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Toskana Italien 2017
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Reisebericht

Eisbaden 18.1.2025

wir sind mutig aber zu wenig hart

Tatsächlich sind wir doch knapp nach Sonnenaufgang in Badehose unterwegs zum See und der eisfreien Stelle. Es ist schon kalt, ohne dass wir im Wasser sind. Aber dort angelangt, nehmen wir unseren ganzen Mut zusammen, entledigen uns allem, was nicht nötig ist und ich steige den Einstieg ins Wasser hinunter. Zuerst Zehe- kalt, dann Knöchel – noch kälter, nachher Wade -sau kalt, Knie - kriebbelig, Oberschenkel – irrsinnig wahnsinnig saukalt! Dann ist fertig lustig. Ich bin eben kein Finne und eher Warmduscher. Und habe es wohl wirklich nicht verdient, in Finnland zu leben (Anita schrieb gestern, dass dies eine Prüfung der Götter ist, wenn man in Finnland leben will. Ich habe es nicht bestanden). Es kribbelet überall und das Wasser ist echt saukalt! Wahnsinn, wie diese Finnen ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Grimasse ganz in dieses Eiswasser steigen können. Nachdem ich aufgebe, Trainerhose und warme Jacke anziehe probiert es Anita.

locker

Ich bin eben doch ein harter Kerl! Denn Anita gibt schon bei der Wade auf. Kalt, oder? Und lachen tut sie auch nicht, das ist schreien!

Kurze Zeit später sitzen wir in der vorher aufgewärmten Sauna des Stellplatzes und kommen langsam wieder auf normale Betriebstemperatur, überhitzen gar ein wenig. Dieser Morgen tat so richtig gut und war ein tolles Erlebnis. So etwas sollten wir öfters machen, können es aber nicht versprechen…

wieder schön warm

Das Wetter ist wunderschön, strahlend blauer Himmel, gelbe Sonne tief hinter den Bäumen. Es ist schon krass, dass auch mittags die Sonne kaum über die Bäume hinweg kommt. Und obwohl das Thermometer 2 Grad angibt, sieht es viel kälter aus und es fühlt sich auch viel kälter an. Alles ist pickelhart gefroren, irgendwie taut da gar nix bei Plustemperaturen. Auch die aktuelle Wärmeperiode wird heute Abend zu Ende gehen und die Minus-Grade werden wieder das Zepter übernehmen.

Traumhaft

So packen wir am Mittag zusammen und fahren 100km weiter. Unsere Route soll hier auch einen Kreis darstellen und nicht einfach zickzack über die gleichen Wege führen, schliesslich müssen wir spätestens Montagmorgen wieder bei der Werkstatt sein. Ich habe einen geöffneten Campingplatz direkt an einem See gefunden, der nun unser Ziel darstellt.

Die Fahrt dorthin ist wunderschön bei diesem Wetter und nach knapp zwei Stunden fahren wir auf den Platz. Der erste Halt, wo wir an eine Rezeption müssen und wir von einem Menschen empfangen werden. Bisher war überall Self-Checkin oder gar keines.

Der Campingplatzbetreiber erklärt uns alles, und da weder er noch wir perfektes englisch können, klappt die Unterhaltung sehr gut.

Nach dem Einrichten geniessen wir in einer Grillhütte zum Teil die Lauberhornabfahrt, aber immer zwischendurch müssen wir unsere Blicke wieder auf den zugefrorenen Padasjoenselkä-See werfen, das Eis und das von der Sonne beschienene andere Ufer sieht einfach traumhaft aus.

unsere Grillhütte

Danach trauen wir uns auch noch etwas auf’s Eis, aber weil wir auch hier das Gefühl haben, alleine zu sein, trauen wir uns nicht wirklich weit. Wie dick ist denn das Eis? Soll ich unseren Eisbohrer holen? Da aber die Sonne schon langsam wieder hinter den Bäumen untergeht und ein steifer, kalter Wind über den See weht, lassen wir es für heute bleiben. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Und wenn wir heute einen Fisch beim Eisfischen fangen würden, müssten wir noch unser geplantes Raclette absagen. Das wäre ja auch schade.

Vielleicht versuchen wir es morgen, einen Fisch zu fangen. Auf alle Fälle müssen wir als Köder noch etwas Käse übrig lassen. Oder womit fangen die Finnen denn ihre Fische? Würmer suchen bei diesem gefrorenen Boden ist ja aussichtslos. Fragen über Fragen, und keiner, der uns Auskunft geben könnte.

  9:15 Uhr Sonnenaufgang
15:47 Uhr Untergang
6:32 Std Tageslänge 

Sonnig, -3 bis +2 Grad

116km Fahrt

Übernachtung

Padasjoki - Mainiemi Caravan ****
Finnland, Camping

Koordinaten: 61.37517, 25.288485
N 61° 22' 30.6"  E 25° 17' 18.5"
letzter Besuch: 1.2025

Eisfischen 19.1.2025

Der Fisch ist zu dick

Die klare Nacht war kalt und ohne Nordlichter. Woher ich das weiss? Ich habe schlecht geschlafen und immer wieder zum Fenster hinaus geschaut. Ich werde langsam nervös, ob unsere Werkstatt morgen unseren Defekt beheben und die Lichtmaschine ersetzen kann. Aber das nützt mir nichts momentan, ich sollte den Tag doch irgendwie geniessen. Also ziehe ich mich bei den ersten Sonnenstrahlen an, packe unsere neu gekaufte Eisfischerausrüstung zusammen und mache mich zu Fuss auf den See. Dabei orientiere ich mich genau an der Profi-Anleitung fürs Eisfischen weiter unten.

