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Tromso Norwegen 2014
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Reisebericht

Riesige Schaufelbagger in Ferropolis 8.1.2025

auf dem Weg nach Skandinavien

Etwas verspätet um 8:30 Uhr fahren wir endlich los. Ich glaube, wir könnten zwei Wochen vorher beginnen unser Wohnmobil zu beladen, am Schluss wird es immer noch hektisch. Und egal wie viele Listen wir machen, etwas wird immer vergessen. Nach einiger Fahrzeit merken wir, dass wir alle Strassenkarten zu Hause gelassen haben. Schöner Mist, aber es gibt Schlimmeres.

Wir sind bei strömendem Regen auf der Autobahn unterwegs, machen in Hohenems noch schnell einen Zwischenstopp bei der Tankstelle, um österreichischen (und günstigen) Diesel zu tanken und brausen danach durch den holprigen Pfändertunnel Richtung Deutschland.

Dort fahren wir zuerst die A7 und A6 hoch nach Nürnberg, danach wechseln wir auf die A9 Richtung Leipzig. Wir kommen sehr gut voran, es hat wenig Verkehr und keinen einzigen Stau. Die Strecke durch die Ex-DDR ist halt schon noch etwas weniger befahren, dafür regnet es, zwischendurch schneit es oder beides zusammen. Es besteht aber keine Gefahr, dass es schneebedeckte Fahrbahnen gibt und so biegen wir 60km nach Leipzig rechts weg und fahren die letzten Kilometer nach Ferropolis, die Stadt aus Eisen.

Ferropolis ist ein ehemalige Braunkohle Tagbau-Gebiet, genauer Golpa Nord. Von 1964 bis 1991 wurden da täglich 8300 Tonnen Braunkohle gefördert. Wenn man bedenkt, dass für einen Eimer Braunkohle 5 Eimer Abraum weggekippt werden und 6 Eimer Wasser abgepumpt werden müssen. Die Braunkohle wurde an Kraftwerke in der weiteren Umgebung geliefert.

Heute ist Ferropolis Museum, Industriedenkmal, Stahlskulptur, Veranstaltungsareal und Themenpark gleichermassen. Alles beherrschend: die riesigen Baggermaschinen, die aussehen wie Dinosaurier eines Vergangenen Zeitalters. Es stehen fünf dieser riesigen Kolosse hier, der schwerste 1980 Tonnen. Extrem imposant. Allerdings wenn man bedenkt, dass der grösste Abräumbagger in Deutschland mit über 14'000 Tonnen fast 10x grösser ist, unvorstellbar. (Dieser ist übrigens das grösste Landfahrzeug der Erde) und hat in 10 Tagen einen Berg gleich gross wie die Cheops-Pyramiden aufgeschüttet.

Es ist etwas schade, dass wir erst um 16 Uhr in Ferropolis ankommen, also schnell ein Ticket kaufen und bei Sonnuntergang bis zum Eindunkeln diese Maschinen besichtigen. Uns bleibt nicht viel Zeit, denn um 17 Uhr schliesst das Freilichtmuseum und man muss das Gelände verlassen. Ist aber nicht schlimm, wir kriegen einen gewaltigen Eindruck, machen ein paar Fotos und verlassen danach pünktlich um 17 mit unserem Knutschi bei Dunkelheit das Gelände.

Ich übernehme von Anita wieder das Steuer und fahre aber nur gerade zwei Kilometer weiter auf den Parkplatz, der zu Ferropolis gehört. Wir parken im Dunkeln dort und machen das Knutschi bereit für die Nacht. Anita kocht noch ein feines Risotto und so sind wir um 19 Uhr schon wieder mit allem fertig.

Morgen sind es bis Rostock auf den Fährhafen noch 330km und so buche ich heute die Fähre nach Trelleborg, planmässige Abfahrt um 15:10 Uhr. Das sollte locker reichen und ein Lebensmitteleinkauf liegt auch noch drin, bevor wir dann abends in Schweden ankommen.

