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Hoehlen von Postojna Slowenien 2015
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Reisebericht

Buttertubs Pass 12.9.2023

Wie herrlich sind die Berge

Im Kleiderschränklein muss ich heute zuerst mal die langen Hosen suchen. Es hat draussen nur 11 Grad und es regnet. Aber damit haben wir heute gerechnet, etwas nördlicher soll es besser sein. Und da wir sowiso gegen Norden weiter wollen, passt das genau in den Plan und so macht es nichts aus, als wir im Regen losfahren. Wir schauen übrigens jeweils das Wetterradar für heute und den morgigen Tag an, wann wir Sonne haben und wann wir wo etwas mit Regen rechnen müssen. Bisher hat das ganz gut gepasst. Wir schauen jeweils auf wetteronline.ch 

Die Strassen sind ziemlich leer, keine Hecken links und rechts und wir sehen in die Ferne. Wie ist das schön! Plötzlich sieht Anita ein Schild von einer Abbey, also Blinker raus und auf den Parkplatz. Wir spazieren dann fast eine Stunde mit Stiefeln und Regenschutz auf dem Gelände der Jervaulx Abbey umher, machen Fotos und geniessen. Und es ist das letzte Mal heute, dass wir Stiefel und Regenschutz brauchen, denn weiter im Norden wird das Wetter tatsächlich immer besser.

Nach 60km sind wir am Fusse des Buttertubs Pass, den wir heute fahren wollen. Dieser Pass ist unter den Motorradfahrern sehr beliebt und es wird davon geschwärmt. Also genau richtig für uns. Und uns gefällt er! Man könnte meinen, wir seien im Hochgebirge, denn es hat keine Bäume mehr und wir sehen nur noch Berge und die Strasse. Hin und wieder ein entgegenkommendes Auto, wo wir dann etwas langsam kreuzen müssen, aber alles kein Problem.

Alle 300m kommt ein Schild «verengte Strasse», aber das kennen wir zur Genüge, haben auf dieser Reise schon hunderte davon gesehen. Was neu ist: die Schilder mit 25% Steigung oder Gefälle. Bei diesen Steigungen hat unser Knutschi schon etwas zu kämpfen…

Wir geniessen die Fahrt und können uns an der hügeligen Landschaft kaum satt sehen. Irgendwann werden die Strassen wieder breiter bis wir auf einer Autobahn sind und sehr gut vorwärts kommen. So sind wir dann um 15 Uhr auf unserem anvisierten Campingplatz. Nun geht es sofort zu Fuss zu unserem lieblings Steinkreis in England. Er ist mystisch, eingebettet in einer Berglandschaft, alleine auf einer Wiese mit weidenden Schafen. Vielleicht gefällt er uns auch einfach nur, weil es Anita’s und mein erster Steinkreis war, den wir je zu Gesicht bekommen haben.

Vom Camping aus wandern wir bei immer schönerem Wetter rund eine halbe Stunde zum Castelrigg Stone Circle. Heute und um diese Zeit sind wir nicht die einzigen, aber es ist egal, er ist noch genau so schön wie beim ersten Mal.

Irgendwann sind wir wieder beim Knutschi, Anita kocht Wildreis mit Schweinsfilet. Das Fleisch und alle anderen Lebensmittel sind übrigens viel günstiger wie in der Schweiz…

Während dem Nachtessen scheint uns die Sonne ins Gesicht und wir erleben in den Bergen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Also wird das Blog schreiben sofort unterbrochen, unsere Fahrräder aus der Garage genommen und schon rasen wir die 3km zum Steinkreis. Diese Stimmung wollen wir doch noch auf die Fotos bannen. Aber wir kommen etwas zu spät, dafür teilen wir die ganze Gegend nur noch mit ein paar Schafen.

Es war die richtige Entscheidung, was wir heute alles gemacht haben. Ein weiterer super schöner Tag geht zu Ende.