Morgenstimmung

Schnell wäre ich bereit, um mit fischen loszulegen, aber Anita ist noch nicht hier. Sie hätte den Auftrag gehabt, die Angelrute und den Köder zu bringen. Als sie dann mit unsicherem Gang über das 21cm dicke Eis heranschlürft, hat sie weder Angelrute noch Köder dabei. Also schicke ich sie nochmals zurück, Auftrag ist Auftrag.

Dann endlich können wir beginnen. Aber irgendwie tut sich zuerst nichts, die Fische sind irgendwie nicht da. Dafür die Sonne und der blaue Himmel. Es ist fantastisch und obwohl Sonntag ist, ist keine Menschenseele weit und breit in Sicht.

Auch Anita darf bohren

Irgendwann brechen wir dann wieder ab, ob unser Käse als Köder doch nichts taugt? Oder gibt es hier keine Fische, weil es auch keine einheimische Eisfischer hat?

Egal, wir müssen zusammenpacken und auf kleineren, vereisten Strassen durch die Finnischen Wälder zurück zu unserer Werkstatt in Orivesi fahren. Dort auf dem Parkplatz können wir uns wieder an den Strom hängen und sind morgen auf alle Fälle um 9 Uhr für unseren Werkstatttermin bereit. Hoffentlich kann alles repariert werden, damit wir endlich weiter ziehen können.

Unterwegs gehen wir noch verschiedene kleine Dinge einkaufen, am Ziel schauen wir dann nochmals ein Skirennen, denn was sollen wir sonst hier auf dem Parkplatz machen? Uns würde es weiter gegen Norden ziehen, wenn wir denn könnten.

vor der Werkstatt

  9:09 Uhr Sonnenaufgang
15.51 Uhr Sonnenuntergang
 6:42 Std Tageslänge

bewölkt bis sonnig, -3 bis 0 Grad

90km Fahrt


Profi Anleitung Eisfischen

  1. Man betritt das Eis und sucht die beste Stelle mit den meisten Fischen
  2. Man markiert das Zentrum des Loches
  3. Den Eisbohrer bei der Markierung ansetzen und zu drehen beginnen
  4. Mit regelmässiger Drehung bohrt sich der Eisbohrer durch das Eis
  5. Wird es strenger, ist man vor dem Durchbruch, aufpassen, dass der Eisbohrer nicht ins Wasser flutscht
  6. Eisbohrer rausnehmen
  7. Mit der Schöpfkelle die Eisstücken aus dem Loch fischen bis das Loch frei ist
  8. Mit dem Meter die Eisdicke messen, ob das Eis auch tragend ist
  9. An den Haken der Eisfischerrute ein dickes Stück Käse stecken (am besten rässer Appenzeller, da die Fische im Dunkeln unter Wasser nichts sehen, müssen sie den Köder mindestens riechen können).
  10. Den Köder mit dem Haken bis kurz vor den Grund herablassen, oder in den Bereich, wo die Fische sind
  11. Kurz warten bis ein Fisch anbeisst
  12. Beim Zucken der Rute mit aller Kraft die Leine einholen
  13. Fluchen, weil der Fisch zu gross ist und nicht durch das Eisloch passt.
  14. Foto machen, falls man den Fisch doch heraus gebracht hat (unser war definitiv zu gross).

Übernachtung

Orivesi - vor Autogarage **
Finnland, Parkplatz

Koordinaten: 61.68709, 24.372085
N 61° 41' 13.5"  E 24° 22' 19.5"
letzter Besuch: 1.2025

Es geht weiter! 20.1.2025

Wir sind wiedermal Glückskinder

Letzte Nacht schlief ich sehr schlecht. Die Gedanken kreisen ununterbrochen, was wenn, die Garage den falschen Alternator bekommen hat oder noch gar keinen? Was, wenn unser Knutschi nicht repariert werden kann? Was dann?

Aber vorher spuckte unser Nordlicht-App noch eine Warnung aus, wir sollten zum Himmel schauen. Und tatsächlich, ein paar Minuten später sehen wir es am Horizont grünweisslich schimmern. Das Weiss geht immer mehr zu Grün über, die Nordlichter werden stärker. Also schnell Trainerhosen über die Pyjamahosen anziehen, warme Jacke überziehen, Fotoapparat fassen und einige 100m von der hellen Garagenbeleuchtung in die dunkle Wiese treten. Und dann werden sie immer stärker! Zuerst als Bogen über dem Horizont, dann die berühmten Wellenbewegungen und wieder andere Streifen. Wir können uns nicht satt sehen, haben wir doch heute überhaupt nicht damit gerechnet, denn eigentlich sind wir ja noch weit im Süden. Wir schauen eine Stunde zu, bis sie schwächer werden und wir uns in unser Knutschi zurückziehen. Aber eben, danach habe ich schlecht geschlafen.

gestern Abend

Um 7:30 Uhr schrillt der Wecker, aufstehen und Knutschi fahrbereit machen. Punkt 8 Uhr sind wir eigentlich bereit, in der Werkstatt sind auch schon Leute angekommen. Ob es dann doch klappt?

