Wie viele Lieblingsinseln darf man haben?
Eines vorweg: wir sind total verliebt in diese Insel! Nicht mal einen Tag haben wir bisher darauf verbracht, aber uns hat es nun schon den Ärmel hereingezogen. Aber der Reihe nach.
Um 4:30 Uhr schellte der Wecker, aber er hätte gar nicht klingeln müssen, ich war schon wach. Um Mitternacht sind wir vom ruhigen Stellplatz am Hafen in die Warteschlange an der Fähre disloziert. Wir dachten, wir sind super schlau und können so eine halbe Stunde länger schlafen. Es war aber keine gute Entscheidung, die Fähre von den Lofoten kam etwas nach drei Uhr an und wurde zuerst entladen und dann beladen. Natürlich musste jedes Fahrzeug noch den Motor aufheulen lassen und der Kühllaster auf der Spur eins machte auch dauernd Lärm, wenn das Aggregat wieder einschaltet. Also insgesamt schlechte Idee.
Als wir dann um 5:30 Uhr auf die Fähre fahren dürfen, sind wir froh, dass es losgeht. Es sind ca. 10 Fahrzeuge in deren Bauch, andere 60 hätten auch noch Platz. Ein schönes Minusgeschäft, allerdings wäre es auch ein Minusgeschäft, wenn sie voll wäre, denn diese Fähre ist kostenlos.
Wir machen uns in den Sesseln bequem und als die Fähre lostuckert, ist das Meer noch schön ruhig. Aber allmählich werden die Wellen stärker, der Wind bläst von hinten, und das Schiff rollt und schwankt immer mehr. Es schwankt manchmal wirklich bedenklich, so etwas habe ich auf Fähren noch nicht erlebt. Darum habe ich Angst um Anita, die mucksmäuschenstill in ihrem sitz eingekullert ist, keinen Wank von sich gibt aber auch nicht auf die Toilette springen muss oder nach einer Kotztüte ruft. Echt erstaunlich. Und dann nach drei Stunden fahrt ist die Fähre im Hafen und Anita kann sogar aufstehen und ist nicht kreideweis im Gesicht. Kurz: ihr ist nur etwas schummrig, aber keinesfalls schlecht. Viel hätte aber nicht mehr gefehlt…
Im Womo ist ihr aber bedeutend wohler und so fahre ich vorsichtig von der Fähre auf die schmalen Strässchen, biege Richtung Norden der Insel ab und muss nach jeder Kurve wieder stoppen. Das Meer leuchtet manchmal türkisblau wie in der Karibik, die Berge haben die typische Lofoten-Form und ringsum viel natur. Nach nicht mal 10 km sind wir beim alten Flugplatz auf der Landepiste angekommen, wir können uns irgendwo auf dem 800m langen und 20m breiten Rollfeld einen Platz aussuchen. Es sind nur zwei andere Womos hier, also Platz zum versauen.
Später kommen dann noch ein paar wenige Womos und einer der Franzosen weiss wieder nichts bessres, wie 3m neben unser Knutschi zu parken. Ich glaube es einfach nicht, warum suchen die Kuschelcamper immer uns aus? Er hätte 700m Platz! Mehr dazu am Schluss des Eintrages.
Wir bekommen vorerst aber nichts davon mit, denn wir machen uns auf zu einem kurzen Spaziergang mit Fotoapparat. 500m entfernt gibt es sogar eine Entsorgungsstation, einfach perfekt. Etwas weiter hinten sehen wir einen schmalen Wanderweg, wo führt der wohl hin? Er führt in die Richtung der steilen Fels- und Geröllwand und wir wollen ja nur etwas erkunden. Es wird aber immer steiler und steiler, und wir sind schnell höher und der Ausblick immer schöner. Jetzt können wir nicht mehr drehen, denn wir wollen wissen, wohin der führt.
Es ist steil, sehr steil, und irgendwann erreichen wir einen Sattel mit fantastischem Ausblick auf die Südseite der Insel. Aber es geht noch höher. Und dann kommen wir auf dem Værøyhornet an, wahrscheinlich dem höchsten Berg der kleinen Insel. Ich überlege mir schon, was ich im Blog schreiben werde und bin mir noch unsicher, ob dieser Berg nun 800m hoch ist oder gar die 1000m Marke knackt. Das muss ich unbedingt noch herausfinden.
