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Marokko 2017
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Reisebericht

Dynjandi 12.9.2022

Hammerfahrt durch die Westfjorde

Wow, was für eine Fahrt! Und man stelle sich mal vor, wir hätten sonniges Wetter statt des einheitlichen grauen Himmels! Wegen der starken Bewölkung sahen wir letzte Nacht auch keine Nordlichter, urplötzlich waren die Wolken hier und verschwanden auch nicht mehr.

Da sind wir dann relativ früh am Morgen weiter gefahren von Ísafjarðarbær durch die Westfjorde Richtung Þingeyri bis nach Patreksfjörður, 145km. Die Fahrt begann mit einer 7km langen Tunnelfahrt, wo nach 2km Tunnel eine Abzweigung in einen anderen Fjord kam. Mitten unter dem Berg eine richtige Kreuzung, erlebt man auch nicht alle Tage. Danach ging es den Fjorden entlang, die Berge hoch und wieder runter und am nächsten Fjord weiter.

Nach 45km sehen wir von weitem den Wasserfall Dynjandi. Wow, was für ein Anblick. Uns wurde gesagt, dass…. Besichtigt auch unbedingt jenes…. Wir bekamen so viele gute Tipps, aber dass dieser Wasserfall so spektakulär und schön ist, das hätten wir nicht erwartet. Ein absolutes Muss auf jeder Islandreise! Da können aus unserer Sicht Gulfoss, Godafoss und wie sie heissen, einpacken.

Vom Parkplatz mit dem karibikblauen Meer im Hintergrund (warum hat dieses Meer in dieser Gegend so starkes türkisfarbenes Wasser? Bei Sonnenschein könnte ich das noch verstehen, aber bei verhangenem, regnerischem Himmel?) ist schon der 5 minütige Fussmarsch spektakulär. Man kommt am Háifoss, Úðafoss, Göngufoss, Hundafoss and Bæjarfoss vorbei. Jeder einzelne dieser Wasserfälle ist selber schon ein Besuch wert. Aber wenn man dann ganz oben direkt vor dem Dynjandi steht, bleibt einem die Spucke weg. 100m stürzt das Wasser weit aufgefächert wie ein königlicher Vorhang zu Tale. Einfach nur spektakulär.

Wir schiessen Unmengen von Fotos und können uns kaum satt sehen. Auch die unteren Wasserfälle sind spektakulär mit dem grünen Moos und den schwarzen Felsen.

Danach fahren wir endlich mit vielen Eindrücken die Schotterstrasse weiter den Berg hoch, ein traumhafter Ausblick in die Bergwelt und gleichzeitig auf das tiefblaue Meer. Wie muss dass denn bei Sonne aussehen? Aber wir können nicht hadern, stoppen hinter jeder Kurve und machen weiter Foto um Foto. Den anderen Touristen geht es allen ähnlich, ich glaube, wir überholen dutzende Male die selben Autos, die dann uns wiederum überholen.

Wir haben noch nicht die gesamten Westfjorde gesehen, aber das muss eine der schönsten Strecken sein. Irgendwann kommt dann auf der Strecke auch noch ein HotPot im nirgendwo mit warmen Wasser. Wir stoppen aber nur kurz, denn zum Baden haben wir irgendwie keine so richtige Lust. Es stehen auch schon ziemlich viele Autos hier, wahrscheinlich nimmt jeder auf der Durchfahrt noch ein Bad. Wir nicht, wir geniessen die Gegend und fahren weiter bis wir in Patreksfjörður auf dem Campingplatz fahren. Dieser hat noch drei Tage geöffnet, dann schliesst er die Saison ab.

Während wir tolle Meersicht haben, haben wir aber ein ganz anderes Interesse: hier gibt es eine Waschmaschine und einen Tumbler. Wir müssen unbedingt waschen oder dann neue Kleider kaufen. Meine Unterhosen sind alle aufgebraucht… Also machen wir unsere Wäsche bereit und es hilft uns, dass wir die einzigen hier sind, die aktuell zu waschen haben…

