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Griechenland 2017
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Reisebericht

In Kirkenes 19.6.2024


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Wir sind wieder Glückskinder. Schon lange warten wir mal auf richtigen Regen, so dass unserem Knutschi endlich mal der Dreck weggewaschen wird. Heute hat das Warten endlich ein Ende. Aber zu Beginn müssen wir uns noch gedulden. Der blaue Himmel schimmert durch und wir sehen sogar die Sonne. Wir stehen in einer grossen Wiese, sehen auf zwei Seiten das Meer irgendwo am Ende der Welt. Der Wind pfeift zwar um unser Womo, aber das stört uns nicht.

einfach nur schön

Wir wollen heute nach Kirkenes, das sind rund 270km Fahrt, aber da wir nichts anderes vorhaben, kein Problem. Zu Beginn kommen wir aber nicht wirklich vorwärts, die Fahrt ist einfach zu schön. So machen wir Fotos mitten auf der Strasse, lassen sogar die Drohne unserem Knutschi nachfliegen. Platz haben wir zwar nicht auf der Strasse, aber da es keinen Verkehr hat und wir alleine sind, geht das prima. Na ja, einmal müssen wir das Filmen abbrechen. Diese Austernfischer, so ein Vogel, der uns schon die ganze Norwegenreise begleitet. Er nistet irgendwo am Boden und wenn man seinem Nest zu nahe kommt, macht er einen riesen Krach und verteidigt sein Nest, obwohl man es noch gar nicht sieht. Er hat uns ja schon mal die Elche verscheucht und heute nimmt er meine Drohne ins Visier. So breche ich ab, lande möglichst schnell und wir fahren zwei Kilometer weiter und versuchen es nochmals. Einen Absturz oder verlorene Fotos wollen wir uns nicht leisten und dass der Vogel einen Herzinfakt bekommt, natürlich auch nicht…

Weiter an der Küste vorne klappt das mit dem Video dann problemlos, kein Austernfischer in der Nähe. Aber gerade als wir fertig sind, kreist ein junger See-Adler über uns. Richtig Glück gehabt, denn meine kleine Drohne hätte gegen diesen Jäger wahrscheinlich keine Chance. Also wird schnell der Fotoapparat getauscht und ich versuche, Fotos von einem fliegenden Adler zu machen. Gar nicht so einfach, aber es klappt irgendwie. Und es ist echt majestätisch, diesem Raubvogel zuzusehen. Ein tolles Erlebnis. Der Seeadler bekommt übrigens erst mit etwa 5 Jahren die typisch weissen Schwanzfendern, darum ist unser fotografierter noch ein Jüngling… (Ich bin bald Ornithologe, nach dieser Norwegenreise).

gut erwischt, oder?

auch das gefällt mir...

Etwas später haben wir die tolle Strecke dann hinter uns und wir sind wieder in Vadsø, wo wir gestern Morgen gestartet sind. Wir fahren zur Entsorgungsstation, füllen Frischwasser, leeren Abwasser und Urintankt und gehen noch einkaufen. Leider hat es neben dem Lebensmittelgeschäft noch ein Outdoor-Kleidergeschäft und so ist Anita im Kleidergeschäft, bevor ich bei den Lebensmitteln bin. Also muss ich hintendrein, um 45 Minuten später mit einer glücklichen Anita mit neuen Wanderhosen (das 5. oder 6. Paar? So viel gehen wir jetzt auch nicht wandern…) wieder raus kommt.