Gipfel erreicht, wir fühlen uns wie auf einem 4000er
Aber kurz nach dem Gipfel kommt eine Gipfeltafel, wo nur 346m draufsteht. Das kann doch gar nicht sein, die haben vorne sicher eine 1 vergessen. Mist, ist er doch nicht so hoch, wie meine Kondition sich anfühlt?
Egal, gerade als wir oben sind, drückt die Sonne durch und Anita und ich machen eine lange Pause und geniessen einfach diesen tollen Ausblick. Es ist wahnsinnig schön und genau darum sind wir Fan von Skandinavien und seit heute Fan der Insel Væroy.
Beim Abstieg müssen wir dann etwas aufpassen, denn die Beine schmerzen schon ein wenig und auch die Kehle ist ziemlich trocken. Für den Spaziergang haben wir nämlich nicht mal einen kleinen Rucksack mitgenommen. Beim Abstieg sehe ich dann meinen Kuschelcamper das erste Mal und ich rege mich fürchterlich auf. Ich bin schon vorher nicht gut auf die Franzosen zu sprechen, und heute erst recht nicht.
Allerdings geniessen wir dann beim Womo trotzdem die immer wieder hervorschauende Sonne, Wärme wäre zu viel gesagt, es sind nur 9,4 Grad. Aber das Wetter soll auf den Abend noch besser werden und wir haben von hier einen tollen Ausblick auf die Mitternachtssonne, die wir heute hoffentlich in voller Pracht sehen können.
Anita uf Vogelpirsch (vom Liegestuhl aus)
Wir sitzen draussen, philosophieren, Anita strickt und wir geniessen die Zeit, denn es ist erst 14 Uhr und wir haben unser Tagespensum schon erfüllt. Richtig Ferien. Anita meint plötzlich: «Sollen wir die Fähre auf die Lofoten wirklich erst morgen nehmen oder schon heute Abend?» Ich verneine vehement, denn diese Ruhe an so einem schönen Ort haben wir uns verdient, und den morgigen Tag grad auch noch, denn die Fähre Richtung Moskenes legt morgen erst um 22 Uhr ab.
Der Wohnmobilfahrer ist ein Herdentier, überall wo es Wohnmobilfahrer hat, gesellen sich andere dazu. Jeder sagt aber, er wolle individuell und allein in der Natur stehen. Aber wirklich den Mut hat er dann doch nicht. Und er hat noch ein Prinzip: möglichst sein Hirn nie benutzen.
Hier gibt es das besagt grosse Rollfeld, perfekt gelegen, riesig, jeder kann allein stehen, top -Aussicht aufs Meer und die Berge und von der Gemeinde explizit erwünscht, dass hier übernachtet wird und nicht an einem anderen Ort. Entlang des Rollfeldes führt eine schmale Strasse 500m weiter zu einem Wanderparkplatz. Auf dem Rollfeld stehen 5 Womos, auf dem kleinen Wanderparkplatz 8, Seite an Seite und so, dass die normalen Benützer dieses Parkplatzes gar nicht mehr parken und danach wandern können. Auf der schmalen Strasse gibt es meerseitig zwei Ausweichbuchten, und genau dort parken weitere Wohnmobilfahrer ihr Gefährt am liebsten.
Warum ist das so? Warum haben Wohnmobilfahrer kein Hirn? Wollen sie sparen oder sind sie so arme Kerle, dass sie sich die 15 € Übernachtungskosten nicht leisten können? Man weiss es leider nicht, aber das sind wohl Gründe, warum der natürliche Lebensraum der Wohnmobilfahrer immer mehr eingeschränkt wird und sie bald nur noch in einem Zoo gehalten werden können. Selbst schuld!
Ach ja, mein Kuschelcamper hat jetzt seinen Motor gestartet und ist weggefahren. Wohin will der denn noch in um diese Zeit? 15 € sparen?
Nachtrag: seit der Franzose weg ist, habe ich plötzlich schnelles Internet. Hat dieser in der Pampa hier wohl noch den TV gestreamt, um mich einfach noch hässiger zu machen?
Morgen kommt der Blogeintrag wieder spät, weil wie geschrieben, die Fähre erst um 22 Uhr ablegt.