Während nun die Maschine für uns läuft, spazieren wir ins Dorf und wundern uns einmal mehr, wie die Isländer in den abgelegenen Gegenden wohnen. Hier muss alles praktisch und nützlich sein, für Schönheit und Details haben sie keinen Blick. Viele Häuser sind mit Wellblech verkleidet, andere sind halbe Ruinen und vor jedem zweiten Haus gibt es eine kleine Baustelle. Schön ist anders. In einem kleinen Supermarkt finden wir im Nebenraum auch noch die Haushaltsabteilung mit Waschmaschinen, Mixer, Kaffeemaschinen. Es hat genau ein Modell an Mixer zu kaufen, eine Modell Kaffeemaschine, zwei Modelle Toaster etc. Eigentlich haben sie recht, warum brauchen wir eine Auswahl von 30 verschiedenen Mixern? Einer reicht doch völlig. Sind darum die Isländer das glücklichste Volk? Weil sie pro Tag weniger Entscheide fällen müssen und einfach das bekommen, was verfügbar ist? Sind wir darum im Womo auch so glücklich, weil wir keinen Mixer und keinen Toaster haben?

Wahrscheinlich würde es jedem mal guttun, in so einer abgelegenen Gegend zu wohnen und nur das zu haben, was es bis hierher schafft.

Anita hat übrigens dringend neue Badehosen gesucht, die gab es hier auch, in der Apotheke. Genau ein Modell mit drei verschiedenen Farben, entweder passt es oder man lässt es bleiben. Und Anita haben sie gepasst, darum haben wir nun Badehosen, gekauft in Patreksfjörður, 348km von Grönland entfernt (und 2848 km von Sevelen).

Übernachtung

Patreksfjörður - Camping Ground ***
Island, Camping

Koordinaten: 65.59180, -23.97459
N 65° 35' 30.5"  E -23° 58' 28.5"
letzter Besuch: 9.2022

Super Sandstrand 13.9.2022

und verschiedene Geschmäcker

In unserem Knutschi duftet es fein nach frischer Wäsche. Sind wir darum so früh wach? Uns zieht es weiter und darum sind wir dann um 9 Uhr auch die ersten, die vom Campingplatz wegfahren. Wie üblich in dieser Gegend geht es einem Fjord entlang und dort wo er endet, fahren wir nicht einfach der Hauptstrasse weiter entlang, sondern biegen ab Richtung Wrack der Garðar BA 64, dem ersten isländischen Stahlschiff, dass 1912 gebaut wurde und 1981 in den Westfjorden gestrandet ist. Man liess es einfach liegen und nun ist um das still vor sich hin rostende Schiff herum ein Picknickplatz entstanden. Das Gute ist, man kann mit dem Womo direkt vor das Schiff fahren und ein paar Fotos schiessen. Aber vom Hocker haut es uns nicht wirklich.

So fahren wir weiter und biegen links weg. Die Schotterstrasse wird steiler, führt über ein Pässchen und dann 10% steil hinunter. Es sieht ziemlich spektakulär aus, ist aber gut zu fahren. Dann führt es noch kurz über eine Ebene und wir landen auf dem Campingplatz Melanes. Eine grosse grüne Wiese und dahinter ein riesiger, wirklich riesiger gelber Sandstrand und weit draussen das Meer. Wow, sieht das toll aus und wir glauben sofort, dass dies der schönste Strand von ganz Island sein soll.

Wir stellen unser Knutschi hin, buchen und bezahlen online und sind kurze Zeit später alleine hier auf der grossen Wiese. Alle anderen haben zusammengepackt und sind weitergezogen.

So habe ich bei leicht bewölktem Himmel Zeit und Platz, mit der Drohne zu fliegen und etwas Routine zu gewinnen. Natürlich gibt es auch tolle Fotos, vor allem, weil die Sonne immer mehr zwischen den Wolken durchscheint und schlussendlich alle Wolken verschwunden sind. Nach der Schulung meiner Flugkünste machen Anita und ich einen ausgedehnten, sehr ausgedehnten Strandspaziergang. Wir sind zwei Stunden unterwegs und in der Mitte, wo die Lagune beim Strand abfliesst, sonnen sich auf der gegenüberliegenden Seite dutzende von Robben. Einige sind auf der Jagd nach Fischen und tauchen immer wieder auf, andere sonnen sich und beobachten uns.

Wir sitzen da, Anita mit Feldstecher, ich mit Fotoapparat und geniessen dieses Schauspiel. Es sind faszinierende Tiere. Wir sind weit und breit alleine und es würde mich unendlich reizen, mit der Drohne ein paar Aufnahmen der Robben zu machen und über sie hinweg zu fliegen. Aber ich mache es nicht, die, die an der Sonne liegen hätten sicher keine Freude und fühlten sich sehr wahrscheinlich gestört. Und wenn dann jeder Tourist mit einer Drohne daherkommt, weiss ich nicht, wie lange es an dieser Stelle noch Robben zu besichtigen gibt. Also lasse ich es bleiben und verzichte auf tolle Fotos.

