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Marokko 2017
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Reisebericht

Magie der Wasserfälle 21.9.2022

Seljalandsfoss, Gljúfrabúi, Skogafoss, Kvernufoss

Nach dem weder gestern noch heute Morgen der Vulkan ausgebrochen ist und keine glühende Lava spuckt, sind wir schon ein bisschen enttäuscht. Bisher hatten wir doch immer Glück…

Seljalandsfoss

So verlassen wir diese vulkanische Gegend und fahren weiter Richtung Süden. Wenn es keine heisse Lava gibt, schauen wir uns Wasserfälle an. Wir wissen auch, dass der Seljalandsfoss touristisch ist und es sicher viele Leute haben wird. Der Parkplatz ist um 10 Uhr wie erwartet schon fast voll, aber immerhin, die Zusatzparkplätze für die Hochsaison sind alle abgesperrt. Da wird im Sommer toll was los sein.

Wir ziehen uns regenfest an, Gummistiefel, Regenhosen und -Jacke, nicht weil es regnet, sondern wegen der Gischt der Wasserfälle. Und der Seljalandsfoss beeindruckt uns schon von der Ringstrasse aus, denn er ist 66m frei fallend. Und mit entsprechender Kleidung kann man hinter dem Wasserfall hindurchlaufen. Es ist echt eindrücklich und die Fotos werden toll. So viele Leute hat es gar nicht, wie wir im ersten Moment meinten. Noch toller wäre er in den Abendstunden, wenn die Sonne scheint und man sie von hinten durch den Wasserschleier sehen könnte. Aber heute ist graues Wetter angesagt, also nicht so schlimm, dass wir am Vormittag hier sind. Kurz: dieser Wasserfall muss man gesehen haben!

Seljalandsfoss von der Seite

Gljúfrabúi

Danach laufen wir mit den Gummistiefeln keine 10 Minuten zum Gljúfrabúi. Von Weitem sieht man nur den oberen Teil dieses Wasserfalles, denn er fällt in eine enge Schlucht, quasi eine Höhle, die oben offen ist. Hier hat es bedeutend weniger Leute, fast keine und das hat einen Grund: will man den Wasserfall in voller Pracht sehen, muss man 10m durch die Schlucht laufen, durch die das Wasser raus fliesst. Turnschuhe sind innerhalb kürzester Zeit durchnässt, Wanderschuhe, wenn man Glück hat, noch halbwegs trocken und die ganz Cleveren: Gummistiefel! Aber wer hat schon Gummistiefel im Gepäck, ausser jenen, die mit dem eigenen Womo in Island sind? Und darum sind wir bei unserem Besuch die einzigen, die trocken zum Wasserfall kommen und es ist der Hammer! Es verirrten sich nur etwa 5 Leute bis nach hinten und so können wir seelenruhig fotografieren und staunen! (siehe Titelbild).

Wer also in der Gegend ist, dieser Wasserfall muss man gesehen haben! Unbedingt Regenhosen und auch einen Regenschutz für den Fotoapparat mitnehmen, ebenso ein Tüchlein, um die Linse des Fotoapparates trocken zu wischen. Nach 10 Sekunden ist die Linse nass und vertropft…

Bis heute Morgen war der Dynandi unser Wasserfall Nr. 1, dann kam der Seljalandsfoss auf diese Position, der die Nr. 1 schon wieder an den Gljúfrabúi verliert. So schnell kann es gehen.

Wir sind absolut geflasht und können kaum glauben, was wir hier alles sehen.

Skogafoss

Später kommen wir trocken wieder bei unserem Knutschi an und fahren 30km weiter zu den nächsten Sehenswürdigkeiten. Auch hier am Skogafoss hat es viele Leute, und auch dieser ist sehr eindrücklich, 25m breit, 60m hoch und hinter dem Wasserfall soll noch immer ein Schatz vergraben liegen… Beim Skogafoss kann man praktisch unter den Wasserfall stehen, man kann wirklich sehr, sehr nahe ans fallende Wasser, wenn man dann die richtige Bekleidung hat (das Wasser ist sehr kalt, da es direkt vom Gletscher Eyjafjallajökull kommt).

