Im Hochland
Der heutige Tag beginnt mitten in der Nacht, Uhrzeit weiss ich nicht mehr. Aber während ich mich in meinem tiefen Schönheitsschlaf befinde, schreit Anita neben mir plötzlich: «Nordlichter!». Also schiesse ich wie ein Pfeil auf, ziehe Socken an, die Berghosen direkt über das Pyjama, Jacke auch darüber, warme Mütze, Fotoapparat (Stativ steht schon bereit) und ab nach draussen in die Kälte.
Wir schliefen extra ohne Verdunkelung der Dachhaube, damit wir allenfals Nordlichter sehen könnten. Allerdings schlief ich nach wenigen Minuten tief und fest…
Draussen wieder ein fantastisches Spektakel. Quer über den Himmel genau so eine tanzende, wellendes Nordlichtspektakel, und wirklich in starkem Grün. Wir geniessen den Ausblick und den Moment. Das Ganze dauert leider nur etwa 5 Minuten und dann zog plötzlich der Dunst über uns und alles schimmerte nur noch leicht grün, um wenige Minuten später ganz zu verschwinden.
Fotos habe ich nur zwei brauchbare und mein anvisierter Film wäre super gewesen, aber ich habe den falschen Knopf gedrückt und so ist gar ncihts drauf. Von wegen Beherrschung des Fotoapparates…
Danach steigen wir wieder in unser Bett und schlafen wie die Murmeltiere. Morgens werden wir schon wieder mit Sonne und blauem Himmel geweckt, aber im Knutschi ist es nur gerade 7 Grad. Anita bleibt also noch etwas unter der warmen Decke bis die Heizung etwas Wärme spendet.
Ich mache ein kleiner Rundgang und entdecke, dass der natürliche HotPot, um diese Zeit menschenleer ist. Also zurück zum Womo, Anita mit einem warmen Bad ködern und so laufen wir in Badehosen und Morgenmantel die 100m bis zu dieser natürlichen Badewanne auf 650m Höhe.
Wir sind ganz alleine, das Becken ist gerade so tief, dass man noch stehen kann, rechts wird mit zwei Leitungen kaltes Wasser zugeführt, links kommt die Leitung mit richtig heissem Wasser.
Weiter oben brodelt, zischt und kocht es überall im Boden. Es ist ein Hochtemperaturgebiet im Nirgendwo, absolut faszinierend. Es gibt hier heisses Wasser bis zur Genüge. Was muss das ein Gefühl sein, im Winter von einer Schneetöfftour hierher zu kommen und sich dann im heissen Becken aufzuwärmen.
Wir sitzen schlussendlich zwei Stunden im Wasser, lernen Sonja und HP kennen, die als gravel-traveller.ch unterwegs sind und fröhnen der isländischen Kultur: baden und News austauschen.
Gegen Mittag leert sich dann der Parkplatz und der Campingplatz, das heisst, ein Parkplatz zum übernachten. Weil es aber so schön ist und inzwischen 25 Grad warm, entschliessen wir, einfach hier zu bleiben und uns zu erholen.
Es gibt nämlich ein kleines Restaurant und kleine Container, wo man auch Übernachtungskoyen mieten kann, vor allem für die Zelter und Dachzeltler, die es hier schon recht häufig hat. Bei diesem tollen Wetter ist es aber wahrscheinlich ein weniger gutes Geschäft.
Wir machen dann noch einen Spaziergang durch das fauchende Gebiet, schiessen Fotos und sind fasziniert, wie einfach kochendes Wasser aus dem Boden läuft. Wenn wir ein Netzchen dabei hätten, könnten wir hier unsere 3-Minuten Eier machen, ohne Gas zu brauchen…
Nun sitzen wir vor dem Womo, geniessen die nicht selbstverständliche Wärme, und planen unsere Tour um. Wir könnten von hier auch direkt über die Hochlandpiste zum Geysir Strukkur, und dann von dort wieder Richtung Norden auf in die Westfjorde. Oder, oder, oder. Aber schliessliche packen wir unsere Wanderschuhe und erkunden die nähere Umgebung mit Sicht auf die beiden Gletscher Langjökull und Hofsjökull.