8:07 Uhr Sonnenaufgang
16:19 Uhr Sonnenuntergang
8:12 Std Tageslänge

1 – 5 Grad, Regen und Schnee, 0-5cm Schnee

694km
10.7 Liter Dieselverbrauch / 100km
94km/h
7:19 Std. Fahrzeit

Übernachtung

Gräfenhainichen - Ferropolis ***
Deutschland, Parkplatz

Koordinaten: 51.74978, 12.437611
N 51° 44' 59.2"  E 12° 26' 15.4"
letzter Besuch: 1.2025

Erster Defekt 9.1.2025

Und weitere Optimierungen

Nachts prasselt der Regen auf unser Dach, aber das macht ja gar nichts. Wir haben es kuschelig warm im Womo und morgens erwachen wir um halb acht immer noch im Dunkeln. Der Zeitpunkt ist aber ideal, wir machen unser Knutschi reisefertig und Anita kocht noch Wasser für Tee in unsere Thermosflasche. Dabei merken wir, dass unser Wasserhahn in der Küche plötzlich defekt ist. Gestern hat er doch noch funktioniert? Wasser kommt schon, aber beim Öffnen des Hahns schaltet die Wasserpumpe nicht ein und dadurch kommt kein Wasser. Also müssen wir auch den Hahn im Bad etwas öffnen, damit die Wasserpumpe einschaltet und dann fliesst auch in der Küche Wasser. Sobald wir Zeit haben, muss ich das aber beheben und im schlimmsten Falle einen neuen Wasserhahn montieren.

Pünktlich um Acht fahren wir dann bei Regen und Schnee wieder los Richtung Norden. Bevor wir auf der Autobahn sind, tanken wir nochmals 30 Liter Diesel, damit wir so gut bis Rostock auf die Fähre kommen und dann in Schweden wieder voll tanken können. Der Diesel ist aktuell in Schweden günstiger wie in Deutschland. Warten mit dem Tanken von Winterdiesel bis wir in Schweden sind, ist nicht nötig. Auch in Deutschland ist für die Tankstellen Pflicht, ab 15. November Winterdiesel zu verkaufen der bis – 20 Grad funktioniert. In Südschweden ist der Diesel nämlich auch nicht anders. Weiter oben im Norden wird dann auch zusätzlich Polardiesel verkauft, dieser funktioniert mindestens bis -30 Grad, meistens aber bis -40 Grad. Diesen Diesel kaufen die Einheimischen für ihre Schneescooter und bei extremen Kälteperioden auch für die Autos.

unterwegs im Schnee

Während Anita unser Womo auf der Autobahn lenkt, probiere ich via App unseren Ladebooster richtig einzustellen. Zeitweise hat er bisher nicht richtig funktioniert, das heisst, er hat nicht erkannt, wann der Motor läuft. Unsere Fahrzeugbatterie hat jeweils nur 13.4 Volt Spannung bei laufendem Motor und 12.7 Volt bei Stehendem. Diese Parameter kann ich nun gut einstellen und etwas ausprobieren, so dass die Aufbaubatterie jetzt mit 25A geladen wird. Falls wir kürzere Fahrten machen und dringend Batterie aufladen müssen, kann ich diesen Wert hinaufschrauben oder bei Sonnenschein und Einspeisestrom über die Solarpanels sogar ganz abstellen.

Es ist schon cool, wenn Anita jeweils auch ein Stück fährt!

Wir kommen so wieder mit sehr wenig Verkehr in Rostock an und parken bei Aldi und MediaMarkt auf dem Parkplatz. Im Media Markt wollen wir noch ein kleines DAB-Radio kaufen, das man mittels USB aufladen kann. Wir haben nämlich nicht bedacht, dass unser Autoradio abends jeweils hinter der Winterabdeckung liegt, die Lautsprecher ebenfalls. Und so haben wir nur einen sehr gedämpften Ton im Womo bei ziemlich grossem Strombedarf. Unser Autoradio zieht 1.5 A und das sind abends bei 5 Std Laufzeit etwa 8Ah, also 8% unserer gesamten Batteriekapazität. Und das ist mir dann schon etwas gar viel, etwas gleich viel wie die Dieselheizung und da habe ich dann lieber warm wie laut…