Nach dem Einkauf der Lebensmittel machen wir den obligaten Fahrerwechsel und Anita fährt  nun weiter. Nicht, weil sie noch Routine braucht, sie macht das schon super gut, sondern weil ich als Beifahrer noch Übung brauche. So auch heute. Zuerst ist der Fotoapparat nicht bereit, dann sind keine Getränke hier vorne und Anita muss nochmals stoppen. Und als denn später endlich auch die Handys in der Kabine sind und das Navi auch läuft, habe ich so einen durcheinander mit Brezel und Schokobrötchen, dass ich auf den letzten, neu gekauften Berliner trampe und die Konfitüre aus dem Loch spritzt. So wie es aussieht, muss Anita auch morgen wieder ein Stück fahren, bis ich die Aufgaben als Beifahrer besser im Griff habe.

unter Dach war heute der richtige Ort

Vor Kirkenes beginnt es dann endlich zu schütten und unser Knutschi bekommt eine wohlverdiente Dusche. Durch die schwarze Regenwolke und den Regen ist es so dunkel, wie schon lange nicht mehr. Anita muss sogar das Ablendlicht an unserem Womo einschalten.

In Kirkenes fahren wir dann auf den offiziellen Stellplatz und steigen nicht mehr aus dem Knutschi aus. Jetzt hat es nämlich genug geregnet und wie ich uns kenne, scheint morgen die Sonne wieder. Der Wetterbericht sagt zwar etwas anderes, aber mal schauen, wer recht hat.

Zwischengeschichte

Übrigens hier noch eine Geschichte von Pirkko und Andreas, die mich gebeten haben, ihre Geschichte zu veröffentlichen:

Liebe unbekannte Ostschweizer, wenn ihr das liest, meldet euch doch bei uns, wir geben euch die Adresse von Andreas und Pirkko weiter.

Eine sehr emotionale Begegnung erlebte ich bei einer Zigipause am 29. Juli 2018 auf einem Parkplatz beim Abzweig nach Grense Jakobselv, kurz vor dem Grenzposten Norwegen/Russland, etwas östlich von Kirkenes. Ein Ostschweizer (SG oder GR) Camperfahrer erzählte mir, warum seine Frau auch nicht aussteigt (meine Frau hat sich wegen Bauchschmerzen etwas hingelegt). Hier eine Kurzfassung: “Seine Frau sei stark behindert und hatte den Wunsch, noch einmal nach Nordnorwegen zu reisen. Sie hätten in früheren Jahren diese Gegend bereist und das wären wohl die schönsten all ihrer Reisen gewesen. Er trage sie nicht nur aus dem Camper, sondern auch im Camper herum.“ Sie schaut uns vom Beifahrersitz zu und ich ziehe den Hut bzw. meine Mütze als Achtung vor dem älteren Ehepaar. Ihr Camper ist übrigens ein ganz normaler Alkoven ohne von aussen sichtbare Behindertenausrüstung (breite Aufbautüre mit Lift etc.) wie ich sie auch schon gesehen hatte. Sehr berührt von dieser Geschichte verabschiedeten wir uns und wünschten einander stets gute Reise und alles Gute. Seither denke ich, besonders wenn ich mich für eine grosse Aufgabe motivieren muss, an diese Begegnung am “Ende der Welt“ mit dem Ostschweizer Ehepaar und das, zusammen mit den Landschaftsbildern der Finnmark, gibt mir Kraft, die Aufgabe zu meistern. Ich bin dem Ostschweizer noch heute dankbar und vielleicht, vielleicht liest auch er diesen Blog. Vielen, vielen und ganz herzlichen Dank an einen mir leider unbekannten Ostschweizer!!! Es gab, besonders in diesem 2018 (es war für uns auch der bisher wärmste Sommer dort oben) noch weitere, vielleicht nicht so stark emotionale Situationen wie diese mit dem Ostschweizer z.B. in Hamningberg oder auch auf der Fahrt auf der Hochebene nach Mehamn usw. Also, unsere Reisen ganz im Norden von Norwegen waren bzw. sind nachhaltig aber nicht gerade ökologisch, auch wenn wir sie jeweils von Nordostfinnland aus unternahmen. 

