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Avignon Frankreich 2015
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Reisebericht

Sami Kirchendorf 24.6.2024

Abbruch der heutigen Tour

Bevor wir losfahren, reden wir noch lange mit Caro und sie erklärt uns einiges über die Kultur und Denkweise der Schweden. Sie ticken schon etwas anders wie wir Schweizer. Das merken wir vor allem beim Essen, denn die Hamburger und Hot-Dogs gehören hier zum Alltag, möglichst schnell und keine Zeit verlieren beim Essen. Da sind wir schon mehr die Geniesser.

Und da wir die heutige Fahrt auch geniessen wollen und in den letzten Tagen genug Bäume gesehen haben, gibt Caro uns den Tipp, dass wir doch die Vildmarksvägen fahren sollen. Dankbar nehmen wir das an und zweigen nun nochmals Richtung Berge ab. Diese Strasse ist die höchste asphaltierte Strasse Schwedens und überquert die Stekenjokk-Hochebene zwischen Lappland und Jämtland. Momentan stehen wir auf 800m Höhe bei der Stekenjokk Mine, runderherum Nebel und Regen. Wir haben hier unsere Fahrt abgebrochen, da nun der interessanteste Teil der Strecke kommt und bei Regen macht das doch keinen Spass. Morgen soll es sowiso besser werden.

Bis dahin hatten wir es aber toll. Zuerst frühstückten wir unterwegs bei toller Sonne und warmen Temperaturen draussen an einem See (ohne Mücken). Wir liessen es uns richtig gutgehen. Danach tankten wir Diesel für den Vildmarksvägen und waren erstaunt, wie schnell der Tank voll war. Es war ein Tankstutzen für Lastwagen, andere gab es keine, und mit viel Druck und dickem Schlauch war der Tank ratzfatz zappelvoll. Das ist mal Effinzienz!

Danach fuhren wir gut gelaunt weiter und hielten an einem tollen Wasserfall, von dem Caro erzählt hat. Das Wasser fliesst treppenartig über Felstritte hinunter, perfekt für hochschwimmende Fische. Ich liess sogar die Drohne steige, weil alles so gut aussah.

Litsjöforsen (kleiner Wasserfall)

Eine halbe Stunde später fuhren wir weiter um 10 Minuten danach wieder zu stoppen. Der richtige Wasserfall kam erst hier und der war noch gewaltiger wie der erste. Das ist dann wohl der, der Caro gemeint hat. Da es gerade zu regnen beginnt, müssen wir gemäss Wetterapp 45 Minuten warten, bis ich bei trockenem Wetter die Drohne steigen lassen kann. Wäre ja schön blöd, wenn ich vom kleineren Wasserfall tolle Bilder habe und vom grossen nix. Also machen wir Pause und warten.

Trappstegsforsen (grosser Wasserfall)

Die Bilder klappen und so fahren wir nochmals einige Kilometer weiter und biegen dann auf eine Naturstrasse ab Richtung Fatmomakke. 7km später stehen wir auf dem Parkplatz, schnappen unsere Fotoapparate und laufen ins Dorf. Es ist ein sogenanntes Kirchendorf der Sami. Weil hier die Gegenden so riesig gross sind, haben die Sami nur an wichtigen Punkten Kirchen gebaut. Der Anmarsch konnte dann einige Tage in Anspruch nehmen, um einen Gottesdienst zu besuchen und so bauten sich die Sami bei der Kirche eigene Hütten, sogenannte Koten. Darin konnten sie schlafen und sich ausruhen, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machten. Mit der Zeit entstanden dann auch Vorratshäuser und Ställe. Und jeder Sami sollte bis heute mehrmals im Jahr eine Kirche besuchen. Allzuviele Kirchenbesuche lohnen sich bei der langen Anreise dann nicht mehr. Auch die Koten in Fatmomakke sind noch in Privatbesitz der Samen, die sich für Beerdigungen, Taufen und andere grosse Feste noch immer hier treffen.