Der heutige Reiseruhetag tut uns richtig gut.
...verarscht uns immer wieder
Die dritte Nacht in Folge sahen wir Nordlichter. Dieses Mal schauten wir aber nur zu unserem Schlafzimmerfenster hinaus und machten ein paar Fotos aus der Hand. Wir genossen das Schauspiel von Auge, ohne es gross für die Nachwelt zu erhalten. Aber es ist einfach Fantstisch, was die Natur zu Stande bringt.
Dann am Morgen tröpfelt es plötzlich auf unser Womodach. Eigentlich ist der Regen doch erst für Nachmittag angesagt… Wir packen zusammen und fahren um 8 Uhr schon los. Wir haben 80km Schotterpiste vor uns und wenn es da regnet, könnte es auch noch Schlammlöcher geben, also besser früh dran wie zu spät.
Wir fahren nun die Hochlandstrasse 35 entgegen dem ursprünglichen Plan nun doch gegen Süden weiter. Der Regen hört auf, bevor er richtig begann, dafür rumpelt die Strasse so richtig deftig. Wir fahren mit 20km/h und nach zwei Stunden Fahrt haben wir erst 40km hinter uns, erst die Hälfte. Die Schotterpiste ist nach unseren Infos 80km lang. Wir geniessen es trotzdem, denn wir sind praktisch allein unterwegs, einmal müssen wir sogar ein Bach durchqueren, sieht aber spektakulärer aus, wie es ist. Dann nach genau 75km haben wir es hinter uns und kommen endlich wieder auf die asphaltierte Strasse. 5km früher wie gerechnet, aber es ist eine Wohltat. Es rüttelt nichts mehr und wir können wieder auf die Tube drücken, die Kilometer fliegen nur so an uns vorbei.
Schon kurze Zeit später fahren wir auf den Parkplatz des Gullfoss, einem der bekanntesten Wasserfälle Island. Dieser liegt auf dem Golden Circle, der bekanntesten Reiseroute Island. Diese Route ist 300km lang und startet in Reykjavik, also fast alle Touristen, die mit dem Flugzeug nach Island fliegen, fahren diese Strecke, die an sehr vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Kein Wunder also, dass der Parkplatz mit Reisebussen übersät ist und viele PW’s hier stehen. Wir haben dies gewusst, sind uns die Menschenmassen aber nicht mehr wirklich gewöhnt. Von der Einöde kommend und grad wieder auf 100% Tourismus. Wobei man sagen muss, wäre dieser Wasserfall in der Schweiz, würde es doppelt so viele Infrastruktur haben, doppelt so viele Touristen hier sein und viel Eintritt kosten. Hier ist auch diese Sehenswürdigkeit kostenlos, sogar das Parken.
Die paar wenige Meter zum Wasserfall nehmen wir natürlich unter die Füsse und er ist wirklich eindrücklich. In zwei Stufen fällt er in eine Schlucht, diese zwei Stufen stehen in einem 90 Grad-Winkel zueinander, das Fotografieren ist also ziemlich schwierig und er ist in Wirklichkeit viel Eindrücklicher wie auf jedem Foto.
Nach dem wir uns satt gesehen haben, inspizieren wir den Souvenirladen. Es gibt ganz tolle isländische gestrickte Waren, aber Achtung, es gibt auch isländische Strickwaren Made in China… Also das Etikett sehr gut lesen. Wir genehmigen uns im Restaurant noch einen Zmittag, haben wir nun doch Zeit.