10,6 Liter, 169km, 46km/h, 3:36 Std

11 - 19 Grad, regnerisch bis leicht bewölkt

Übernachtung

Keswick - Castlerigg Farm Camping Site ****
England, Camping

Koordinaten: 54.59205, -3.109150
N 54° 35' 31.4"  E -3° 6' 32.9"
letzter Besuch: 10.2023

Wir erreichen Schottland 13.9.2023


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Bei schönstem Wetter inmitten der Berge geniessen wir morgens früh (9 Uhr) bei frischen 10 Grad die herrliche Aussicht. Wir könnten Schreien vor Schönheit (nicht weil wir so schön sind, sondern die Aussicht. Obwohl, eigentlich sind wir ja auch schön, also schreien wir 2x).

Nach dem Entsorgen auf dem Campingplatz (das Grauwasser lässt man hier ganz offiziell auf dem Platz einfach auf einem Schotterplatz in die Steine ab… So etwas haben wir bisher noch nie gesehen! Wie lange das wohl noch erlaubt ist?). Danach fahren wir durch den Lake-District, erfreuen uns an der Aussicht, dem guten Wetter und den guten Strassen.

Kurz nach Carlisle werden wir mit einem ganz grossen Schottlandbanner in Schottland willkommen geheissen. So, jetzt sind wir nach genau 7 Jahren wieder in Schottland angelangt.

Wir beschliessen, das Caerlaverock Castle zu besichtigen, oder das, was übrig ist davon. Caerlaverock Castle ist eine alte Burg, die 3-Eckig erbaut wurde, also nur drei Seiten hat. Kurz bevor wir auf dem Parkplatz ankommen, müssen wir noch ein Tor durchfahren, dass eine Höhenbeschränkung von 10 feet hat (später rechnen wir die 10 feet um in 3.05m und wir sind grad 3.05m hoch). Passen wir da durch? Anita steigt zur Vorsicht aus und winkt mich langsam durch das Tor. Es klappt!

es wird eng

Danach wollen wir den eintritt von je 6 £ lösen und werden darauf aufmerksam gemacht, dass es einen Museumspass Historic Scotland gibt, also etwas, wo man die schottischen Burgen und Historische Wahrzeichen kostenlos besuchen darf. 103£ für beide, aber wenn die Eintritte überall gleich hoch sind wie in England, lohnt sich das sicher. Also lösen wir das, bekommen eine Mitgliedernummer und so können wir uns im dazugehörigen App registrieren und sehen, was wir nun alles kostenlos besuchen dürfen. Wir sind etwas überrumpelt, sind nicht vorinformiert und haben keine Ahnung, ob sich das lohnt oder nicht. Wir werden berichten.

Dreiecksburg Caerlaverock Castle

Das Dreieckschloss sieht schon noch cool aus, allerdings ist bei diesem Sonnenschein immer nur eine Seite beleuchtet und zwei sind im Schatten. Bei einer normalen Burg sind meistens zwei Seite an der Sonne… Dazu steht noch ein grosses Gerüst bei einem der Gebäude, die sie gerade am Renovieren sind. Es braucht etwas Geschick, die Burg so zu fotografieren, dass nicht das gesamte Gerüst auf dem Bild ist.

Nach der Besichtigung kaufen wir im Hofcafé noch Glaces, Kaffee und Cola (20% Rabatt mit der Mitgliedschaft) und lassen es uns draussen an der warmen Sonne mit Blick aufs Schloss gut gehen.

Wir geniessen es

Als wir gestärkt und erholt sind, fahren wir weiter Richtung norden. Die Strassen sind super, der Verkehr wird immer weniger, nur das Wetter wird schlechter. Schottisch eben. Aber damit haben wir gerechnet, die Vorhersagen waren genau so.

Und so kommen wir sehr gut in Girvan an, wo es gerade zu regnen beginnt. Aber morgen ist es wieder trocken, also kein Problem.