Kirche von Fatmomakke

Die Samen oder Lappen, sind übrigens noch das einzige verbliebene Urvolk in Europa, dass es noch immer gibt. Ab dem 17. Jahrhundert lebten die Samen vorwiegend von Rentierzucht. Anders als beim Vieh handelt es sich beim Rentier nur um ein halbdomestiziertes Tier. Die Tiere folgen wie ihre wilden Vorfahren den natürlichen jahreszeitlichen Wanderrouten zwischen Waldland und Gebirge. Der Eingriff durch den Menschen beschränkt sich dabei auf das Trennen der schlachtreifen Tiere von der Herde sowie auf den Schutz vor Raubtieren, so dass im Wesentlichen eine natürliche Auslese stattfindet. Jedes Rentier hat einen Besitzer, anders wie bei Elchen, die Wildtiere sind. Das Überfahren eines Rentieres ist darum im Norden die grössere Tragödie, wie ein Elchumfall, auch wenn der Elchunfall meist viel gravierendere Folgen hat. Ein Elch ist auch viel grösser, ungefähr wie ein grosses Pferd.

Wir fahren ohne Elche und Rentiere im Regen weiter, bis wir am Anfang der Hochebene stoppen und bei der Mine übernachten werden. Auf der Hochebene selber ist das Übernachten nicht erlaubt, darum warten wir nun hier, bis es morgen besseres Wetter ist.

Sonnenaufgang: 1:41 Uhr
Sonnenuntergang: 0:08 Uhr

262km
3:45 h Fahrzeit
69km/h
9.9 l/100km

Übernachtung

Stikkenjokk - Klimpfjäll ****
Schweden, frei

Koordinaten: 65.08850, 14.457536
N 65° 5' 18.6"  E 14° 27' 27.1"
letzter Besuch: 6.2024

Vildmarksvägen 25.6.2024

Schwedens Bergstrasse und höchster Pass

Nun sind wir die Vildmarksvägen, Schwedens höchste Bergstrasse einen Teil bei schlechtem und einen Teil bei gutem Wetter gefahren. Ich kann das Fazit kurz machen: kommt man von Norwegen und ist dort Bergstrassen gefahren und das Wetter ist hier nicht so toll, kann man sich die Vildmarksvägen sparen. Reist man nur in Schweden umher oder es ist tolles Wetter, sollte man diese Strasse unbedingt fahren.

Gestern sind wir noch fast bis zum höchsten Punkt am Beginn der Hochebene gefahren und dort auf einem grossen Parkplatz mit vielen anderen Wohnmobilen übernachtet. Nachts regnete es und windete stark, die Wetterprognosen mit besserem Wetter ab 6 Uhr früh trafen aber richtig ein und ab 11 Uhr hatten wir den schönsten und vor allem wärmsten Tag unserer ganzen Reise. Höchsttemperatur auf einem unserer Thermometer aussen: 33.4 Grad. Es war gefühlt auch so warm und wir hatten echt Mühe damit, da wir es nicht mehr gewohnt sind.

Auf der Hochebene war es noch kühler, aber angenehm. Als wir nach der Hochebene wieder im bewaldetem Gebiet mit vielen Seen unterwegs waren, stoppten wir einige Male und machten tolle Fotos.

geniessen

Auch fanden wir einen tollen Badeplatz (64.34492, 14.80300), wo man problemlos übernachten könnte. Ich habe es doch tatsächlich gewagt, im See zu baden, auch wenn nach der Wärmeprobe mit dem Fuss (hat sich warm angefühlt) die Wärmeprobe mit dem Rest des Körpers ein ganz anderes Resultat geliefert hat. Es war sau kalt! Aber endlich bin ich in Skandinavien in einem natürlichen Gewässer (kurz) schwimmen gegangen. Dies kann ich nun abbuchen und als erledigt markieren. Wir genossen dort zwei Stunden Erholung, aber weil wir noch nicht so weit gefahren sind, machten wir uns nach diesem schönen Plätzchen weiter Richtung Süden.

ganz viele farbige Lupinen auf dem Weg

Unser Ziel war Östersund, und da der Stellplatz gemäss Webseite schon ausgebucht war, fuhren wir kurzerhand zu unserem Winter-Übernachtungsplatz beim Bahnhof am See. Mich traf fast der Schlag, alles voll von Wohnmobilen, jeder hatte die Stühle draussen und nahm 1 ¾ Parkfelder ein, aber genau so, dass natürlich keiner mehr dazwischen stellen konnte. Ich nerve mich schon vorher etwas an den schwedischen Wohnmobilisten (und auch Autofahrer) und jetzt erst recht. Sorry, das zu sagen, aber die Schweden können nicht Auto fahren, kennen weder Blinker noch Verkehrszeichen (in Norwegen und Finnland war uns so etwas nie aufgefallen…). Ich habe nix gegen Langsamkeit, aber wenn auf geraden Strecken 90km/h signalisiert ist und Womofahrer ohne ersichtlichen Grund mit 67km/h unterwegs sind, sollten sie wenigsten bei den vielen Parkbuchten die hinteren nach vorne lassen. Aber ein Ding der Unmöglichkeit. Und es fällt uns auf, es sind vor allem die schwedischen Womos, na gut, es gibt auch schwedische PW’s die auf 100km/h Strecken mit 82 unterwegs sind… In den Abendstunden bei Wildwechsel macht das ja noch Sinn, aber mittags?