Auf dem Rückweg finden wir dafür noch einen verendeten und gestrandeten Wal, etwa 7m lang. Er stinkt grässlich, ist aber noch fast komplett ausser den Augen und einen aufgeschlitzten Bauch. Zum Teil sieht er von den Vögeln etwas angeknabbert aus, für ein Fischfilet ist nun also nicht der richtige Zeitpunkt.

Wir wandern bei schönstem Sonnenschein weiter Richtung Campingplatz, geniessen die gelbe Farbe des Strandes und die schön beleuchteten Berge im Hintergrund. Wieder beim Womo, beginnt Anita einen Teig zu kneten, denn heute Abend wird es in unserem Knutschi nach frischen Salzstangen riechen. Ich freue mich jetzt schon auf den Znacht.

Während Anita das Brot backt, breite ich die Strassenkarte aus, nehme ein Blatt Papier zur Hand und beginne, unseren zweiten Teil der Reise zu planen. Wir sind jetzt ziemlich genau in der Mitte, haben Island von Osten über den Norden bis nach Westen durchfahren und nun geht es im Süden zurück.

Wir sind aktuell auf dem 24 Längengrad West, also 32 Grad westlicher, wie zu Hause in Sevelen. Die Sonne hat für 360 Längengrade 24 Stunden, so sind wir jetzt 2 Stunden und 8 Minuten westlicher. Bei uns geht die Sonne also 128 Minuten später unter den Horizont wie zu Hause. Stimmt also ziemlich genau, mit den 2 Stunden Zeitdifferenz.

Wir könnten nun noch eine Stunde Schotterpiste fahren, bis wir zum Látrabjarg an den westlichsten Punkt von Island kommen. Es ist ein berühmter Felsen, wo man die Puffins sehen könnte, wenn sie noch hier wären. Aber da diese tolpatschigen Vögel schon auf dem offenen Meer sind und wir nicht einfach so eine Stunde hin und zurück eine Schotterpiste fahren wollen, lassen wir den westlichsten Punkt aus.

Wir werden also in den nächsten Tagen die Westfjorde verlassen, Westisland durchfahren, die Halbinsel Reykjanes mit der Hauptstadt und Südisland bis wieder ganz in den Osten durchkreuzen.

Wir freuen uns schon, was es dort überall zu sehen gibt. Aufgeschrieben haben wir noch so einiges…

Übernachtung

Melanes - Melanes tjaldsvæði ****
Island, Camping
grosse Wiese, direkt am Sandstrand und Meer
Koordinaten: 65.44509, -23.9548
N 65° 26' 42.3"  E -23° 57' 17.3"
letzter Besuch: 9.2022

Zwei Fehler 14.9.2022

bei traumhaftem Wetter

Ich nerve mich unendlich. Jetzt beginne ich diesen Beitrag schon zum zweiten Mal, das erste mal war er praktisch fertig und dann stürzt mein PC ab. Nicht mal eine Sicherungskopie wurde erstellt (Einstellung alle 5 Minuten) aber nichts ist mehr da. Man müsste Microsoft verklagen wegen Ferienstörung… Schöner Mist, der ganze Tag ist futsch so. Obwohl der Tag eigentlich ganz gut begann… 

Nachts hatten wir klaren Himmel, ein Grund, unsere Verdunkelungen offen zu lassen, man weiss ja nie. Unser Polarlicht-App zeigt für diese Nacht leider nur minimale Chancen, aber es hat sich schon öfter getäuscht.

Und dann wie auf Kommando tanzten die grünen Lichter an unserem Nachthimmel. (Dokument abgespeichert) Sie waren nicht so stark wie auch schon, aber es war trotzdem ein super Schauspiel. Wenn ich denke, dass wir nun bei Hälfte der Reise schon an vier Nächten Polarlichter sahen, sind wir echt glücklich, andere sehen während den ganzen Ferien die Aurora borealis nie. (momentan bin ich immer noch genervt, aber Dokument wieder manuell abgespeichert.)