Der Himmel wurde ausgetauscht, der Rest ist original

Wir stehen am kleinen Hafen, direkt am Meer mit toller Sicht auf den Strand. Und da es windet, regnet und nur 12 Grad hat, bleiben wir in unserem warmen Knutschi und lassen Compi und Handy laufen, damit wir unsere Fotos sortieren und den Blog schreiben können.

Es ist schon krass, was man mit den heutigen Fotobearbeitungsprogrammen machen kann. Zwei Klicks und wir haben einen faszinierenden Himmel in Foto Nr. 5, obwohl es ursprünglich nur grau in grau war. Trau keinem Bild mehr! Ob wir das so wollen? Wollen wir nicht, darum bleibt dieses Foto Nr. 5 unsere Ausnahme auf dem Blog. Wir werden auch in Zukunft nichts wegretuschieren und auch keine anderen Himmel reinflicken. Wir könnten sonst die heutigen Regenfotos in Schönwetterfotos umwandeln… (Und ihr dachtet, wir hätten immer Wetterglück! Dabei flicken wir seit Jahren Nordlichter, blauen Himmel und unsere schönen Gesichter in Bilder, die wir auf dem Internet geklaut haben).

276km 4:35 Std, 9,1 Liter, 60km/h

schön bis Regen mit starkem Wind, 6 - 20 Grad

Schottland

Schottland zählt als eigenes Land, wurde aber als Königreich Schottland und Königreich England 100 Jahre in Personalunion regiert und wurde so 1707 zum Königreich Grossbritannien zusammengeführt. 2014 wurde in einer Abstimmung mit 85% Stimmbeteiligung bestimmt, dass 55% der Schotten im Königreich Grossbritannien bleiben wollten. Bei der Abstimmung über den Brexit 2016 entschied die Mehrheit der Schotten, in der EU bleiben zu wollen, die Engländer und Waliser sagten Nein. Seit da kämpfen die Schotten um eine neue Abstimmung, um zu entschieden, ob sie weiterhin zu Grossbritannien gehören wollen. Das oberste Gericht von Grossbritannien lehnte dieses Begehren aber ab.

In Schottland zählt wie in England das Pfund Sterling. Allerdings dürfen die drei grossen schottischen Banken jede eigene Noten herausgeben. Es gibt in Schottland also z.B. vier gültige 10£-Noten. Die schottischen Noten sind in England aber umgekehrt nicht in jedem Geschäft gültig.

Übernachtung

Girvan - Girvan Beach Car Park ****
Schottland, Stellplatz
tolle Lage
Koordinaten: 55.24370, -4.862235
N 55° 14' 37.4"  E -4° 51' 44"
letzter Besuch: 9.2023

Isle of Bute 14.9.2023

Unbekannte Schönheit

Nachts stürmte es so richtig, unser Womo hat hin und her gewackelt, geschlafen haben wir trotzdem gut. Denn um Mitternacht hörte der Regen auf und der Wind lass danach auch etwas ab. Und am Morgen hatten wir einen herrlichen Sonnenaufgang, blauer Himmel und ein laues Lüftchen.

Wir starten den Tag also mit einem Spaziergang dem Meer entlang und einem Rundgang durch das Städtchen Girvan. In diesem Städtchen gibt es sehr viele kleine Geschäfte zum Einkaufen, auch eine Bäckerei haben wir gefunden. Allerdings gibt es dort drin alles für den Lunch, warm und kalt, aber ganz normales Brot oder Gipfeli oder ähnliches, Fehlanzeige. Dafür Wurstweggen, Pilztaschen etc. etc.

Wir posten halt das, was es hier gibt, kehren zu unserem Womo zurück und fahren in das 1km entfernte Einkaufszentrum zum Einkaufen. Anita kauft noch einen Toaster für 8£, denn hier ist Toastbrot der Renner, im Gegensatz zu unserem knusprigen Brot mit Rinde. So müssen wir uns eben anpassen. Auf dem Parkplatz merken wir aber, dass der Toaster logischerweise englische Stecker hat, die wir im Womo nirgends einstecken können. Also nochmals zurück und einen Adapter kaufen, den wir doch auch tatsächlich finden… Eine weitere Schwierigkeit hier sind Mineralwasser mit Kohlensäure. Da man das Wasser aus jedem Wasserhahn trinken kann, gibt es jeweils nur ganz wenige Flaschen mit kohlesäurehaltigem Wasser, ein paar Einkaufszentren haben gar keines… Aber hier finden wir einen 4er-Pack und fahren wieder vollgeladen der Küste entlang nach Norden.