Egal, wir kehren Östersund den Rücken und befürchten schon, dass es nun auf jedem Stellplatz so aussieht, da die Skandinavier nun Ferien haben. So fahren wir weiter bis nach Svenstavik und dort haben wir aber ganz verschiedenste Möglichkeiten, zu übernachten. Wir lesen für uns die schönste aus und stehen nun wieder alleine an einem knallblauen See, wo der Himmel genauso aussieht.

Einfach nur schön.

Vildmarksvägen

oben auf der Hochebene

Die Strecke ist insgesamt 380km lang (statt 127 auf der E45), der Umweg beträgt also 250km. Es kommt auf dem Weg das Kirchendorf Fatmomakke und ein paar Wasserfälle, tolle Übernachtungsmöglichkeiten und die höchste Hochebene Schwedens, ca. auf 800m.ü.M. Dort ist auch der höchste Punkt der Vildmarksvägen mit 827m. Über der Baumgrenze sind nur ungefähr 20km, der Rest ist wie in Schweden üblich, locker bewaldet mit vielen Seen. Auch auf dieser Strecke ist das Wasser allgegenwärtig, ob in Fluss- oder Seeform. Auf der Hochebene darf man von ca. Anfangs Juni bis Mitte Juli wegen der Brutzeit der Vögel die Strassen nicht verlassen, auch nicht wandern oder biken. Vorher kann die Strasse noch geschlossen sein, den im Winter bleibt sie wegen den grossen Schneemassen nicht befahrbar. Die Strasse ist gut ausgebaut und einfach zu fahren, auch für ganz grosse Womos oder Mietanfänger. Der Strassenverkehr bestand  schätzungsweise aus 90% Touristen, wovon mehr als die Hälfte Wohnmobile.

Sonnanaufgang: 2:01 Uhr
Sonnenuntergang: 23:15 Uhr

386km
5:29 h Fahrzeit
70km/h
9.3 l/100km

Übernachtung

Svenstavik - Stadion ****
Schweden, frei
direkt am See
Koordinaten: 62.78090, 14.433506
N 62° 46' 51.3"  E 14° 26' 0.6"
letzter Besuch: 6.2024

Endlich Snabbtvätt 26.6.2024

(Self-Auto-Wasch-Boxen)

Bevor wir den Motor starten, stehen plötzlich Margrit und Thomas neben uns. Das ist nun bereits das dritte Mal, dass wir uns auf dieser Reise kreuzen. Natürlich folgt ein kurzer Schwatz mit den neusten Reiseinfos und so bekommt man immer wieder wichtige Inspirationen.

Als wir dann endlich in unserem dreckigen Knutschi sitzen, haben wir heute nur ein Ziel: unser Wohnmobil endlich waschen. Ich habe nach langem suchen im Internet in Mora (61.00836, 14.60986) eine Selbstwaschbox gefunden, wo unser Knutschi reinpasst. Hier in Skandinavien ist das nämlich so eine Sache: sehr viele Tankstellen bieten Autowaschmöglichkeiten an, aber da es im Winter sehr kalt wird und alles eingefriert, sind diese Waschmöglichkeiten indoor in einer Garage. Und diese Garagen sind dann leider zu niedrig für unser Knutschi. Draussen waschen, fast ein Ding der Unmöglichkeit. Und wenn wir eine gefunden hatten, musste man mit einem einheimischen App oder Bargeld bezahlen. Und wer hat hier schon genügend Münz im Sack?

Aber diese in Mora geht mit Kreditkarte, ist richtig hoch und funktioniert ungefähr so, wie wir uns das gewöhnt sind. Und Mora liegt sowiso auf unserer Strecke, also ist unser Navi zu dieser Waschbox programmiert.