Sonnenunter und Aufgang: -
20km
23km/h
0:52 h Fahrzeit
11.1 l/100km
zittern um die Fähre
Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem voraussichtlichen Tag ohne Stress werde ich morgens, nachdem Anita aufgestanden ist, schon etwas barsch angemotzt: «Mann, warum hast du die Bananen die ganze Nacht an der Sonne liegen lassen?» Wir schauen uns an und müssen lachen. Tönt doch irgendwie gut, oder?
Wir haben heute eine kleine Wanderung auf dem Programm, dazu chillen und dann abends ginge eine Fähre von der Insel auf die Lofoten. Das heisst, es ist heute die einzige Fähre, die diesen Weg macht und morgen gar keine. Und im Internet wird angezeigt, dass diese eine Fähre ausgebucht ist! Schöner Mist. Sind wir gestrandet auf Værøy? Denn auch Sonntag und Montag sind die Fähren ausgebucht, das einzige was wir kriegen können, ist eine Fähre morgen zurück nach Bodø, von dort sind wir hergekommen und es ist nicht unbedingt unsere Traumroute dorthin zurück zu fahren.
Aber da wir morgens dagegen doch nichts machen können, geniessen wir die Ruhe, den Ausblick, das Meer und die Berge. Gegen Mittag verlassen wir dann den Platz Richtung Hafen, es sind ja nicht mal 10km und erkunden uns, wo wir da eventuell abfahren könnten. Es gibt drei Spuren, eine für reseservierte Buchungen, eine nach Bodø, eine nach Moskensen. Die zwei ersten genannten kommen für uns nicht in Frage, also müssen wir die dritte Spur nehmen und da möglichst früh dort sein, damit wir möglichst weit vorne warten können und dann möglichst noch auf der Fähre Platz finden. Aber jetzt um 12 Uhr ist es schon noch etwas gar früh.
Also drehen wir und fahren nochmals ganz wenige Kilometer zu einem Wanderparkplatz. Dort steigen wir in unsere Wanderschuhe, packen Rucksack (ohne Getränke, wir lernen nicht dazu) und wandern los den Berg hoch. Ziel ist der Berg Håen, mit 438m.ü.M. der zweithöchste Gipfel. Tönt gut, die Wanderung ist aber ein Kinderspiel, denn es gibt sogar eine asphaltierte Militärstrasse zur Radarstation auf dem Gipfel. Man darf nicht hochfahren, muss also laufen.
Die Wanderung ist nicht speziell, aber die Aussicht! Immer wieder müssen wir stoppen, den Fotoapparat zur Hand nehmen und ein Foto vom Inseldorf vor dem Meer eingebettet in den Bergen machen. Wir machen die gleichen Fotos beim Abstieg wie auf dem Anstieg. Vielleicht haben wir ja eines vergessen? Und bei diesem blauen Himmel darf man das sicher machen.
Auf dem Gipfel vorbei an der Radarstation und der Blick Richtung Süden ist einfach gewaltig! An der Insel hängt da noch die Halbinsel Måstad. Jeder Meter lohnt sich nur schon wegen dieser einen Aussicht.
Wir geniessen den Gipfel an der Sonne, aber wirklich warm ist es nicht. So marschieren wir zurück runter zu unserem Knutschi und fahren wieder zurück ins Dorf. Dort stoppen wir beim Coop (gegenüber entsteht gerade ein neuer Stellplatz inkl. Entsorgung) und gehen einkaufen. Wir brauchen nichts, haben Zeit und Hunger. Also kaufen wir nur Dinge, die wir nicht kennen und eigentlich auch nicht unbedingt gesund sind, aber einfach lecker aussehen. Rosarotes Berlinerherz, Berliner mit Vanillefüllung, norwegische Cremeschnitten, das grösste Glacé, Schokocréme, Bamse Mums (Süssigkeiten, wo es in jedem Laden das grösste Verkaufsgestell gibt) und dann überlegen wir, welchen Fisch wir kaufen sollen. Wir sind uns uneinig, ob es die Fischstäbchen von Findus sein sollen oder… (das war ein Witz…)
Danach fahren wir zum Fähranleger und sind auf der Spur nach Moskensen immerhin das dritte Fahrzeug. Wir machen es uns an der Sonne gemütlich, bearbeiten die Fotos, essen ungesundes Zeugs und sind einfach glücklich. Etwas später reden wir mit anderen Wohnmobilisten und vertreiben uns die lange Zeit von 4 ½ Stunden. Aber wir wollen nicht riskieren, dass wir dann das letzte Fahrzeug sind, das nicht auf die Fähre darf.