Aber nicht lange, denn wir sehen von weitem einen weissen Leuchtturm, den wir doch spontan besuchen. Die letzten 800m müssen wir durch einen Golfplatz zum Turnberry Lighthouse, der Weg dorthin ist wunderschön und der Leuchtturm auch. Er sieht sehr edel aus, und ganz ehrlich, den würden wir jetzt auch noch kaufen und hier wohnen. Wieder einmal können wir uns kaum satt sehen und wir füllen die Speicherkarte mit Fotos.

Dann geht es noch 60km auf sehr guten und schönen Strassen bis zum Fähranleger in Skelmorlie. Wir wollen mit der Fähre zur Insel Bute, da es für uns eine kleine Abkürzung ist. Wir haben noch nie etwas von dieser Insel gehört, gelesen oder gesehen. Wir können gerade noch als letzte auf die Fähre drauffahren und schon geht es los für die halbstündige Überfahrt.

Es windet extrem stark, eine Autoalarm-Anlage nach der anderen geht im Bauch der Fähre los, weil sie doch erheblich schwankt und schlägt. Es ist ein Riesenkonzert an Hupen und Alarmsirenen, Warnblinker leuchte und dies während der ganzen Überfahrt. Anita hält sich übrigens sehr tapfer, steht im Wind, schaut sich um und macht Fotos, ohne dass ihr dabei schlecht wird.

Auf der Insel sind wir dann das einzige Auto, dass geradeaus durch das Städtchen Rothesay fährt, die andern zweigen links oder rechts ab. So sind wir ausserhalb der Ortschaft ganz alleine unterwegs durch grüne Hügel, das Meer mal links, dann wieder rechts. Unser Ziel ist ein Parkplatz bei einem kleinen Steinkreis nur 10km nach dem Hafen.

Blackpark Stone Circle

Wir kommen gut dort an, sind das einzige Auto und die einzigen Besucher und haben die drei Steine, die wohl eher einen angedeuteten Halbkreis darstellen, wie ein vollständiger Steinkreis. Aber weil die Umgebung mit hohen Farnen bewachsen ist, sieht es wild und mystisch aus. Echt ein Hingucker und bei diesem Wetter und diesem Licht, ein Traum. Man kann schon fast das Summen eines Zeitloches hören und wenn man da einen Stein anfassen würde, würde man in eine andere Zeit in der Vergangenheit katapultiert. Darum fassen wir die Steine besser nicht an.

Isle of Bute

Sollen wir hier Übernachten? Reizen würde es uns sehr, aber wir fahren nochmals 16km in die andere Richtung zurück, bis wir am Strand von Ettrick Bay ankommen. Hier schlagen wir bei Sonne, Meersicht, warmen 17 Grad (am Schatten) unser Nachtlager auf. Wir geniessen hier die Ruhe und tanken nochmals Sonnenschein. Morgen wird es wieder regnerisch.

Von der Insel hier sind wir total begeistert, es gibt also nicht nur Isle of Sky, die in Schottland wunderschön ist.