Nach dem Radiokauf geht’s noch an die Lebensmittel und danach fahren wir die restlichen 6 km an den Fährhafen. Beim Check-In zeige ich unsere Buchungsnummer und 2 Minuten später sind wir schon in der Wartespur 51. Hier müssen wir zwei Stunden warten, die Fähre hat leichte Verspätung. Das Verladen der Fähre dauert gefühlsmässig ewig, es sind vor allem grosse Lastwagen, zwei Eisenbahnzüge, ein paar wenige Pw’s und insgesamt 2 Wohnmobile.

die Fähre ist fertig beladen


 

Danach machen wir es uns im Restaurant bequem, wir haben viel Platz bei so wenigen Leuten und schauen ins Dunkle hinaus (Sonnenuntergang um 16 Uhr), warten die 6 Stunden Überfahrt ab. Das Meer ist glatt, fast keine Wellen, die Luft 2 Grad.

Das Entladen geht dann auch nicht so zügiger und wir sind schnell in Trelleborg auf der Hauptstrasse. Ein herausgesuchter Stellplatz ist nur 3km vom Hafen weg und diesen peilen wir für die Übernachtung an. Der Stellplatz ist voll eingerichtet, aber geschlossen, warum nur? Nun ist Improvisation gefragt, wohin jetzt? Wir schleichen die Strasse am Meer entlang und nach gut einem Kilometer sehe ich im Dunkeln irgendwie ein einladendes Strässchen und meine Nase hat mich nicht im Stich gelassen, nach nur 300m kommt ein grosser Parkplatz, wo schon etwa drei andere Lieferwagen oder Wohnmobile parken und ganz sicher übernachten. Also bleiben wir auch hier und werden die erste Nacht in Schweden verbringen. Kein Schnee in Sicht, und auch keine Minus-Temperaturen. 

8:14 Uhr Sonnenaufgang
15:59 Uhr Sonnenuntergang
7:45 Std. Tageslänge 

0 – 2 Grad, Regen, Schnee

346 km Strecke
4:49 Std Fahrzeit
71 km/h Durchschnitt
12,0 Liter Verbrauch

Übernachtung

Trelleborg - Västra ***
Schweden, Parkplatz
Strasse etwas laut
Koordinaten: 55.37559, 13.120120
N 55° 22' 32.1"  E 13° 7' 12.4"
letzter Besuch: 1.2025

Im Winter angekommen 10.1.2025

Südschweden

Wir gewöhnen uns sehr schnell an unseren Ferienrhythmus und stehen mit den Hühnern auf, das heisst, mit dem Sonnenaufgang. Und da dieser erst um halb neun ist, ist das für uns kein Problem…

Die Nacht war nicht ganz so ruhig, die Fahrzeuge der nahen Strasse machten ziemlich Lärm aber heute Morgen sehen wir, dass wir an einem ganz schönen Ort aufwachen. Es ist ein kleines Naherholungsparadis, wo man Vögel und die Natur beobachten kann. Und das am Stadtrand von Trelleborg in der Nähe des Fährhafens. Es gibt Ausgucke, Feuerstellen und schöne Spazierwege. So laufen wir 100m direkt ans Meer und erleben den Sonnenaufgang hautnah mit. Perfekt zu unserem Start in Skandinavien ist das Wetter nämlich richtig gut geworden, auch wenn der Boden gefroren ist und die Temperatur in der Nacht wahrscheinlich knapp unterhalb des Gefrierpunktes war.

Da in Trelleborg kein Schnee liegt und wir ja extra wegen dem Winter diese Reise machen, beschliessen wir, ziemlich schnell und direkt nach Kalmar zu fahren, etwas über 300km auf Autobahnen und Schnellstrassen.

