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Marokko 2018
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Reisebericht

Elche 10.6.2024

Auf den Vesterålen

Wir haben heute extra einen Übernachtungsplatz im Wald gewählt, und zwar dort, wo es auf der Inselgruppe Elche haben soll. Diese Information haben wir von Conny und Sirko, die ihren nordlandblog.de betreiben. Sie sagen, dass man im Nordwesten der Insel Hadseløya jeweils ziemlich sicher Elchsichtungen machen kann. Und wo schlafen wir heute? Klar im Nordwesten der Insel.

Vorgängig habe ich mich bei einem Safari-Anbieter auf der Insel ein paar Auskünfte über seine Elchtour geben lassen, weil wir dachten, wenn wir mit so einem Tour-Anbieter Nachts geführt gehen, sehen wir sicher Elche. Die Antwort auf mein Mail war aber irgendwie ernüchtern und wir hatten das Gefühl, da geht es nur ums Geld. Also haben wir wegen unserem Bauchgefühl nicht zugesagt und versuchen es nun selber. (Wir können nichts Schlechtes sagen, weil wir die geführte Tour nicht probiert haben).

Wir warten bis 22:30 Uhr und dann machen wir uns voll professionell zu Fuss auf den Weg. Dunkle Wanderhosen, dunkelgrüne Jacken, so dass wir überhaupt nicht auffallen und wir sind bewaffnet mit Fotoapparaten. Wir haben keinen Plan und laufen einfach drauflos. In jeder Waldlichtung könnten Elche sein, meinen wir, aber wir sehen nix. Immerhin fotografieren wir einen Vogel mit sehr langem Schnabel, der einen riesigen Krach macht und uns alle Elche verscheucht. Also in die andere Richtung. Plötzlich hören wir etwas rascheln und als wir uns anpirschen, hoppelt ein Hase weg… Er ist aber zu schnell für unsere Fotos.

Wenig später finden wir einen vertrocknen Dunghaufen, ist das einer eines Elches? Dass muss einer sein (wie wir später herausfinden, lagen wir meilenweit daneben), es sind also welche in der Nähe. Wir legen uns auf die Lauer, aber nix, eine Stunde später sind wir enttäuscht wieder beim Womo. Die Elche lachen sich wahrscheinlich schlapp über uns. Hätten wir doch eine Tour buchen sollen?

eine Familie? Gibt es Elch-Familien?

Aber so schnell geben wir nicht auf. Wenn es zu Fuss nicht klappt, fahren wir jetzt mit unserem Knutschi. Wir wollen 10km fahren, dann drehen und wieder zurück. In diesem Gebiet soll es eben Elche haben.

Ich fahre langsam die Strasse entlang, (es gibt noch Jogger um diese Uhrzeit und andere Spaziergänger, aber praktisch keine Autos). Anita bewaffnet mit Fotoapparat späht sie rechts und links in den Wald, ich auf die Strasse ob vielleicht weiter vorne einer die Strasse überquert.

Männchen mit wachsendem Geweih

Nach vier Kilometern höre ich Anita «döt! döt!» (für Nicht-Schweizer: das Schweizerdeutsche Wort für «dort»). Und tatsächlich, ich fahre noch ein paar Meter vor und wir sehen drei Elche in der Abendsonne unser Knutschi bewundern. Sie sind vielleicht 50m weg und alle drei starren zu uns. Ich stelle den Motor ab, Anita macht Fotos. Wir stehen vielleicht zwei Minuten so da, die Elche überlegen, was sie machen sollen und wir schiessen ein Foto nach dem andern und freuen uns wie kleine Kinder. Der kleinste der Elche entscheidet dann, dass es ihm unangenehm wird und trottet in den Wald, die andern zwei folgen ihm dann schnell. Und weg sind sie, keine Chance, sie noch zwischen den Bäumen zu sehen.

