und viele Zwischenstopps
Um Schottland zu verstehen, muss man ein Ausflug in die Vergangenheit machen. Schottland wird von Clans dominiert, einer diese Clans, die Stuarts, stellten seit langem den König. Dieser Jakob II wurde 1688 in einer Revolution der Engländer abgesetzt. Die Jakobiten (Anhänger König Jokobs) kämpften dann Jahrhundertelang für die Zurückerhaltung des schottischen Throns. Bis 1745 gab es in Schottland fünf jakobitische Aufstände.
1719 befand sich Europa wieder einmal im Krieg. Auf der einen Seite die Spanier, auf der anderen Seite ein Bündnis aus vier Staaten: Frankreich, Österreich, Niederlande und Großbritannien. Im Mittelmeer hatten die Spanier alle Hände voll zu tun. Eine neue Front in Großbritannien würde den Spaniern sehr helfen. Wenn gar wieder die Stuart-Könige die Macht übernähmen – gestützt durch Spanien?
Und so schickte der spanische König 300 Soldaten zusammen mit Jakobiter-Anführern Keith und Mackenzie. Zu den Spaniern kamen auch noch Clansmänner der MacKinnons und MacGregors hinzu. Im Tal Glen Shiel brachten sie sich in Stellung, um die Regierungstruppen zu erwarten. Die Engländer gewannen, nahmen auch die Burg Eilean Donan Castle mit britischen Schiffen ein. (Ein Berggipfel heißt übrigens Sgùrr nan Spainteach, Gipfel der Spanier.) Alle Aufstände der Jakobiten wurden niedergeschmettert, zum Teil mit Glück wegen einer verirrten Kugel, wegen Unstimmigkeiten unter den Clans oder weil die Jokobiten nach einem Sieg den König doch nicht absetzen konnten. (Wäre die Schweiz in Clans organisiert gewesen, hätte der Clan der Järmans sicher den König gestellt.) Den Jakobiter-Zug und das Jakobiter-Denkmal lassen wir aus, das haben wir vor 7 Jahren besucht.
Und wir fahren heute durch diese historische Stätte, den Highlands oder noch genauer durch das Tal Glen Shiel. Zuerst machen wir aber beim Commando Memorial halt, einem Denkmal für die Soldaten des zweiten Weltkrieges. Ein kleiner Garten daneben wird von vielen Familien für die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs als letzte Ruhestätte für ihre Asche genutzt. Es wurde auch als Ort genutzt, an dem viele Familien Gedenktafeln für ihre Angehörigen aufstellten, die in neueren Konflikten wie dem Falklandkrieg oder in Afghanistan und im Irak ihr Leben ließen. Es ist schon erschütternd, alle Inschriften zu lesen und wir Schweizer wissen gar nicht, wieviel Glück wir haben, dass unser letzter Krieg auf Schweizer Boden schon 176 Jahre her ist.
Wir fahren die sehr schöne Strasse weiter und stoppen einige Kilometer später schon wieder, dieses Mal an einer Schleuse des Caledonia Kanals. Dieser Kanal verbindet die Ost- und Westküste Schottlands, knapp 100km lang wovon 2/3 der Strecke von natürlichen Seen genutzt werden und insgesamt 29 Schleusen gebaut werden mussten. Und bei einer, der Laggan Locks Schleuse, können wir grad einem Schleusengang zuschauen. 3km weiter müssen wir wegen dem gleichen Boot warten, bis die Drehbrücke die Strasse wieder für uns frei gibt.
Wir fahren durch eine sensationell schöne Gegend, Seen und Hügel. Leider regnet es und alles hängt voller Wolken. Auf dieser Strecke wäre schönes Wetter schon sinnvoll… Wir kommen nur in kleinen Schritten vorwärts, an jedem Aussichtspunkt halten wir dennoch und bewundern die Gegend.
Zwischen all den fantastischen Aussichtspunkten fahren wir auch durch das oben erwähnte Tal Glen Shiel, wo der zweite Jakobiten-Aufstand in einer Schlacht niedergeschmettert wurde. Ein Denkmal und die Brücke fotografieren wir natürlich noch und stellen uns vor, wie sich hier die Schotten mit den Engländern bekämpft haben.
