Inselhopping extrem
Wir schlafen aus, den gestern wurde es sehr spät. Bis wir die Fotos begutachtet haben und den Blog geschrieben war, war Mitternacht vorbei. Darum regt sich heute nix vor 9 Uhr. Wir nehmen es auch nachher gemächlich, packen zusammen, leeren Abfall und Urintank und machen uns dann langsam gegen 11 Uhr auf den Weg runter von der Insel Runde.
Wir fahren über Brücken von einer Insel zur nächsten, in Hareid müssen wir das erste Mal heute eine Fähre benützen. Als wir dort ankommen, wird sie gerade entladen und wir können praktisch ohne den Motor abzustellen hinauf fahren.
Auf der anderen Seite sind wir auf der Insel Sura, wo wir etwas später über eine Brücke für kurze Zeit Festland unter den Rädern haben. Dann müssen wir die neue Lepsøybrua (brua = Brücke) nehmen, die in unserem Navi noch nicht erfasst ist. Also fahren wir 10km daran vorbei, bis wir eine Fähre nehmen sollen, die es nicht mehr gibt. Also wieder zurück und über die Brücke. Wir wundern uns noch, dass die mit ca. CHF 15.- aussergewöhnlich teuer ist. Aber wir merken es schnell, gleich nach der Brücke kommt ein neues Tunnel und dieses Mal geht es auf die nächste Insel unter dem Meer durch. Unser Navi spielt verrückt, diese neue Verbindung kennt es noch nicht und nun fahren wir durchs Meer, statt auf eine Fähre oder so etwas. Die Frauenstimme aus dem Navi verzweifelt beinahe und weiss nicht recht, was sie sagen soll, bitte wenden, nehmen sie die Fähre, bitte wenden. Auch wir haben inzwischen die Orientierung verloren und fahren einfach der Strasse nach. Es kommen nacheinander drei sehr tiefe und steile Tunnels zuerst hinab (bis 134m unter Meereshöhe), danach wieder nach oben und immer sind wir wieder auf einer anderen Insel. Zwischendurch wieder über eine Brücke und wieder ein Stück alte Strasse, wo sich die Frau im Navi etwas erholen kann und endlich wieder etwas helfen kann (bis zum nächsten neuen Stück). Schliesslich finden wir uns zuäusserst aussen auf Finnøy, und dort am Fährhafen winkt der Fährmann wie verrückt: wir sollen schnell drauf fahren. Wollen wir das überhaupt? Und wo geht die Fähre überhaupt hin? Ich kurble die Scheibe runter und der Fährmann fragt «Ekra?» Ich nicke, weiss aber nicht, was das heissen soll und was ich nun gekauft habe, schliesslich kann ich jetzt nicht mehr verhandeln, die Fähre legt schon ab. Es sind 9 Fahrzeuge auf der Fähre und wir das einzige nicht norwegische. Also durchschnaufen, Handy nach vorne nehmen und mal schauen, wo wir genau sind. Ok, alles nach Plan, und hier hätten wir tatsächlich eine Fähre nehmen sollen. Aber nach Gefühl fährt sie in die falsche Richtung. Ich konsultiere weiter Google Maps und merke, dass der Fährmann wahrscheinlich Aukra gemeint hat, was richtig wäre. Hoffentlich ist es aber auch so. Und ich finde auch heraus, dass die nächste Fähre erst drei Stunden später abgelegt hätte.
So fahren wir wenig später die Insel Sandoya an bevor es dann Richtung offenes Meer geht. Am nächsten Fährhafen von Storsanden werde ich dann nochmals nervös. Ausser zwei anderen Fahrzeugen und wir fahren alle andern weg und wir stehen da und ich zweifle wieder, wohin diese Fähre wirklich geht. Aber hier von der Fähre runter zu fahren? Die Insel ist mikrig klein…
Nachher nimmt die Fähre aber wirklich Kurs auf Aukra und ich bin beruhigt.
