Endlich unterwegs
Morgens werden noch die letzten Utensilien ins Womo gepackt und dann sind wir bereit. Anita hat Anfangs Nachmittag noch einen letzten Arzttermin und dann sind wir um halb vier Abfahrbereit und sitzen in unserem Knutschi.
Ein tolles Gefühl, wenn es endlich los geht. Km-Zähler auf Null stellen, Navi programmieren mit Hirtshals, es zeigt 1370km an, das verteilt auf drei Tage, heute 400 und dann zwei mal 500 ist unser Plan.
Wir starten den Motor, unser Knutschi schnurrt wie ein Kätzchen und freut sich ebenfalls, und dann geht es los Richtung Norden. In Hohenems, bevor wir auf die Austria-Autobahn geht noch den Tank mit Diesel füllen, durch den Pfänder und schon sind wir in Deutschland.
gut auf dem Stellplatz angekommen
Es läuft ziemlich gut, einmal ein ganz kleiner Stau, acht Regengüsse und die Sichtung von zwei schönen Regenbogen, einen Unfall und unzählige Baustellen. Wir kommen gut vorwärts, cruisen gemäss Tacho mit 110 km/h. Nach 370km sucht Anita in GoogleMaps einen Stellplatz und so landen wir in Elfershausen, nahe der Autobahn auf einem tollen Stellplatz ohne Infrastruktur auf einer Wiese. Perfekt. Und der Stellplatz muss kostenlos sein, denn wir finden nirgends einen Zahlhinweis oder einen Preis. Schön, dass es so etwas noch gibt. Und mit unseren heutigen 395km haben wir unser Tagesziel fast perfekt erreicht.
direkte Sicht auf die Trimburg
Das Wetter wurde immer schöner und wir essen bei schönstem Sonnenschein zu Abend.
Der erste Tag verlief also genau nach Plan und das ist schon mal ein guter Start zu unserer Reise.
Sonnenuntergang: 21:10 Uhr
13 - 20 Grad, Regen bis Sonne
395km
10,2 l Durchschnittsverbrauch
90km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
4:22 Std Fahrzeit
Wir sind am Nord-Ostsee-Kanal
Morgens erwachen wir leicht fröstelnd. Eine Bettdecke für beide reichte diese Nacht nicht. Wir haben erstens nur noch 11 Grad im Womo und mit Anita kuscheln ist wegen ihrer Schulter noch schwierig. Und dann ist die Bettdecke einfach etwas zu schmal, irgendein Körperteil schaut immer unten hervor. Aber so kalt, dass ich die zweite Decke ausbreiten sollte, ist es dann doch nicht. Auf alle Fälle sind wir morgens gleich fit und munter und fahren schon um 7:30 Uhr weiter. Weiter auf der A7 Richtung Norden, so wie gestern schon.
Nach 200 Kilometern in Kassel fahren wir von der A7 ab und fahren westlich 60km Überland, bis wir in Horn ankommen und dort auf den Parkplatz der Externsteine fahren. Wir wollen diese Steinformation im Teutoburger Wald besichtigen, die als eine herausragende Natursehenswürdigkeit Deutschlands angepriesen wird. So etwas interessiert uns natürlich und bringt Abwechslung in so einen Fahrtag. Es hat nicht viele Leute und die Felsen sehen wirklich gut aus. Aber ob der Ort auf die Liste der 100 tollsten Orte für Reisemobilisten gehört, sind wir doch arg im Zweifel. Von dieser Webseite wird dieser Hotspot in naher Zukunft gelöscht, sobald ich mein Login dort wieder finde…
Wir machen ein paar Fotos und da es gerade Mittag ist und wir beim Restaurant Felsenwirt vorbeikommen und auf der Karte ein Felsenschnitzel nach Wiener Art präsentiert wird, beschliessen wir, dort zu Mittag essen. Allerdings sind wir dann arg enttäuscht, die vermutete Hausspezialität entpuppt sich als tiefgefrorenes Fertigschnitzel mit halbwarmen Pommes lieblos auf einen Teller geschmissen. Man merkt, dass dies wahrscheinlich ein beliebtes Restaurant für Carreisen ist: jeder Gast kommt nur einmal. Wir hätten schon beim Eintreten stutzig werden sollen, der Koch war richtig dünn! Er isst wahrscheinlich seine Menus auch nicht selber und mir sind etwas stämmigere Köche eindeutig lieber… Das Restaurant bei den Externsteine bekommt von uns keine Empfehlung, aber alternativen in der Nähe fehlen. Also besser selber kochen oder nur ein Eis essen.