Später fahren wir die 10km weiter zum Strokkur, dem aktuell grössten Geysir auf Island. Der grosse Geysir, der gleich daneben lag und allen anderen Geysiren seinen Namen lieh, bricht nicht mehr aus und ist jetzt nur noch ein friedlich brodelndes heisses Wasserloch.
Zurück zum Butterfass (Übersetzung von Strokkur), überall steht, dass er regelmässig alle 10 Minuten ausbricht, uns verarscht er aber nun immer wieder. Ersten bricht er manchmal schon nach fünf Minuten wieder aus, manchmal zweimal kurz hintereinander, manchmal 3m hoch und dann wieder 20m.
Die Leute (und wir) stehen um das wabbelnde Wasserloch und nach 5 Minuten ist jeweils Totenstille und alle warten wie gebannt, wann die blaue Blase erscheint und das Wasser bruchteile von Sekunden später in die Höhe schiesst. Man kann dann ein «jetzt» rufen, und viele Fotoapparate klicken, obwohl noch gar nichts passiert… Und dann, wenn dann die Wasserfontaine hochschiesst, ist man doch nicht bereit. Anita und ich haben es ziemlich lustig, bis wir endlich Fotos und Filme haben… Anita hat einmal sogar einen Doppelausbruch auf Film, manchmal aber auch nur Füsse oder gar nix. Es ist wirklich Eindrücklich und es macht Spass, die Spannung in der Luft zu spüren und nie genau zu wissen, wann er nun kommt und wann nicht.
endlich, Sekundenbruchteile vor dem Ausbruch
Wir sind über eine Stunde dort und erleben dutzende von Ausbrüchen mit. Ein bisschen Erbarmen haben wir mit den Mitgliedern einer Reisegruppe, die gerade mal 20 Minuten Zeit haben, diesen Geysir zu bewundern und schon wieder auf den Bus müssen, bevor sie ein schlaues Foto machen konnten.
Nachdem wir uns satt gesehen haben, fahren wir 50km weiter zum Þingvellir Nationalpark und stoppen beim Campingplatz Syðri Leirar (Nicht der bei der Hauptstrasse, sondern nach dem Abzweiger links). Es ist wunderschön hier, auf einer grossen Wiese mitten in der Natur, quasi frei stehen! Auf dem grossen Naturgelände sind wir heute nur vier Fahrzeuge! Na gut, erfahrungsgemäss kommen dann gegen 19 Uhr und vor dem Eindunkeln noch einige Jeeps, Lieferwagen mit Dachzelten und andere Zeltler…
Über und unter Wasser
Wir erwachen im Þingvellir Nationalpark und es schifft, schifft so richtig was der Himmel runter bringt. Also was machen? Die neuen Regenhosen anziehen und unsere Regemäntel. Sogar unser Fotoapparat bekommt sein Regenmäntelchen. Endlich können wir mal unsere Sachen auf Dichtigkeit prüfen, schliesslich haben wir uns auch auf Regen eingestellt.
Wir sind hier genau auf oder zwischen den Kontinentalplatten von Eurasien und Amerika. Diese Platten entfernen sich voneinander und ziehen sich durch ganz Island. Darum gibt es hier auch immer wieder Vulkanausbrüche und Erdbeben. Im Þingvellir Nationalpark sieht man diese Schlucht zwischen den auseinanderdriftenden Platten besonders gut. Der Graben wird jedes Jahr 7mm breiter und 1mm tiefer.
rechts Eurasische Platte, links Amerika
Dazu ist hier quasi das Rütli von Island. Alle wichtigen Entscheide von Island werden seit dem Jahr 930 hier in dieser Schlucht gefällt. Vom ganzen Land strömten die Bauernführer nach einem genauen Ritual hierhin und entschieden am Althing über Gesetze, Recht und Unrecht. Der Ort hier war ideal, Weideland für die Pferde und genügend Brenn- und Bauholz für die rund 4000 Menschen, die jeweils dem Althing beiwohnten (10% der damaligen Bevölkerung). Es wurde übrigens extra ein Fluss so umgeleitet, dass dieser in die Schlucht führte und so genügend Trinkwasser bereitstellte. Der Wasserfall Öxarárfoss zeugt noch heute von dieser Umleitung.