Die Fahrt auf der Fähre können wir ab jetzt extrem geniessen, keine Leute, eitler Sonnenschein, 100e von Inseln, an denen wir vorbeifahren, Glace und Getränke, wo man sich selber bedienen kann und per Kreditkarte am Selbsbezahlautomaten bezahlt. Uns geht es so richtig, richtig gut! Das Meer ist spiegelglatt und Anita hatte nicht mal Zeit, eine Reisetablette zu nehmen. Sie fährt nun nüchtern von Medikamenten auf einem Schiff, ohne Seekrank zu werden. Eine Seltenheit!
Irgendwann treffen wir am Småge Fergekai an und fahren von der Fähre, 10km wieder auf Land und schon wartet die nächste Fähre auf uns und wir fahren wieder drauf, ohne den Motor abstellen zu müssen. Was für Glückskinder wir sind! Heute an den Fähren für uns Wartezeit insgesamt: ca. 3 Minuten, es hätten locker aber auch 4 Stunden sein können. Geplant ist geplant! (Bluff, war absolutes Glück heute).
Endlich können wir uns in Hollingsholmen wieder verschnaufen, es stehen heute keine Fähren mehr an und wir gehen einkaufen. Wir haben auf der Fähre gemerkt, dass heute Samstag ist und morgen die Läden geschlossen sind. Also noch Getränke kaufen und vieles andere…
Nächstes Ziel ist die Atlantikstrasse! Vor 10 Jahren auf unserer ersten Reise waren wir enttäuscht, also fahren wir nochmals gespannt drüber und erwarten nicht allzuviel. Bei diesem blauen Himmel geniessen wir die kurze Fahrt, machen ein paar Fotos wie alle hier und sind ganz zufrieden. Nun überlegen wir, wo wir übernachten sollen.
Am Ende der Atlantikstrasse sehen wir links einen kleinen Stellplatz direkt am Meer. Also fahren wir dorthin und fragen, ob es noch Platz gibt. Es ist eine kleine Ferienhaussiedlung mit eigenem Hafen, perfekt für uns. Wir stehen am Wasser, schauen in die Sonne und freuen uns wieder an diesem perfekten Tag, wenn auch vieles einfach Zufall war. Aber wenn Glückskinder unterwegs sind…
Unsere heutigen Inseln: Runde, Remøy, Leinøya, Blankholmen, Jensholmen, Nautøya, Gurskøya, Hareidlandet, Sula, Lepsøya, Haramsøya, Skuløya, Fjørtoft, Harøy, Finnøy, Sandoya, Storsanden, Gossa, Straumsholmen, Skarvøya, Eldhusøya, Geitøya, Storlauvøya, Littlauvøya, Roholmen, Folland
Sonnenaufgang: 3:58 Uhr
Sonnenuntergang: 23:15 Uhr
bewölkt bis leicht bewölkt, 14 - 20 Grad
247km
4:35 Std
8.5 Liter Durchschnittsverbrauch
53km/h
und keine E6
Als wir etwas verspätet losfahren, ist der Himmel bedeckt und wir guter Laune. Obwohl wir auf dem Stellplatz die Enstsorgungsstelle für Grau- und Schwarzwasser nicht finden. Andere auch nicht. Also entsorgen wir bei nächster Gelegenehit, die schon wenige Kilometer später kommt. Das ist schon super hier, wir sehen pro Tag mehrere öffentliche Entsorgungsstellen und kommen nie in den Stress, um irgendwo Wasser zu füllen oder Wasser- oder Urintank zu entleeren. Es ist richtig entspannt so und eindeutig unter vielen Ländern ein sehr gutes Beispiel.
Und dann müssen wir gezwungenermassen auf jedem Rastplatz stoppen, den wir sehen. Überall gibt es tolle Ausblicke, gute Fotos und einfach einen Blick fürs Gemüt. Wir kommen uns vor wie Stellplatztester, denn beim nächsten stoppen wir schon wieder und beim übernächsten auch. Jeder ist noch schöner wie der vorangegangene.
schon fast wie auf den Lofoten
An der Grenze der Provinz Møre og Romsdal nach Trøndelag gibt es auch wieder einen Rastplatz auf einem kleinen Pässchen (immerhin 250m hoch), wo für uns auch die Grenze zwischen Süd-Norwegen und Mittel-Norwegen verläuft. Wir verlassen also nun den Süden.