Zuerst geht es lange der E45 entlang durch lichte Wälder, bis wir als Abkürzung die 296 nehmen. Wir sahen während dieser Reise schon ganz viel violetten Lupinen an den Strassenrändern, aber diese Strasse leuchtet förmlich violett und lila. Es sieht absolut toll aus, allerdings ist es etwas schwierig, diese zu fotografieren, so dass es auch den richtigen Eindruck macht. Ich versuchs zuerst mit der Drohne, aber das wird gar nix von oben. Dann halt wieder ganz normal, aber beide violetten Strassenränder bringe ich da nicht auf ein Foto.

Die Lupinen kommen ursprünglich aus Amerika und sind in Skandinavien invasiv. Es wird überlegt, wie man dieser Pflanze hier Herr werden kann, auch wenn sie für Skandinavien den Vorteil hat, dass sie den Boden verbessert und ein guter Erosionsschutz biete, was hier sehr wichtig ist. Aber sie verändert die einheimische Flora und hat darum nicht nur Vorteile.

Auf alle Fälle geniessen wir die Fahrt und während Anita am Steuer ist (wir haben das tägliche Wechseln beibehalten) wird das Wetter auch immer besser, von bewölkt bis strahlend schön.

In Mora fahren wir zuerst zur besagten Waschanlage und reinigen unser Knutschi in Ruhe von sehr viel Dreck und toten Insekten. Es sah scheusslich aus und jetzt glänzt alles wieder. Ich bin aber total verschwitzt, es ist wieder über 30 Grad und wie mal locker ein Womo reinigen kann, diesen Trick kenne ich noch nicht. Aber wir sind sehr zufrieden, keine dreckigen Hände mehr, wenn ich die Garagentüre öffne, keine schmutzigen Hosen, wenn ich mit den Knien beim Einsteigen das Fahrzeug streife.

Ich bin so richtig zufrieden und das weiss Anita auszunützen. «Schau mal, da gibt’s einen Biltema, komm wir gehen noch schauen, ob es dort Schweinwerfer hat.» Und so hat sie mich natürlich voll um den Finger gewickelt. Ich weiss ganz genau, dass sie in die Abteilung Wanderhosen will, aber das Argument mit den Scheinwerfern zählt eben schon.

Auf der Fahrt heute haben wir sinniert, wohin die nächste Reise gehen soll und wir wurden uns einig, dass es zwei Monate im Winter ans Nordkap sein soll. Mitte Januar bis Mitte März. Wir waren ja schon mal März/April und das war so toll, dass wir das nun steigern müssen. Aber wenn wir da im Dunkeln reisen wollen, brauchen wir doch solche skandinavischen Zusatzscheinwerfer, wie es im Norden fast jedes Auto hat. Dazu eine Elchstange vor dem Kühler und darauf 4 Schweinwerfer, oder besser sechs, oder noch besser acht. Mal schauen, was sie so in diesem Laden haben für unsere Zukunft… Ein Elchgitter haben wir nicht gefunden, aber alle möglichen Scheinwerfer. Kaufen wir vier oder gleich acht? Schlussendlich haben wir dann keine gekauft, aber was noch nicht ist, kann noch werden. Mit leeren Händen sind wir aber nicht aus dem Laden getreten und Anita auch nicht…

wieviele soll ich kaufen?

Danach fahren wir durch Mora, am Vasaloppet-Museum vorbei. Der Vasalauf ist wohl das berühmteste Skilanglaufrennen der Welt und das Ziel ist jeweils hier im Ort. Anfang März geht es über 90km klassische Technik. Mein Papi hat auch schon daran teilgenommen und mir als Kind ist die Startnummer vom Vasalauf immer noch ein Begriff. Kompliment, ich würde diese Strecke nicht schaffen… Übrigens, den Vasalauf hat schon ein Schweizer gewonnen, nicht wie bei den Skifahrern in Levi…

Wir fahren bei Wärme und blauem Himmel weiter und unser Navi meldet 700km bis Trelleborg. Das ist der Moment, wo wir uns vorgenommen haben, einen Übernachtungsplatz zu finden. Also fahren wir rechts ran und schauen auf Google Maps, ob wir etwas finden können. Mir fällt da der Name Djuprämmen ins Auge, das gerade neben einem See auf der Karte aufploppt. Entweder eine Sehenswürdigkeit oder ein Parkplatz, meistens kann bei solchen Punkten gut übernachtet werden. Ich staune aber, als ich sehe, dass dies ein Badestrand ist wo man doch tatsächlich mit dem Womo übernachten kann. Wenn das nicht interessant tönt?