Wir überlegen uns, ob wir hier auf dem rudimentären Camping bleiben sollen oder weiterfahren. Es hat ein bisschen viel Leute, romantisch wäre anders, so beschliessen wir noch auf den Parkplatz beim Kvernufoss zu fahren. Man könnte auch dorthin laufen, denn es sind nur 1,5km, wir hängen aber die Faulen raus. Man hätte auch noch die über 400 Stufen neben dem Skogafoss hinaufsteigen können und den Wasserfall von oben zu bestaunen. Und eine Wanderung dem Fluss oben entlang soll wunderschön sein. Aber eben, noch ist es eher grau und wandern macht doch nur Lust bei schönstem Wetter.

Kvernufoss

So laufen wir dann die 10 Minuten zum Kvernufoss und nach zwei Minuten, ohne dass wir den Wasserfall sehen, beginnen wir Fotos zu machen. Das kleine Tal ist magisch, man könnte Elfen, Trolle oder Hobbits hier vermuten, verwachsen mit Moos, blauer Bach, der es durchfliesst und tolle Felsformen. Es ist ein unglaublicher Spaziergang und mit jedem Meter wird es noch schöner und als dann der Wasserfall hinten auftaucht, bleibt uns die Spucke weg.

Wir fotografieren und laufen weiter, es hat noch wenige andere Leute hier, und alle machen ein Foto am anderen. Und ganz hinten am Wasserfall kann man ebenfalls hinten durch laufen. Ein absolutes Muss! Es ist sicher nicht der grösste Wasserfall, aber sicher einer der mystischen. Schon wieder eine Nr. 1? Wenn man die Gegend miteinbezieht, ja….

Als wir uns dann endlich wieder losreissen können, fotografieren wir auf dem Rückweg wahrscheinlich alle Felsen und Ansichten noch einmal, es ist einfach so schön!

Was sollen wir jetzt mache? Bei den Wasserfällen auf die Abendsonne warten? Wir entschliessen uns, direkt nach Vik auf den Campingplatz zu fahren, wir sind zu erledigt, als wir noch mehr Eindrücke aufnehmen könnten. Es sind wieder nur 30km und wenn das Wetter morgen wie vorausgesagt sonnig ist, sind wir ganz schnell nochmals bei all den Fosses und begehen diese eben nochmals!

Lava 22.9.2022

heiss, frisch, alt und kalt

Ich muss dringend meine Webseite umprogrammieren, nur von heute haben wir wieder so tolle Fotos und ich kann momentan doch nur fünf täglich online stellen. Dringender Handlungsbedarf.

Island ist einfach sensationell, vor allem wenn man blauen Himmel hat. So ein Wetter müssen wir ausnützen und kurz nach dem Erwachen sind wir schon mit usnerem E-Bikes unterwegs. Wir fahren steil berghoch zum Reynisfjall Observation Deck, einem Aussichtspunkt hoch über dem Ocean mit Sicht auf die Felsspitzen Reynisfjall. Wir können so von oben herab auf diese Felsspitzen, die aus dem Meer ragen hinunterschauen. Wir sind die einzigen, die es heute Morgen hier hochgeschafft haben, sind eben auch die einzigen mit MTB. Zu Fuss wäre dieser Weg ca. eine Stunde hin und eine zurück.

Wir geniessen die Ruhe und die Aussicht Richtung Vik zum schwarzen Strand hinunter. Fotos haben wir nun schon ganz tolle im Kasten, also rasen wir hinunter zum schwarzen Lavastrand.

Sicht von oben

Es ist schon eindrücklich, wie pechschwarz dieser Strand ist und mit den grossen, weissen Wellen und dem blauen Himmel ein fantastischer Kontrast. Dazu noch die knallgrünen, leuchtenden Berge. Wir können uns fast nicht satt sehen und sind über eine Stunde an diesem Strand unterwegs und staunen immer, wie schwarz der Sand ist.

Wieder zurück im Womo haben wir etwas Stunk mit der Campingplatz-Verwalterin. Sie hat unser Knutschi ausgesteckt und motzt uns an, dass wir nicht bezahlt hätten. Als ich ihr dann die Quittung zeige, die ganz korrekt hinter der Windschutzscheibe deponiert war, entschuldigt sie sich halbherzig und sagt, wir hätten noch genau 30 Minuten Zeit um den Platz zu verlasen, schliesslich sei um 12 Uhr Check-Out-Zeit ansonsten wir wieder für einen Tag bezahlen müssen. Wir sind noch die einzigen auf dem grossen Platz… Ich bin etwas angesäuert, zum einen finde ich gut, dass kontrolliert wird, zum anderen hätte es ja wirklich, aber wirklich niemand gestört, wenn wir noch eine halbe Stunde länger geblieben wären. So verlassen wir den Platz pünktlich und verwerfen die Option, nochmals eine Nacht hier zu bleiben.