Auf dem Parkplätzen quetschen wir uns neben ein, so wie es aussieht, weitgereistes Womo auf Lastwagenbasis, anscheinend ist sein Name Elki. Passt ja nach Skandinavien. Der LKW hat Schweizer Nummernschilder und so wie es aussieht, sitzen die Besitzer auf der schönen Bank an der Sonne. Fünf Minuten später sitzen wir neben Margot und Jürg auch an der Sonne und diskutieren über lohnenswerte Ziele in Norwegen, Reiserouten und Übernachtungsplätze. Zwei Stunden später, immer noch an der Sonne, sind die Themen andere Länder, weite Reisen, verschiedene Fahrzeuge und und und… Wieder viel später ist es dann plötzlich 16 Uhr und wir wollten doch eigentlich noch viel weiter, oder?
Also verabschieden wir uns und wir fahren unsere geplante Strecke nordwärts. Margot und Jürg wechseln sich jeden halben Tag mit fahren ab, denn so ein grosser LKW braucht Fahrroutine. Das braucht eigentlich unser Knutschi auch und weil wir die Idee toll finden, wechseln auch wir, so dass ich endlich als Beifahrer auch etwas Routine bekomme. Anita macht das ganz toll, kommt bei Gegenverkehr von einem Anhängerzug auf den Landstrassen etwas ins Schwitzen, aber das mache ich ja auch (als Fahrer und Beifahrer).
So geniessen wir die Gegend weiter, fahren entspannt Richtung Trondheim aber vorher links auf die 710. Wir wollen ans Nordkapp nicht die grossen Hauptstrassen fahren, obwohl die E6 ja auch ganz schön ist, aber die kleineren sind ja noch etwas schöner. Schaffen wir es ans Nordkapp ohne E6? Erst weit im Norden, weit nach Tromsø in Olderdalen, erst auf dem 69,6 Breitengrad gibt es kein entrinnen vor der E6 mehr. Denn dort ist es die einzige Strasse Norwegens, die noch weiter in den Norden führt. Aber schaffen wir es bis dort die kleinen Strassen zu nehmen oder haben wir die unendlichen Kurven schon vorher satt?
Stemshaug Kyrke, die heutige Messe verpassen wir um 2 Stunden
Heute geht es auf alle Fälle noch super gut, wir geniessen die Fahrt und kommen erst nach 18 Uhr am Fähranleger in Valset an. Da es hier einen Parkplatz für 48 Stunden gibt, der direkt am Meer liegt, entschliessen wir uns, hier zu nächtigen. So können wir morgen als erstes dann die Fähre nehmen. Wir können auch ruhig schlafen hier, denn die meisten Fähren in Norwegen werden elektrisch betrieben, machen also weder Krach noch verpesten sie die Luft. So auch diese hier nach Brekstad.
Auf dem Speisplan wären heute Anita’s Flaschenomletten, das haben wir während der Fahrt so entschieden. Aber als es darum geht, diese zu machen, findet Anita den Trichter nicht, um die Eier und Mehl in die Flasche zu bringen. Also entschliesst sie sich, ohne mich zu fragen, mit dem angerichteten Sauerteig eine Pizza zu machen. Wie das duftet!
Wir essen herrlich gut mit Blick aufs Meer und alle halbe Stunde legt die Fähre an, entlädt und belädt, und fährt wieder über den Fjord.
Sonnenaufgang: 3:40 Uhr
Sonnenuntergang: 23:18 Uhr
230km
8,9 Liter
Fahrzeit: 4:09 Std
55km/h Durchschnitt
Uns gefällt es
An alle, die auf unser jeweiliges Wetter neidisch sind und das Gefühl haben, wir haben immer Sonnenschein: es muss auch mal gesagt werden, ausser dem ersten Tag in Norwegen hatten wir jeden Tag irgendwann Regen und irgendwann Sonne. Heute das erste Mal beides zusammen, siehe Titelfoto. Bisher war es meistens bedeckt oder heute gar Dauerregen, kein Vergleich zu den letzten drei Wochen hier oben in Norwegen, blauer Himmel und sehr warm. Aber wir hatten jeden Tag kleine Zeitfenster, die es zu treffen gab, um Fotos zu machen, weil sich die Sonne für ein paar Minuten blicken liess. Und jedes Mal, wenn wir mit Womofahrern reden, die schon länger hier oben unterwegs sind, hören wir das Gleiche: ach, so schlechtes Wetter wie heute hatten wir diesen Monat noch nie! Interessiert uns aber nicht, wir sind sehr zufrieden, wie wir es erwischen. Auch heute wieder, klar, es hat drei Stunden geregnet während unserer Fahrt, aber ist das so schlimm? Wir geniessen die Landschaft auch bei Regen und stellen sie uns vor im Sonnenschein, nur gibt es dann keine Fotos, die es sich lohnt, zu veröffentlichen.