So machen wir uns morgens dann bei blauem Himmel weiter auf den Weg in den Westfjorden Richtung Süden. Nach jeder Kuppe, jeder Kurve und jedem Fjord sind wir wieder gespannt, was folgt. Parktisch an jedem Rastplatz machen wir halt und könnten Stunden verbringen und neue Dinge entdecken. Irgendwie müsste man zwei Jahre Zeit auf Island haben.

So kommen wir nicht schnell vorwärts, die Speicherkarten der Fotoapparate füllen sich, und als wir dann nach 40km am ersten Hot-Tube am Meer vorbeikommen, fahren wir einfach weiter. Ja tatsächlich, denn dieses Bad hat nur 28 Grad und das ist uns doch viel zu kühl. (wieder brav speichern) Wir fahren lieber noch 20 km weiter bis nach Flókalundur dort soll ein Natur-Hot-Tub direkt am Meer mit 38 Grad kommen.

Kurze Zeit später sind wir dort, fahren an der Tankstelle vorbei (der heutige grösster Fehler, neben dem nicht speichern) und parkieren auf dem kleinen Parkplatz. Schnell Badehosen anziehen und Bademantel (Bademantel in Island ist übrigens eine Top-Gadget) darüber und zu Fuss zum 50m entfernten Hot-Tub. Es ist echt traumhaft, direkte Meersicht, heisses und klares Wasser und nur ein kanadisches und israelisches Pärchen sind neben uns im Wasser. Kurze Zeit später sind wir sogar alleine und geniessen es in vollen Zügen, machen viele Fotos und lassen unser Gesicht bei 8 Grad an der Sonne bräunen (abspeichern).

Hellulaug

Später sind wir wieder unterwegs den Fjorden entlang. Bei einer Schotterpiste sind sie gerade am Arbeiten und ebnen die Strasse von den Schlaglöchern wieder aus. Dies muss bei nassen Strassen geschehen, denn sie Wässern wie verrückt, jetzt wo es mal nicht regnet. Unser Knutschi sieht wieder aus wie gemauert.

Und bei uns macht sich der Durst bemerkbar. Neben isländischem Quellwasser haben wir gar nichts mehr flüssiges mit Geschmack, das ging uns gestern aus. Aber mal so schnell in einen kleinen Shop liegt nicht drin. Denn auf den folgenden 130km kommt rein gar nix solches. Wir sind kurz vor dem Verdursten und teilen uns noch einen Apfel, wo wir den Saft raussaugen (abspeichern). Dann endlich kommt die Abzweigung nach Reykhólar, nur noch 14km. Dieses 120 Seelendorf ist seit über 100km auf den einzigen Verkehrsschildern markiert, also muss es doch schon etwas darstellen.

Als wir ankommen sehen wir ausser einer Schule, einigen Häusern, einer Kirche, einem Schwimmbad, geschlossener Campingplatz und einer Tankstelle nicht viel. Aber: die Tankstelle hat einen kleinen Shop, der uns schlussendlich das Leben rettet. Das war echt knapp!

Aber hier bleiben, lohnt sich das? Wir entscheiden: Nein, die nächsten 60km schaffen wir auch noch, denn dort soll es bei einem Hotel ein Natur Hot-Pot geben und wir freuen uns auf ein Abendessen im Hotel.  (abspeichern, so weit war ich bei der ersten Version auch).

Als wir beim Hotel Laugar Sælingsdal ankommen, sieht das Hotel verlassen aus und es ist abgeschlossen. Mist, das wird nichts mit einem feinen auswärtigen Abendessen. Auch der Campingplatz sieht ziemlich verlassen aus, aber ein WC ist offen, das Wasser läuft und auch Strom gibt es. Zu bezahlen im Hotel. Na, wir richten uns mal ein und warten ab.

Der Hot-Tube sieht super aus, aber da wir heute schon sauber genug sind, nicht frieren und doch schon Hunger haben, lassen wir es vorerst bleiben.

Vielleicht wenn es dunkel ist und die Nordlichter am Himmel tanzen? Denn es ist aktuell wieder klar und es sind nur noch drei Stunden bis zur Dunkelheit.

Meine Laune ist übrigens wieder gut, Anita hat fein gekocht und wir haben noch genügend Vorräte, um auch diese Nacht zu überleben.

Nacht der Geister 14.9.2022

Die Seelen tanzen am Himmel.