Am 17. Juni 1944 wurde übrigens die Republik Island ebenfalls hier ausgerufen. Das ist dem heutigen Wetter aber so von egal, denn es schifft noch immer Bindfäden. Was kann man bei so einem Wetter machen? Und genau hier? Wir gehen schnorcheln… Wenn wir schon nass sind, kommt es grad auch nicht mehr drauf an.
Schorcheln kann man hier in der Silfra-Spalte, eben genau zwischen diesen Kontinentalplatten in dem Teil, der unter Wasser liegt. Das Wasser kommt vom 60km entfernten Gletscher Langjökull und wird Jahrzehntelang unterirdisch im Lavagestein gefiltert, bis es hier in dieser Spalte wieder austritt. Es soll das klarste Wasser der Welt sein und eine Sicht von über 100m ermöglichen.
Also melden wir uns für eine Schnocheltour an. Weder Anita noch ich haben je geschnorchelt, und das in 2 Grad kaltem Wasser!!!
Also finden wir uns pünktlich vor 13 Uhr bei troll.is auf dem Parkplatz ein, lange Unterhosen, warme Socken und ein enganliegendes langärmliges Unterleibchen wurde gefordert. Dann können wir in einem Anhänger geschützt vom Regen ein dicker, zusammenhängender Traineranzug anziehen. Danach wird uns in ein Gummianzug geholfen, zuerst die Füsse und beine, dann der Oberkörper und Arme. Es ist eine ziemliche Prozedur bis wir bis zum Hals eingepackt sind. Dann stehen wir im strömenden Regen und hören den Instruktionen zu. Das Wasser läuft uns übers Gesicht und die Haare sind klitschnass. Danach können wir uns Handschuhe anziehen, eine Gummihaube über den Kopf und watscheln wie aufgeblasene Enten 100m zum Einstieg. Dort ziehen wir zuerst die Taucherbrille und Schnorchel über und dann noch die Flossen und steigen ins eiskalte Wasser. Das einzige was mit dem Wasser in Berührung kommt sind unsere Lippen und Teile vom Gesicht.
Sicht Anita
Wow, ist das cool, so schwebelos auf dem Wasser schwimmen, ohne etwas zu machen. Und das blaue Wasser, einfach fantastisch. Was sind das wohl für Algen? Wow, ist das tief unter mir und so schön dunkelblau! Die Taucherbrille ist wirklich dicht und ich könnte stundenlang so schweben. Richtig erholsam, still und ganz für mich alleine. Nicht mal kalte Hände habe ich. Mist, muss ich nun schon raus? Sind diese 40 Minuten im Wasser wirklich schon vorüber?
rechts Eurasische Platte, links Amerika
Sicht Rolf
Es ist erstaunlich warm im Anzug. Aber da ist soviel Luft drin, tauchen unmöglich, nur auf dem Bauch liegen oder dem Rücken, nicht mal stehen im Wasser ist möglich. Der Schnorchel im Mund gibt fast einen Brechreiz und mit diesen dicken Handschuhen, kann ich meinen wasserdichten Fotoapparat überhaupt nicht bedienen. Wo sind eigentlich die andern aus der Gruppe? Und vorwärts komme ich irgendwie auch nicht, fehlt mir eine Flosse? Die Taucherbrille ist erstaunlich dicht, kein Problem immerhin. Aber sehen tue ich ausser Felsen unter Wasser irgendwie auch nicht viel. Ziemlich karg. Irgendwo geht es doch links nach einem Felsen hat unser Guide gesagt. Wo ist das? Immerhin sehe ich nun meine Gruppe wieder und auch den Ausstieg. Soll ich grad dorthin schwimmen und raus oder blamiere ich mich? Na gut, dann warte ich halt noch. Uff, endlich wieder Boden unter den Flossen und an der frischen Luft.