Aber grundsätzlich haben wir schon immer etwas Glück und sehen das Positive. Heute Morgen zum Beispiel: wir schliefen direkt am Fähranleger und mein Plan war es, die 8:30 Uhr Fähre zu nehmen, da wir heute schon ein paar Kilometer machen wollten. Anita hat dann den Morgen so vertrödelt (ich hätte ihr meinen Plan nicht mitgeteilt, war ihre Ausrede), dass wir diese Fähre verpasst haben. Ich habe meine aufkommende Säuerlichkeit einfach weggelächelt und mir gar nix anmerken lassen. Und während wir auf die nächste Fähre warteten, hörte der Regen auf, ein paar Sonnenstrahlen kamen und wir sahen einen richtig leuchtenden Regenbogen, den man so nur selten sieht. Also wieder Glück gehabt.
Zwischen unseren Fähren Nr. 11 und Fähre Nr. 12 hat es dann nur geregnet und während wir doch 90 Minuten auf die Fähre Nr. 12 warten mussten, wir endlich Zeit hatten, einen Pølse zu verdrücken (Hot-Dog, heisser Hund, Wienerli mit Brot, warme Brühwurst mit weiteren Zutaten in einem weichen Weizenbrötchen) hörte der Regen für die nächsten Stunden auf und die schönen Fotos entstanden.
Von dieser Fährabfahrt bis zu unserem Tagesziel, immerhin 66km, hatten wir nie (NIE) ein Auto vor oder hinter uns! Da kann man mal sehen, wie entspannt das Fahren hier ist. Klar, wir fahren nicht die Hauptroute und immer relativ nahe am Meer draussen mit Fähren und nicht auf direktem Weg, aber wahrscheinlich auch die schönste Route. So schön, dass sie uns eben auch bei Regen gefällt.
Jetzt, wo ich den Blog schreibe, klart der Himmel übrigens immer mehr auf und wir haben schon bald nur noch blau über unseren Köpfen. Glückskinder sind wir schon, egal was alle anderen Womofahrer sagen.
Wir haben uns heute noch überlegt, wenn es drei Stunden regnet wie heute, ist es dann besser zu fahren oder auf schönes Wetter zu warten und erst dann fahren? Bei einer Regenfahrt sieht die Landschaft weniger schön aus, kann dafür am Ziel ohne Regen etwas unternehmen oder nach draussen sitzen. Oder besser, bei Regen zu warten, im Womo sitzen und dann bei schönem Wetter fahren? Wie macht ihr das so?
Nachtrag: wir erleben jetzt einen wunderschönen Abend direkt am Meer, blauer Himmel, ein paar Wolken. Aber es ist nur 12 Grad und um draussen zu sitzen, muss man schon eine Jacke anziehen. Aber der Sonnenuntergang ist ja auch erst um 23:41 Uhr, wir können es also noch etwas geniessen.
wenn man genug lange wartet, gibt es noch tolle Bilder
Nachtrag 2: 20 Minuten später wieder bedeckt und windig, aber das nächste blaue Loch im Himmel sehen wir schon
Sonnenaufgang: 3:19 Uhr
Sonnenuntergang: 23:41 Uhr (dunkel wird es übrigens nicht mehr, ein langes Abendrot geht direkt ins Morgenrot über)
Regen bis leicht bewölkt, 11 – 19 Grad
314km
5:20 h Fahrzeit
8.5 l / 100km
59 km/h
Wie vor 13 Jahren
Heute vor 13 Jahren haben Anita und ich bei schönster Kulisse an einem Bergsee mit Pedalofahrt und blauen Himmel mit weissen Wolken geheiratet. Und da ich heute an diesem speziellen Tag etwas bieten musste (warum eigentlich immer nur der Mann?), dachte ich mir, ich wiederhole so etwas in Norwegen. Also plante ich eine Fahrt durch die Berge mit schönster Aussicht, Fahrten übers Meer inklusive blauem Himmel mit weissen Wolken. Und wenn ich plane, dann geht es auch auf.