Wir fahren 200m zum Einkaufszentrum und zum riesigen Laden von Icewear. Eigentlich würde ich gerne neue Berghosen kaufen, raus kommen wir dann mit einer neuen Jacke für Anita. Wen wunderts?

Wir haben noch etwas Zeit, denn um 13:30 haben wir uns im neuen Lavacenter für die Icelandic Lava Show angemeldet. Überpünktlich sind wir da und warten gespannt, was uns erwartet.

Wir sind gerade mal 10 Leute, als die Geologin uns im Raum empfängt und mit den Erklärungen beginnt. Es ist hochinteressant, leider verstehen wir nur etwa 50% der Ausführungen in Englisch, aber das ist unser Problem. Der Vulkan Katla ist einer der aktivsten auf der Welt und hatte in den letzten 1000 Jahren rund 20 Mal grosse Vulkanausbrüche. Der Letzte war 1918 und damit ist ein grosser Ausbruch bereits seit Jahren überfällig. Das Gefährliche daran: der Vulkan liegt unter dem Gletscher von rund 900m dickem Eis, bei einem Ausbruch ein hochexplosives Gemisch. Beim Ausbruch 1918 floss mehr Wasser durch die Ebene, wie die Flussmündung des Amazonas… Die Brücke der Ringstrasse, die wir heute etwas später überfahren, wurde seit 1950 schon zweimal weggespült. Vermutet wurden kleinere Ausbrüche unter dem Eis. Jeder Bewohner hat hier übrigens einen Notfallkoffer bereit, so dass er innerhalb 20 Minuten sein Haus verlassen und sich in Sicherheit begeben muss.

Wie war das, eine zweite Nacht hier bleiben? Wir fahren doch lieber weiter…

Ach ja, seit der Besiedelung Islands im Jahr 870 n.Chr. ist die Strandlinie wegen den Ausbrüchen und grossen Mengen Lava schon 5km weiter ins Meer verschoben worden.

Aber zurück zur Lavashow. Nach den Ausführungen fliesst wirklich heisse Lava über eine Sandschicht im Raum und es wird heiss. Obwohl es nur ein kleines Rinnsal ist, spürt man die Hitze enorm. Die Geologin zeigt dann mit einem Eisblock, was passiert, wenn Lava und Eis zusammen kommt, wie sich die Lava abkühlt und wie es diese Lavatunnels gibt. Extrem interessant und sehr eindrücklich. Am Schluss bekommen wir noch ein Stück Lava von der gestrigen Vorstellung, denn wir wollen uns die Hände ja nicht verbrennen, denn sie ist nun immer noch 400 Grad heiss, als wir den raum verlassen. Ein Papier auf der Oberfläche beginnt sofort zu brennen, dabei ist die Lava doch nur noch Schwarz und glüht gar nicht mehr…

Wir verlassen so Vik und fahren noch tief beeindruckt 10km zurück Parkplatz von Reynisfjara. Wir wollen die Felsspitzen auch noch von unten sehen.

Es hat ziemlich viele Autos und auch Busse darauf, aber es lohnt sich auch hier. Über dem schwarzen Strand bildeten sich graue, 6-eckige Säulen die mega cool aussehen. Solche gibt es auch in Nordirland und von daher wissen wir, dass sich solche 6-Ecke bilden, wenn sich heisse Lava sehr langsam abkühlt. Es ist ein toller Anblick hier und auch dieser Stopp lohnt sich.

Eigentlich wollten wir zu den Wasserfällen zurück und diese bei Sonne fotografieren. Aber mal ganz ehrlich: da wir weder Fotografen sind noch irgendwelches Geld mit Fotos verdienen, müssen wir das in unseren Ferien tun? Nein, entschieden wir und fahren weiter in die andere Richtung der Ringstrasse entlang.