Im laufe der Zeit kommen immer mehr davon, viele Wohnmobile, Lastwagen. Schlussendlich stehen über 30 Fahrzeuge hier und von denen sind nur vier auf der Spur der Reservationen. Etwas angespannt sind wir nun doch!
Die Fähre hat etwas Verspätung, legt präzise an und die Fahrzeuge verlassen das Schiff. Als das letzte Fahrzeug an Land ist, sehe ich, dass die grosse Fähre nun leer ist und da haben locker alle wartenden Fahrzeuge nun Platz. Wir hätten also auch erst kurzfristig anfahren können.
Für alle Wohnmobilfahrer, die die Fähren auf den Lofoten benützen wollen, veröffentliche ich am Sonntag einen speziellen Bericht. Ich habe jetzt nämlich Infos von Fährarbeitern und der Schifffahrtsgesellschaft, die ich vorher nicht hatte und wie man Geld sparen kann und dennoch keine Angst haben muss, vor einer vollen Fähre zu stehen.
die Lofoten unter der Mitternachtssonne
Als wir auf der Fähre loslegen und Richtung Osten fahren, können wir nochmals einen Blick auf unsere Insel Værøy werfen, Ein Besuch, der sich unbedingt lohnt und wir jederzeit wieder machen werden. Sie ist bei unseren Lieblingsinseln ganz weit oben.
Noch ein Tipp: es fliegt täglich ein Helikopter in 20 Minuten von Bodø nach Værøy und zurück. Das ist mal ÖV !!! Der Flug kostet pro Person 1200 NOK (100 CHF), wo kann man so lange so günstig mit einem echten Helikopter fliegen?
Aber nun steuert unser Schiff den Hafen in Moskensen an und damit ins Herz der Lofoten. Wir sehen die ganze Inselgruppe unter der Mitternachtssonne, ein Wahnsinn!
Ausblick von unserem Übernachtungsplatz
Nach der Ankunft fahren wir 10 Minuten nach Reine und stellen weit nach Mitternacht unser Knutschi auf dem Stellplatz im Hafen ab, draussen ist es hell, Abendrot, dass fliessend ins Morgenrot hinübergeht. Die Sonne sehen wir aber nicht mehr, die ist hinter den Bergen verschwunden.
Ach ja, wusstet ihr, dass die Nordseite der Lofoten mehr Sonnenstunden hat wie die Südseite? Die Nordseite hat um Mitternacht auch Sonne, die Südseite liegt im Schatten und Mittags haben beide Seiten Sonne, da die Sonne viel höher steht.
Sonnenunter und Aufgang: -
90km
2:06 h Fahrzeit
43km/h
9.0 l/100km
1974 Steinstufen, die sich lohnen
Als wir morgens die Verdunkelungen öffnen, scheint uns die Sonne direkt ins Gesicht. Was für einen Anblick aus dem Hafen von Reine quasi mitten ins Herz der Lofoten. Strahlend blauer Himmel, aber so wirklich warm ist es dann doch nicht. In windgeschützten Ecken und an der Sonne ist es schön warm, an der Sonne und nicht windgeschützt sind es 14 Grad. Wir werweissen, ob wir den geplanten Aufstieg auf den Reinebringen mit kurzen oder langen Hosen in Angriff nehmen. Ich entscheide mich für kurze, Anita für lange. Aber im Rucksack kommen auch noch Ersatzwäsche und warme Jacken mit, man weiss ja nie.
Der Reinebringen Aussichtspunkt ist ein erster kleiner Gipfel mit einer Höhe von 448m und bietet einen gewaltigen Ausblick auf das Dörfchen, die umliegenden Berge und das Meer. Der eigentliche Gipfel ist dann noch etwa 200m höher, was dann nicht mehr viele ersteigen, auch wir nicht. Viele typische Fotos von den Lofoten wurden von diesem Aussichtspunkt aus geschossen. Und so ein Foto wollen wir auch.