Ich musste heute allerdings gut planen, wir fahren die Strasse 17 von unserem Übernachtungsplatz nordwärts bis 200km vor Bodö. Da sind vier Fähren eingebaut, die nicht im Takt fahren, eine fährt z.B. nur alle drei Stunden, die andere nicht um die Mittagszeit und eine andere auch nur ca. alle 90 Minuten. Und so weiss ich, dass die erste Fähre (Nr. 13 auf dieser Reise) um 9:40 Uhr fährt, wir 20 Minuten bis dorthin haben und folglich um 9 Uhr starten müssen inkl. Ent- und Versorgung. Das ist ja noch leicht zu kapieren, aber nach der ersten Fähre haben wir 50km Fahrt und 50 Minuten Zeit, bis die nächste ablegt. Also Fotohalte liegen nicht drin, ausser wir wollen 2 Stunden auf die nächste Fähre warten. Das geht nun knapp auf, beim Verlassen der ersten Fähre sind wir zuhinterst und im sich langsam fortqälenden Tatzelwurm von Fahrzeugen sind wir darum immer etwas auf Eiern, ob wir es schaffen oder nicht. Es reicht, aber wir müssen uns am Pier der dritten Fähre wieder zuhinterst anstellen. Haben alle Fahrzeuge Platz? Ja, haben sie und wir sind wieder zuhinterst. Die nächste Strecke ist 16km mit 20 Minuten Zeit. Etwas verspätet fahren wir wieder als Letzte vom Schiff und schaffen es so, obwohl wir streng genommen 2 Minuten zu spät kommen, gerade auch wieder auf die Fähre. Diese ist zum Glück leicht verspätet. Bisher haben jeweils immer alle Autos und immer mehr Womos Platz gefunden. An jeder Anlegestelle verlängert sich die Reihe der Womos, eben die Nachzügler, die Fotosports eingelegt haben oder zu langsam gefahren sind und es darum nicht mehr auf die vorherige geschafft haben. Es werden also immer mehr Womos, der Tatzelwurm immer länger und wir immer zuhinterst.
Dann der letzte Abschnitt ist nochmals 50km und da habe ich die Abfahrtszeit nicht ganz im Kopf. Bei der tollen Helgelandsbrua können wir einfach nicht anders. Wir stoppen und machen Fotos und danach geniessen wir die wirklich tolle Fahrt über diese Brücke. Wahrscheinlich die schönste, die wir je gefahren sind, dünkt es uns.
Allerdings büssen wir es 24km später, denn genau als wir um die Ecke des nächstens Fähranliegers kommen, sehen wir noch, wie sich die Barriere schliesst, die Fähre steht zwar noch da, aber das Wasser schäumt auf und sie gibt Gas. Mist, 1 Minute zu spät und nun ist 1 Std. und 10 Minuten warten angesagt. Das geht nun von unserer wohlverdienten Abendruhe ab…
Wir (ich) werde aber nicht säuerlich (Anita schon mal gar nicht), wir geniessen die Sonne, schwatzen etwas mit andern ankommenden Womofahrern und geniessen danach die Fährfahrt einfach doppelt. Das war übrigens unsere Fähre Nr. 16 auf dieser Reise.
Nun stehen die letzten 50 km Fahrt bei Sonne an, wo es über tolle Berge mit grandioser Sicht aufs Meer geht. Und dann suchen wir uns irgendwo einen schönen Platz am Meer. Wir sehen innert kürzester Zeit drei tolle Freistehplätze und als wir dann den Blinker stellen, sind wir rundherum glücklich. Wir könnten auch einen Kilometer zurück und jenen nehmen oder drei zurück, und den ersten auswählen. Wer die Wahl hat, hat die Qual und das tun wir uns nicht an. Wir sind glücklich so und geniessen diesen. Weiter vorne kommen sicher noch weitere…
Zuerst nehmen wir zur Feier des Tages einen Apéro und als wir den verschlungen haben, beginnt Anita zu kochen. Filet mit Speck ummantelt, dazu würziges Risotto. Einfach herrlich, draussen an der Sonne zu essen und den Blick übers Meer schweifen lassen.