Glen Shiel, wo die Engländer den Schotten auf die Röcke gaben
Kurze Zeit später sind wir dann beim Eilean Donan Castle, aber wie vor sieben Jahren, als wir schon mal hier waren, Regenwetter und Ebbe. Nix mit Sonnenuntergang und Flut, so dass die Burg mit viel Wasser umflossen wäre und es tolle Fotos geben würde. Aber wir nehmen, was wir kriegen und geniessen es, auch einen Apfelkuchen, der hier mit viel Butter serviert wird. Wo sollen wir denn bei einem Apfelkuchen die Butter hinstreichen? Die schottischen Essensgewohnheiten haben wir noch nicht intus.
Als wir später wieder wegfahren, nimmt der Regen zu und irgendwie ist es fast zu schade, bei praktisch null Sicht durch diese schöne Gegend zu fahren. Also stoppen wir auf dem Sligachan Camping auf der Isle of Skye. Die Lage ist wunderschön, umgeben von schottischen Bergen und direkt am Meer.
Wir geniessen unser warmes Knutschi und haben erbarmen mit all denjenigen, die nun im Regen ihr Zelt aufstellen und darin schlafen müssen.
Noch ein Nachtrag: Heute morgen beim Bezahlen des Stellplatzes marschierte ich zum Zahlautomat, musste unsere Autonummer eintippen und schon leuchtete der korrekt zu bezahlende Betrag auf. Bezahlt mit Kreditkarte und dann zur Ausfahrtsbarriere fahren und schon öffnet sich diese und wir sind draussen. Anscheinend wird die Autonummer bei Einfahrt und Ausfahrt gescannt, kein Ticket, kein Zettel nix. Sehr bequem und schnell. Warum nicht überall so?
regnerisch, 6 - 16 Grad
ausser meiner Anita
Grundsätzlich wollten wir heute ausschlafen und vormittgas noch etwas arbeiten. Aber da es statt Dauerregen nur stark bewölkt war, machen wir uns doch abfahrbereit, nachdem wir online noch die Fährüberfahrt zu den äusseren Hebriden-Inseln Luis und Harrys gebucht haben. Anscheinend sind schon einige Fähren ausgebucht, wir erwischen aber noch eine für morgen Abend. So werden wir heute und morgen den Tag noch auf Skye verbringen und dann überschiffen.
Also fahren wir los Richtung Neist Point, da waren wir zwar schon vor sieben Jahren, aber dazumal im Dauerregen. Und da heute Nachmittag schönes Wetter angesagt ist, haben wir berechtigte Hoffnung auf Sonne.
Die Strassen dorthin sind zu Beginn sehr schön ausgebaut und wir kommen durch die wunderschöne Landschaft sehr gut vorwärts. Die letzten 20km ist es dann eine Single-Road, also eine, wo man sich nur bei Parkbuchten kreuzen kann. Das ist aber überhaupt kein Problem, wenn man ein entgegenkommendes Auto sieht, fährt man in die nächste Bucht und kreuzt dort. So ist es ziemlich entspannt, da man ja nicht zu schnell fahren kann. Allerdings merkt man schon, wenn wieder eine ältere, schlecht gelaunte Dame am Steuer sitzt und das Auto völlig nicht im Griff hat. Sie hält dann so, dass mindestens noch 30cm zum Strassenrand ungenutzt bleiben und stoppt dann. Und dann müssen wir uns mit dem grossen Womo an ihr vorbeidrücken, wo dann die fehlenden 30cm gerade den Unterschied ausmachen können. Bei den «normalen» ist es immer einfacher, wenn sich das kleinere Auto vorbeidrängt und das grosse stehen bleibt. Nicht mal bei der Kreuzung mit einem Car haben wir so grosse Mühe wie mit den älteren Frauen. Wobei auch gesagt sein muss, dass es durchaus gutgelaunte Frauen gibt, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, und uns gekonnt und zügig kreuzen.
Wir kommen aber gut in Neist Point an, das Wetter ist so wie erwartet und auch einen schönen Parkplatz mit Küstensicht haben wir schnell.
Wir montieren unsere Wanderausrüstung und machen uns mit den Fotoapparaten auf den Weg Richtung Leuchtturm. Es ist herrlich, die Landschaft wie ein Gemälde. Schafe grasen, die Sonne lässt sich blicken, das Meer rauscht blau und der Leuchtturm leuchtet weiss.