So starten wir gut gelaunt und gut ausgerüstet mit Rucksack beim Stellplatz am Hafen. Zuerst sind es 2.8km flach der Strasse entlang zum Aufstiegsstart des Wanderweges. Es sind schon ziemlich viele Wanderer unterwegs, und nicht nur Touristen. Auch viele Norweger besteigen den Berg heute Samstag bei diesem tollen Wetter. Man erkennt sie jeweils sofort, die Männer meistens oben ohne (bei dieser Hitze) und die Frauen zu zweit laut redend, während dem alle anderen nur schnaufen und hächeln.
Wir sind dann doch etwas erstaunt, der gesamte Aufstieg besteht nur aus steinernen Treppenstufen, ziemlich hohe dazu und ganz unregelmässig. Nach Webseite des Tourist-Infos sind es 1974. Es ist steil, sehr steil und anstrengend. Aber das sieht man schon von unten.
So steige ich in einem langsamen Tempo die Treppenstufen vor Anita hoch. Im ersten Viertel werden wir dauernd überholt aber dann plötzlich ab der Mitte überholen wir alle wieder. Die meisten Wanderer steigen viel zu schnell hoch und müssen dann alle paar hundert Stufen eine Pause machen. Auch wir machen zwischendurch Pause, aber dank des langsamen Tempos nur drei Stück und so sind wir dann nach 55 Minuten (nur der Aufstieg) vor allen andern oben, die uns überholt haben. (NorwegerInnen zählen nicht, denn die rennen nach oben.) Auf der Infotafel unten steht, dass die Wanderung bis nach oben zwischen 1 und 2 Stunden dauert. Wir sind also ein bisschen stolz und ich muss Anita ein Kompliment machen, top-Leistung!
Bevor oben ein Foto geschossen wird, ziehen wir ein trockenes T-Shirt an und unsere warmen Jacken. Es zieht gewaltig und hat wahrscheinlich keine 10 Grad. Und in verschwitzen Kleidern da oben haben wir keine Lust, uns zu erkälten. Erst als wir schön warm eingepackt sind, bewundern wir die Aussicht. Es ist gewaltig, jede einzelne Stufe hat sich gelohnt. Sogar das Fotostativ habe ich hinaufgeschleppt, damit ich eine Langzeitbelichtung von der Landschaft machen kann. Hat sich aber nicht wirklich gelohnt, denn bei diesem Wetter kann man auf den Fotoapparat drücken, wo man will, die Fotos werden immer gut.
Wir bleiben fast eine Stunde oben und geniessen nur. Es kommen immer mehr Wanderer oben an und es ist bald eine kleine Völkerwanderung auf dieser Steintreppe. Unten hat es mehr Verkehr wie oben, denn ich glaube, dass viele wieder umdrehen. Wir haben da Gestalten gesehen, die nach 100 Stufen schon total am Limit waren. Dabei, wenn man schön langsam aber stetig eine Stufe an der anderen nimmt, ist es kein Hexenwerk. Technisch anspruchsvoll wäre anders.
Hinunter geht es dann einfacher und ist gar nicht so schlimm, wie ich es mir im Aufstieg vorgestellt habe. In 35 Minuten sind wir unten (wir haben die Zeiten nicht gestoppt, aber Anhand der Fotos waren diese leicht auszurechnen).
Nur die letzten fast zwei Kilometer bis zum Stellplatz wollen nicht enden und die Oberschenkel brennen schon etwas.
Im Knutschi müssen wir uns von der Wanderung und den Eindrücken zuerst etwas erholen und machen ein kleines Schläfchen, während ein selbstgemachtes Brot im Backofen gute Düfte verbreitet. Schliesslich sind wir auch erst heute weit nach Mitternacht ins Bett gekommen.
Danach fühlen wir uns wieder besser, räumen auf und machen unser Womo reisefertig. Bei der Entsorgungsstation füllen wir Wasser, Entleeren und beseitigen unseren Abfall.
Danach fahren wir mit dem Womo nach Å an den äussersten Spitz der Lofoten zurück. Auf den Stell- und Campingplätzen sind 100er Womos abgestellt und an jedem freien Parkplatz steht mindestens eines. Man könnte meinen, die gesamte Womowelt ist aktuell in den Lofoten unterwegs. Aber das haben wir gewusst, und darum sind wir weder überrascht noch enttäuscht.