Egal, wir fahren zwei Stunden später weiter, lassen uns vom Navi wieder auf die A7 Nordwärts führen und erreichen irgendwann Hamburg. Bis dahin durchfahren wir gefühlte 56 Baustellen, stehen 3x im Stau bis dann auf einer dreispurigen, engen Baustelle gar nichts mehr geht. Rechts 10 cm vom Aussenspiegel Lastwagen an Lastwagen, links die Pw’s Arsch an Arsch. Aber wir stehen an Ort, 5 Minuten lang.
Ich überlege mir schon, dass dies nur ein Unfall weiter vorne bedeuten könnte und überlege mir, wie man hier eine Rettungsgasse machen würde. Chancenlos! Minuten nach diesen Gedanken höre ich von hinten Sirenen und sehe Blaulichter. Was jetzt? Es zwängen sich Feuerwehrautos durch die Kolonne. Und wie sollen die bei uns vorbeikommen? Zum Glück habe ich gegen vorne ca. 5m freigelassen und das gibt etwas Raum, damit alle Fahrzeuge etwas rangieren können und wir schaffen es mit unserem Knutschi tatsächlich auf die dritte Spur. Es schleichen sich vier Feuerwehrautos aller Grössen an uns vorbei. Wenn man bedenkt, wieviel Zeit diese nun verloren haben, ist einem Angst und Bange, aber eine Lösung kann ich auch nicht vorschlagen, ausser nur zwei Spuren frei zu geben, aber das beudetet wahrscheinlich täglich Kilometerlange Staus…
Ich hätte nie gedacht, dass die Rettungsfahrzeuge je am Unfallort ankommen. Aber wir können es direkt verfolgen, denn die Fahrzeuge stoppen fünf Fahrzeuge vor uns und blockieren die Strasse. Ein weisser Kastenwagen kippte neben einem Autotransporter zur Seite. Die Sanität fuhr dann übrigens von der anderen Seite hin und die Polizei kam zu Fuss, die fanden kein Durchkommen.
Nach einer Stunde warten an Ort ist dann ein Fahrstreifen durch die Unfallstelle geräumt und wir fahren als fünftes Auto durch das Nadelöhr. Keine 3km später sind wir im Elbtunnel und haben diesen fast alleine. Der Stau ist inzwischen gemäss Radio 12km lang und stehend. Und wir fahren immerhin schon wieder…
Nach weiteren 100km auf der A7 kommen wir in Rendsburg an und wollen auf den Stellplatz bei Schacht Ausdorf fahren, direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Schiffe gucken. Aber der Platz ist rammelvoll und mit dem Schild «besetzt» gesperrt. Mist, aber wir lassen uns die Laune nicht verderben und suchen in Google Maps nach Stellplätzen in der Nähe. Während wir am Suchen sind, klopft der Platzwart an die Scheibe und sagt, dass er noch einen Notplatz hätte. Klar nehmen wir diesen und für uns ist es ein VIP-Platz, direkte Sicht auf den Kanal und wir sehen die grossen Frachtschiffe an uns vorbeituckern.
Einfach perfekt.
Wir sind absolute Glückskinder, auch, weil wir noch nie in einen Unfall verwickelt wurden mit unserem Knutschi. Das ist nicht selbstverständlich bei all diesem Verkehr und den vielen Kilometern, die wir schon gefahren sind.
Sonnenaufgang: 5:24
Sonnenuntergang: 21:32 Uhr (22 Minuten später wie gestern, weil wir 600km weiter nördlicher sind)
615km
9,8 l Durchschnittsverbrauch
77km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
7:55 Std Fahrzeit
ist der heutige Tag gegenüber gestern
Uns jagt es aus dem Tiefschlaf von der warmen Matratze direkt an die Decke unseres Knutschis. Eine riesig laute Schiffshorn ertönt gleich neben unseren Ohren, und als wir aus dem Fenster schauen, sehen wir an eine weisse Wand von einem Passagierschiff. Leute winken in den weissen Morgenmänteln auf ihren Balkonen den Wohnmobilisten zu. Es ist aber erst halb sieben! Der Kapitän der Hanseatic Inspiration, einem Passagierschiff mit 137m Länge, macht sich wohl ein Spass daraus, die Wohnmobilisten zu wecken. Allerdings sind wir wohl die einzigen auf dem Stellplatz, die nichts von diesem Schiff gewusst haben. Die 8-tägige Kreuzfahrt in Norddeutschland führt das Schiff zweimal durch den Kanal von Nord- zur Ostsee und umgekehrt. Meistens ist das Schiff aber im hohen Norden unterwegs, Spitzbergen, Grönland, Nordkapp.
die Hanseatic Inspiration um 6:30 Uhr
Aber egal, wir haben das Ohrenpfeifen und bleiben darum noch etwas liegen. Wir müssen heute nur knapp über 400km fahren bis nach Hirtshals, also easy.