123km, 9,2 Liter, 51km/h, 2:22 Std.

schön, leicht bewölkt, 1x ein Regenschauer, 14 - 20 Grad

Übernachtung

Ettrick Bay - South Car Park *****
Schottland, frei
direkt am Strand
Koordinaten: 55.84367, -5.127080
N 55° 50' 37.2"  E -5° 7' 37.5"
letzter Besuch: 9.2023

Im Tal der Kreise 15.9.2023

prähistorischer Kalender

Gestern Abend haben wir sie noch gefeiert, die Wildgänse. In einer grossen V-Formationen flogen sie zuerst über unser Womo, um sich dann am Strand zu versammeln um gemeinsam Richtung Süden weiter zu ziehen. Es war ein grossartiges Schauspiel, und die Gänse hatten sich einen ganzen Sommer nicht gesehen, denn sie hatten sich sehr viel zu erzählen. Sie schnatterten, tratschten und schnabulierten und jede, aber jede wollte ihre Geschichte des Sommers preisgeben. Es war wirklich toll anzuhören. Am Anfang etwas interessanter wie dann um 3 Uhr morgens, wo sie noch immer nicht alles erzählt hatten. Wir hatten inzwischen an ihren Geschichten schon lange das Interesse verloren... Zum Glück mussten sie dann frühmorgens weiter, und endlich, endlich wurde es ruhig an unserem Strand. So schliefen wir etwas länger als sonst, durften wir auch, denn das Wetter ist grau in grau.

Nach 6km sind wir dann schon beim kleinen Fähranleger, der uns von der Insel Bute wieder aufs Festland bringt. Der Fähranleger besteht nur aus einer schräg betonierten Rampe, die Fähre kommt, öffnet das Tor, fährt die Rampe aus und die 6 wartenden Fahrzeuge inklusive wir fahren drauf. Die Fähre wird weder mit einem Strick angebunden noch sonstwie irgendwie befestigt. Sie liess einfach den Motor laufen und fuhr mit Gas gegen die Betonrampe, so dass die Laderampe an Land gedrückt wurde. Also schnell drauf und nach 10 Minuten sind wir schon auf der anderen Seite und wieder unterwegs.

Aber dann kommt für uns eine der schönsten Strecken in Schottland rund um das Loch Riddon (Loch = See, Meeresarm), Berg hoch, Berg runter, rechts, links, manchmal mit Aussicht, dann wieder Sicht in die Berge. Und dann stoppen wir am Aussichtspunkt Tighnabruaichn. Eine top Aussicht, die wir uns voll reinziehen. Man stelle sich vor, wir hätten da gutes Wetter!

Und es geht weiter so, die Gegend ist fantastisch und einige Kilometer später wieder so eine tolle Aussicht mit einem Holzgerippe eines Schiffs auf einem Berg. Es ist einfach schön, um dann nach wenigen Kilometern wieder am nächsten Fähranleger zu stehen. Auch hier wird die Fähre nicht extra festgemacht, schnell rauffahren, Tor wieder zu und schon sind wir wieder auf dem Meer und 15 Minuten später auf der anderen Seite in Tarbert. Übrigens ebenfalls ein sehr schönes Städtchen.

Wir sind echt begeistert von der Schönheit der Gegend hier. Und dann haben wir nur noch 20km bis zu unserem Tagesziel, dem Tal der Steinkreise (wie es wirklich heisst, wissen wir nicht, der Name stammt von uns und liegt zwischen Ballymeanoch und Kilmartin). Hier gibt es innerhalb zwei Kilometer prähistorische Steinkreise, stehende Steine, Steinreihen, Steinhügel und Gräber. Alle auf die Sonne ausgerichtet und über 3000 Jahre alt. Es wird vermutet, dass diese Steinreihen und Menhire alle in Zusammenhang stehen und den genauen Mondkalender darstellen. Dieser Standort ist wahrscheinlich der wichtigste und zusammenhängendste Kalender in Schottland und weist keine wirklichen Parallelen anderswo auf.

Ballymeanoch Standing Stones

So faszinierend dieses Wissen in der Urzeit war, so blass sieht es heute bei leichten Regen leider aus. Uns faszinieren die ganzen Steine hier nicht so wirklich, vielleicht auch, weil viele relativ weit auseinander stehen und wir die Zusammenhänge nicht so wirklich sehen. Aber wir wüssten beim Blick durch die Steine, wo die Sonne und der Mond auf- und untergehen. Und das ist wichtig heute, denn sehen tun wir beide heute nie. Aber eines können diese Steine und das Wissen aus der Urzeit nicht beantworten: warum blinkt unser Kühlschrankanzeige? Was könnte das sein? Kein Gas mehr?! Wie kann das sein? Wir sind erst zwei Wochen unterwegs und schon sollen beide Gasflaschen leer sein? Sehr komisch.