Nun durchqueren wir die schier endlos grossen Lavaströme des Katlas zu verschiedenen Zeitperioden. Und es ist absolut der Hammer! Manchmal pechschwarz ohne Pflanzenbewuchs, danach wieder total vermoost oder gar mit Sträuchern bewachsen, manchmal ganz flach, manchmal mit Krater an Krater, manchmal mit Hügeln, manchmal mit bizarren Felsformationen. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn jetzt wissen wir, wie diese Hügel entstehen und wie die Lavahöhlen.

vermoostes, altes Lava

Wir fahren heute Abend glück, zufrieden und beeindruckt auf den Campingplatz in Skaftárhreppur

Ach ja, wir wissen jetzt auch, wie man den 2010 ausgebrochen Vulkan Eyjafjallajökull richtig ausspricht: Ejafiallajökud (mussten wir üben bei der Lavavorstellung).

Stress vor dem Sturm 23.9.2022

erledigt von so viel Schönheit

Um 6:30 Uhr klingelt heute der Wecker. Ich konnte Anita überzeugen, die Schlucht von Fjaðrárgljúfur  anzuschauen, bevor der Touristenstrom losgeht. So fahren wir dick eingepackt kurz nach Sonnenaufgang mit den MTB die 10km zum Beginn der Schlucht. Wir sind die einzigen Seelen, die sich um diese Uhrzeit hier herumtreiben. Der Himmel ist wolkenlos, aber die Sonne erreicht die Schlucht noch nicht. Diese ist aber der absolute Hammer, oben der Schlucht entlang, gibt es einen Wanderweg mit verschiedenen Aussichtspunkten. Und der ganz hinten ist der absolut schönste und bietet eine wirklich einmalige Aussicht. Wir schiessen Fotos und die Schlucht liegt in diesen Morgenstunden ein mystischer Licht, einfach toll. Da wir mit den Bikes hier sind, können wir nun zum hinteren Parkplatz fahren und dann die F-Strasse wieder zurück. So sparen wir Zeit und sind um halb 10 schon wieder bei unserem Knutschi.

Und dann beginnen Diskussionen um das nächste Ziel. Anita setzt sich schliesslich durch, sie will unbedingt noch die schwimmenden Eisblöcke im Meer sehen und das bei blauem Himmel. Eigentlich standen diese erst morgen auf dem Programm, aber das Wetter soll sich verschlechtern. Ich gebe ausnahmsweise zähneknirschend nach, denn ihre Argumente sind schon überzeugend.

Also packen wir rasch zusammen und machen uns auf den 120km langen Weg.

Vatnajökull

Das Wetter ist sensationell, knallblauer Himmel, die Gegend leuchten in allen Farben. Vor uns am Horizont begleitet uns der Vatnajökull, der grösste Gletscher Europas mit 3000 km3 Eis. Er sieht fantastisch aus, und immer wieder reicht eine Gletscherzunge ins Flachland oder gar ins Meer hinab. Dazwischen stoppen wir bei Wasserfällen und schönen Aussichten.

Den ersten längeren Halt machen wir beim Fjallsjökul, denn dort endet der Gletscher direkt am Gletschersee mit einigen Gletscherabbrüchen und so schwimmen schon dort kleine Eisberge im Wasser. Es sieht top aus, auch wenn das Wasser leider braun wie blau ist. Aber wir haben durch doch schon einige gute Fotos von schwimmenden Eisbergen.