Wir fahren langsam weiter, weil wir hier nicht drehen können und die vorgenommenen 10km noch nicht zu ende sind. Kaum zwei Kilometer später steht ein Riesenviech direkt neben der Strasse und starrt uns an. Wow, was für ein Anblick! Der Blickkontakt geht vielleicht wieder 45 Sekunden und dann springt er ziemlich schnell und irgendwie schwerfällig in den Wald. Wow! Anita hat alles auf Film, das heisst, auf der Speicherkarte!

Wir können es kaum fassen und auf dem Rückweg sehen wir leider keinen mehr. Aber wir überlegen schon, ob wir morgens um drei diese Fahrt nochmals machen sollen. Als wir aber bei unserem Übernachtungsplatz wieder ankommen und die Fotos sichten, sind wir super zufrieden. Besser kann man sie gar nicht treffen, also können wir den nächsten Ausflug sparen und ins Bett.

Was für ein Tag!

Wir sind noch insgesamt 20km gefahren.

Keine Hurtigrute 10.6.2024

Schiffahrt fällt ins Wasser

Nach unserer erfolgreichen Elchfahrt schlafen wir wieder etwas länger und weil das Wetter heute noch hält und schön bleibt, wollen wir etwas spezielles machen. Wir wollen mit dem Hurtigruten-Schiff von Stokmarknes nach Svolvær fahren. Die Hurtigruten Postschiffe sind legendär und schon seit 1893 gibt es diese Verbindung zwischen den norwegischen Küstengemeinden. (Hurtigrouten -> hurtige Route -> schnelle Verbindung) Für einige norwegischen Dörfer ist diese tägliche Verbindung der einzige Nabel zur Aussenwelt. Und so etwas wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Die Tickets kann man online kaufen und da mühe ich mich durch die norwegische Seite, bis ich endlich für heute zwei Tickets auf der Südroute für zwei Personen habe, Abfahrt 14:30. Und dann brauche ich noch zwei Tickets auf der Nordroute für die Rückfahrt von 21:30 Uhr in Svolvær. Fast alles klappt, nur das Datum stimmt nicht, Rückfahrt am 11. Juni. Heute ist aber der 10. Und etwas später realisiere ich dann, dass heute gar kein Schiff auf der Nordroute in Svolvær ablegt. Ich meinte, die Schiffe fahren täglich? Nun merke ich, es heisst fast täglich, ausgerechnet heute aber nicht. Mist, diese Fehlplanung muss ich auf meine Kappe nehmen und die schon ausgegebenen 70 € für die Hinfahrt abschreiben. Wir haben schon blöder Geld ausgegeben, meint Anita. (Allerdings, was kann blöder sein wie für nix zahlen?)

So, Hurtigrutenfahrt fällt ins Wasser, was machen wir jetzt? Anita will weiter auf Entdeckungen, ich sehne mich nach etwas Ruhe. Irgendwie war ich immer etwas angespannt, jeden Tag weiter, jeden Tag irgendeine Attraktion, jetzt brauche ich mal Pause. Bisher konnten wir immer Plan A verfolgen, brauchten weder Plan B noch Plan C. Und heute wo ich keinen Plan B, C, D oder E habe, fällt Plan A ins Wasser.

Ich weiss, dass irgendwo auf den Vesterålen Schweizer Auswanderer einen wunderschönen Campingplatz betreiben. Das wäre doch genau das richtige. Ausruhen am Meer. Ich suche etwas und schon ist das Navi nach Myre programmiert. Wir müssen nicht so weit fahren und kommen schon am Mittag auf dem wunderschön gelegenen Campingplatz Oppmyre an. Sarah und Marco zeigen uns alles und wir stehen direkt am Meer vor einer traumhaften Aussicht. Die beiden haben letztes Jahr diesen Campingplatz gekauft und sind so nach Norwegen ausgewandert. Kein Wunder, hat es darum ein paar Schweizer Womos hier auf dem Platz.

Wir geniessen es, sitzen rum und erholen uns von unseren bisherigen Ferien. Auch Anita findet nun, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir wäschen unsere gebrauchten Kleider, bei mir dringend nötig, denn ich habe neben dem heutigen Planungsfehler auch einen Packungsfehler gemacht. Ich habe nur zwei langärmlige Pullover mitgenommen, etwas gar wenig für den Norden.

