hochlandstrasse, die bis vor kurzen noch F 35 hiess, also nur für geländegängige Fahrzeuge war. Alle Wegweiser sind noch nicht getauscht, es prangt immer noch das F auf den gelben Schildern. Aber auf der Webseite des offiziellen isländischen Strassendienst ist es ganz klar nur noch als 35 angeschrieben. Die Webseite ist übrigens für jeden Womofahrer in Island ziemlich wichtig, road.is, dort sind jeweils die neusten Strassensperrungen und der Strassenzustand von fast jeder Strasse in Island vermerkt. Die 35 ist aktuell grün und also problemlos zu fahren.

Schon bald rumpelt es unter uns auf der Schotterpiste, dann kommt wieder einige Kilometer asphaltiert, bevor es dann endgültig ins Nirgendwo führt. Mondlandschaft mit vielen Seen, einfach fantastisch.

Dazwischen geraten wir in ein grosses Schafzusammentreiben, wo uns hunderte Schafe auf dieser Schotterpiste entgegenkommen. Ist das ein grosses Geblöcke und zuhinterst dann die Schaftreiber auf ihren Island-Pferden.

Wir fahren 80km auf dieser Schotterpiste 35, die gar nicht sooo schlecht ist. Nur die letzten 8 Kilometer sind ziemlich deftig, da geht es nur noch mit 20 km/h weiter.

Schliesslich kommen wir gut in Hveravellir an, einem weiteren Hochgeothermal-Gebiet, denn es brodelt und kocht wieder rund um den Parkplatz. Und einen Hot-Pot mit naturheissem Wasser gibt es natürlich auch.

Wir nehmen es aber mit der Ruhe und erholen uns ein wenig an der schönen Abendsonne. Die Gegend machen wir dann morgen unsicher.

Übernachtung

Hveravellir - Mountain Cafe ****
Island, Stellplatz
WC, Duschen, keine normale Entsorgung
Koordinaten: 64.86666, -19.55270
N 64° 51' 60"  E -19° 33' 9.8"
letzter Besuch: 9.2022

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