Wir wandern bis ans Meer runter und machen auch dort noch ein paar Fotos. Die Farben sind sehr intensiv, das orange Moos leuchtet richtig und die Wiesen sind saftig knall grün.
Als wir genug gesehen haben, marschieren wir wieder zum Knutschi und Anita wärmt noch die übriggebliebene grosse Portion Spaghetti von gestern Abend.
Danach geht es mit vollen Bäuchen weiter, wir wollen Richtung Westen nach Uig, und dort einen Übernachtungsplatz suchen. Blöd nur, dass es auf dieser Insel zwei Uig’s gibt. Aber wir merken es dann ziemlich schnell, weil unser Navi uns zum falschen Uig führen will und etwas Orientierungssinn ich sogar beim Fahren habe… Fehler also schnell korrigiert und beim Richtigen Uig fahren wir noch den Berg hoch und nach einer weiteren Single-Road landen wir auf dem Pässchen Quiraing. Hier haben wir schon mal übernachtet und es ist heute noch genau so schön wie damals. Allerdings hat es etwas viele Autos da, aber wir finden schon noch einen Platz. Überhaupt, es hat extrem viele Womos unterwegs hier in Schottland, jedes 3. Auto ist schätzungsweise ein Womo oder Van. Gestern war der Campingplatz spät abends dann proppenvoll. Und auch heute, fast reihenweise Womos auf der Strasse.
Darum finden wir es schon etwas komisch, das wir hier auf dem Pass um 20 Uhr ganz alleine sind. Alle anderen sind weg. Aber so gut wir auch schauen, ein Übernachtungsverbot finden wir nicht. Dieser Hinweis ist auf den tafeln nämlich abgeklebt, auch die Höhenschranke ist abmontiert. Wahrscheinlich darf man mit dem Womo während der Hauptsaison hier nicht übernachten, aber so wie es aussieht, ist es jetzt erlaubt.
Auch hier ist die Landschaft wie ein Gemälde, sogar einen schönen Regenbogen haben wir über dem Womo und in der Abendsonne sind die Farben einfach einmalig.
Jetzt hoffen wir auf einen schönen Nachthimmel oder einen schönen Sonnenaufgang von morgen. Allerdings schüttet es momentan wieder wie aus kübeln…
leicht bewölkt bis regnerisch, 8 - 16 Grad
und ein enttäuschendes Städtchen
Nachts hatten wir typisches Skye-Wetter. Es schiffte mindestens 5x (soviel habe ich es gehört, die anderen Male habe ich wahrscheinlich geschlafen). Und es regnete, wie wenn jemand die Dusche anstellt. Innerhalb 3 Sekunden werden die Schleusen geöffnet, dann schifft es 5 Minuten und dann von einer Sekunde auf die andere ist fertig. Das zog sich heute übrigens den ganzen Tag so fort, aber das ist ja nicht weiter schlimm.
Um 7 Uhr klingelte der Wecker, ich wollte den Sonnenaufgang fotografieren bei dieser grandiosen Landschaft auf dem Pässchen. Die Sonne liess sich aber etwas Zeit und guckte erst um 8 Uhr hinter den Wolken hervor. Das Foto wurde aber auch um 8 Uhr sehr schön…
Danach packten wir zusammen und führen die Single-Road-Passstrasse hinunter ans Meer. Dort kamen wir auf die etwas grössere Strasse und schon wenige Kilometer zu einem Aussichtspunkt mit Wasserfall. Wir nehmen heute jeden dieser Aussichtspunkte mit und stoppen überall, denn wir haben Zeit. Unsere Fähre geht erst um ca. 19 Uhr und wir haben nur knapp 40km bis zum Fährhafen. Wir schauen uns also Küstenlandschaften und Wasserfälle an, bis wir auf dem Parkplatz des Old Man of Storr ankommen. Das ist der Vater aller Hinkelsteine (die von Obelix, nur jene waren etwas kleiner, auch wenn Obelix diesen grossen sicher auch werfen konnte nach einem Wildschweinbraten). Noch zieht alle 30 Minuten ein 5-minütiger Regenschauer vorbei, und das ziemlich intensiv. Aber hier sieht man den Regen kommen…
So frühstücken wir zuerst in Ruhe und dann, als kein Regen mehr in Sicht ist, ziehen wir unsere Bergschuhe an, packen den Rucksack und nehmen den Weg und die 500 Höhenmeter unter die Schuhe. Es hat ziemlich viele Leute und nach 10 Minuten sehen wir wieder so eine Regenwand kommen. Wir montieren unsere Regenschütze, marschieren noch 100m weiter zu einer etwas geschützten Stelle und dann pisst es wieder voll los. Fast waagrecht und sehr intensiv. Nach 5 Minuten ist der Spuck wieder vorbei. Wir blieben ziemlich trocken, nur meine Hosen hinten vom Gesäss an bis zu den Fersen wurde nass, der Rest blieb trocken und auch Anita hat nur ganz wenig abgekriegt, da sie in meinem Windschatten warten durfte. Die anderen Touristen, vor allem Asiaten und Inder, checken so etwas nicht und sind plitsch nass.