Der Abend ist wolkenlos, die Luft klar wie Glas. Wir sitzen beim Eindunkeln im Wohnmobil auf dem Zeltplatz in Sælingsdal. Das angeschlossene Hotel ist geschlossen, kein Mensch hier ausser noch vier andere Fahrzeuge , die auf diesem Platz übernachten wollen.

200m den Berg hoch ist ein HotPot, ein aus Steinen errichteter kleiner Pool, der mit natürlich warmen Wasser gefüllt wird. Dieser Hot Pot Laugar í Sælingsdal taucht schon in den alten isländischen Sagen auf.

Es wird langsam dunkler, die Nacht schwärzer. Zeit, mit Bademantel, Taschenlampe, Fotoapparat und Stativ zum Hotpot zu laufen und das 38 Grad warme Wasser zu geniessen. Wo kann man in einer kalten Nacht besser auf die tanzenden Geister der alten Seelen warten, wie hier?

Es sind noch andere Gäste da, ein Kanadier, eine Genferin und ein Weissrusse. 

Ich installiere das Stativ, richte die Kamera aus, mache Einstellungen und beginne zu warten und zu hoffen. Die Sonnenwindaktivität ist heute nicht besonders stark, mein Polarlichtapp zeigt eine Wahrscheinlichkeit von nur 12%, wir hatten auf dieser Reise schon 37%.

Dann steige ich ins warme Wasser zu Anita.

«Schau mal, die ersten Lichter» sagt sie sofort. Und tatsächlich, schwach am Horizont leuchtet es weiss-grünlich, mehr weiss wie grün. Durch den Fotoapparat sieht man aber die grünen Lichter stärker.

10 Minuten später ist es dunkler und die schwachen Polarlichter auf dem ganzen Himmel verstreut. Und dann werden sie stärker, manchmal direkt über uns, manchmal über den Bergen. Manchmal sind sie 10 Minuten fast bewegungslos und verschwinden dann wieder, andere kommen innerhalb einer Minute, werden leuchten stark grün und verschwinden ein paar Minuten später wieder.

Und dann wird es immer stärker und intensiver. Direkt über uns, ein satt grünes Licht das zu tanzen beginnt! Mehr als einmal. 

Es ist die Nacht der Geister der alten Wikinger, deren Seelen sich am Himmel zeigen, die Rüstung Odins, die im Himmel glänzt.

Ich drücke unaufhörlich auf den Auslöser, friere in der Kälte und in Badehosen und tauche dann wieder in den Laugar ein. Jedes Mal kochend heiss, wenn ich eiskalt hineinsteige. Der Kanadier kann es kaum fassen, der Weissrusse macht einen Nonstop-Film auf seinem Handy und die Genferin quatscht mit allen über ihre Reise.

Wir sitzen gemeinsam zwei Stunden im heissen Wasser und schauen fasziniert in den dunklen und grünen Himmel. Dann wird es irgendwann Zeit, ins Womo zu gehen und zu schlafen. Aber irgendwie nicht möglich, wir warten diese Welle noch ab und die nächste und die übernächste…

Dann scheint es vorbei zu sein, die Lichter leuchten schwach, wir laufen zum Womo. Und dann beginnt es von neuem, die Lichter, das Grün, die tanzenden Seelen und das Fotografieren.

Irgendwann können wir nicht mehr und gehen tatsächlich schlafen. Mit verdunkelten Fenstern, denn sonst sehen wir immer hinaus und würden kein Auge schliessen.

Wir träumen von Geistern, Rüstungen und alten Seelen.

Einstellungen Fotoapparat:
ISO 800, Belichtungszeit 4 Sek, Blende automatisch

Übernachtung

Sælingsdalslaug - Camping vor Hotel ****
Island, Camping
sehr ruhig, keine Abendsonne
Koordinaten: 65.24668, -21.80296
N 65° 14' 48.1"  E -21° 48' 10.7"
letzter Besuch: 9.2022

Kirkjufell 15.9.2022

Der berühmteste Berg Islands

Nach einer kalten Nacht (draussen unter Null Grad) fahren wir wiederum bei schönstem Wetter vor dem Mittag los. Wir mussten noch etwas Schlaf nachholen nach der gestrigen Nacht.