Also fahren wir 17km weiter bis wir nach einer 400m langen Fahrt über einen Waldweg bei einem grossen, naturbelassenen Parkplatz direkt am See ankommen. Wow, was für ein Ausblick, was für ein Ort! Wir sind zwar nicht alleine hier, es stehen schon etwa 6 Womos hier, (etwas später sehen wir nochmals ein paar etwas versteckter) aber wir haben problemlos Platz und direkte Sicht auf den See.

unser Geniesserort

Man kann es fast nicht glauben: wir sitzen hier bei perfekten 28 Grad, strahlenden Sonnenschein, direkt am Wasser und keine einzige, nicht mal die kleinste Mücke!

Wir geniessen den Aufenthalt hier so wie selten zuvor Übernachtungsplätze. Wir sind einfach schon wieder Glückskinder.

Sonnenaufgang: 2:58 Uhr
Sonnenunergang: 22:31 Uhr

377km
5:25 h Fahrzeit
69 km/h
8.6 l/100km

Übernachtung

Lesjöfors - Djuprämmen *****
Schweden, frei
keine Mücken
Koordinaten: 60.08025, 14.150956
N 60° 4' 48.9"  E 14° 9' 3.4"
letzter Besuch: 6.2024

Grossstadt-Feeling 27.6.2024

in Mariestad

Der See ist spiegelglatt, als wir morgens auf unserem Traum-Übernachtungsplatz erwachen. Das schreit gerade nach einem Kneip-Fussbad. Also auf und in den kurzen Hosen und barfuss in den See. Der Sandstrand ist so flach abfallend, dass ich nach 50m waten die Knie noch immer nicht nass sind. Es ist einfach ein Traum, und ein Tipp für Hundebesitzer mit kleinen Hunden: hier können diese endlich auch mal in einem See herumlaufen…

der kleine da draussen ist Rolf

Wir entschliessen, nicht vorwärts zu machen und den Ort einfach zu geniessen, solange bis die Wolken hier sind. So sitzen wir in unseren Campingstühlen, schauen während dem Frühstück auf den See hinaus und sind einfach glücklich Wir wissen, in diesen Ferien haben wir alles zu 100% richtig gemacht.

Irgendwann nach 11 Uhr kommen dann tatsächlich die ersten Wolken, ein Grund, um zusammen zu packen und weiter fahren. Wir müssen heute und morgen zusammen noch etwas über 770km bis Trelleborg auf den Fährhafen fahren, unsere Fähre legt am Freitagabend ab. Es sind also heute 350km auf dem Plan.

Wir cruisen also so dahin und fahren inzwischen wieder unter blauem Himmel, bis Anita plötzlich sagt, dass es in Mariestad einen Stellplatz direkt am Hafen gibt und der nicht weit vom Stadtzentrum weg ist. Ein Grund, diesen zu besichtigen und so biegen wir nach 170km ins Zentrum ab. Der Stellplatz ist wirklich gut gelegen, wir entsorgen unser Schwarz- und Grauwasser und stellen uns für 15.- auf einem geteerten Platz. Die Sonne brennt auf den Asphalt und es wird mächtig warm. Wir sind uns das noch nicht gewohnt. Also auf und zu Fuss dem Hafen entlang ins Städtchen. Bevor wir aber dort sind, geht der Fussweg an kleinen Beizchen und Glaceeständen vorbei, so dass wir uns erst mal verpflegen und schon Pause machen. Auch studieren wir die Speisekarte für ein allfälliges Abendessen.

Danach sind wir schnell im Städtchen, es ist nicht viel los, aber wir besichtigen den Dom (auch von innen), damit wir auch mal etwas für die Kultur gemacht haben. Ein Museum liegt aber noch nicht drin, das ist Regenprogramm und wann haben wir das schon?

Dom

Danach schlendern wir an Einkaufsläden vorbei, bis Anita einen kleinen Wollladen erspäht. Komisch, warum sind wir eigentlich schnurstracks in diese Richtung spaziert? Anita betritt den Laden, wenn sie schon mal hier ist, und kauft sich noch zwei Arten von Stricknadeln. «Brauchst du die?» frage ich. «Ja, die fehlen mir, die brauche ich für den Pulli für die Ärmel und meine liegen zu Hause.» Erst jetzt merke ich, dass dies wohl meiner holden Kunigunde ihren Plan war, in ein Wollgeschäft um Stricknadeln zu kaufen. Ist es doch kein Zufall, dass wir in Mariestad gelandet sind? Auf die nächste Reise nehmen wir einen Anhänger beladen mit den ganzen Utensilien aus ihrem Nähzimmer mit! (Die Stricknadeln waren übrigens viel teurer wie in der Schweiz.)