Danach überlegen wir, ob wir noch nach Nyksund fahren sollen und dort Abend essen wollen. Aber schlussendlich lassen wir auch das bleiben und lassen unsere Seele mit Blick auf das Meer baumeln.

Ich merke erst hier so richtig, dass ich immer etwas unter Strom war: sehen wir Elche, ist die Wanderung nicht zu streng, haben wir Platz auf der Fähre, ist der Übernachtungsplatz genug schön und so weiter und so fort. Und auch das kostet Energie, die jetzt aufgebraucht war. Aber nun gegen Abend sind die Batterien mittels Solar schon wieder voll und wir überlegen uns, wie es die nächsten Tage weiter gehen soll. Ziel Nordkap ist und bleibt klar, und giggerig für Neues sind wir auch schon wieder.

Wir geniessen den Campingplatz, schauen der Wäsche beim trocknen zu, sie kann ja die ganze Nacht an der Sonne hängen, machen kurze Spaziergänge und machen sonst einfach nichts.

Der Campingplatz ist übrigens sehr zu empfehlen, eine wirklich tolle Lage. Beim ersten Eindruck sah er etwas kahl aus, aber was sollen schattenspendende Pflanzen hier im Norden, wo jeder Sonnenstrahl genossen werden muss? Vom Campingplatz aus soll man auch Wale im Meer sehen können, darum ist unser Feldstecher in Benutzung, aber ohne dass wir einen sichten. Wäre ja auch zu schön gewesen, wobei, einen springenden Wal vor der Mitternachtssonne ist immer noch möglich…

Sonnenauf- und Untergang: -

79km
1:31h Fahrzeit
7.9 l/100km
51km/h

Übernachtung

Myre - Oppmyre camping ****
Norwegen, Camping
tolle Lage, nette Betreiber, gute Ausstattung
Koordinaten: 68.89188, 15.085884
N 68° 53' 30.8"  E 15° 5' 9.2"
letzter Besuch: 6.2024

Zwei Däppen unterwegs 11.6.2024

trotzt Regen haben wir es lustig

Manchmal ist es besser, wenn man sich nicht zu ernst nimmt, das Leben ist einfacher. So wie heute. Die Berge sind verhangen, es macht ums Regnen herum und das soll den ganzen Tag so bleiben. Also fahren wir weiter. Zuerst wird entsorgt, das heisst, unser Urintank geleert. Theoretisch, den praktisch hat er sich schon mal teilentleert, als ich das WC öffne. Wir zwei Däpps haben nicht kontrolliert, wann er voll ist und nun ist er total überlaufen. Die letzte, die aufs WC ging, war wahrscheinlich meine Holde Kunigunde, aber gemerkt hat sie nichts. Dabei ist sie unter anderem zuständig, die Füllmenge des Urintanks zu überwachen. Wir haben klare Aufgabenteilung in unserem Womo und Anita wäre zuständig für kochen, abwaschen abtrocknen, Kleider waschen, Kleider trocknen, Dekoration, Einkaufen, Vorräte auffüllen, gute Laune machen, warme Sachen stricken, Innenreinigung, Urintank überwachen, WC-reinigen, nachts alles verdunkeln, Blog auf Fehler überprüfen, Schlafenszeit einhalten, Übernachtungsplatz finden, Wärme im Womo regulieren, Wärme während dem Fahren regulieren, schauen dass ich saubere Kleidung anziehe, Finanzen überwachen, saubere Sonnenbrillen, saubere Fenster, bereite Fotoapparate und aufgeladene Handys. Ich bin zuständig für Planung und fahren.

Und da der Urintank ganz klar in ihr Ressort gehört und sie von ihrem Pflegeberuf viel mehr Erfahrung hat im Urin sauber zusammenwischen, muss gar nicht diskutiert werden, wer nun an der Reihe ist.