Wir setzen unseren Aufstieg fort, laufen am Hinkelstein vorerst vorbei und noch etwas weiter hinauf, bis wir zum schönen Aussichtspunkt kommen. Da machen wir natürlich wieder Fotos und hier hat es auch weniger Leute, da nicht alle diesen Aufstieg verkraften.
Nach 98 Minuten sind wir wieder beim vollen Parkplatz, wir sind inzwischen wieder ganz trocken. Es ist schon unglaublich, wie viele Touristen, Womofahrer und andere, es hier noch hat. Es ist auf dieser Insel viel mehr los, als bei unserer ersten Reise zum gleichen Zeitpunkt vor 7 Jahren. Man könnte meinen, es sei Hochsaison.
Bei der anschliessenden Single-Road kriege ich meine erste Krise heute. Die Strasse hat vielleicht alle 100m eine Ausweichbucht für zwei Fahrzeuge. Und als ein Lastwagen entgegenkommt, benütze ich natürlich diese und warte ab. Und jetzt typisch: hinter mir fahren etwa 5 Pw’s, alles Touristen. Einer, maximal 2, können nun hinter mir die Ausweichbucht auch benützen, die letzten zwei haben aber keinen Platz mehr. Und wie soll nun der Camion kreuzen? Die Leute begreifen einfach nicht, dass man höchstens in kleinen Gruppen von 3 Fahrzeugen so eine Singelroad befährt und nicht in einer gesamten Kolonne. Denn wenn sich so zwei Kolonnen kreuzen wollen, keine Chance. Und dieses mal sind es nicht die schlecht gelaunten alten Damen, sondern vor allem junge Raser, die möglichst viel in ihren kurzen Ferien sehen wollen. Aber dass das Kreuzen so viel länger geht, wie wenn man etwas Abstand hält, dafür sind diese zu wenig intelligent. Furchtbar. Anita beruhigt mich dann wieder…
Danach fahren wir 10km weiter nach Portree, wohl das bekannteste Städtchen auf Skye. Aber ganz ehrlich: es ist wirklich nichts Besonderes, nimmt mich wunder, warum diese Ortschaft so einen guten Ruf hat. Es hat irre viele Leute, und noch mehr, als wir im Coop im Zentrum einkaufen wollen. Es ist ein echtes Gedränge und ich werde fast wahnsinnig. Ich krieg meine zweite Krise und schnappe nach Luft, als ich endlich wieder draussen bin.
Jetzt sehen wir, dass in der Bucht ein Kreuzfahrtschiff ankert, kommen die Leute alle von dort? Uns egal, Portree haut uns nicht aus den Socken.
Nach dem Städtchen fahren wir langsam weiter nach Uig an den Hafen. Wir sind um 17 Uhr dort und haben so etwas Zeit, bis die Fähre ablegt.
Dort treffen wir wieder auf Miriam und Hanspeter und verplaudern die Zeit, bis wir in die Fähre auf die Insel Lewis und Harrys fahren können. So sind die 1:40 Std. auf der Fähre sehr kurzweilig, wir reden und nehmen ein SMS mit etwas erstaunen auf: unsere Rückfahrt könnte abgesagt werden, weil Sturmböen von über 50 Knoten angesagt sind. Anita wird ganz bleich, als sie das hört.
Wir lassen es aber auf uns zukommen, ändern können wir es ja doch nicht. Aber die aktuelle Überfahrt überlebt Anita ohne Probleme, auch wenn es doch etwas schaukelt.