Unsere Eindrücke sind also ziemlich unterschiedlich und ich bin froh, als wir nach dem ganzen Umziehen endlich wieder im Knutschi sind. Was übrigens toll ist bei dem Anbieter, wo wir waren (troll.is), dass man Unterwasserfotos kostenlos dazubekommt, bei anderen Anbietern muss man extra bezahlen. Denn von meinen Fotos war kein einziges brauchbar…
Es schifft noch immer und wir beschliessen, wieder Richtung Norden zu fahren, dort soll das Wetter besser sein. Als Abkürzung nehmen wir die 550 und danach die 52. Trotz Regen eine wunderschöne Fahrt durch eine wunderschöne Gegend, auch wenn 20km Schotterpiste folgt. Man kann sich unser Knutschi vorstellen bei diesen nassen Pisten, dreckig braun bis zum Rückspiegel hoch- Man könnte meinen, wir seien einen Schlammweg gefahren.
Wieder auf der Ringstrasse kommen wir dann schnell vorwärts, aber es kommt kein Campingplatz mehr. Wir müssen bis zum Beginn der Westfjorde fahren, bis wir wunderschön direkt am Meer stehen.
schöner Camping
Wir fahren dem schlechten Wetter davon. Der isländische Wetterdienst meldet im Norden besseres Wetter und da wir ja sowiso in die Westfjorde wollen, trifft sich das gut. Die Strassen sind zwischendurch perfekt apshaltiert, dann kommen wieder 20km Piste, abwechslungsreich. Sobald wir 100m vom Meer in die Berge kommen fahren wir in dichtem Nebel. Gar nicht so einfach auf einer Schotterpiste ohne Markierungen. Aber meist geht es nur über einen Hügel und hinten wieder hinunter und sobald wir auf Meereshöhe fahren, ist die Nebeldecke wieder über uns.
Nach 120km haben wir das gute Wetter erreicht und wir stoppen im ersten Dorf, das wir heute durchfahren. In Hólmavík gibt es eine Tankstelle und ein kleiner Supermarkt. Also tanken wir unser Knutschi voll (2.25 CHF für einen Liter Diesel, bei jeder Tankstelle haben die glaub die gleichen Preise) und da das Wetter nun definitiv besser wird, unser Knutschi braun bis zum Rückspiegel wie alle isländischen Fahrzeuge aussieht, waschen wir es gründlich. Bei jeder Tankstelle gibt es immer auch einen Waschplatz, wo man kostenlos sein Fahrzeug mit viel Wasser reinigen kann. Unser Womo hat es nun wirklich verdient. Als alles sauber ist, gehen wir einkaufen, uns fehlt vor allem Rahm und Mineralwasser mit Kohlensäure. Letzteres findet man aber ziemlich selten, auch hier werden wir nicht fündig. Aber wir füllen alle anderen Vorräte auch auf und so können wir vollgeladen weiter fahren.
Kurze Zeit später fahren wir von der Hauptstrasse rechts weg Richtung Drangsnes. Dort haben wir auf der Karte einen Campingplatz mit Meersicht gesehen und im Dorf soll es auch Hot-Tubs haben. Wir kommen gut dort an, installieren uns auf dem Camping, nehmen die Stühle heraus und machen es uns gemütlich. Aber irgendwie will keine so richtige Ferienstimmung aufkommen, es ist erst 14 Uhr und die Hot-Tubes sind 500m entfernt.
Anita macht plötzlich den Vorschlag, zum nächsten Camping zu fahren. Ersten haben wir noch Zeit, zweitens ist das Wetter dort noch besser und drittens hätten wir Lust, weiter zu fahren. Also packen wir wieder alles zusammen und machen uns fahrbereit. Eine Stunde Zwischenstopp und schon sind wir wieder unterwegs.