Gas tanken

Etwas später sind wir dann abfahrbereit, allerdings ändern wir noch unser Route. Die geplante Fährüberfahrt von Andenes nach Gryllefjord findet heute nur morgens und abends statt. Für morgens sind wir zu spät, bis abends dauert es uns zu lange. (An den Appenzeller Kaffeeröster und seine sympatische Frau: die Fähre fährt auch morgen Mittwoch nur morgens und abends, erst am Donnerstag zusätzlich mittags. Wir haben nicht mal nach euren Namen gefragt… Das App «Vegvesen trafikk» ist offiziell und immer auf dem neusten Stand). So improvisieren wir und fahren halb aussen rum. Halb, weil wir nicht ganz aussen rum fahren auf der E6, was schneller wäre, sondern zwischendurch mit weiteren Fähren, also über Vik – Harstad – Hamnvik. Unsere Route kann man übrigens live mitverfolgen, alle 30 Minuten wird die Position unseres Knutschis aktualisiert auf unserer Webseite.

Wir fahren also los und in Sortland füllen wir unser Gas, nicht dass wir irgendwann noch frieren müssen. Wir haben es gerne kuschelig. Danach geht es einkaufen, dieses Mal probieren wir den Rema 1000. Bei Coop, Spar, Extra und Biltema waren wir schon.

warten auf die Fähre

Es kommen noch ein paar Kokobollen (Mohrenköpfe) und andere Kleinigkeiten mit, bis wir uns endlich auf den Weg machen können. Beim Einkaufen war dann plötzlich die Bezahlung mit Visa-Card nicht mehr möglich und dann brach im Laden fast das Chaos los. Alle bezahlen hier mit Kreditkarten, Bargeld hat fast niemand mehr. Aber nein, wir zwei Chaoten haben alles richtig gemacht und sogar noch norwegische Kronen im Portemonnai. «Pardon, lasst uns durch, wir können zahlen!»

Kurze Zeit später fahren wir in Flesnes auf die Fähre und der Kontrolleur hat Mühe, unser Nummernschild einzulesen, d.h. es geht gar nicht. Er ist kurz vor dem Verzweifeln, als ich das Fenster runterkurble und ihm «Sveits» zurufe. Er nickt dankbar und dann geht das Einlesen problemlos. Wir Schweizer haben vorne auf dem Fahrzeugschild nämlich keine Landeskennzeichnung und manchmal werde wir darum vorne mit Einheimischen verwechselt. Wir haben die gleiche Typenaufbau wie die alten Norwegernummern. ZH -> Tromsö, LU -> Vestfjord, SZ -> Bergen, SH -> Rogaland etc. aber SG gibt es in Norwegen nicht und darum werden wir jeweils nicht gefunden, wenn sie nicht manuell Schweiz oder Sveits eingeben. (Wahrscheinlich bekommen Zürcher, Luzerner Schaffhauser etc. viel weniger Mautgebühren nach Hause zugeschickt, weil die irgend einem Norweger belastet werden).

Mjøsundbrua (35 m hoch)

Egal, wir fahren im Regen weiter und stellen die super tolle Landschaft einfach so vor, wie wenn es schön wäre. «Wow, sieh mal, wie sich die Berge im See spiegeln» sagen wir häufig zueinander, auch wenn wir den See kaum sehen. Und jedes Mal, wenn die Sonne etwas durchdrückt, sofort stoppen und ein paar coole Fotos machen. Egal wo man hier ist, man kann immer super schöne Fotos machen.

Wir kommen nicht vom Fleck, können selten mal wirklich 80km/h fahren, denn mit den Kurven und den engeren Strassen liegt vielfach höchstens knapp 50 drin. Dazu halten wir Ausschau nach Elchen in Wäldern und Walen im Meer. Allerdings nix, denen ist es auch zu nass.