Danach spazieren wir weiter durch das Städtchen und zurück zum Hafen. Dort sehen wir, dass es insgesamt drei offizielle Stellplätze gibt. Wir stehen auf Nummer zwei wie die meisten, Nummer 1 hat kein Strom aber ganz zuhinterst, ganz aussen auf der Mole liegt der schönste von allen dreien. Grosse Abstände zwischen den Womos, Grünstreifen dazwischen, auch wenn es nur Rasenteppiche sind, und vor allem noch viel Platz. Die vorderen sind praktisch voll belegt.

Also räumen wir schnell ein und fahren die 300m auf den äussersten Stellplatz. Es ist so schön, dass wir heute nun nicht mehr weiterfahren. Machen wir morgen einfach etwas mehr Kilometer…

Es ist aber schon komfortabel für Wohnmobilisten, in Skandinavien umher zu reisen. Wir sind hier in einer Stadt von der Grösse Arbons (TG), Arbon liegt auch an einem See wie hier, ähnliche Infrastruktur und in Arbon gibt es einen Stellplatz ohne Infrastruktur und Platz für zwei Womos! Hier drei Stellplätze, zwei Entsorgungsstationen und insgesamt ca. Platz für 120 Womos und 80% sind belegt! Was für Unterschiede!

Vielleicht ist das auch so, weil in Norwegen und Skandinavien gefühlt jede dritte Familie ein Wohnmobil hat, jede vierte ein Boot und jede fünfte ein Ferienhaus im Wald und jede sechste alles zusammen. Hier ist es selbstverständlich, mit dem Womo umherzureisen und diese Art Tourismus ist akzeptiert und gern gesehen. (Ausser auf den Lofoten wendet sich das Blatt langsam, da es dort einfach viel zu viele Womotouristen gibt, die überall irgendwo parken, übernachten und sich nicht an die Regeln halten, so dass die Einheimischen nichts mehr finden.)

Wir geniessen hier nun die Sonnenstrahlen am Vänernsee, dem grössten See in Europa (mehr wie 10x grössere Fläche wie der Bodensee, die mittlere Tiefe beträgt aber nur 27m, Bodensee 90m) und werden um 22:18 Uhr den Sonnenuntergang erleben, eine Stunde später wie zu Hause.

Vielleicht gehen wir jetzt dann noch an der Sonne essen…

Sonnenaufgang: 3:41 Uhr

175km
2:32 Std.Fahrzeit
68km/h
8.7 l/100km

Übernachtung

Mariestad - Hafen aussen ****
Schweden, Stellplatz
ganz aussen, 300m hinter dem Stellplatz kommt noch der schönere Stellpaltz
Koordinaten: 58.71881, 13.820057
N 58° 43' 7.7"  E 13° 49' 12.2"
letzter Besuch: 6.2024

Sehenswürdigkeiten und Irrfahrt 28.6.2024

wir finden die Fähre nicht

Mit Gewitterregen werden wir an unserem letzten Skandinavien-Tag geweckt. Es schüttet in Strömen wie noch nie auf dieser Reise. Ein Zeichen, damit wir nun gerne nach Hause fahren? Ob gerne oder nicht, wir müssen. Und da wir in letzter Zeit etwas herumgeblöterlet haben, müssen wir heute etwas mehr wie 440km bis zum Fährhafen in Trelleborg fahren. Spätestens um 21 Uhr ist die letzte Check-In Zeit. Das schaffen wir locker, haben auch noch Zeit für ein paar Umwege.

Also fahren wir doch schon um 9 Uhr los Richtung Autofriedhof Kyrkö Mosse. 300km Fahrt, 200 ich, 100 Anita. Wir kommen auf dem kleinen Parkplatz im Wald an und machen uns direkt auf den Weg zu diesen Autos, die schon mehr wie 50 Jahre dort im Wald vor sich hin rosten. Es ist eher nicht mehr rosten, schon eher gammeln. Sie sind wirklich schlecht zwäg und man sieht nicht mal mehr die ursprünglichen Farben, aber es sieht dennoch faszinierend aus. Wie so etwas möglich ist, dass ein Autofriedhof einfach so im Wald existiert? Brauchbare Ersatzteile sind nicht mehr hier und ein VW-Bulli wäre noch kostenlos abzugeben, müsste aber etwas aufpoliert werden…

Fotos gibt es schon noch tolle und faszinierend ist es irgendwie auch, aber wir sind froh, haben wir nicht einen allzugrossen Umweg dafür fahren müssen.