Vom Parkplatz in Å bis ins Zentrum des kleinen Fischerdörfchen sind es dann etwa 400m und dort läuft absolut nix. Wo sind denn alle die Touristen hin? Und das an einem Samstag Nachmittag, 16 Uhr? Wir haben die roten Häuschen für uns alleine, machen Fotos und wollen dort im einzigen Restaurant etwas Essen, Fisch wäre angebracht hier. Aber nicht mal im Restaurant bekommen wir etwas zwischen die Zähne, sie schliessen das Mittagsmenu um 15 Uhr und beginnen mit dem Abendmenu erst um 18 Uhr. Also machen sie mit uns jetzt kein Geschäft, aber zwei Stunden warten, ist dann für uns doch zu viel.
Also zurück zum Knutschi und dann fahren wir gemütlich in die andere Richtung los. Überall stehen Womos, aber auf der Strasse und in den Dörfern ist irgendwie wenig los. Wir geniessen die Fahrt durch die Inselgruppen und stoppen für viele Fotohalte. Nach 60km stellen wir den Blinker und folgen einem Wegweiser zu einem Campingplatz, der 10km entfernt sein soll und auf der Nordseite der Insel liegt. Wir wollen auf der Nordseite übernachten, damit wir die Mitternachtssonne geniessen können, die Südseite liegt dann meistens im Schatten der Berge.
Nach 5km kommt auf der schmalen Strasse ein Womo entgegen und macht uns Zeichen, dass der Campingplatz voll ist. Wenigstens interpretieren wir sein Handzeichen so. Also drehen wir um, denn wir haben einen Kilometer vorher einen tollen Freistehplatz gesehen, der direkt am Meer liegt. Und er ist wirklich super toll! Schnell entschliessen wir, hier unser Nachtlager aufzubauen. Wir stehen etwas im Wind, aber mit draussen Sitzen ist es für uns sowiso nichts. Die Sonne scheint vom Himmel aber unser Aussenthermometer gibt nur 11 Grad an. So sitzen wir im warmen Knutschi, schauen auf das tiefblaue Meer hinaus und sind glücklich.
Sonnenunter und Aufgang: -
90km
9.0 l/100km
2:06 h Fahrzeit
43km/h
Ein paar Tipps
Um die Lofoten zu besuchen, muss man nicht unbedingt mit einer Fähre übersetzen, man kann alles auch direkt fahren. Aber es gibt je nach Reiseroute wichtige Fährverbindungen auf die Lofoten. Die Bekannteste und längste ist Bodø – Moskenes. Richtung Norden fährt man in Bodø drauf, Richtung Süden in Moskenes. Viel liest man, dass diese Fähren schnell ausgebucht sind und manchmal tagelange Wartezeiten gibt, die Kapazitäten dieser Fähre reiche einfach nicht. Versucht man auf der Webseite torghatten.no diese Fähre zu buchen, muss man zur Hauptsaison meistens wirklich tagelange Wartezeiten in Kauf nehmen oder vorher buchen. Aber: eigentlich kann man Inland-Fähren in Norwegen gar nicht vorbuchen! Es gibt einige wenige Ausnahmen und einer diese Ausnahme ist die genannte Strecke. Aber zur Info: die Fährgesellschaft gibt auf dieser Strecke nur 50% der zur Verfügung stehende Plätze zum Buchen frei. Wenn die Fähre also ausgebucht ist, ist sie nur zur Hälfte gebucht und die andere Hälfte wird an die Spontanfahrer vergeben. Wenn man etwas früher am Hafen ist, hat man also sehr gute Chancen, trotzdem auf der Fähre Platz zu finden. Die Vorausbuchung ist übrigens teurer, wie wenn man spontan fährt und ist nur über die Webseite der Fährgesellschaft möglich ! Man kann also durch ganz Norwegen problemlos ohne Buchungen fahren, auch auf die Lofoten.
Hat man gebucht, muss man mindestens 45 Minuten vor Abfahrt am Anlieger sein, sonst verfällt die Buchung und man muss dort in die Spuren 1 - 3 «Reservert felt» warten, die nicht gebuchten fahren normal in Linie 1 - 3. Es ist darauf zu achten, immer zuerst Linie 1 zu füllen und dann Linie 2 zu beginnen und so weiter. Es wird dann auch genau so auf die Fähre gefahren, wer also zuletzt am Fähranlieger ankommt, fährt auch zuletzt auf die Fähre. Da sind die Norweger sehr pingelig und wehe, man drängt sich da vor!