Und gegen Abend tut es dann schon etwas auf und wir suchen nach einem Übernachtungsplatz. Schlussendlich sind wir nicht so weit gekommen, wie wir wollten, aber der Platz am kleinen Hafen ist schnuckelig schön, das Wetter stimmt auch und Anita erfüllt ihre Pflicht mit einem sehr feinen Znacht im Knutschi. Jetzt muss sie dann nur noch abwaschen und abtrocknen und die anderen Dinge auf der Liste erledigen…

Sonnenauf- und Untergang: -

260 km
8.4 Liter Diesleverbrauch
4:55 Std Fahrzeit

Übernachtung

Lysnes - Småbåthavn ***
Norwegen, Stellplatz

Koordinaten: 69.44547, 17.992849
N 69° 26' 43.7"  E 17° 59' 34.3"
letzter Besuch: 6.2024

Wendemanöver im Tromsø -Tunnel 12.6.2024

Und wer kennt die Storelvan silta?

Es wird heute unser Tag! Das spüre ich schon, als ich um 5 Uhr morgens wach im Bett liege und der Regen aufs Dach prasselt. Was für ein Glück, dass es regnet, denn es könnte ja auch schneien. Anita weiss aber noch nichts von meinem unbändigen Willen, heute die Welt zu verändern.

Ungeduldig warte ich, bis um 7 Uhr endlich der Wecker klingelt und dann schnell auf, für Anita einen heissen Kaffee zubereiten (die gestrig veröffentlichte Aufgabenliste gab zwischen uns noch zu diskutieren), zusammenpacken und um 7:15 Uhr sind wir abfahrbereit. Wir müssen 20 Minuten zur nächsten Fähre fahren, die um 8 Uhr ablegen will. Wir schaffen es problemlos und es hat auch genügend Platz. Die Angst, dass zu viele Womos warten und wir dann erst die nächste Fähre nehmen können, war völlig unbegründet.

Aktuell sind hier oben im Norden extrem viele Womos unterwegs, sogar die Campingplatz-Besitzer meinen unisono, dass sie so etwas noch nie erlebt haben, dass viele Plätze schon Anfangs Juni ausgebucht sind.

das Fährcaffee mit der Kaffeemaschine

Es ist regnerisch und neblig, die Sicht nicht wirklich einladend und so machen wir es uns in der Cafeteria der Fähre gemütlich. Es ist eine alte Fähre, die auch noch nicht auf Elektromotoren umgebaut wurde. Von unseren vielen Fähren in Norwegen waren nur noch zwei oder drei Diesel betrieben, alle anderen fuhren mit grünem Strom. Die zwei Hausfrauen in der Fährcafeteria bereiten uns eine Waffel mit Erdberkonfi zu und die ist so lecker, dass wir danach grad noch eine bestellen.

schade, die 27. und vorläufig letzte Fähre

Nach der Fähre fahren wir Richtung Tromsø, wahrscheinlich die schönste Stadt in Norwegen, wenigsten für uns. Aber da wir diese Stadt schon das letzte Mal besichtigt haben und das Wetter noch nicht mitspielt, beschliessen wir, weiter zu fahren. Zuerst über die tolle, hohe und lange Sandnessundbrua bis auf die kleine Insel mit dem Flughafen, danach in den Tunnel, der unter der Stadt und dem nächsten Fjord untendurch geht. Wir wissen, dass dieser Tunnel ebenfalls einen Kreisel beinhaltet, wir wissen aber nicht, dass es zwei sind. Und unser Susi aus dem Navi in einem Tunnel oder GPS-Empfang ist ein Totalausfall und so haben wir keine Ahnung, welche Ausfahrt wir beim zweiten Kreisel nehmen sollen. Prompt entscheiden wir uns für die schlechteste Variante und landen 300m weiter unterirdisch vor einem Parkhaus mit Höhenbegrenzung 2:30m. Unser Knutschi ist aber 3:05m hoch! Was machen? An Board bricht Panik und die Pest aus und die einzige Lösung: im Tunnel mit unserem 7.40m Knutschi auf der Strasse wenden ohne Reserve zu den felsigen Tunnelwänden. Puls 200, schwitzige Hände, dunkel, Lärm von der Lüftung, Anita, die draussen winkt, ich, der irgendwie das Knutschi wendet, bevor die Polizei hier ist. Danach wie ferngesteuert dem Wegweiser «Centrum» folgend, nur raus aus diesem Loch! Ich erwarte, dass bei der Tunnelausfahrt die Polizei mich stoppt, aber nichts, ich fahre durch die Altstadt, danach über die Tromsøbrua bis wir endlich wieder auf einer Hauptstrasse sind.