Connel Bridge unterwegs

Und da wir nun Gas brauchen, die nächste Gastankstelle aber 90km weiter nördlich auf unserer Reiseroute liegt, fahren wir die 90km und tanken dort voll. Komisch, es geht nur Gas für eine Flasche rein? Einzige Erklärung: eine Flasche ist noch voll und es hat nicht automatisch umgeschalten? Ok, der Kühlschrank läuft wieder und wir werden in Fort Williams 10km weiter schauen, was genau los ist. Das soll unser Tagesziel sein.

Nun stehen wir am Fusse des Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands. Diesen wollten wir auf der letzten Schottlandreise besteigen, mussten das Unterfangen aber wegen Regens verschieben. Nun machen wir dann morgen einen neuen Anlauf, auch wenn wir wahrscheinlich den ersten Teil mit der Gondelbahn hochfahren.

Das Gasproblem haben wir übrigens noch nicht gelöst, nicht wegen mangelnden Könnens, sondern wegen mangelnder Zeit. Während dem Nachtessen am Ende der Welt im Nevis Range Mountain Resort, wo es gerade mal vier Wohnmobile hat, treffen wir im einzigen Verpflegungslokal bei Burger, Chips and Beer Myriam und Hanspeter, die heute die erste Nacht in ihrem gemieteten Wohnmobil verbringen werden. Also essen wir zusammen und reden und reden…

Der Abend dauerte länger wie geplant, aber wir haben zwei neue Freunde kennengelernt.

Übernachtung

Fort William - Navis Range Mountain Gondola ***
Schottland, Parkplatz

Koordinaten: 56.85266, -4.997655
N 56° 51' 9.6"  E -4° 59' 51.6"
letzter Besuch: 9.2023

Wanderfiasko 16.9.2023

Dafür neue Ausrüstung

Wir haben schon 4000er bestiegen und Gletscher bezwungen, aber in Schottland sind wir nicht imstande, auf einen 1200m hohen Berg zu kommen, oder gar den höchsten, den Ben Navis zu bezwingen. Traurig, aber die brutale Wahrheit.

Vorbereitung ist alles, aber manchmal muss man mit weniger auskommen. Gestern kamen wir hier an der Ben Navis Range an, der Talstation der Gondelbahn. Dann war ja klar, dass wir den Ben Navis besteigen wollen, ein 1300m hohes Berglein, wo man bis halb hinauf mit der Gondel fahren kann. Dachten wir. Aber gestern Nacht beim Start der Vorbereitungen zur Expedition Ben Navis wurde schnell etwas klar: wir sind am falschen Ort, diesen Berg zu besteigen. Alle Wanderwege starten in der Ortschaft Fort William mit Meereshöhe 0. Aber es müsste doch möglich sein, von hinten von der Bergstation die immerhin auf 640m Höhe ist, auf den Gipfel zu gelangen, vor allem, weil das ja eher nur ein Hügel wie ein Berg ist?

Nach langer Recherche im Internet finde ich dann eine Wegbeschreibung von unserem Startort aus und den Hinweis, dass man nur gut ausgerüstet die Wanderung unternehmen soll. Aber das steht ja in jeder Wander-Wegbeschreibung. Eine Stunde später habe ich dann so viele Informationen (oder eben keine) dass mir klar wird, wahrscheinlich wird der Ben Navis heute nichts. Weder weiss ich die Dauer der Wanderung, noch habe ich eine genaue Karte. Ebenfalls kenne ich die Wettersituation in den schottischen Bergen zu wenig und bin total ortsunkundig. Und heute morgen liegen die Gipfel in den Wolken, da ist uns das Risiko einfach zu gross. Also weichen wir in Gedanken auf den 7. und 8 höchsten Gipfel von Grossbritannien aus, die sind von der Bergstation nicht zu verfehlen.

einfach zu nass

So fahren wir um 9Uhr mit der Gondel hinauf, laufen dort zum ersten Aussichtspunkt und haben einen gewaltigen Überblick über den Fjord und Fort William. Die Fahrt hat sich schon mal gelohnt.