Sonnenauf- und Untergang: -

285km
4:36 h Fahrzeit
61km/h
9.5 l/100km

Übernachtung

Kirkenes - Hafen **
Norwegen, Stellplatz
beim Hurtigrutenanleger
Koordinaten: 69.72716, 30.071151
N 69° 43' 37.8"  E 30° 4' 16.1"
letzter Besuch: 6.2024

Grense Jakobselv 20.6.2024

Russische Grenze

Durch drei laute Töne der Schiffssirene des Hurtigrutenschiffes werden wir heute geweckt. Die «Vestralen» kommt an ihrem Endhafen in Kirkenes an und feiert das mit drei lauten hupen. Sie läuft pünktlich ein, also ist es schon 9 Uhr. 3 ½ Stunden später ist sie wieder vollgetankt, neue Passagiere an Bord, Vorräte aufgefüllt und bereit zum ablegen.

Wir legen auch ab und fahren von unserem Platz am Hafen ostwärts. Nach nur 15km stehen wir an der russischen Grenze, der Grenzübergang ist geöffnet, aber wir, die nicht vorhaben, diese Grenze zu überschreiten, dürfen uns nur bis zu 100m nähern und müssen auf dem Kehrplatz wieder umdrehen. Wir wollen 45km lang die Fv8860 bis zum Endpunkt «Grense Jakobselv» am Meer fahren. Es ist die Strasse, die am nächsten an der russischen Grenze vorbeiführt. Die Fahrt ist wunderschön, vorbei an Seen und Bergen auf einer etwas holprigen, schmalen Strasse. Aber irgendwie kommt keine richtige Ferienstimmung auf, wenn man weiss, dass das Land rechts von uns Krieg führt, um sein Territorium zu vergrössern. Wie kann so etwas in der heutigen Zeit geschehen? Nur weil ein machthungriger Mensch das will? Wir sinnieren darüber nach, was die Stimmung auch nicht wirklich besser macht. Nach 35km fahren wir dem Grenzbächlein entlang. An der inzwischen Naturstrasse gibt es gelbe Pfähle mit Warntafeln, die die Grenze Norwegens markiert. Auf der anderen Seite des Bächleins sind die Pfähle rot-grün, das ist Russland. Ein komisches Gefühl, wenn man da einfach hinüberschauen kann und weiss, wenn wir über die Mitte des Baches waten würden, hätten wir wahrscheinlich ganz schnell ein Problem. In Russland sind übrigens die 15km zur Grenze Sperrzone und dürfen von der Bevölkerung nicht betreten werden.

die Fahrt wäre wunrderschön

Wir getrauen uns kaum, bei einem dieser gelben Pfähle anzuhalten und ein Foto des grün-roten zu machen. Warnschilder weisen darauf hin, dass die Grenze Kameraüberwacht ist. So fahren wir mit einem beklemmenden Gefühl weiter bis zum Endparkplatz, wo doch schon einige Womos stehen. Wir ergattern einen Platz in der ersten Reihe mit Sicht auf das Meer. Wir richten uns ein, über Nacht zu bleiben. Zwei Stunden später sind wir immer noch nicht wieder in Ferienstimmung, die Womos stehen ziemlich eng, die gegenüberliegende Militärstation der Russen und im Rücken eine Radarstation der Norweger heben die Stimmung auch nicht wirklich. Die Natur ist wunderschön, aber wir wollen ein gutes Gefühl und das kommt hier bei uns nicht auf.

König-Oskar-II.-Kapelle an der Grenze zu Russland

So entschliessen wir spontan, wieder zurück zu fahren. Erst als wir den letzten gelben Pfahl und sein grün-rotes Pendant über dem Bach hinter uns lassen, können wir die Gegend wieder geniessen. Es ist wunderschön und wir wissen, den richten Entscheid getroffen zu haben.