Zuerst wird Urintank geleert, Grauwasser abgelassen, dann ein paar Kilometer weiter eingekauft, LPG-Gas gefüllt und auch der Dieseltank. Unser Spritverbrauch zwischen Sevelen und Hirtshals wird genau 10.18 Liter pro 100km betragen, wie wir später ausrechnen. Der Bordcomputer des Fiats zeigt 10.1 Liter an, er schummelt also ganz leicht Richtung abwärts. Allerdings hätte ich vermutet, dass es mehr ausmacht und also doch ziemlich genau ist.
Nach 65km überqueren wir die Grenze nach Dänemark und fahren danach 350km weiter. Obwohl wir heute ja nicht so viel fahren müssen und der Verkehr eher mässig ist, fühlt es sich mühsam an. Der dritte Tag auf der Autobahn reicht langsam. Aber ich muss das mal noch loswerden: haben die Deutschen PKW-Fahrer eigentlich schon mal etwas von vorrausschauendem Fahren gehört? Irgendwie rasen sie einfach drauflos, bremsen dann abrupt hinter einem anderen Fahrzeug ab und von Rücksicht haben sie auch noch nie gehört. Irgendeinen Wohnmobilisten das überhohlen eines Lastwagens zu ermöglichen, unmöglich! Es wird nur auf sich selber geschaut. Empfinde nur ich das so?
Wir machen ein paar Pausen mehr wie gewohnt und kommen schliesslich um 15 Uhr im Norden von Dänemark an. Der Campingplatz liegt direkt am Meer und ist ziemlich voll. Wir kriegen aber trotzdem noch einen Platz mit Meersicht und geniessen einfach das herrliche Wetter. Ein Spaziergang liegt auch noch drin und im Dorf selber gibt es noch eine Gewerbeausstellung oder ähnlich mit ziemlich vielen Leuten. Wir verstehen nicht, worum es hier geht, atmen aber die Düfte von verschiedenen Leckereien ein. Aber da wir nur einen Strandspaziergang machen wollten, haben wir kein Geld dabei und müssen so auf einiges verzichten.
Später grillen wir dann vor dem Womo und geniessen einfach die Sonne. Wir sind in den Ferien angekommen und können uns nicht beklagen.
Morgen geht es auf die Fähre und endgültig nach Norwegen.
Sonnaufgang 5:02 Uhr (22 Minuten früher wie gestern)
Sonnenuntergang: 21:54 Uhr (wieder 22 Minuten später wie gestern. 44 Minuten ist unser Tag heute länger wie gestern, Wahnsinn!)
426km
10,4 l Durchschnittsverbrauch
90km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
4:42 Std Fahrzeit
Jetzt starten wir vom Südkapp ans Nordkapp Norwegens
Ich bin etwas nervös, als ich heute erwache. Klar, wir haben schon dutzende von Fähren genommen, grössere und ganz kleine, aber doch jedes Mal wenn wir kurz vor der Verschiffung sind, gibt es eine gewisse Anspannung. Wenigsten bei mir, Anita nimmt das immer oberlocker… Ihr geht es nur darum, ob es grosse oder kleine Wellen auf dem Meer gibt. Und eines vorweg: die grösste Welle heute war wohl um die 30cm, das Meer war flach wie ein Teppich!
Egal, wir sind 90 Minuten vor der Abfahrt am Fährterminal und es hat schon eine lange Kolonne von Fahrzeugen. Wenige Minuten später werden dann die Tickethäuschen auf etwa 6 Spuren geöffnet und wir müssen dort nur unsere ID’s zeigen und schon haben wir das Ticket. Wir haben die Fährüberfahrt im Internet vorgebucht, da wir wussten, wann wir hier sein werden.
Danach heisst es wieder warten, zuerst, bis die Fähre entladen ist, und dann bis alle Fahrzeuge auf die Fähre fahren dürfen. Unsere Lini ist die zweitletzte, dafür dürfen wir gleich die unterste Ebene benützen, einmal durch die Fähre, hinten eine scharfe Kurve und auf der anderen Seite wieder nach vorne. Wir stehen als drittes Auto direkt wieder vor dem Ausgang und wissen jetzt schon, dass wir schnell von der Fähre weg sind, wenn wir in Norwegen ankommen.