Zum Dessert gibt es dann noch meinen extra gekauften Glacé-Cake. So ein Hochzeitstag muss man doch feiern!
Jetzt warten wir nur noch auf die letzte bestellte Überraschung: ein Elch, der um unser Knutschi streunt und sich super unter einem Regenbogen fotografieren lässt.
PS: jetzt bräuchten wir noch jemand, der den Abwasch macht. Wir haben ja zu feiern.
Sonnenaufgang: 2:38 Uhr
Sonnenuntergang: 0:22 Uhr
schön, 13 - 19 Grad
222 km
60 km/h
8,0 Liter
3:42 Std.
Er hat aber überlebt
Wir haben es morgens nicht eilig, unser Ziel ist Bodø und der Platz am Hafen wird nicht wahnsinnig schön sein. Es gibt also keinen Stress, auch für mich nicht, der Hochzeitstag ist vorbei und ich kann wieder normal tun und muss nicht gar alles liebevoll erledigen. So starten wir erst nach 9 Uhr, denn unsere anvisierte Fähre Nr. 17 fährt nach unserem Plan um 10:30 Uhr und ist nur eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt. Wir starten den Motor, biegen auf die 17 ab und fahren den Wegweisern nach. Der Fährhafen kommt schon nach 10 Minuten, wir stellen uns wie gewohnt in die Schlange und geniessen die Sonne. Da ich trotz viel Zeit morgens keine Zeit habe, unser Navi zu programmieren, hole ich es nun nach.
Ups, und nach der doppelten Konsultation von Google Maps merken wir, dass wir im falschen Ort am falschen Fähranleger sind. Mist. Wie machen wir uns nun diskret von hier aus dem Staub mit unserem auffälligen Knutschi? Wir stehen in der Kolonne und können ja niemanden sagen, dass wir am falschen Hafen stehen, da blamieren wir uns ja bis auf die Knochen! Also frischfröhlich vor mich her pfeifen, wie selbstverständlich ins Auto steigen, Motor anlassen und ohne rot zu werden die Kolonne rechts überholen, zuvorderst auf dem Platz eine 180 Grad Wende machen, wo alle zuschauen können, und mit einem Lächeln auf den Lippen davonbrausen. Es hätte ja sein können, dass wir einen Notfall oder es uns doch anders überlegt haben!?
Na ja, eine halbe Stunde später stehen wir dann in Kilboghavn richtig und nicht mehr in Stokkvågen, wo es nur auf die Sackgass-Inseln geht. Der Fähranleger hier ist dann richtig schön, der schönste, den wir bisher erlebt haben. So warten wir auf die Fähre, reden mit anderen Wohnmobilfahrern, die wir schon gestern auf einer Fähre kennen gelernt haben. Es sind immer ungefähr die gleichen Womos auf der gleichen Fähre, alle haben das Ziel Bodø und nachher die Lofoten.
Als wir auf der Fähre sind, nehme ich dieses Mal das grosse Objektiv aus dem Womo, denn wir werden auf dieser Fährfahrt den Polarkreis überfahren und da will ich unbedingt vom Polarkreiswahrzeichen am Ufer ein gutes Foto machen. Es ist gar nicht so einfach, denn es windet extrem stark, wir würden sagen, ein Föhnsturm zieht übers Land. Denn genau so fühlt es sich an, es ist extrem warm, um die 20 – 24 Grad, starker Wind und Föhnwolken am Himmel. Genauso wie zu Hause.
Das Foto gelingt, und Anita und ich sind nun schon zum dritten Mal über dem nördlichen Polarkreis! Irgendwie schon etwas Spezielles. Ab jetzt haben wir vorläufig keine Nacht mehr und die Sonne geht vorerst für uns nicht mehr unter.