So passieren wir nochmals Kirkenes, tanken noch 12 Liter Diesel (unsere Tankfüllung muss nur bis knapp hinter die Grenze von Finnland reichen, denn dort tanken wir viel günstiger. CHF 2.01 zu CHF 1.65. Bei einem Tankinhalt von 110 Litern macht das 40 CHF aus, die wir aber dennoch in der letzten Tankstelle in Norwegen investieren: wir essen typisch norwegisch einen Hamburger an der Tanke…)

sehr schöne Gegend

Danach fahren wir Richtung Finnland, wo wir die Grenze ohne Kontrolle passieren, an der ersten Tankstelle Diesel voll auffüllen und noch einige Kilometer weiter fahren und dort in einem Wald (es hat nur Wald hier) auf die wahrscheinlich uralte ehemalige Haupt-Strasse einbiegen und 200m weiter in einer Ausbuchtung stehen bleiben und uns für die Nacht einrichten.

Hier sehen wir nun auch die erste Mücke unserer ganzen Reise. Dies hat aber auch ihre Eltern, die Kinder, Cousins, Nichten und alle anderen Verwandten und Bekannten mitgebracht. Raus aus dem Womo und die Drohne fliegen zu lassen, gleicht einem Selbstmordkommando und kann nur in Angriff genommen werden mit Pelerine, Kapuze und an den Händen und Gesicht Antimückenspray. Anita wagt es gar nicht erst, vor die Tür zu treten. Ich überlebe knapp und entschliesse, auch heute unsere Campingstühle nicht nach draussen zu nehmen. Wir geniessen das Innenleben unseres Knutschi hier in Finnland.

hier übernachten wir

Aufgrund der Erfahrungen von heute, haben wir unseren geplanten Ausflug zum Treriksrøysa (Dreiländerpunkt zwischen Norwegen, Finnland, Russland) gestrichen. Es wären über 100km hin und 100km Fahrt auf schlechten Strassen zurück und dann noch einen Fussmarsch von 10km. Und beim Steinhaufen, der diesen Punkt markiert, darf man nicht rundherum laufen, denn das russische Terrain darf man auf keinen Fall betreten. Nur schon, wenn man die Hand auf die russische Seite streckt, drohen in Norwegen Bussen zwischen 500 und 4000 CHF. Absolut irrsinnig! Stimmung kommt da wahrscheinlich keine auf und nur wegen des Nervenkitzels, das brauchen wir nicht mehr. Unsere winterliche Erfahrung vor einigen Jahren reicht uns bis heute…


Mittsommer

Am 21. Juni ist die Sonnenwende und darum das Mittsommerfest vor der Türe. Aber es ist gar nicht so einfach, die Daten im Griff zu haben. Das Mittsommerfest geht nämlich auf den julianischen Kalender zurück, wo die Sonnenwende jeweils am 24. Juni gefeiert wurde. In Finnland feiert man dieses Fest am Samstag, der am nächsten am 24. liegt. Das ist dieses Jahr also am 22. Juni. In Schweden wird jeweils am Freitag, der am nächsten am 24. liegt, gefeiert, also jetzt am 21. Juni. Und die Norweger feiern immer am Abend des 23. Junis…

Wenn wir Pech haben, verpassen wir das Mitsommerfest also in jedem Land, denn bis morgen schaffen wir es nicht bis Schweden. Aber wir haben ja kein Pech und werden nun unsere Reisepläne etwas anpassen.

Sonnenauf- und Untergang: -

184km
9,0 Liter
49km/h
3:44 h Fahrzeit

Übernachtung

Syväranta - 971 ****
Finnland, frei
viele Mücken
Koordinaten: 69.59128, 28.77795
N 69° 35' 28.6"  E 28° 46' 40.6"
letzter Besuch: 6.2024