Wir kommen sehr gut voran, das Fahren ist ein Genuss, fast kein Verkehr, defensive Fahrweise von allen Verkehrsteilnehmern. Schweden ist riesig mit viel Platz, die Autobahnen führen mit geschweiften Bögen durch die weiche Landschaft. Man könnte problemlos mit grossem Tempo dahinrasen, aber die Geschwindigkeitslimite liegt bei 110km/h. Die meisten fahren jedoch nur 100, so wie wir auch und ein paar Lastwagen. Es ist richtig easy.

Zwischendurch stoppen wir bei einem Biltema, eine grosse Baumarkt- und Freizeitladenkette in Schweden. Wir schauen uns etwas um, kaufen schlussendlich aber nichts. Das, was wir suchen (Eisbohrer für Eisfischen und Antirutschmatten) gibt es hier nicht, diese Filiale ist wahrscheinlich eine der kleineren, auch wenn sie für unsere Verhältnisse gross ist.

Nach dem täglichen Fahrerwechsel beginnt es dann zu schneien. Die Landschaft wird weiss gezuckert, ohne dass sich der Schnee auf der Fahrbahn ansetzt. So kommen wir bei immer heftigerem Schneetreiben gut und schnell in Kalmar auf dem anvisierten Stellplatz fast im Zentrum der Stadt an. Den Stellplatz muss man im Touristoffice bezahlen, allerdings hat das schon ab 14 Uhr geschlossen und wir sind knapp zu spät. Also richten wir uns dennoch ein und gehen dann morgen nochmals vorbei.

Es ist -1 Grad, wir sind uns das noch nicht gewohnt und ich ziehe meine neuen Winterschuhe an (extra gekauft für diese Reise), die neuen langen Unterhosen (extra gekauft für diese Reise), die warmen Jacke (gekauft im Sommer in Norwegen extra für diese Reise) und die neu gestrickte Wollmütze (extra gestrickt für diese Reise). Anita probiert ihren neuen Überhosenjupe (extra gekauft für diese Reise) und die Leggins unter die Hosen (extra gekauft für diese Reise) und dazu ihre ebenfalls neuen Winterschuhe (extra gekauft für diese Reise) an.

So richtig warm eingepackt machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Schloss Kalmar. Der Weg ist kurz, die Aussicht zum Schloss im Schneetreiben wunderschön. Das Schloss schliesst aber auch schon um 15 Uhr, die Tage sind kurz hier in Schweden denn auch die Sonne ging heute schon um halb vier unter.

Wir schlendern noch etwas durch das Städtchen, an der Universität und am Hafen, alles in sehr kurzer Gehdistanz vom Stellplatz. Die Studenten haben wahrscheinlich grad ihre Vorlesung zu Ende und strömen aus der Uni, die einzigen die in dieser Stadt wohl eine warme Mütze auf dem Kopf haben, sind Anita und ich. Alle andern haben wohl noch nicht kalt bei diesen warmen Temperaturen… Auch wir werden uns noch daran gewöhnen und uns abhärten.

Zurück im Wohnmobil richten wir uns kuschelig ein, montieren den Wintervorhang, drehen die Heizung auf, isolieren die Dachfenster und lassen es uns gut gehen.

Während ich den Blog schreibe, (16:35 Uhr) ist es draussen stockdunkel, der Schnee bedeckt nun auch die Fahrbahnen und die Stadtlichter leuchten durch den Schneefall. Es sieht einfach magisch aus. Wir könnten schreien vor Glück!

8:29 Uhr Sonnenaufgang
15:40 Uhr Sonnenuntergang
7:11 Std. Tageslänge 

Schneefall, -2 bis 2 Grad

Strecke 318km
3:49 Std Fahrzeit
83km/h Durchschnitt
11,2 Liter Verbrauch

Übernachtung

Kalmar - Ölandskajen ****
Schweden, Stellplatz
Top Lage, keine Ver-/Entsorgung
Koordinaten: 56.66031, 16.360902
N 56° 39' 37.1"  E 16° 21' 39.2"
letzter Besuch: 1.2025