Nun aber weiter die letzten Kilometer bis zum Jökulsárlón, einer grossen Lagune direkt vor dem Gletscher. DA werden wir zuerst mal erschlagen von den Menschenmassen, wir finden nämlich auf dem Parkplatz keinen freien Platz für unser Knutschi, also probieren wir es auf der andern Seite der Strasse beim schwarzen Strand. DA klappt es problemlos und weil wir nun auf der Meeresseite sind, schauen wir uns zuerst den Schwarzen Diamentenstrand an. Ich habe davon nicht viel erwartet und bin aber dann doch baff, wie schön es ist. Schwarzer Sand, darauf weisse und durchsichtige Eisblöcke, mal kleinere, mal grössere und etwas ausserhalb im Meer ziemlich viele Eisblöcke. Es sieht wirklich super aus! Aber es hat auch sehr viele Leute, und einige Instagrammer oder Influencer. Zuerst eine Inderin oder ähnlich, die in ihrem weissen Hochzeitskleid oder ähnlich, rücksichtslos sich überall vordrängt um mit ihrem iPhone Selfies zu schiessen. So lange, bis sie einen gewaltigen Schuh voll Wasser herauszieht, da sie nur auf ihr Aussehen statt auf die Wellen achtet. Danach ein amerikanischen Pärchen, das mit ihrer Drohne knapp über die Köpfe der anderen Leuten fliegen und unbedingt ein Foto von sich alleine machen wollen. Allerdings durchkreuzt die im Hochzeitskleid dauernd ihre Pläne und sie regen sich gewaltig auf. So dass sie noch näher ans Meer stehen, was allerdings definitv zu nahe ist, sie zieht zwei Schuhe voll Wasser heraus, er wird bis zu den Knieen nass und stürzt beinahe noch in die Welle. Wäre das ein Spass gewesen, wenn seine Drohnensteuerung im Wasser versunken und die Drohne abgestürzt wäre. Dann gibt es noch die, die mit den Plateauschuhen und den engsten Kleidern, die sich in immer wieder verschiedenste Posen für ihr Selfie wirft. Wir haben gar nicht gewusst, dass man auf so viele verschiedene Arten hinstehen kann. Wir schauen dem Treiben sicher eine halbe Stunde zu und haben echt unsere Freude. Anita lernt, wie man verschieden hinstehen könnte und ich weiss, dass ich nie und nimmer einen Instagrammer werden möchte. So idiotisch wie die sich aufführen! Und ich begreife nun alle Isländer, die genug von den Touristen haben!

Diamond Beach mit Influencerin ;-)

Als da alle nass sind, ausser die in den Plateauxschuhen, wechslen wir die Strassenseite und schauen uns die Lagune an mit den vielen, grossen und kleienn Eisbergen. Es ist wirklich irgendwie wieder magisch und total schön. Zwischen den Eisbergen schwimmen auch viele Robben und jagen nach Fischen. Schnell sind wieder ganz viele Fotos gemacht bis wir in einem kleinen Restaurant einen Hot-Dog essen und dann wieder dem Hochzeitskleid zuschauen, das inzwischen auch die Strassenseite gewechselt hat.

Im Meer draussen hat nun die Flut eingesetzt und viele Eisblöcke, die vorher ins Meer getrieben wurden, treibt es nun wieder zurück, was zu einigen Kollisionen führt. Zwei Eisberge knallen ineinander und drehen sich spektakulär um. Was für ein Schauspiel.

Jökulsárlón

Unser App für sicheres Reisen zeigt uns nun plötzlich eine Wetterwarnung an, es soll ein starker Sturm im Anzug sein, Strassen werden im Hochland gesperrt und vor allem Wohnmobile sollen aufpassen, denn Windgeschwindigkeiten bis 140km/h und starker Regen sind angesagt. Nur begreifen wir nicht, ob das schon morgen sein soll oder erst in der Nacht auf übermorgen. Englisch sollte man können...

Egal, der Entscheid war richtig, dass wir hier die Lagune bei schönstem Wetter angeschaut haben. Wegen dem Sturm, der genau in dieser Region angesagt wird, entschliessen wir uns, 50km zurück zu fahren nach Skaftafell, uns dort auf einen Campingplatz zu flüchten und den dortigen berühmten Wasserfall Svartifoss anzuschauen.

Svartifoss

Wir kommen eine Stunde später gut an und machen uns auf die 40 minütige Wanderung zum Wasserfall. Wir wandern nur im T-Shirt, so warm wurde es inzwischen. Oben angekommen, ist es bisher der einzige Wasserfall, der auf den Fotos besser aussieht, wie richtig. Normalerweise ist es immer umgekehrt…

Jetzt sitzen wir im Knutschi sind total erledigt vom heutigen Tag, das Los entscheidet, dass ich heute kochen muss und so gibt es Spagehetti Bolognaise.

Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wann der Sturm wirklich eintrifft und werden dann aus Sicherheits- und Erholungsgründen einen faulen Tag einlegen.

Abgefaktes Wikingerdorf 24.9.2022

und geklautes Rezept

Gestern Nacht sahen wir noch lange und zwischendurch auch starke Nordlichter. Dann kam die Bewölkung von der Schlechtwetterfront und die Show war vorbei.