Wir steigen in der Fähre sechs Stockwerke hoch und inspizieren das Schiff, bevor wir es uns an der Sonne hinten auf Deck neben dem Hubschrauberlandeplatz bequem machen. Die MS Stavangerfjord mit ca. 600 Fahrzeugen verlässt pünktlich um 9:30 Uhr den Hafen und wir nehmen nun mit ca. 35km/h den direkten Weg an die Südküste Norwegens.
Die Fahrt ist nicht spektakulär, dauert knapp über vier Stunden, wir trinken etwas bei Starbucks, kaufen bei Dutyfree eine schöne Norwegen-Cap für Anita und warten auf Deck. Wir sichten keine Wale, keine Delfine, nur andere Schiffe aber die Zeit vergeht trotzdem schnell, vor allem bei diesem tollen Wetter.
Von Deck schauen wir dann gebannt der Einfahrt in den Hafen zu, bis wir merken, dass wir fast die letzten auf deck sind. Mist, wir müssen ja fast als erste raus, also sofort runter zu unserem Knutschi. Wir finden es schnell, war dieses Mal auch einfach, zuhinterst rechts zuunterst. Kaum sitzen wir in unserem Womo. Öffnet sich schon die grosse Heckklappe der Fähre und wir sind auf norwegischem Boden.
Wir wecken kein Interesse am Zoll und sind schnell auf dem Hafengelände draussen. Allerdings finden wir dann den richtigen Weg nicht auf Anhieb, denn wir können ja niemandem einfach nachfahren. Also müssen wir nochmals drehen und dann gibt es noch ein kleines Durcheinander, weil unser Navi die neue Autobahn noch nicht auf der Karte hat. Aber die Richtung stimmt schon mal.
Nach ca. 30km machen wir bei der Knuden-Brücke das erste Mal einen Stopp. Ich muss mich zuerst wieder an die sehr defensive Fahrweise der Norweger gewöhnen, wenn 70km/h angeschrieben ist, wird 70 gefahren und keine 75. Auch die Abstände zwischen den Fahrzeugen sind wieder viel grösser und das Fahren eindeutig sehr entspannter.
Bei der Brücke essen wir etwas kleines, fahren mit dem Womo darüber und drehen gleich noch ein kleines Filmchen. Wir haben ja Zeit.
Danach geht es 50km weiter zum Lindesnes Fyr, dem südlichsten Punkt Norwegens, quasi das Südkapp. Und irgendwie der Startpunkt für unsere Tour zum Nordkapp. Auf dem Wegweiser steht 2518 km zum Nordkapp. Wir werden garantiert mehr machen und nicht den kürzesten Weg nehmen…
Wir werden auf diesem schönen Parkplatz wie etwa 20 andere Wohnmobilisten für 300 NOK übernachten. Inzwischen ist es bewölkt und ziemlich windig, eine Stunde später aber wieder strahlend Blau und warm.
Die Gegend ist genau nach unserem Geschmack, wir spazieren zum Leuchtturm, klettern auf den Felsen herum und geniessen es hier in vollen Zügen.
Irgendwie einfach perfekt!
der südlichste Punkt Norwegens
Sonnenaufgang 4:39 Uhr
Sonnenuntergang 22:10 Uhr
Temperatur zwischen 12 und 20 Grad, sonnig bis bewölkt und wieder sonnig
88km Fahrstrecke
9.3 l Durchschnittsverbrauch
48km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
1:48 h Fahrzeit
und eine traumhafte E44
Um 8 Uhr stehe ich vor dem Wohnmobil, ausgerüstet mit Fotoapparat und Wanderausrüstung. Anita bereitet im Womo ihren Sauerteig für das morgige Brot vor und ich mache mich auf eine Expedition in den Süden. Es ist warm, aber bedeckt. Ich klettere über Felsen, durchquere Sümpfe und kämpfe mich Schritt um Schritt Richtung Meer. Die Tour ist anstrengend und nicht minder gefährlich. Todesmutig klettere ich Felsen hinauf und hinten wieder hinab, bis ich dann endlich nach Stunden zum südlichsten norwegischen von Menschenhand erschaffenen Monument komme. Es ist nur ein Holzpfahl mit verrosteten Eisen.
Aber ich kämpfe mich weiter, daran vorbei. Dann endlich, nach grossen Entbehrungen bin ich am Südkapp von Norwegen. Um mich herum nur Meer und ein paar Felsen. War hier schon je ein Mensch? Ich finde keine Spuren davon und nehme dieses Kapp in Beschlag und Taufe es auf den Namen «Rolf’s Kapp», das Gegenstück zum Nordkapp. Noch etwas weniger berühmt, da es extrem unzugänglich ist. Nach einer Pause mache ich mich wieder auf den beschwerlichen Rückweg, wo ich dann viele Stunden später ganz entkräftet beim Wohnmobil ankomme. Glücklich, ein Entdecker zu sein.