Erste Zweifel 11.1.2025

harter Tag

Die ganze Nacht fegt ein Schneesturm über uns hinweg, allerdings mehr Wind wie Schnee. Morgens ist aber alles ganz weiss und tief verschneit. Winterwonderland! Und die erste richtige Nacht im Winter mit früher Ankunft, heizen, Kaffee machen etc. hat uns diese Nacht bis zu unserer Abfahrt 45Ah Batteriekapazität gekostet. Nicht schlecht, haben wir doch eine Kapazität von 100Ah. Wenn wir da noch gespart hätten mit Computer- Handy etc. aufladen, könnten wir locker nochmals 10Ah sparen. Wir sind also im Grünen Bereich, wenn es draussen weiss ist.

In der ersten Euphorie haben wir gestern einen Stellplatz in Stockholm reserviert, easy, 400km, 4 Std. Fahrt und nachmittags die Stadt anschauen. 8:30 Uhr losfahren bei Sonnenaufgang, Ankunft in Stockholm 12:30 Uhr, das war der Plan.

Die pünktliche Abfahrt klappt ja noch, obwohl wir unser Knutschi zuerst vom Schnee befreien müssen, aber danach beginnt es zu stocken. Die Strassen sind weiss und rutschig, gleichzeitig sehr starker Seitenwind. Mehr wie 80km/h auf der Autobahn liegt nicht drin und als dann mein Womo im Seitenwind und einer tiefen Schneeverwehung zu schlingern beginnt, der Lastwagen vor uns mit dem Anhänger quer vor uns fährt, bin ich am hyperventilieren und drossle mein Tempo noch mehr. Mir ist nicht mehr so wohl und ich muss mich voll konzentrieren, auch wenn wir nur 60km/h fahren. Wir sind erst in Südschweden, noch 1700km Luftlinie vom Nordkapp entfernt (wenn wir von unserem Haus auf der Karte 1700km Luftlinie nach Süden gehen, landen wir in Libyen). Schaffen wir das diesen Winter? Heute zweifle ich, denn es ist mit -4 Grad ja noch nicht mal richtig kalt.

Nach 200 Kilometer und über drei Stunden Fahrzeit kommen wir endlich in Norrköping an. Wir machen eine kleine Pause und steuern dort wieder einmal den Biltema an. Da er gerade neben unserer Strecke liegt, passt das und wir kaufen ganz gross ein. Die Laune steigt ganz schnell wieder ganz hoch, die Zweifel sind weit weg.

wieder zufrieden

Aber sollen wir wirklich noch bis Stockholm fahren oder hier übernachten? Wir wollten doch nicht den ganzen Tag in der Helligkeit nur mit Fahren verbringen? Aber Stockholm reizt eben schon und die Strassen sollen nun besser werden.

Es liegt nun kein Schnee mehr auf der Fahrbahn, nur eine salzige Nässe spritzt von den Reifen auf die anderen Autos. Nach jedem Auto, das uns überholt, sehen wir praktisch nichts mehr und müssen die Scheiben reinigen, der Rückspiegel ist schon lange blind, keine Chance, da etwas zu sehen.

keine Sicht

Es will auch hier nicht so recht vorwärts gehen, zuerst blockiert ein Unfall die Autobahn, danach auf der Umleitung ist ein Schwertransporter vor uns. Es läuft einfach nicht. Und vor Stockholm stehen wir noch kurzzeitig in einem Stau.

So erreichen wir erst nach Sonnuntergang um halb vier den Stellplatz in der Stadt. Was sollen wir jetzt noch machen? Zu Fuss in die Stadt wie geplant, oder morgen Sonntag die Stadt besichtigen und einen Tag länger bleiben?

Wir entschieden uns um 5 Uhr bei stockdunkler Nacht noch den Spaziergang in die Altstadt. Und es hat sich total gelohnt! Stockholm bei Night und mit weissen Strassen ist einmalig. Einfach super! Aber Achtung an all die Männer, die Schaufensterscheibenfrauen haben: vom Stellplatz zur Altstadt sind es 2km und man muss an ca. 1500 Schaufenster und 150 Restaurants vorbeigehen. Also viel Zeit einplanen. Auch die Altstadt selber gefällt uns sehr gut, eine wahnsinnig grosse Fussgängerzone, nicht nur im ältesten Teil der Stadt, viele Leute am Samstagabend, friedlich und schöne Stimmung. Auch beim Schloss, wo Silvia und Carl XVI. Gustaf von Schweden wohnen, waren wir. Die beiden haben wir aber nicht gesehen, nur die strammstehenden Wachposten.