Heuten kommen wir gut auf Harrys an, aber erst, als es schon dunkel ist. Also fahren wir die 10km Richtung Süden, ich habe dort einen Übernachtungsplatz an der Strasse erspäht und im Dunkeln wollen wir möglichst wenig fahren. Da sieht man ja nix von der hoffentlich tollen Landschaft.
Wir kommen gut an, platzieren unser Knutschi und sind gespannt, wie es dann morgen bei Licht aussieht.
unsere neue Lieblingsinsel
Nur zum Verständnis, Lewis und Harris ist eine einzige Insel, die einen Doppelnahmen trägt. Harris ist der bergige südliche Teil, Lewis der flache nördliche. Die Insel gehört zu den Äusseren Hebriden.
Wir erwachen auf Harris bei Regen. Die Hügel sind Nebel verhangen und es sieht trist aus. Aber wir machen uns trotzdem auf den Weg, denn die Strasse gestern im Dunkeln lässt vermuten, dass es wunderschön ist. Wir versuchen, zwischen zwei Regenschauern zu bleiben, wenn wir zu schnell fahren, kommen wir in den Regen, wenn wir zu lange Pausen machen, ebenfalls. Also schauen wir, dass wir dazwischen bleiben und manchmal erspähen wir sogar etwas Sonnenschein.
Wir fahren auf schönen Strassen durch die Berge, keine Bäume, keine Sträucher, nur Gras, Felsen und Moos. Und ganz viele Seen, nicht ein einziger Blick gelingt, ohne irgendwo einen See zu sehen, erst recht nicht, auf einem Aussichtspunkt. Die Landschaft mutet sich wunderschön an und wir geniessen die Fahrt auch ohne Sonnenschein. Hin und wieder stoppen wir und machen Fotos, jeder Stopp könnte auch ein potenzieller Übernachtungsplatz sein. Es gibt wenige Ortschaften, wenige Leute und noch weniger Verkehr. Wir sind schon jetzt verliebt, obwohl wir noch nicht gerade Traum Wetter haben. (kommt aber noch).
So fahren wir gemächlich ohne Stress immer weiter, so lange, bis wir in Calanais Standing Stones & Visitor Centre ankommen. Hier ist so etwas wie das Zentrum der Inselsehenswürdigkeiten. Es gibt nämlich zwölf Steinkreise nur schon in dieser näheren Umgebung. Und beim Visitor Center steht der grösste, Caldragh Idols. Es ist nicht wirklich ein Kreis, sondern ein Kreuz, das vor 5’000 Jahren errichtet wurde. Das Kreuz stammt aus der Zeit vor dem Stonehenge Denkmal und war mindestens 2000 Jahre lang ein wichtiger Ort für rituelle Aktivitäten. Es gibt insgesamt fast 50 stehende Steine (die genaue Anzahl konnte ich nicht herausfinden) die bis zu 3m hoch sind. Es sieht toll aus, ja wenn nicht der Reisecar hier wäre und dessen Reiseführerin in französisch genau im Zentrum den Carinsassen den Steinkreis erklären würde. Alle stehen da im Zentrum, niemand kann ein schlaues Foto machen und die Leute merken es einfach nicht. Na gut, wir warten. Dann endlich, endlich ist sie fertig und die Leute verlassen den Kreis. So treten wir rein und machen mal ein paar Fotos. Und dann der Hammer: eine Insassin beschwert sich, dass wir im Weg stehen, sie würde gerne ein Foto ohne Leute machen. Äh, hat die nicht begriffen, dass wir rund 20 Minuten auf sie warten mussten? Ich koche innerlich, verstehe zum Glück heute weder französisch noch englisch und sehe mich weiter um. Wenigstens zwei Minuten kann die Französin jetzt auch warten.
Wir bleiben danach noch eine weitere halbe Stunde und lassen die Steine auf uns wirken, schauen den Leuten vom nächsten Reisebus an und machen unsere Gedanken. Menschen in Gruppen sind schon wirklich dumm, da ist eine Herde Schafe wahrscheinlich intelligenter.