Nach diesem Ausflug setzten wir die Fahrt in der Sonne weiter und fahren zum Schloss Vittskövle. Das sind nochmals 100km. Plötzlich sehe ich in einer Waldlichtung einen Elch stehen. Bei nächster Gelgenehit stoppen wir und drehen unser Knutschi und fahren zurück. Aber wo ist der Elch und wo habe ich ihn denn gesehen? Mist, er ist nicht mehr da und wir drehen nach einem Kilometer wieder um. Schade. Aber nun fahren wir nochmals an ihm vorbei und er steht immer noch da. Also nochmals drehen und wir haben uns nun den Ort unter der Stromleitung gemerkt. Wir warten, bis wir keinen Verkehr mehr haben und fahren auf der Strasse wieder zum Elch. Er frisst ganz gemütlich, aber in dem Moment, wo wir stoppen und Fotos machen, hebt er den Kopf und starrt uns an. Anita schiesst Fotos und ich muss kurze Zeit später wieder Gas gegeben, da ich hinten ein Auto näher kommen sehe. Schade. Aber wir müssen nochmals drehen um wieder die richtige Richtung einschlagen zu können. Der Elch sieht uns nochmals an, als wir langsam an ihm vorbei fahren.

Elche sind übrigens Gewohnheitstiere, nehmen vielfach dieselben Wege und fressen an den gleichen Orten. Wenn also Autos an ihm vorbeifahren, sind diese keine Gefahr wenn er den Ort kennt und das gewohnt ist. Geschieht aber etwas Aussergewöhnliches, nämlich das Touristen wie wir das Fahrzeug stoppen wird er argwöhnisch und checkt mit Augen und Ohren, ob das Gefahr bedeutet. Wenn ja, verzieht er sich, wenn nein, verzeiht er sich auch. Ein Elch sieht immer zur Gefahr hin, er beendet also seine Aktivitäten, sieht auf und geht. Ausser man ist schneller und geht selber, denn dann hat man die Chance, nochmals zu kommen und er ist noch da. Ist man z.B. weit entfernt und das Tier frisst ruhig weiter, ist es kein Elch sondern eine Rentier, eine Kuh oder ein Pferd…

Es war aber ein tolles Erlebnis, quasi der Abschlussgruss in Schweden.

Aber wir sind auf dem Weg zum Schloss und da gibt es eine fast neue Autobahn, die unser Navi noch nicht kennt. Wie ist das möglich? Unser Navi ist noch kein Jahr alt, die Autobahn mindestens 5. Aber wir fahren einen Umweg von über 20km. Ich nerve mich…

Aber wir kommen schlussendlich auch dort gut an und machen tolle Fotos, weil es einfach super aussieht. Das Schloss selber darf man aber nicht betreten, es ist Privatbesitz und jemand wohnt darin. Bilder vom Park aus sind erlaubt. Wie wir später erfahren, spielt dieses Schloss auch eine Rolle im Roman «Nils Holgersson und die Reise mit den Wildgänsen». Im Trickfilm spielt die 5. Folge hauptsächlich in diesem Schloss.

Schloss Vittskövle

Als wir auch hier genug haben, fährt Anita zur nächsten Sehenswürdigkeit, dem südlichsten Punkt von Schweden. Jetzt wissen wir, warum bei unserem Besuch hier im Winter das Geländer so vereist war: auch heute peitschen und spritzen die Wellen dieses Geländer voll. Aber es ist mindestens gefühlte 30 Grad wärmer wie dazumal, so dass auch Anita diesen Punkt nun sieht. Im Winter hat sie nämlich hier unser Wohnmobil nie verlassen, viel zu kalt…

sündlichter Punkt von Schweden

Wir sind nun vom südlichsten Punkt Norwegens zum Nordkap gefahren und beenden unsere Reise am südlichsten Punkt von Schweden. Passt doch irgendwie…

Die letzten paar Kilometer nach Trelleborg übernehme wieder ich das Steuer, wir tanken noch Diesel voll und weil wir zu früh dran sind, besuchen wir noch kurz das Wikingerschloss von Trelleborg. Das Museum hat schon zu, aber das Gelände können wir trotzdem besichtigen.