Die gebuchte Fähre auf dieser Linie kostet für ein Wohnmobil bis 8m aktuell 1761 NOK (ca. 150 CHF). Die spontan-Reisenden bezahlen übrigens nur 1211 NOK ( 102.- CHF).
Es gibt auch die kostenlose Variante über die Insel Værøy oder Rest an die oben erwähnte Zielhäfen zu fahren. Dann bezahlt man gar nichts. Die besten Routen sind die Direktfähren nach Værøy. Dort kann man anderntags weiter fahren und auf dem alten Flugfeld übernachten, die Insel geniessen (lohnt sich), wandern oder sogar Papageientaucher beobachten. Diese Strecken sind übrigens noch schneller «ausgebucht», aber auch kein Wunder, denn die Fährgesellschaft gibt dort nur 30% der Plätze für die Vorausbuchungen frei! Also auch hier, wenn auf der Webseite erscheint, dass die gesuchte Fähre ausgebucht ist, kann man trotzdem drauf.
Man muss aber etwas aufpassen, diese Fähren fahren nicht im Takt und auch nicht jeden Tag. Und zum Teil könnten es ziemlich lange Fährfahrten sein, wenn die Fähre noch Zwischenhalte macht. Wenn man z.B. Bodø – Værøy gebucht hat, die Fähre aber in Moskenes einen Zwischenhalt macht, darf man dort nicht vom Schiff und muss die nächste Etappe auch fahren. Auf diesen Strecke darf man nicht im Fahrzeug bleiben.
Die anderen Verbindungen auf die Lofoten Svolvær – Skutvik (ebenfalls kostenlos, 30 Minuten) oder Lødingen – Bognes (ca. 57 CHF, eine Stunde) können nicht vorgebucht werden. Dann kommt man dran, wenn man an der Reihe ist. Ist doch irgendwie auch viel gerechter…
Noch ein Hinweis: wenn die Fährstrecke über 20 Seemeilen betrifft, darf man nicht im Fahrzeug bleiben, sondern muss das Deck mit den Fahrzeugen verlassen. Ebenso muss man bei nicht gebuchten Fähren am Hafen einen QR-Code mit Handy scannen und dort auf der Webseite die Reisenden mit Namen, Geburtsdatum und Nationalität registrieren. Hat man dies gemacht, erhält man sofort einen QR-Code als Bestätigung, den man beim Beladen der Fähre dem Kontrolleur zeigen muss. Ohne diesen Code kann man nicht auf die Fähre. Das betrifft vor allem die Fähren auf der Strecke Bodø - Røest - Værøy - Moskenes, da dort einzelne Strecken länger sind.
Fährpläne, Baustellen, Blitzer
im Venedig des Nordens
Morgens erwache ich mit schmerzenden Beinen, ich habe extremen Muskelkater in den Beinen, Anita geht es nicht besser. Das kommt von den fast 2000 Treppenstufen hinunterlaufen gestern, da muss man kein Doktor sein, um das heraus zu finden. Also genau das richtige für ein Eisbad bei schönstem Wetter. Also mache ich mich bereit und steige zum Meer hinab und steige doch tatsächlich in das saukalte Wasser. Also ich so drin stehe, kommt mir in den Sinn, dass ich ein riesen Glück habe: ich habe ja nur Muskelkater in den Waden, warum also tiefer ins Wasser? Genützt hat es leider schlussendlich dann doch nichts.
Fast etwas wehmütig verlassen wir erst gegen Mittag den Platz, wo wir gestern Nacht die tolle Mitternachtssonne ohne Wolken erlebt haben. Es war einfach ein sehr erhabenes Gefühl. Auch heute Morgen ist das Wetter kitschig: strahlend blau. Allerdings zu Begin auch noch recht frisch, die Temperatur steigt nur allmählich von morgens 11 Grad auf nachmittags 20 Grad.