Die Strecke ist wiederum fantastisch, dazwischen schnell einkaufen, tanken und unser Knutschi waschen. Kaum glänzt unser Womo wieder wie neu, fängt wieder eine Schotterpiste an. Und diese hat es in sich, Schlagloch folgt auf Schlagloch, zwischendurch Baustelle, dann wieder Schlaglöcher. Wir kommen nicht schnell vorwärts, macht ja auch nichts. Wir stoppen wieder viele Male, machen weitere Fotos, wie wenn wir noch nicht genug hätten, und geniessen irgendwie den Tag ohne volles Programm.

Wir sind immer noch etwas erledigt wegen den Eindrücken von den tanzenden Geistern und Feen. Eine Fee war aber die Zahnfee, sie hat mir diese Nacht einen halben Zahn geholt, ohne dass sie mir etwas unter das Kopfkissen gelegt hätte. Nachts einfach mal so verloren, nur einen halben, ohne Schlägerei, ohne Schmerzen, dafür mit neuer Zahnlücke. War das der Preis für die Nordlichter?

Egal, wir fahren vorwärts, mir geht es gut, Anita geht es gut.

Dann sehen wir einen fantastisch aussehenden Berg hinter einem Hafen. Schnell ein weiterer Stopp, ein paar Fotos und weiter. Wir sind in Grundarfjörður, das erste hübsche Dörfchen, dass wir in Island durchqueren. Es fällt auf mit den farbigen Häusern, der schönen Strasse und den grünen Rasenflächen und im Hintergrund der markante Berg.

Kurz nach dem Dörfchen kommt nochmals eine grössere Parkbucht, nochmals eine Top-Sicht auf diesen schönen Berg. Und dann gibt es dort noch eine Informationstafel, dass dies der Kirkjufell ist, der bekannteste Berg Islands. Mist, und wir haben ihn nicht erkannt? Ich wollte doch unbedingt ein Foto von ihm? Na ja, er sieht ja auch von jeder Seite wieder anders aus und ich wollte doch die spitzige Pyramide, und diese Ansicht kommt aber erst noch.

Wenn das der Berg ist, dann wollen wir doch heute hier übernachten? Also drehen wir um und fahren zum Campingplatz. Der Platz hat schon Winterpause (ab heute), ein Bereich ist für die Fahrzeuge noch zugänglich, auch die WC und Entsorgungstation ist noch in Betrieb. Mehr brauchen wir sowiso nicht, also parken wir unser Auto und laden unsere Bikes aus.

So pedalen wir die 3km zum Kirkjufell-Wasserfall vor dem Kirkjufell-Berg. Das soll das meistfotografierte Motiv in Island sein, im Vordergrund der Wasserfall, im Hintergrund der Berg. Selbstverständlich versuchen wir dieses Foto auch zu schiessen, merken aber, dass etwas hinter dem See ein Foto mit Spiegelung doch eigentlich viel schöner sein würde…

Es hat ziemlich viele Leute hier, auch stoppen Reisebusse, also wird das ja wohl stimmen mit dem berühmtesten Berg.

Danach radeln wir zurück, fahren durch das Dörfchen und merken, dass Geld ausgeben gar nicht so einfach ist, wenn man keine Hamburger oder Pylse (Hot-Dogs) essen mag.

So kocht Anita einmal mehr in unserem Womo. Die gekaufte Lasagne entpuppt sich aber als Plokkfiskur und riecht nach Fisch, ist aber echt lecker! Beim Googlen erfahren wir, dass dies ein typisch isländisches Fischgericht ist. Eine breiige Masse aus Kabeljau und Kartoffel mit Curry gewürzt. Schmeckt echt gut, allerdings mit Lasagne hat es nichts zu tun…

Jetzt überlegen wir uns, was wir machen, sollte es heute Abend nochmals Nordlichter geben. Nochmals einen Aufwand, um diesen Berg vor den Nordlichtern zu fotografieren oder einfach mal früher ins Bett gehen? Wir wissen es noch nicht.

Ach ja, Nordlichter leuchten in ca. 100km Höhe am Himmel, und wenn man die Hilfe des Satzes von Pythagoras nimmt, kann man ausrechnen, dass theoretisch die Nordlichter in über 1000km noch gesehen werden können, wenn kein Berg oder andere Hindernisse im Weg sind. Das würde heissen, dass «unsere» gestrigen Nordlichter auf der ganzen Insel Island zu sehen gewesen wären… 

Übernachtung

Grundarfjörður - Camping ***
Island, Camping

Koordinaten: 64.92080, -23.25725
N 64° 55' 14.9"  E -23° 15' 26.1"
letzter Besuch: 9.2022

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