Schloss

Später gab es für uns zwei noch je eine Pizza (nicht im Schloss) bis wir dann kurz nach Acht wieder beim Womo waren.

Der Winter hat uns jetzt, auch wenn es nächste Woche wieder warm werden soll.

8:23 Uhr Sonnenaufgang 
15:16 Uhr Sonnenuntergang
6:53 Std. Tageslänge 

Schneefall und trocken, -1 bis -4 Grad, 250km schneebedeckte Strassen

Strecke 423km
6:01 Std Fahrzeit
70km/h Durchschnitt
11,6 Liter Verbrauch

Übernachtung

Stockholm - Tantolunden Mobilheimcamping ***
Schweden, Stellplatz
gute Lage, aber im Winter kein Frischwasser und keine Entsorgung, wenn es gefriert
Koordinaten: 59.31238, 18.053176
N 59° 18' 44.6"  E 18° 3' 11.4"
letzter Besuch: 1.2025

Auf die Åland-Inseln 12.1.2025

Tolle Fährfahrt

Gestern Abend haben wir lange überlegt, ob wir noch einen Tag in Stockholm bleiben oder weiterreisen sollen. Wir haben uns dann auf eine Weiterreise geeinigt, aber Stockholm hat uns sehr gut gefallen. Nochmals einen Tag und eine Nacht in der Stadt bleiben, wo am Sonntag viele Geschäfte geschlossen bleiben? So buche ich gestern Abend noch die Fähre auf die Åland-Inseln zwischen Schweden und Finnland.

Der Fährhafen ist rund 100km von Stockholm entfernt und die grosse Fähre legt um 10:45 Uhr ab. Also schrillt um 7 Uhr der Wecker, aufstehen, warm anziehen, draussen die Aussenisolierung wegnehmen, innen dasselbe, etwas aufräumen, Navi programmieren, inzwischen ist dies alles zur Routine geworden und so durchqueren wir 40 Minuten später das noch schlafende winterliche Stockholm. Der Himmel ist sternenklar, der Fast-Vollmond unheimlich gross und der Sonnenaufgang unendlich lange. Auf der gesamten Fahrt zum Hafen von knapp über einer Stunde haben wir das Gefühl, die Sonne geht auf. Aber erst am Hafen selber sehen wir sie zum ersten Mal. Es ist schon faszinierend, wie lange hier im Winter die Sonnenauf- und Untergänge sind. Gefühlt 10x so lange wie bei uns. In Stockholm dauert es heute ganze 78 Minuten, vom ersten Sonnenstrahl bis die gesamte Sonne über dem Horizont erscheint.

Das Winterwunderland begleitet uns die gesamte Fahrt bis zum Hafen, dort verläuft das CheckIn extrem schnell, es warten nur etwa 10 PWs, ein Wohnmobil (wir) und ein paar grosse Sattelschlepper. So können wir eine Stunde vor der Abfahrt der Fähre schon aufs unterste Deck fahren. Wir müssen in der Fähre ganz nach vorne fahren, dort eine 180 Grad-Wende machen und wieder alles zurück, so dass wir direkt vor der grosse Ladeklappe zu stehen kommen. Hinter uns niemand, neben uns niemand. Die PWS werden ein paar Stockwerke weiter oben sein, die Camions ein Stockwerk über uns.

Es ist wohl eine der grössten Fähren, die wir je benützt haben und wie wir dann auch feststellen, es ist die absolut schönste! Die Finncanopus ist eine Fähre der Superstarklasse, die modernste der Finnlines. Es haben 5400 Fahrzeugmeter darauf Platz, 1100 Passagiere und sie wurde erst 2024 in Betrieb genommen. Also ganz neu und das merkt und sieht man überall.