Danach fahren wir mit unserem Womo zwei Kilometer zurück und besichtigen die Steinkreise zwei und drei. Wichtigstes Utensil dabei: unsere Gummistiefel. Die leisten heute gute Dienste, die Gegend ist von den Regefällen aufgeweicht zu der sonst schon moorigen Landschaft. Zwischen den beiden Kreisen betätige ich mich noch als Tierfotograf von wilden Bestien…
Das Wetter wird langsam besser und so fahren wir weiter Richtung nördlichster Spitz der Insel. Es ist eine traumhafte Fahrt, super Landschaft, super Licht, blauer Himmel. Sogar die Sonnenbrillen müssen wir seit längerem wieder suchen. Und dann sind wir beim Butt of Lewis Lighthouse, bei schönstem Wetter und einer grandiosen Brandung. Wir könnten wieder schreien vor Glück.
Auf dem Rückweg besichtigen wir noch Steinkreis Nr. vier heute (in Schottland gibt es übrigens 508 Steinkreise) und dann fahren wir bei strömenden Regen in die Hauptstadt der Insel, Stornoway. Eigentlich sollte dort um 7 Uhr in der früh unsere Fähre zurück nach Nordschottland führen, aber ob die Fähre ablegt, ist noch nicht sicher. Es sind starke Windstärken vorausgesagt und die Fährgesellschaft entscheidet morgen früh, ob sie ablegt oder nicht. Wir werden es sehen.
183km regnerisch bis leicht bewölkt, 11 - 20 Grad
Knutschi leckt
Um 5:40 Uhr schrillt unser Wecker, er reisst uns aber nicht aus unseren Träumen. Wir haben schlecht geschlafen, ein Ohr verfolgte die Geräusche der Meeresbrandung: wird sie schlimmer, nimmt sie ab, fährt die Fähre heute früh oder bleibt sie wegen Sturm im Hafen? Eines ist klar, der Regen prasselt ohne erbarmen auf unser Womodach, es schüttet richtig. Können wir nicht ändern, also ziehen wir uns schnell an und fahren zum Hafen. 6:08 Uhr Ankunft dort und schon mal beruhigt, die Fähre steht beleuchtet da, ein gutes Zeichen. Tickets werden ab Handy gescannt, wir auf Line 10 eingewiesen und um 6:17 Uhr fahren wir schon in den Bauch der Fähre. Wir werden vorne in der Mitte eingewiesen, mit der Stossstange direkt an der Heckklappe. Unser Knutschi steht so weit vorne voll im Regen. Dafür werden wir die allerersten sein, die von der Fähre fahren werden. Das stresst grad ein bisschen, wir müssen also bei Ankunft bereit sein!
Dann schliessen wir das Womo, laufen vier Stockwerke hoch in die Mitte des Bugs und können unsere Plätze auswählen, weil wir die ersten sind. Anita ist es nicht geheuer, denn der Regen und Wind ist nicht ohne. Dann um 6:56 Uhr legt das grosse Schiff ab und gibt Gas Richtung Festland. Es schaukelt schon ein wenig, unten im Bauch geht wieder das Geheule der Autoalarmanlagen los weil die eine oder andere grosse Welle dem Schiff einen Schlag versetzt. Nach gut 90 Minuten sind wir im Fjord von Ullapool, das Schlimmste ist überstanden und Anita geht es noch gut. Wir sind erleichtert und so können wir die letzte halbe Stunde bis in den Hafen noch halbwegs geniessen, auch wenn es draussen immer noch pisst. Als die Durchsage kommt, dass man nun zu den Autos soll, sprinten wir los, vier Stockwerke runter auf das Autodeck, dann ganz nach vorne (oder hinten) zu unserem Knutschi, uns für die Abfahrt bereit zu machen. Und dann der Schock! In der Küche steht das Wasser 1cm tief, Teppich unter Wasser, Kühlschrank schwimmt und der ganze Boden bis weit nach hinten nass. Was ist passiert? Keine Zeit, jetzt darüber nachzudenken, wir sind geschockt. Anita putzt wie die Wilde mit Haushalts- und Badetücher den Boden halbwegs trocken, ich ganz bleich auf dem Fahrersitz und warte, bis das Tor der Fähre aufgeht, damit wir vom Schiff fahren können, ohne alle anderen 142 Fahrzeuge aufzuhalten. Es gibt für das Desaster nur zwei Möglichkeiten: Mein neues Loch im Dach für die Antenne ist nicht dicht (wahrscheinlichste Ursache) oder der gelöste Gummi auf dem Dach, den ich vor zwei Tagen gesehen habe, ist die Ursache. Beides ist Scheisse und ich sehe unser Knutschi schon in Wasser aufgelöst davonschwimmen.