So schlafen wir heute aus, haben keine Eile und genehmigen uns eine ausführliche Dusche im Womo, so dass wir endlich wieder mal porentief rein sind. Der Himmel ist stark bewölkt mit einigen schwarzen Wolken, aber es regnet noch nicht, wir werden übrigens den ganzen Tag noch vom Regen verschont.

So fahren wir dann vor dem Mittag wieder Richtung Lagune mit den Eisblöcken. Wir stoppen wie gestern auch nochmals und sind überrascht, wie anders es schon aussieht. Auch dachten wir nicht, dass die Eisberge so blau schimmern, wenn total bedeckter Himmel ist. Man braucht also gar nicht unbedingt schönes Wetter für gute Fotos…

Wir bleiben wieder länger wie geplant, denn es ist einfach spannend, zuzuschauen, wie die Eisblöcke ineinander krachen. Heute ist im Meer Flut und das Wasser strömt sehr stark in die Lagune, wo die Eisberge wegen der Strömung gegeneinander klatschen.

sieht einfach toll aus

Danach geht es weiter Richtung Osten, unser Ziel ist Höfn, die grösste Stad der Region mit 1300 Einwohnern. Dafür müssen wir heute 130km zurücklegen. Anita hat aber noch ein Wikingerdorf gefunden, das man besichtigen kann. Also fahren wir noch ein kleines bisschen weiter und stellen dann den Blinker.

Beim Viking-Café essen und trinken wir etwas und kaufen Eintrittstickets für die Gegend Stokksnes. Ein Coca, Cappuccino und zwei Stück Kuchen plus der Eintritt für zwei Personen beträgt insgesamt 35.- CHF. So können wir mit dem Knutschi durch die Schranke fahren (die gleichen Tickets müsste man auch kaufen, wenn man nur wandern geht) und fahren auf den nächsten Parkplatz 500m entfernt.

Von hier hat man eine fantastische Aussicht auf die Berge des Vestrahorn, diese Ansicht ist in Island ziemlich berühmt und der Eintritt (6.- pro Person) nur für dieses Foto lohnt sich irgendwie. Auch wenn bei uns im Hintergrund die schwarzen Wolken immer bedrohlicher aussehen.

Wikingerdorf

Nach den Fotos fahren wir einen Kilometer zu diesem Wikingerdorf, müssen die letzten 500m zu Fuss zurücklegen und sind das erste Mal in Island enttäuscht. Das Dorf wurde für einen Film als Kulisse erstellt, hat also keine historische Bedeutung. Aber hier zerfällt alles, die Gebäude werden als Lagerschuppen für alles mögliche benützt, und mitten im von spitzigen Palisaden geschützten Dorf steht eine betonierte Bauruine eines Hauses. Echt jetzt, es könnte so fantastisch aussehen mit dieser grossartigen Landschaft, aber kein Mensch kümmert sich anscheinend hier um irgend etwas. Irgendwie hatten wir schon an so vielen Plätzen das Gefühl, dass viele Dinge den Isländern total gleichgültig sind. Für Schönheit haben sie einfach kein Flair. Aus diesem Dorf könnte man so viel machen und auch historisches und geschichtliches zusammenführen, denn die Wikinger waren die ersten, die Island besiedelt haben. Und dann gibt es hier ein total abgefaktes Wikingerdorf. Das haben diese Ur-Siedler doch nicht verdient!

anderer Blickwinkel

Wir fahren danach erfreut über die tolle Gegend nach Höfn zurück und checken auf dem Campingplatz ein. Noch habe wir trocken und kein Wind, die Sturmwarnung auf morgen mit bis zu 140km Windgeschwindigkeiten bleibt bestehen, so stellen wir unser Knutschi etwas hinter einen Erdwall statt auf den Hügel mit toller Aussicht.

Und nun kommt der absolute Hammer: die Isländer haben Anitas Rezept von den Flaschenomeletts geklaut und machen nun daraus ein grosses Geschäft und verdienen Millionen. Man kann die fertigen Zutaten in der Flasche in den Einkaufsläden Islands kaufen, 5dl Milch dazu giessen, gut schütteln und schon hat man den Omlettenteig. Und Anita geben sie keinen Rappen Lizenzgebühren, obwohl wir das doch schon seit über 5 Jahren veröffentlicht haben. Sollen wir die beklagen oder uns freuen, dass sie anscheinend unseren Blog schon lange und regelmässig lesen?

gekauftes Flaschenomlette

Update: jetzt um 18 Uhr beginnt es zu winden, Sturm ist es noch kein, aber wir sind froh, dass wir ein wenig geschützt sind. Wir sind gespannt, was, wie und wann uns die Wettervorhersage treffen wird.