Traum Freistehplätze 21.6.2024

in Finnisch Lappland

Als wir losfahren, geniessen wir die Fahrt auf der 971 durch Wälder und an hunderten von Seen entlang. Als wir vor 10 Jahren diese Strasse gefahren sind, war sie noch relativ schmal und wir sahen da sehr viele Rentiere und keine Autos. Jetzt haben wir das Gefühl, dass sie richtig ausgebaut wurde und viel breiter ist. Wir kommen also sehr schnell vorwärts und so sind wir gespannt, ob unser toller Freistehplatz von 2014 noch besteht. Wir haben diesen Platz noch in allerbester Erinnerung und er ist und bleibt einer der schönsten, den wir je hatten. Als wir dort die kleine Strasse abbiegen, kommt sofort alles wieder hoch und noch immer sieht es genau so toll aus, wie dazumal. Schade, dass wir hier nun nicht übernachten müssen, wir haben erst wenige Kilometer unter den Rädern. Wir machen aber Pause, machen Fotos und sehen genau wie dazumal Hasen, die über die Waldlichtung hoppeln. Das werden die Urenkel sein, von dem Hasen, den wir vor 10 Jahren hier gesehen haben.

Schweren Herzens fahren wir etwas später weiter bis Inari. Dort parken wir auf dem Wanderparkplatz, wo die Wanderung zur Pielpajärven erämaakirkko startet. Wir ziehen unser Wanderausrüstung an (Anita meint, sie bräuchte jetzt noch den passenden Rucksack. Aber als sie dann auch noch von passenden Socken spricht, lege ich das Veto ein und sie soll anziehen, was sie hat...) und machen uns auf den Weg zu dieser Waldkirche.

Pielpajärven erämaakirkko

Diese Kirche ist eines der ältesten Gebäude in Finnisch Lappland und wurde 1752 erbaut. Der Hinweg der Wanderung ist rund 5km lang und diese Holzkirche kann nur auf diesem Wanderweg erreicht werden. Es geht über Stock und Stein, entlang von Seen und immer im lichten Fichtenwald. Wir geniessen das Laufen, es hat allerdings so viele Steine und Wurzeln, dass man sich gut konzentrieren muss. Nach rund eineinhalb Stunden (mit Fotostopps) kommen wir dort an und besichtigen das Holzgebäude. Viel zu sehen gibt es bei der Kirche allerdings nicht, der Weg ist das Ziel. Der Rückweg kommt uns dann aber so richtig lange vor und wir sind froh, als wir nach 2 ½ Stunden wieder bei unserem Knutschi sind.

auf der Wanderung

Wir starten den Motor und fahren am Sami Museum vorbei, obwohl es das europäische Museum 2024 geworden ist. (also, das Wetter ist zu gut, um ein Museum anzuschauen, und da es in Finnland jeweils eine Stunde später ist wie in Norwegen und Schweden, sind wir zu spät dran, um es zu besuchen. Dazu haben wir das Museum schon 2018 besucht. Drei Gründe also, mit gutem Gewissen daran vorbei zu fahren.)

Wir biegen auf die 955 ab und beschliessen, auf dem nächsten Rastplatz eine grössere Pause zu machen. Erholung, essen und ein bisschen sein, um dann im späteren Abend weiter zu fahren, vielleicht sehen wir dann noch Elche. Diese Strasse hat seinen Reiz, da sie noch aus ca. 40km Schotterpiste besteht. Wir sind diese Strasse auf unserer Winterreise 2018 gefahren, haben aber dort nicht gemerkt, dass unter dem Schnee nicht alles asphaltiert war…

Wir finden einen supertollen kleinen Rastplatz direkt an einem Fluss. Wow, was für ein schöner Platz! (68.6452,26.3050). Anita kocht das Abendessen, ich mache ein paar Fotos und schreibe den 1. Teil des Blogs und wir überlegen ernsthaft, ob wir hier übernachten sollen. Idyllisch, ruhig, schön, was will man mehr?

wieder ein toller Freistehplatz

Aber wir geniessen es jetzt in vollen Zügen und werden dann spät abends doch noch weiterfahren. Nur zum Schlafen nützt uns die tolle Aussicht auch nichts.

Nachtrag

unsere Elch-Safari ist zur Safari mutiert. Keine Elche, ein paar Rentiere und ein Auerhuhn, mehr hat auf 80km Fahrt nicht herausgeschaut, ausser noch 26km nicht asphaltierte Strasse. Schön war es trotzdem.