Allerdings sind es 100km bis zum nächsten Camping, aber dort soll es einen riesig grossen Hot-Tube geben. Und weil wir Zeit haben und das Wetter so eine wundervolle Stimmung hergibt, umrunden wir die kleine Halbinsel auch noch. Es lohnt sich bei dieser Wetterstimmung, die Strasse ist meistens aus Schotter, aber top Sicht auf das Meer. Danach geht es die Berge hoch und hinten wieder runter.
Die Zeit und die Strecke geht schnell vorüber bis wir dann in unserem Ziel in Reykjanes an. Das Hotel sieht aus wie eine verlassene Bauruine aus den 70er Jahren, ziemlich schrecklich aber hinter dem Hotel gibt es einen kleinen Campingplatz. Wunderbare Sicht auf den ganzen Fjord und jetzt bei windstillem, sonnigen Wetter, besser könnte man es nicht haben.
Im Hotel bezahlen wir den Platz und auch die Benützung des grossen Pools (5000 ISK). Dieser Pool sieht gut aus, über dem Meer und er ist riesig, sicher 40m lang und gefüllt mit warmen Geothermiewasser! Wir ziehen sofort unser Badehosen und Bademantel an und benützen den gesamten Pool für uns alleine. Es ist irgendwie traumhaft und wir geniessen es in vollen Zügen.
Später kommen noch zwei einheimische Familien mit den Kindern, während dem wir nach 90 Minuten völlig durchweicht sind vom ca. 39 Grad heissem Wasser.
Anita kocht uns nun im Knutschi unser Abendessen und wir überlegen uns, ob wir später beim Eindunkeln nochmals in den Pool sollen und die Nordlichter bestaunen können. Das wäre was, dann würden wir beim Warten nicht frieren.
Allerdings würde es mich nun echt wundernehmen, wie die Hotelzimmer in dieser Ruine sind. Auf Google hat das Restaurant-Essen vernichtende Kritiken, so sieht es von aussen aber auch aus. Wenn wir nicht auf dem schönen Camping wären, würden wir glaub weiterfahren. Aber irgendwie toll, auch so etwas mal zu erleben.
Staunen und geniessen
Der blaue und wolkenlose Himmel wirft unser ganzes heutiges Programm auf den Kopf. Wir haben geliebäugelt, vielleicht noch einen Tag hier zu bleiben und den riesigen Hot-Pot zu geniessen, aber bei diesem schönen Wetter? Und weil Sonntag ist, wollte Anita einen Zopf backen, aber bei diesem windstillen Wetter zieht es uns hinaus. Eigentlich wollten wir heute irgendwo unsere Kleider Waschen, aber bei blauem Himmel haben wir besseres zu tun.
Also starten wir mit einer kleinen Wanderung zum Gamla laugin, ein kleiner natürlicher warmer Weiher in der näheren Umgebung. Wir sind schnell dort, aber obwohl ganz heisses Wasser in den Teich fliesst, so richtig warm ist er nicht. Auch nicht tief, aber ganz schön und mit dem Meer im Hintergrund. Wir machen noch einige Fotos und laufen dann wieder zurück. Kurz vor dem Camping dampft es wieder aus dem Meer, also machen wir noch eine Schlaufe und schauen nach. Ein Schild macht uns darauf aufmerksam, dass heisses Wasser aus dem Rohr kommt. Anscheinend ist hier eine kleine Salzanlage, die aus Meerwasser und mit geothermischem heissem Wasser natürliches Salz gewonnen wird. Anita nimmt noch einen kleinen Salzkristall mit, der hier auf dem Abfall liegt. Sauber putzen und dann haben wir für die gesamte Reise unser Salz…
Und dann packen wir zusammen, nichts mit nochmals warmen Pool, nichts mit Zopf, uns zieht es bei diesem tollen Wetter einfach weiter. Wir fahren einen Fjord am andern, 20km entlang dem Fjord, hinten um die Ecke und auf der anderen Seite die 20km wieder nach vorne. Wir sehen die entgegenkommenden Autos schon eine Stunde vorher auf der entgegengelegenen Seite… Drei Fjorde müssen wir so abfahren und plötzlich ruft Anita: «halt mal schnell, da hat es Seehunde!» Sofort folgt ein kleiner Parkplatz und ein Fussweg zu einem Aussichtspunkt, der extra für die Beobachtung dieser Tiere gemacht wurde. Wir stehen mindestens eine halbe Stunde dort und beobachten diese Tiere. Allerdings wissen wir nicht, ob es wirklich Seehunde sind, aber Robben bestimmt. (Robben sind der Oberbegriff dieser Tierarten, Seehunde und Seelöwen sind also Robben).