Ich bin fix und fertig. Und Anita schmunzelt fies…

Danach fahren wir weiter zur nächsten Fähre und zu übernächsten. Heute sind es unsere Fähren Nr. 25 bis 27 und auf dieser Reise und bis zur Rückfahrt in Schweden unsere letzten. Irgendwie schade.

Aber dann, am Breitengrad Nord 60,60 erreichen wir zum ersten Mal die E6, quasi die Autobahn von Norwegen Richtung Norden. Wir haben es tatsächlich geschafft, bis hierhin diese Strasse nicht zu fahren. Weiter ohne die E6 ist unmöglich. So überqueren wir wenige Kilometer später die Storelvan silta, eine kleine unscheinbare Brücke, die fast niemand kennt und eigentlich alle Nordkap-Fahrer kennen sollten. Denn jeder, der in Norwegen ans Nordkap fährt oder von dort kommt, fährt über diese Brücke. Man kann sie nicht umfahren, weder mit einer Fähre noch auf einer anderen Strasse. Hier gibt es nur gerade diesen einen Weg von Nord nach Süd und umgekehrt. Wenn diese kleine Brücke gesperrt ist, ist der Norden und Süden von Norwegen nicht mehr mit Fahrzeugen verbunden!

Und weil diese Brücke so unscheinbar ist, hat sie doch genau für alle anderen unscheinbaren Bauwerken einen Ehrenplatz verdient. Denn alle grossen, edlen und geschwungenen Wasserüber- oder Unterquerungen kann man umfahren und werden tausendfach fotografiert. Die Storelvan silta nicht!

Wer von den Nordkap Fahrern kennt diese Brücke? Eben!

Dafür ist hier im hohen Norden wieder vieles anders. Was uns auffällt: die Wohnmobilfahrer grüssen wieder! Bei jedem entgegenkommenden Womo (und das sind viele, geschätzt 1/4 aller Verkehrsteilnehmer) wird gegrüsst oder grüssen zurück. Im Süden sind es vielleicht 10%, die grüssen.

der Schnee kommt dem Meer immer näher

Hatten die alle gutes Wetter am Nordkap und sind darum gut gelaunt? Und die, die gegen Norden fahren, sind voller Hoffnung darauf? Denn jeder, der es bis hierhin geschafft hat, will auch das Nordkap sehen. Viele andere Sehenswürdigkeiten gibt es nämlich nicht mehr (ausser grandioser Natur).

Wir sind heute genug gefahren und auf der E4 sehr gut vorwärts gekommen, gut ausgebaut, wenig Kurven, sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Der erste anvisierte Stellplatz gib es nicht mehr, der zweite ist voll und so landen wir auf dem Arctic Fjordcamp mit grandioser Sicht über den Kvænangen-Fjord. Das Wetter ist übrigens schon lange wieder besser und wir sehen zwischendurch den blauen Himmel.

Anita hat nun auch ihre neuen, warmen Socken mit Norweger-Wolle fertig. Genau richtig für den ganz hohen Norden und das Nordkap.

Anitas tolle Norwegersocken

Alles im grünen Bereich und wir hatten recht, es wurde unser Tag, auch wenn wir zwischendurch gezweifelt haben.

Ach ja, ein Tipp an alle drehenden Sat-Schüssel-Womo-Besitzer: hier oben im Norden auf dem 69 Breitengrad gibt es keinen Sat-Empfang mehr. Der ist spätestens ab dem 64. Breitengrad nicht mehr möglich!