Sonnenauf- und Untergang: -

263km
4:09 h Fahrzeit
63km/h
8.3 l/100km

Übernachtung

Kittilä - Inarintie Uumukka ****
Finnland, frei

Koordinaten: 68.03089, 25.239315
N 68° 1' 51.2"  E 25° 14' 21.5"
letzter Besuch: 6.2024

Mücken 22.6.2024

echte Plage

Es ist nervig, diese Mücken! In Norwegen sahen wir keine einzige, aber als wir am ersten Übernachtungsplatz in Finnland standen: draussen sitzen unmöglich. Zweiter Übernachtungsplatz dasselbe, auch wenn es abends schlimmer ist wie am Morgen. Aber beim Drohnenflug heute Morgen hat meine kleine Drohne während der Landung ihren Piloten gefilmt, ohne dass er es wusste und wollte. Dieser tanzt übrigens nicht, nein er kämpft gegen Mücken!

Mücken ernähren sich übrigens von Pflanzennektar, das Blut brauchen nur die Weibchen für die Eierproduktion. Es stechen also immer nur die Weibchen, dieser Biester (wie im echten Leben)! Die Mücken können auf der Haut sitzend, die Blutgruppe bestimmen, am wildesten sind sie auf die Blutgruppe Null (und wer hat die? Der Schreiber, dieses Blut ist also nicht nur bei den Blutspenden heiss begehrt). Danach kommt erst die Blutgruppe A und erst dann die Blutgruppe B auf der Mücken-Beliebtheitsskala des Speiseplans.

Die Einheimischen sagen, dass die zwei Wochen vor der Sonnenwende und die zwei Wochen danach am Schlimmsten seien. Und was haben wir jetzt? Eben!

Als wir morgens los fahren haben wir das Ziel Levi, denn auf der Webseite wird Werbung für einen mückenfreien Ort gemacht, also perfekt für uns.

es beginnt wieder asphaltierte Strasse

Zuerst müssen wir aber noch 17km auf nicht asphaltierte Strasse zurücklegen. Schlussendlich sind es 43.4km der 955 und unser Knutschi sieht gelb vor Dreck aus. Aber weil wir auf den nächsten 20km keine Waschanlage finden, fahren wir so dreckig wie wir sind auf den Parkplatz der Gondelbahn in Levi. Rucksack mitnehmen, zur Talstation schlendern (die Webseite hat gelogen, auch hier gibt es Mücken) und dann lösen wir ein Ticket auf den Gipfel.

Oben ist es windig, das heisst, es hat keine Mücken und wir geniessen die Aussicht auf die Waldlandschaft mit Seen. Danach steigen wir 10 Minuten ab und stehen vor Levis berühmtestem Fotostandort, der Hütte des Weihnachtsmannes, Santa's Cabin, bekannt aus dem Film Joulutarina (Wunder einer Winternacht). Der Weihnachtsmann pendelt anscheinend jeweils zwischen der Arbeit in Rovaniemi im Weihnachtsdorf und seinem zu Hause in dieser Hütte. Momentan ist er am Arbeiten, denn wir treffen ihn hier nicht an. Den Film kannten wir bisher auch noch nicht, müssen wir mal schauen, er soll gut sein. Im Trailer kommt die Hütte schon mal vor.

Hütte des Weihnachtsmannes

Die Hütte sieht im Hochwinter schon etwas besser aus wie heute, aber alles kann man jeweils nicht haben. Nach dem Wieder-Aufstieg machen wir Rast auf dem Berggipfel im Ravintola Palovartija, eine kleine Hütte (4 Sitzplätze innen) auf der Terrasse und geniessen die Sonne, das ausserordentlich warme Wetter (ohne Mücken) und ein paar Süssigkeiten. Wir sind die einzigen Ausländer, ansonsten hat es nur Finnen auf dem Berg. Sie feiern heute Mittsommer und geniessen den schönen Tag mit Freunden und Familie.