Um 9 Uhr haben wir dann das Womo wieder abfahrbereit und trinken zuerst noch einen Kaffee.
Wir fahren auf direktem Weg nach Flekkefjord und da zum stillgelegten Bahnhof. Dort kann man auf den Schienen der ehemaligen Flekkefjordbanen 17km mit einem Draisinen-Velo nach Sira fahren, um 12 Uhr hin und ab 14 Uhr wieder zurück. Ist ja klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollen und so eine Draisine gestern schon mal reserviert haben. Warnweste und Velohelm bekommen wir bei der Vermietung, eine Stirnlampe haben wir dabei (unbedingt nötig, in den Tunnels ist es stockdunkel). Es sind heute etwa 7 Draisinen startbereit und wir nehmen die letzte, denn dann können wir auch mal stoppen und Fotos machen.
Wir nehmen Platz auf dem eisigen Gefährt, stellen zuerst mal die richtige Sattelhöhe ein (mit dem Fersen auf die Pedale stehen und das Bein fast durchstrecken können und gleichzeitig auf dem Sattel sitzen. Getreten wird dann mit dem Fussballen und so stimmt die Sattelhöhe exakt.)
Ich sitze vorne, Anita hinten und gleich nach dem Bahnhof geht es ins erste der 17 Tunnels. Es rattert und macht einen ziemlichen Lärmen, aber es ist echt lustig. Allerdings nur am Anfang, denn je länger es geht, desto strenger wird es. Wo bleibt nur meine Kondition? Zum Glück ist Anita top zwäg und kann meistens treten, während dem ich mich auf das Steuern konzentrieren muss. (Warum hat ein Draisinenvelo einen Lenker, wo man doch gar nicht steuern muss?)
Es macht echt Spass, zuerst geht es eher den Berg hinauf, etwas später dann wieder an den Fjord hinunter. Überholen kann man nicht, aber das stört nicht, denn wir stoppen zwischendurch wieder, um Fotos zu machen. Nach 17km kommt dann plötzlich eine Schranke, Strecke fertig. Und sonst nichts, keinen Kiosk, und eine Drehscheibe, um die schweren Velos zu drehen natürlich auch nicht. Man muss sie aus den Schienen heben, umdrehen und wieder auf die Geleise heben. Echt schwer die Dinger, ein Mann mit Rückenbeschwerden sollte diese Dinger also nicht drehen müssen.
Der Heimweg wird dann für uns gemütlicher, die vor uns haben glaub einen Hungerast eingefangen, die kommen nicht mehr vom Fleck! Also tuckern wir gemächlich zurück nach Flekkefjord. Immerhin haben wir nun 33km auf dem Tacho und entsprechend Hunger und Durst. Gleich neben dem Bahnhof hat es eine Pizzabakeri, wo wir sofort eine Pizza bestellen, die grösste mit 40cm Durchmesser. Nach 20 Minuten können wir sie abholen und im Womo geniessen. Die italienische Spezialität ist dann eine deutsch-türkische Kebab-Pizza norwegisch zubereitet und geschmacklich eher mexikanisch. Aber gut ist sie trotzdem, einfach keine wirkliche Pizza.
Um halb fünf machen wir uns dann endlich auf den Weg Richtung Tagesziel. Wir fahren die Landschaftsroute 44 von Flekkefjord über Hauge nach Egersund. Total schön, manchmal etwas eng, aber fantastische Landschaft, fantastische Seen und fantastische Berge. Auch wenn es zwischendurch etwas regnet, es ist eine super schöne Fahrt wo wir dann um 18 Uhr auf unserem anvisierten Stellplatz ankommen. Auch dieser ist der Hammer, direkt am Meer mit tollem Ausblick. Und auch Annamaria und Herbert, die wir gestern Abend kennen gelernt haben, treffen wir überraschendweise wieder hier.
Sonnenaufgang 4:46 (etwas später wie gestern, weil wir jetzt westlicher sind)
Sonnuntergang 22:20 Uhr
137km Tageskilometer ohne Draisine
9.4 Liter Durchschnittsverbrauch
48 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
2:49 Fahrzeit
PS: die Fotos heute sind etwas körnig, falsche Einstellung im Fotoapparat. Ist jetzt für morgen aber korrigiert.
unseres Reisestrecke