Sonnenauf- und Untergang: -

270km
8.5 l/100km
54 km/h
5:00 h Fahrzeit

Übernachtung

Storeng - Artic Fjordcamp ***
Norwegen, Camping

Koordinaten: 70.00868, 22.016929
N 70° 0' 31.3"  E 22° 1' 0.9"
letzter Besuch: 6.2024

71 Grad 10 Minuten 21 Sekunden Nord 13.6.2024

Ernüchterung und Zufriedenheit

Nach dem täglichen Studium der Wetterkarte heute Morgen studieren wir auch die Strassenkarte. Planänderung: es sind noch 313km bis ans Nordkap und heute 2. Hälfte Nachmittag und in der Nacht ist dort ziemlich schönes Wetter angesagt. Danach mindestens bis Sonntag Nebel und bewölkt. Also düsen wir los. Auf der E6 kommen wir schnell und ohne Stress vorwärts, das Wetter immer besser und erstaunlich wenig Verkehr. Bis Alta (60km) haben wir nie ein Auto vor oder hinter uns, nur ein paar die entgegenkommen. In Alta tanken wir, essen ein Soft-Ice zum Frühstück und cruisen weiter. Danach geht es durch die nördliche Hochebene, eine meiner 99 Lieblingsgegenden in Norwegen. Wir durchqueren sie nun zum dritten Mal und es ist eine Gegend, die mir von den zwei vorangegangen Fahrten sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Geradeaus, ausser Natur rechts und links nicht viel. Ich könnte schreien vor Glück, auch weil das Wetter inzwischen richtig sonnig ist. Es ist ein Traum.

einfach nur schön

Danach rechts, dann links, wir lassen Hammerfest aus, im Sommer lohnt sich diese Stadt nicht wirklich, und dann sind wir wieder am Porsangerfjord, rechts das blaue Meerwasser, links die Hügel mit einigen Schneefeldern. Blauer Himmel.

Inzwischen fährt Anita und ich mache die Fotos. Dann kommt der Nordkaptunnel, zuerst steil bergab bis über 200m unter dem Meeresspiegel und dann wieder steil bergauf und nach 7km sind wir wieder an der Sonne. Je nördlicher die Strasse über das Meer sollte, desto lieber bauen die Norweger Tunnel statt Brücken. Vorteil: die können auch im Hochwinter gebaut und müssen später nicht von Eis und Schnee befreit werden.

In Honningsvåg liegt ein grosses Kreuzfahrtschiff im Hafen, dann wird es also viel Betreib am Nordkap haben. Interessiert uns nicht, wir können ja warten, bis die Busse nach spätestens zwei Stunden wieder weg sind. Dann die Strasse zum Nordkap, hier fühlen wir uns irgendwie wie zu Hause. Wir haben die nun im Sommer und Winter schon gefahren und jedesmal sind wir absolut fasziniert. Es ist einfach unsere Gegend. Aber wir staunen auch hier, hin und wieder mal ein Auto oder ein Womo, das uns entgegenkommt, in unserer Fahrtrichtung nichts.

ständige Begleiter heute: Rentiere

Und dann typisch: je näher wir dem Nordkapp kommen, desto dichter werden die Wolken und erster Nebel zieht auf. Wir werden aber nicht nervös, das Wetterapp zeigt erst ab 18 Uhr erste Sonnenstrahlen.

Als wir auf den Parkplatz einbiegen, sind wir dann schon etwas überrascht, obwohl wir damit gerechnet haben: es stehen sicher 100 Womos hier. Wir machen eine Parkplatzrunde und sehen grad ein Womo, das sich abfahrbereit macht. Also schnell hin, diesen Platz nehmen wir, die Frontscheibe Richtung Mitternachtssonne, wenn sie denn kommt.