In Panik steuern wir nach der Abfahrt von der Fähre den nächsten Supermarkt an und trocknen auf dem Parkplatz weiter. Zwischendurch gehen wir schnell vier neue Rollen Haushaltspapier kaufen, denn die alte Rolle war schnell aufgebraucht. Aber hier auf diesem Parkplatz können wir nicht richtig arbeiten, wir müssen auf einen anderen, wo wir etwas mehr Platz haben. Also fahren wir auf die Hauptstrasse und stoppen an der ersten Gelegenheit, wo wir mehr Platz haben. Während wir dorthin fahren, schwappen in jeder Kurve neue Wasserbäche unter dem Kühlschrank oder dann wieder unter dem Backofen hervor. Wo kommt nur all dieses Wasser her?
Als wir stehen, trocknet Anita weiter und ich muss die Ursache finden. Wahrscheinlich ist mein Loch der Antenne nicht dicht, und weil es auf der Fähre auf unser Knutschi geregnet hat, haben sich nun die Seitenwände gefüllt. Schöne Scheisse. Anita meint aber noch, so viel Wasser kann gar nicht durch so ein kleines Loch kommen. Ich gehe also auf die Suche, von wo das Wasser kommen könnte. Im Innern des Womos beim Dach und beim Loch ist alles trocken, oben an der Türe auch. Auch bei den Fenstern. Innen an der WC-Klappe ist es dann nass. Und dann sehe ich es: bei meiner selbst montierte Aussendusche ist der Wasserschlauch nicht mehr verbunden! Und so floss der gesamte Wassertank frischfröhlich dort zum Verbindungsstück (das nun nicht mehr verbunden war) raus, füllte zuerst das WC-Fach, dann lief es dort unter den Kühlschrank und von dort verteilte es sich auf unserem Womoboden. Mindestens 70l Wasser! Aber: es ist die beste mögliche Ursache für uns. Keine Seitenwand voll Wasser, kein undichtes Loch oder keine undichten Fenster. Also montiere ich nun im Regen auf dem Parkplatz das T-Stück der Wasserleitung raus und den alten Winkel wieder ein. Defekt behoben und die Aussendusche werde ich nie, nie mehr versuchen, selber einzubauen.
Uns fallen ganze Felsbrocken von den Herzen und endlich können wir schauen, wo wir durchfahren und was wir heute noch machen wollen. Es pisst übrigens noch immer.
Wir entscheiden uns, nach Norden zu fahren, aber nicht allzu weit, denn es hat keinen Wert. Die wirklich tolle Landschaft sieht bei Regen einfach nicht so toll aus und hat es nicht verdient, nicht von uns gesehen zu werden.
Dann, genau kurz vor dem Ardvreck Castle (der fast einzigen Sehenswürdigkeit in der Gegend) kommt plötzlich die Sonne hervor und weil es noch immer pisst, leuchtet ein schöner Regenbogen. Also kurz aufs Gas, mit Schwung in den Parkplatz und ein Spurt mit Fotoapparat und Regenjacke zur Ruine für ein paar tolle Fotos. Eigentlich hätten wir gar nicht pressieren müssen, der Regenbogen steht eine halbe Stunde am Himmel und wir können es geniessen, bis wir plitschenass sind. Danach wird es wieder grau in grau. Aber wir haben den richtigen Moment erwischt und sind schon ganz zufrieden.
Danach fahren wir links Richtung Küste, eine wundervolle SingelRoad durch eine fantastische Gegend, Berge, Seen, Felsen, Kühe, Schafe. Es ist wirklich toll, aber eben, grau in grau. Wir setzen unsere Fahrt fort, bis wir beim Leuchtturm Stoer Lighthouse ankommen. Nur wenige verirren sich bis hierher, vor allem bei diesem Wetter.
Wir beschliessen hier zu übernachten, grandiose Aussicht auf die Meeresbrandung, direkte Sicht auf den Leuchtturm. Was will man mehr? Vielleicht wird das Wetter doch noch besser und wir können gute Nachtfotos machen vom Richtstrahl des Leuchtturms.
Heute sind wir schnell zufrieden, es hätte viel schlimmer kommen können.
81km, Regen, 10 - 13 Grad
unseres Reisestrecke