Trelleborg

Von dort ist es nur gerade einen Kilometer, bis wir am Fährhafen beim Self-Checkin sind. Wir müssen nur den Strichcode der Buchung an den Automaten hinhalten, bestätigen und schon haben wir zwei Bordkarten ausgedruckt in der Hand. Wir fahren zum nächsten Gatter, stecken die Bordkarten an den Automaten, der Gatter öffnet sich und wir sind im Hafen. Toll und einfach. Das Problem jetzt, wo müssen wir hin? Auf unseren Bordkarten steht kein Terminal und keine Lane. Mmmhh. Das müsste doch drauf sein? Es gibt Terminals von A bis J und das Gelände ist riesig! Wir sehen einige Wohnwagen und Womos vor uns stehen, also stellen wir uns in die Reihe und fragen bei denen vor uns nach, ob wir Richtig sind. Ankunftsort stimmt, aber Fährlinie nicht. Mist, wo hin müssen wir? Also fahren wir einigen Lastwagen nach und das Terminal E sieht irgendwie auch so aus, als ob die auf eine Fähre warten. Aber die dortige Barriere lässt uns mit unserem Ticket nicht rein. Scheisse, wohin müssen wir jetzt? Wir versuchen es beim Terminal I und J, danach G und H. Aber auch dort öffnet sich die Schranke nicht. Scheisse, was machen? Zurück können wir nicht, alles Einbahn.

Aus dem Hafen können wir auch nicht, denn dann kommen wir nicht mehr hinein! Also fahren wir durch Fahrverbote, Einbahnstrassen mit Gegenverkehr der Lastwagen, zwischen Betonelementen hindurch, wahrscheinlich alles, was verboten ist. So lange, bis wir wieder in der Nähe des Checkins sind. Dort stellen wir unser Knutschi irgend unter einer Verbotstafel ab, Anita bleibt dort, falls sie wegfahren muss und ich mache mich zu Fuss auf den Weg zum Checkin, in der Hoffnung, jemand zu finden, der weiter helfen kann. Ich muss noch unter einer Barriere hindurch und mich durch das Gatter zwängen, das uns zuerst durchgelassen hat.

Dann bin ich endlich am Schalter und nehme mein bestes Englisch hervor und frage den Schalterbeamten, wo wir hin müssen. Er staunt auch, dass auf unseren Bordkarten kein Terminal drauf steht. Am Computer sucht er dann unsere Zieldestination heraus, Terminal E, Lane 20-23. Da waren wir doch schon mal, oder? Aber ich bin zufrieden, marschiere zu unserem Knutschi zurück, wo Anita schon bald eine Vermisstenanzeige aufgibt und fahre voller Stolz nochmals zum Terminal E. Halte unsere Bordkarten darunter und die Schranke öffnet sich einfach nicht. Alle anderen Fahrzeuge passieren problemlos. Langsam verliere ich die Nerven, drücke aber bei der Barriere den Hilfe-Knopf und stottere hinein, dass sich die Barriere bei uns nicht öffnet! Ob wir die sind, mit dem Camper ohne Terminal aufgedruckt, will die Stimme wissen. Ja genau. «Einsteigen, ich öffne die Barriere manuell». Wow, was für eine Erleichterung, als die Schranke sich öffnet und wir uns in Linie 20 einreihen können. Wir haben es nun fast geschafft.

Wir wollen uns noch die Zwischenverpflegung und unseren Rucksack herrichten, mit all den Dingen, die wir auf der Fähre in der Kabine brauchen, als sich unsere Kolonne, ausser uns, schon in Bewegung setzt. Hektik bricht aus, ganz schnell die Sitze drehen und losfahren, nicht angegurtet, Kaffeemaschine noch auf dem Tisch, Butter und Brot verteilt, keine Schuhe an und Anita noch auf dem Klo. Und schon sind wir auf der Fähre, zwei Stunden bevor sie überhaupt losfährt.

Unser Schiff heisst Nils Holgersson, ist doch irgendwie ein passender Name.

Pünktlich um 22 Uhr verlassen wir nun definitiv Schweden uns Skandinavien.

By By Schweden

Sonnenaufgang: 3:57 Uhr
Sonnenuntergang: 21:44 Uhr

553km
8:27 h Fahrzeit
65 km/h
10.2 l/100km

Reisestrecken

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