Wir haben 3.4 Grad, kalter Wind, aber auch damit haben wir gerechnet. Warm anziehen, zuerst zur Kugel mal ein Probefoto schiessen und dann in die Nordkapp-Halle, wo absolut tote Hose ist. Wo sind all diese Leute?

wie in Alaska

Es macht sich etwas Ernüchterung breit: im Restaurant ausser Sandwiches und Tomatensuppe nichts essbares, keine wirkliche Stimmung, komisch. Auch begreife ich die Preispolitik des Nordkaps nicht, jetzt ist der Parkplatz kostenlos und dafür muss man Eintritt in die Nordkaphallen bezahlen. Und mit fast 30 CHF pro Person auch nicht wenig. Bezahlen, damit man ins Restaurant und in den Souvenirshop darf? Eigenartig. Das war doch früher viel besser, da bezahlte jede Person, die auf den Parkplatz kam, ca. 16 CHF und in den Restaurants und Souvenirshops hatte es dafür mehr Leute. Ich bin sicher, sie haben damit mehr eingenommen wie jetzt. Für uns ist es eigentlich egal, da wir Mitglied im Nordkap-Club sind, haben wir lebenslang kostenlosen Eintritt und dies für einen einmaligen Mitgliederbeitrag von 20.- Das klappt auch dieses Jahr problemlos, Mitgliederkarte vorweisen und schon haben wir den Eintritt gespart.

Meine Stimmung ist irgendwie gar nicht auf dem Höhepunkt. Warum weiss ich eigentlich nicht.

Etwas später kommt dann tatsächlich die Sonne und je mehr Strahlen mein Gemüht erwärmen, desto besser geht es mir. Wir laufen zur Kugel, machen Fotos für andere, lassen Fotos für uns machen. Es ist irgendwie doch toll, jeder nimmt Rücksicht auf den andern, wartet, bis die Kugel frei ist und dann gibt man einem Fremden seinen Fotoapparat, der dann mit uns drauf Fotos macht und danach tauscht man die Rolle. Keine Hektik, man kommt ins Gespräch, alle sind friedlich und glücklich. Diejenigen, die mit dem Fahrrad den ganzen Weg in den Norden zurückgelegt haben, sind etwas glücklicher und müssen auch keinen Eintritt bezahlen, Töfffahrer, die ihr Motorrad auf das Foto nehmen und Hundebsitzer Fotos mit Hund vor der Kugel machen.

Wir sind glücklich und noch glücklicher, als Anita mal wieder eine Jacke kauft (und ich einen Pullover, der aber nötig ist, da es saukalt ist und ich zu wenige warme Oberteile auf die Reise mitnahm).

Einkaufen am Nordkap

Allerdings müssen wir schon sagen, das Feeling wie beim ersten Mal an der Kugel zu stehen, stellt sich bei uns nicht ein. Auch nicht das Feeling, es im Winter geschafft zu haben. Aber schön ist es trotzdem.

Das Nordkap ist übrigens weltweit der nördlichste Punkt, den wir mit unserem Wohnmobil auf normalen Strassen erreichen können.

Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass das Nordkap nicht unser grösstes Ziel auf dieser Reise ist und auch nicht der Wendepunkt. Denn wir wollen nun noch mindestens eine Woche hier ganz oben im Norden die Finnmark erkunden bis an die östliche Grenze zu Russland. Es gibt hier so viele kleine Strassen, grosse Fjorde, Tiere und abgelegene Gegenden, die wir unbedingt für uns entdecken wollen abseits des Touristenhotspots Nordkap. Wanderungen, Vogelinseln, etc. etc. steht alles noch auf dem Programm.

Wir freuen uns. Wir freuen uns auch auf die Mitternachtssonne hier am Kapp. Auch wenn momentan etwas Nebel aufzieht. Aber so wie wir Glückskinder sind, so wird Punkt Mitternacht der Nebel wieder verschwinden.

Es ist einfach schön!

Sonnenauf- und Untergang: -

317km
4:53h Fahrzeit
64km/h
10.1 l/100km

Übernachtung

Nordkapp - Nordkapp ***
Norwegen, Parkplatz
keine Ent- und Versorgungsmöglichkeit
Koordinaten: 71.1687, 25.7819
N 71° 10' 7.3"  E 25° 46' 54.8"
letzter Besuch: 6.2014

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