Danach machen wir uns an den weglosen Aufstieg Richtung Zwischenziel Aonach Mòr (8 höchster Gipfel) wenn wir da oben sind, können wir uns immer noch entscheiden, Richtung Ben Navis abzuzweigen.

Der Aufstieg ist aber mühsam, nicht steil, aber weit und breit kein Weg. Jedes Mal, wenn wir meinen, einen Trampelpfad zu sehen, stellt es sich als verschlammter, matschiger kleiner Bergbach heraus. Wir waten durch Sumpf und Matsch, immer weiter hoch. Nur dank unseren guten Wanderschuhen haben wir noch keine nassen Füsse. Alle 10m müssen wir einen kleinen Umweg machen, damit wir nicht im Sumpf versinken. Nach einer Stunde haben wir erst 200 Höhenmeter geschafft, immer noch keinen Weg erspäht und dafür sind wir dem Gipfelumhüllenden Nebel näher gekommen. Wenn es so weiter geht, haben wir nochmals zwei Stunden bis zum vermuteten Gipfel. Es hat so einfach keinen Wert. Wir beschliessen, dass wir zwischen den Skiliftmasten wieder zur Bergstation absteigen. Und da wir ansonsten auch niemand sehen, der nur einigermassen unsere Richtung eingeschlagen hat, bereuen wir unseren Entscheid nicht. Wieder bei der Bergstation besichtigen wir dann auch noch den anderen Aussichtspunkt und das Panorama der schottischen Highlands. Einfach wunderbar.

Und anstatt uns in ein Gipfelbuch einzutragen, sitzen wir ins Bergkaffe, (der höchst gelegenen Bar Schottlands, immerhin) und genehmigen uns etwas zu Essen und Trinken.

Fort William

Es wurmt schon etwas, dass wir nicht mal den kleinsten Gipfel erzwungen haben, aber es ist einfach viel zu nass.

Also wieder mit der Gondel runter, Berg- gegen Velokleider umtauschen und schon fahren wir die 10km mit unseren Bikes nach Fort Williams. Dort gibt es mindestens vier Outdoorgeschäfte, die wir alle besuchen und ich mir einen neuen Bergpullover kaufe. Wenn wir schon nicht hoch kommen, sollen wir wenigstens top ausgerüstet sein. Anita kauft noch neue Berghosen (und auch einen Pullover) und dann geniessen wir den strahlend blauen Himmel in einem Strassencafé. Hätten wir doch noch hoch wandern sollen? Der Gipfelnebel ist jetzt nämlich weg und wir sehen auch zum ersten Mal den Gipfel des Ben Navis.

Burg Fort William

Ach was, wir haben Ferien und können es auch unten geniessen.

Mit neuen Bergkleidern besuchen wir noch das örtliche Schloss und fahren danach glücklich wieder zu unserem Womo zurück.

Wir haben uns heute nicht mit Ruhm bekleckert, aber vielleicht ist ja das gerade unsere Stärke, dass wir nichts erzwingen und uns keinen unnötigen Risiken aussetzen. (Wir müssen unser Unvermögen nun noch etwas schön reden…)

Und wir merken jetzt, dass wir die schöne Treppenschleuse einfach vergessen haben, zu besichtigen. Dabei wollten wir dort doch so tolle Fotos machen. Sollen wir das morgen nachholen?

Übernachtung

Fort William - Navis Range Mountain Gondola ***
Schottland, Parkplatz

Koordinaten: 56.85266, -4.997655
N 56° 51' 9.6"  E -4° 59' 51.6"
letzter Besuch: 9.2023

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