Übernachtung

Höfn - Campingplatz ****
Island, Camping
gross, sauber, freundlich
Koordinaten: 64.25874, -15.20409
N 64° 15' 31.5"  E -15° 12' 14.7"
letzter Besuch: 9.2022

Blockiert 25.9.2022

Ringstrasse wegen Hurrican geschlossen

Wir sitzen nun tatsächlich auf dem Campingplatz fest. Der Wind war nachts schon sehr stark, wir haben nämlich zweimal umparkiert, damit wir die Nase direkt Richtung Wind haben. So müssen wir keine Angst haben, dass es uns Dachfenster oder sonstiges wegwindet.

Allerdings war das noch gar nix, was dann heute tagsüber losging. Die Ringstrasse, die grösste und wichtigste Strasse Islands, ist zwischen dem Süden und Myvaten für den Verkehr gesperrt worden, und wir sitzen mitten drin. Das sind 500km, wo momentan gar nix mehr läuft, offizieller Grund: Hurricane. Sogar für die Einheimischen ist dies ungewöhnlich.

Unsere persönliche Sicherheitsvorkehrungen: Trittstufe eingefahren, denn uns windet es den Teppich von der Stufe und den Deckel der Aussensteckdose abmontiert, damit sich dieser nicht löst. Und drinnen rumpelt und bewegt sich alles, wie wenn wir auf einer Schotterpiste unterwegs sind.

Und jetzt kein Witz: neben uns steht oder stand ein Sunlight Alkoven, allerdings fast quer zum Wind, den hat es auf der Wiese durch einen Windstoss das Heck und die Hinterräder rund 30cm seitwärts verschoben !! Schleifspuren sind im Rasen deutlich zu sehen! Der kleine Van daneben hat sofort die Flucht ergriffen und ist auf einen anderen Platz gefahren. Der Alkoven hat nun auch den Standort gewechselt. Es ist allgemeines kuscheln angesagt, in jede noch so kleine Lücke drängen sich die Fahrzeuge, um wenigstens etwas geschützt zu sein.

Obwohl es den ganzen Tag nicht geregnet hat und praktisch blauer Himmel ist, ist es schon ein etwas ungewohntes Gefühl, den Wind als Naturgewalt so zu erleben.

Wir sitzen im Knutschi, sind froh, etwas Übergewicht zu haben, damit wir das Knutschi am Boden halten können und machen Haushalt, kochen uns etwas Feines und ich sortiere unsere 6000 Fotos und andere Dinge. Zwischendurch hatten wir mal einen Stromausfall, also ganz normal ist das Wetter für die Isländer auch nicht.

Zwischendurch kämpfen wir uns im Wind 500m in ein Einkaufszentrum, wo Anita noch etwas Wolle kauft. Es ist wirklich ein Kampf, um zu Fuss dorthin zu gelangen und danach machen wir den Fehler, einen kleinen Abstecher zum Meer ins Auge zu fassen. Die Gischt der Wellen wird ca. 100m ins Landesinnere geweht, ich verkrieche mich hinter einem Felsen und mache noch ein paar Fotos und Anita kann sich nicht mehr halten und wird 50m zurückgeweht, wo sie sich dann an einem Verkehrsschild halten kann. Andere Verkehrsschilder liegen übrigens flach am Boden, vom Wind umgelegt.

Irgendwann sollte der Sturm heute Abend fertig sein, momentan haben wir aber das Gefühl, dass er eher stärker wird. Und das gibt uns ein mulmiges Gefühl.

Wenigstens sind wir nicht alleine hier, denn alle anderen sind auch blockiert. Zum Glück sind wir gestern hierhergefahren, so sind wir in einer kleinen Stadt und hätten auch Feuerwehr und Polizei in der Nähe…

Übernachtung

Höfn - Campingplatz ****
Island, Camping
gross, sauber, freundlich
Koordinaten: 64.25874, -15.20409
N 64° 15' 31.5"  E -15° 12' 14.7"
letzter Besuch: 9.2022

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