Als wir genug von dem über 500m hohen Berggipfel haben, steigen wir in die Gondel von Tanja Poutiainen, der ersten Slalom-Siegerin dieser Weltcupstation. Leider gibt es keine einzige Schweizer Gondel, noch nie hat eine Schweizerin oder Schweizer hier gewonnen. Ziemlich beschämend, lasst das nicht auf euch sitzen…

Als wir wieder unten sind, fahren wir in unserem Knutschi weiter, passieren schon bald die Grenze zu Schweden und wollen eigentlich eher kleinere Strassen fahren. Aber jede Abkürzung, die wir nehmen, ist super ausgebaut und wir können zum Teil mit erlaubten 100km/h durch die unendlichen Wälder flitzen. Die Ortschaften sind klein, meistens merken wir es nur an einigen Briefkästen und der 50km/h Begrenzung. Häuser sehen wir fast keine. Aber wir finden auch keine Waschanlage, ist aber nicht so schlimm.

Um 17 Uhr stehen wir wieder frei an einem wunderschönen Seeufer, die Sonne scheint, die Bäume spiegeln sich im Wasser und wir sind glücklich.

einer der unzähligen Seen

Die Mücken hier in Schweden sind etwas weniger, wir können problemlos ein paar wenige Minuten vors Womo, bis die Mücken dann die Blutgruppe Null gerochen haben und wir uns wieder nach innen verziehen. Ein Lagerfeuer draussen und die Campingstühle hervor nehmen, das getrauen wir uns dann aber doch nicht.

Sonnenauf- und Untergang: -

394km
5:45 h Fahrzeit
68km/h
9.5 l/100km

Übernachtung

Björkberget - Isojärvi ****
Schweden, frei
direkt am See
Koordinaten: 66.98626, 21.280478
N 66° 59' 10.5"  E 21° 16' 49.7"
letzter Besuch: 6.2024

Polarkreis 23.6.2024

Die letzte Mitternachtssonne

Gestern Abend sassen wir im Womo und bewunderten das Wetter und den blauen See in Nordlappland. Zwei Stunden später sah der See noch immer faszinierend aus, aber eben immer noch gleich schön. Draussen sitzen lag wegen den Mücken immer noch nicht drin. Dann sagte Anita (ja, Anita und nicht ich): «sollen wir weiterfahren und das schöne Wetter während der Fahrt geniessen? Die Aussicht auf den See kenne ich nun!» 20 Minuten später sind wir unterwegs, eine tolle Fahrt in der Mitternachtssonne zwischen Bäumen, Rentieren und Seen.

das letzte Mal Mitternachtssonne

Nach 90km sind wir in Jokkmok am Polarkreis, wo wir letzte Nacht (oder besser gesagt, Tag) übernachtet haben. 

zum Abendessen gabs einen Verwandten

Der Polarkreis ist diejenige Linie, wo am 21. Juni das erste Mal die Sonne nicht unter geht und der Polartag beginnt. Je nördlicher es geht, desto länger dauert dieser Polartag. Unser Polartag geht heute zu Ende und dauerte insgesamt 19 Tage, wir hatten also seit fast drei Wochen nie mehr Nacht. Wegen der Lichtbrechung der Atmosphäre dauert übrigens der Polartag länger wie die Polarnacht. Auch gibt es keinen Ort auf der Erde, wo die Zivilbevölkerung lebt und man mehrere Tage lang so dunkle Nacht hat, dass man immer die Sterne sieht. In der Polarnacht geht z.B. die Sonne in Hammerfest (nördlichste Stadt) drei Monate nie auf und man sieht sie nie, aber der Tag ist dennoch nicht so dunkel, dass man nur die Sterne sieht. Man hat mittags höchstens eine Dämmerung.

Polarkreis in Jokkmokk

Die Erde eiert in ihrer Drehung immer etwas herum, darum verschiebt sich der theoretische Polarkreis aktuell jedes Jahr um 14.5m nach Norden. Irgendwann kehrt das wieder und der Polarkreis wandert Richtung Süden.