Nach einer Stunde sind wir wieder an Land und fahren zur Fähre Nr. 18. Hier landen wir auf Anhieb am richtigen Hafen und sind nach weniger wie einer halben Stunde schon über diesen Fjord.
Die Landschaft wird allmählich etwas karger, und als wir später noch einkaufen gehen, merken wir auch, dass die Preise etwas angestiegen sind. Nicht nur beim Diesel, auch bei den Lebensmitteln. Aber wir sind nun schon so weit im Norden, dass sehr vielen hergefahren werden muss und nicht mehr viel Angebaut werden kann.
Der Schnee auf den Bergen kommt immer etwas weiter Richtung Meer hinab und auch der Svartisen-Gletscher sehen wir von der Meereshöhe aus. Wir stoppen viel an den Aussichtspunkten und Rastplätzen, überall gibt es tolle Fotos. Und wir haben es immer noch nicht eilig.
Anita stellt dann den Blinker nach der Saltstraumenbrücke auf den Parkplatz. Als wir vor 10 Jahren hier waren, hat es geregnet, also einen guten Grund, um nochmals anzuhalten. Wir erwischen um 17 Uhr gerade die Zeit, wo die Strömung unter der Brücke am Grössten ist. Der Fjord «leert» sich und 400 Mio Kubikmeter Wasser strömen ins Meer, nur um drei Stunden später wieder beginnen, zurückzufliessen (Das ist übrigens gleichviel Wasser, wie der ganze Grande Dixence- Stausee im Wallis. Der wird also in 6 Stunden geleert und in den weitern 6 wieder gefüllt). Wahnsinn, so etwas. Es ist die weltweit stärkste Gezeitenströmung und an dessen Ränder bilden sich gewaltige Strudel, die bis zu 10m gross und 4m tief sein können. Extrem eindrücklich. Wir schauen diesem Schauspiel gespannt zu und schwitzen vor uns her, es ist so warm, wie wir es fast nicht mehr gewohnt sind.
Nach knapp einer Stunde fahre ich dann wieder die restliche Strecke nach Bodø, wo wir zuerst noch in den Biltema gehen. (ein grosser Baufachmarkt, wo es alles gibt…) Anita kauft sich dort Wanderhosen (ich habe nix gesagt, kosten nicht mal 30.- CHF. (Outdoorhosen für Damen, Wind- und Wasser abweisend)) und sonst noch ein paar notwenige Kleinigkeiten (z.B. einen Trichter für die Flaschenomeletts).
Danach richten wir uns auf dem Parkplatz am Hafen ein und überlegen uns, was wir machen sollen, jetzt wo es nicht mehr dunkel wird. Wir entschliessen uns, 20 Minuten ins Zentrum zu laufen und dort Fish & Chips essen zu gehen. (Von unserem norwegischen Pizza-Trauma haben wir uns noch lange nicht erholt). Die Stadt soll 42'000 Einwohner haben, aber wo sind die alle? Es ist fast wie ausgestorben, in einigen Restaurants in Hafennähe (Italiener, Thailänder, Chinese, Mexikaner) hat es Leute drin, aber sonst? Bodø ist Kulturhauptstadt 2024 aber irgendwie läuft nicht gerade viel. Und wirklich Charme hat sie auch nicht, immerhin mehr wie Hammerfest (aber das ist auch nicht schwer). Irgendwann finden wir dann Annas Gatekjøkken, wo wir Fish & Chips essen. Was die Essenspezialität Norwegens ist, wissen wir übrigens noch nicht. Nach dem Angebot in den verschiedensten Geschäften, müssten es Hamburger und HotDogs sein…
Wir sind dann um 23 Uhr wieder bei unserem Knutschi und nun muss noch der Blog geschrieben und die Fotos ausgewählt werden. Und dabei müssen wir morgen spätestens um 4:45 Uhr am Fähranleger stehen, denn unsere Fähre geht um 5:30 Uhr.
Gute Nacht am Tag.
Sonnenaufgang: 1:41 Uhr
Sonnenuntergang: -
18 - 24 Grad, windig
236km
4:14h Fahrzeit
55km/h
8.9l/100km
unseres Reisestrecke