Wir entschliessen, uns heute keine Landschaftsbilder auf dem Blog zu zeigen, sie wirken zu kitschig bei diesem Wetter! Und weil wir die Sonne im Rücken haben, sehen wir vor uns türkisblaues Meer, grüne Felder, leuchtende Berge und blauer Himmel in den kräftigsten Farben.
auf dem Weg, wieder einmal eine Brücke
Wir kommen wieder einmal nicht vom Fleck, an jedem Rastplatz wird gestoppt. Dann sehen wir einen Wegweiser nach Henningsvær. Da war doch mal was? Das ist doch die schöne Ortschaft, wo alle hin wollen und wo es aussen auf den Klippen ein Fussballplatz gibt? Also Blinker stellen und die paar Kilometer Richtung Dorf fahren. Bei der Einfahrt vor dem Dorf gibt es einen grossen Parkplatz mit einigen Wohnmobilen. Auf einem sind 2 Stunden kostenlos, aber danach muss man gehen und auf dem anderen kostet die Zeit etwas, kann aber so lange bleiben, wie man will. Wir bezahlen per App auf dem Zweiten zwei Stunden, falls wir länger im Dorf bleiben, können wir im App online verlängern.
So müssen wir 500m über eine geschwungene Brücke zum Dorfeingang marschieren, wo es ebenfalls einen engeren Parkplatz gibt. Die Frage, die sich uns nun stellt: warum muss man mit einem grossen Wohnmobil ins Dorf fahren, dort mehrere Parkplätze belegen und so den PW’s und auch den Einheimischen die Parkmöglichkeiten blockieren? Und warum muss man mit den selben grossen Wohnmobilen das Dorf durchqueren und auf Glück hoffen, irgendwo einen kleinen Parkplatz zu finden, wo man dann kostenlos übernachten kann? Und wenn nicht, was meistens der Fall ist, wieder umdrehen und nochmals durchs Dorf fahren? Und das bei allerschönstem Wetter an einem Sonntag, wo es auch viele Norweger im Dorf hat? Warum wundert man sich, wenn die Einheimischen momentan nicht so gut auf die Wohnmobile zu sprechen sind? Wir lassen die Antworten offen, müssen aber einfach den Kopf schütteln, was wir da innerhalb zwei Stunden gesehen haben.
Wir schütteln etwas später auch den Kopf, weil wir eigentlich Fisch essen gehen wollen aber im Fischrestaurant kann man nur drinnen sitzen. Jetzt, bei 20 Grad an einem Sonntag an der Sonne? Wann kann man dann draussen sitzen? Heute drinnen essen ist nichts für uns, also schlendern wir etwas später zum Klatrekaféen, sitzen direkt an die Hafenmole an die Sonne und bestellen an der Theke den Klatreburger. Etwas erstaunt sind wir dann schon, als es umgerechnet mit den Getränken um die 65 CHF kostet. Allerdings sind wir hier im Venedig des Nordens quasi am Markusplatz, dem besten Platz des Ortes. Am richtigen Markusplatz kostet ein grosser Cappuccino auch 15 € und da haben wir lieber die wirklich sehr, sehr guten und grossen Klatreburger bei freundlichem Personal als 4 Cappuccini. Der Ausflug und das Essen haben wir echt nichts auszusetzen. Und ich gebe es zu, der Titel dieses Beitrages ist schon etwas reisserisch, aber ich brauche noch Leser…
Genau nach zwei Stunden (es hätte auch der Gratisparkplatz gereicht) fahren wir mit unserem Knutschi weiter und es geht so weiter, wie es begonnen hat: bei jedem Rastplatz ein Stopp mit Fotos. Irgendwann sind wir dann in Fiskebøl am ferjekai. Die Fähre wartet wieder fast auf uns und so setzen wir nach Melbu auf der Vestraleninsel Hadseløya über. Auf dieser Insel soll es ziemlich viele Elche geben. Wir wollen heute Nacht auf Elchjagd.
Nun warten wir an einem super schönen Übernachtungsplatz auf die Nacht, ähh, auf den Teil des Tages, wo die Sonne etwas tiefer steht.
Von der Jagd auf Elche berichte ich später…
Ach ja, wir revidieren unser 10 jähriges Urteil über die Lofoten! Die Lofoten sind superschön und die muss man gesehen haben!
Sonnenunter und Aufgang: -
129km
3:07 h Fahrzeit
41km/h
8.6 l/100km
unseres Reisestrecke