Wir fahren weiter und staunen und staunen! Hinter jeder Kurve sieht es wieder fantastisch aus, tiefblaues Meer, blauer Himmel, Schneeberge und viele andere Berge und Hügel. Es ist einfach nur fantastisch! Und einmal mehr wird uns bewusst, wie privilegiert wir zwei leben können.
Irgendwann kommen wir in Ísafjörður an, einer riesigen Stadt mit knapp 2800 Einwohnern. Wir fahren ins Zentrum, parken unser Knutschi und merken, dass ein Einkaufszentrum auch am Sonntag geöffnet ist. Also rein, nur mal schauen. Und raus kommen wir mit einer ganzen Tasche voll Lebensmittel. Ich dachte, wir brauchen nichts?
Nach einem kurzen Rundgang durch das Städtchen und den Hafen fahren wir auf den 4km entfernten Campingplatz und richten uns ein.
Sofort sticht uns ein Wasserfall oberhalb ins Auge, also mit den Wanderschuhen und dem Fotoapparat den Berg hoch. Wir kraxeln hoch, schwitzen bei dieser Wärm (Schätzungsweise 25 Grad, das Thermometer gibt aber nur 13 an) und geniessen den absolut traumhaften Ausblick auf den Wasserfall, den Fjord, die Berge und das Städtchen. Und weiter oben kommt immer nochmals ein Wasserfall, so dass wir immer höher und höher geraten. Ich denke noch, von hier wäre es traumhaft, ein Bild mit den Polarlichtern aufnehmen. Kaum habe ich das gedacht sagt Anita: «denke ja nicht, dass ich dich im Dunkeln da hinaufkraxeln lasse, viel zu gefährlich!» Mist, hat sich das auch erledigt, aber genial wäre es schon…
Dann sind wir beim letzten Wasserfall und wollen schon wieder umdrehen, als ich noch ganz schnell nochmals 10m höher klettere. Und dann hat es mich fast aus den Socken: ein riesiger Parkplatz und eine tolle Strasse in ein Skigebiet. Es ist ein Langlaufzentrum, wie uns Einheimische später erklären.
Wenn wir jetzt mit dem Knutschi hier hinauf fahren würden und im Warmen auf die Nordlichter warten könnten und dann das ultimative Foto doch noch schiessen dürften?
Aber zuerst geht es zu Fuss alles nochmals hinunter. Wir sammeln auf dem Weg noch Blaubeeren, damit wir nicht verhungern und kommen gut beim Knutschi an. Diese Wanderung zum Bunárfoss lohnt sich auf jeden Fall aber die Fahrt zum Langlaufzentrum auch und ist erst noch bequemer.
Wir brechen auf dem Campingplatz nämlich doch wieder ab und fahren nun zum Dalirnir tveir – Ísafjörður Ski Resort hoch.
Hier sitzen wir nun im Warmen, geniessen die Aussicht und warten bis es Dunkel wird. Und dann hoffen wir auf die Polarlichter, Wahrscheinlichkeit gemäss App: 21%
unseres Reisestrecke