Hundefreundliche Fähre

Aufgefallen ist das uns unter anderem auch bei den Haustieren. Die Hunde haben auf Deck einen eigenen kleinen Bereich zum Spielen und Gassi gehen. Und im Restaurant ist ein abgetrennter Teil extra für diejenigen Gäste, die ihr Haustier dabei haben. So etwas haben wir bisher noch auf keiner anderen Fähre gesehen.

Premium Stellar Lounge

Bei der Buchung konnte man angeben, ob man für 15€ pro Person auch diese Lounge mitgebucht werden soll. Natürlich habe ich die gebucht, auch wenn ich nicht genau wusste, was es eigentlich ist. Es war aber top! Das ist eine kleine Bar auf dem obersten Deck des Schiffes ganz vorne beim Bug. Tolle Aussicht, bequeme Sessel, WiFi, überall Steckdosen oder USB-Buchsen, Getränke und Snacks, die man kostenlos trinken und essen durfte. Auf dem heute leeren Schiff wäre es nicht unbedingt nötig gewesen, weil es überall Platz hatte. Aber in dieser Lounge fühlten wir uns wie Könige, ohne Diener und ohne gemeines Fussvolk. Wir waren nämlich mutterseelen alleine, haben uns mit Cola, Kaffee und Bier versorgt, dazu Chips und allerlei Süssigkeiten gemampft. Klar, wir haben sicher nicht für 30€ konsumiert, als Erlebnis war es aber trotzdem toll und die Fahrt bei dieser tollen Aussicht und strahlend blauem Himmel über verschneiten Schäreninseln, einfach einmalig!

Åland-Inseln

Pünktlich kommen wir dann im Hafen von Langnäs und damit auf den Åland-Inseln an. Hier ist dann vieles anders, die Strassen werden nicht mehr schwarzgeräumt, es wird kein Salz verwendet und dadurch gibt es eine durchgehende schneebedeckte Fahrbahn. Endlich werden die Windschutzscheiben nicht mehr dreckig. Überhaupt ist auf diesen Inseln vieles anders; sie gehören politisch zu Finnland, aber die Amtssprache ist schwedisch, sie haben eigene Briefmarken und eine eigene Post, sogar eine eigene Landesflagge, die sich wiederum an Schweden orientiert. Die Zeit ist wiederum finnisch, nämlich eine Stunde vor (d.H. es ist eine Stunde später), aber auch der Euro wird genutzt, keine schwedischen Kronen.

Uns ist das alles ziemlich egal, wir fahren auf schneebedeckten Strassen 20km in die Hauptstadt nach Mariehamn und dort an den Jachthafen. Dieser ist zugefroren, genau gleich wie die Toilettenentsorgung für Wohnmobile und der Frischwasserhahn. Egal, wir parken und geniessen die Aussicht auf das mit Eis bedeckte Meer.

Nach einer kurzen Pause machen wir noch einen Spaziergang durch das Naherholungsgebiet und die Hauptstadt (eher ein Städtchen). Jetzt mit Schnee sieht es traumhaft aus, wir können es uns aber gut vorstellen, dass es im Sommer dann nicht wirklich etwas besonderes ist. Aber das kann uns doch jetzt ebenso egal sein.

Jetzt haben wir aber das gleiche Problem wie gestern! Reisen wir morgen weiter oder bleiben wir nochmals einen Tag auf der Insel?

  8:34 Uhr Sonnenaufgang
15:04 Uhr Sonnenuntergang
6:30 Std. Tageslänge 

127km Strecke
1:55 Std. Fahrzeit
66km/h Durchschnitt
10,6 Liter Dieselverbrauch  

-4 bis -1 Grad, Schön

Übernachtung

Mariehamn - Yachthafen ***
Åland, Parkplatz

Koordinaten: 60.09783, 19.947347
N 60° 5' 52.2"  E 19° 56' 50.5"
letzter Besuch: 1.2025

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