Der Standort des Polarkreiszeichens in Jokkmokk, wo wir standen, ist übrigens 1.4km zu weit südlich aufgestellt. Und der eingezeichnete Polarkreis im Weihnachtsdorf in Rovaniemi liegt sogar 2.3km zu südlich und hat nicht mal die richtige Richtung. Die Weltkugel, wo wir den Polarkreis in der Hinfahrt mit dem Schiff überfahren haben, stimmt um 900m nicht, aber es sieht dort eben toller aus, wie am richtigen Standort. Und auch das Polarsirkelsenteret an der E6 in Norwegen ist fast 2km daneben… Darum fahren wir heute Morgen zum Polcirkeln-Inlandsbanan, dieses Zeichen stimmt ziemlich genau und liegt auch bei Jokkmokk. 

So fuhren wir nun die letzten drei Kilometer wieder über Waldwege, bis wir am Polcirkeln-Inlandsban stehen, dort wo der Polarkreis wirklich vorbeigeht. Hier gibt es sogar eine Bahnstation, aber ob jemals ein Zug vorbeikommt? (Ausser natürlich der Polarexpress mit dem Weihnachtsmann).

Als wir das nun abfotografiert haben, überqueren wir nun endgültig diese faszinierende Linie und fahren Richtung Süden. Wir überschritten mit unserem Knutschi den Polarkreis insgesamt nun an 6 verschiedenen Orten, weitere werden in Zukunft dazukommen. Wir träumen schon von der nächsten Winterreise im Hochwinter mit kurzen Tagen, viel Schnee und weissen Bäumen. Jetzt während der heutigen Autofahrt träumen wir aber von Elchen und einer Autowaschanlage für Wohnmobile. Gar nicht so einfach am Sonntag und in der dünnsten besiedelten Gegend von ganz Europa. Beides bekommen wir heute nicht zu Gesicht. Zwischendurch regnet es sogar etwas. Aber nicht so schlimm, unser Knutschi kann nur noch sauberer werden.

Gegen 16 Uhr kommen wir bei Caro und Daniel im Sandsjogarden an. Dieses Ferienresort inklusive Stellplatz liegt direkt an dem See, den wir bisher nur zugefroren kennen. Er hat doch tatsächlich Wasser… Das letzte Mal war noch alles zugefroren und wir waren hier Eisfischen (wir fischten nicht nach Eis, sondern nach Fischen auf einem See durch ein Eisloch), aber ohne Erfolg. Jetzt freuen wir uns auf Rentiergeschnetzeltes als Abendessen, genau das richtige für uns.

Wetterstimmung

Nach dem extrem feinen Nachtessen geniessen wir ein feuriges Spektakel, dass uns der erste Sonnenuntergang seit langem bringt: orange Regenwolken, farbige Regenbögen, hell beleuchtetes Ufer. Einfach toll, was die uns alles bieten! Und da wir wohl wieder einmal eine sehr kurze Nacht haben, sind dafür die Sonnenunter- und Aufgänge viel länger.

Neben dem tollen Campingplatz mit super netten Betreibern ist dieser Ort auch für Fotografen einfach mystisch. Wir sind nicht zum ersten Mal hier und wohl auch nicht zum letzten Mal.

Ach ja, und das Fachsimpeln über Wohnmobile und Fussball wird hier auf Schweizerdeutsch gemacht, wir sind nicht die einzigen Helvetier hier…

Sonnenaufgang: -
Sonnenuntergang: 23:59 Uhr

292km
4:07 h Fahrzeit
70km/h
10.1 l/100km


Übernachtung

Sandsele - Sandsjogarden ****
Schweden, Camping
kleiner Campingplatz mit Hütten direkt am See, von Schweizern geführt
Koordinaten: 65.24334, 17.675349
N 65° 14' 36.1"  E 17° 40' 31.3"
letzter Besuch: 3.2018

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