Wir betreten die Werkstatt und können den Autoschlüssel abgeben, danach wird uns angeboten, auf der orangen Couch zu warten. Ist doch schon mal ein sehr gutes Zeichen, oder? Aber wir haben den Termin eigentlich erst um 9 Uhr, also wird unser Knutschi auch erst um 9 Uhr in die Halle in eine Box gefahren. Nun sehen wir es nicht mehr und wissen, dass nun mindestens ein Mechaniker am Arbeiten ist. Die Ungewissheit macht mir immer noch zu schaffen.

warten ist angesagt. Wie kann Anita so ruhig bleiben?

Jedes Mal, wenn sich eine Türe von der Werkstatt öffnet und ein Mechaniker an die Theke geht, zucke ich zusammen. Bringt er jetzt schlechte Nachrichten? Ist etwas zusätzlich defekt? Passt das Ersatzteil nicht? Nein, auch dieser lässt sich nur einen Kaffee aus der Maschine, und alle anderen glaub auch trinken mehr wie einen einzigen. Aber jedes Mal bin ich kurz vor dem Herzinfarkt. Anita ist die Ruhe selbst. Wie kann sie nur so ruhig bleiben?

Nach zwei Stunden immer noch kein Knutschi oder ein Mechaniker, der zu uns spricht. Läuft doch alles glatt? Oder gar nichts? KI spukt aus, dass es zwischen 2 und 4 Stunden braucht, eine Lichtmaschine im Ducato zu wechseln. Also muss es noch nichts heissen.

12 Uhr immer noch nichts. Dann um 12:30 Uhr wird mir total überraschend unser Autoschlüssel in die Hände gedruckt und gesagt, dass es fertig ist. Keine «Sorry, das hat nicht geklappt» oder «sie müssen leider nochmals einen Tag warten». Mein Herz macht innerlich Freudensprünge und dann begleiche ich die präsentierte Rechnung 674€ (3.5Std. Arbeit, neue Lichtmaschine mit 150A und alles noch mit 25,5% Mehrwertsteuer garniert, neue Scheibenwischer sind auch enthalten.) Ich bin wirklich sehr zufrieden und bezahle diese Rechnung sehr gerne. Ich habe ungefähr mit diesem Betrag gerechnet, aber da ich meistens bei meinen Schätzungen viel zu tief liege, freut es mich doch richtig. Wir verabschieden uns vom Personal und könnten Freudenschreie in die winterliche Landschaft hinausschreien.

Wir haben unser Knutschi wieder! Fit wie ein Turnschuh.

Nun muss Anita fahren, ich muss schliesslich mit dem App alle unsere Systeme überwachen. Und es läuft viel besser, wie vor dem Werkstattbesuch! Anscheinend war die Lichtmaschine schon bei unserer Abfahrt nicht mehr 100% intakt, denn nun ist die Batteriespannung bei über 14 Volt, wie es sein sollte, vorher hingegen war sie jeweils nur um die 13 Volt. Wow, was für ein tolles Gefühl!

Nach dem Losfahren schreibe ich der Garage zuerst mal eine sehr gute Google-Rezension, denn das haben sie sich wirklich verdient. Erst danach beginne ich die Fahrt zu geniessen, Sonnenschein, zugefrorene Seen, einfach herrlich. Anita fährt gut, wir kommen gut Richtung Norden vorwärts.

unterwegs während der Fahrt

Einfach ein tolles Gefühl, wenn man auf nichts mehr schauen muss und einfach fahren kann.

Die Sonne geht langsam unter, es wird mit -8 Grad massiv kälter aber noch immer ist der Himmel klar. Wir hatten heute stark bewölkt erwartet. Bei der Suche nach einem Übernachtungsplatz spüren wir wieder die grosse Freiheit, wir brauchen weder Strom noch etwas anderes, eigentlich nur eine ebene Fläche und etwas Ruhe. Schlussendlich stehen wir aber wieder an einem Seeufer mit toller Sicht gegen Norden? Zeigen sich die Nordlichter nochmals? Das wäre fast zu viel des Guten für Heute!

Jyväskylä, tolle Lage am See

Innerlich und ganz leise rede ich heute den ganzen Tag mit unserem Knutschi und bedanke mich, für die guten Dienste, die es immer leistet. Und ich bedanke mich auch bei einer höheren Macht, denn wir hatten bisher immer Glück. Es könnte ja auch sein, dass wir unverschuldet in einen Unfall geraten und es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir bisher immer gesund blieben. Die einzelnen Hämatome an meinem Schienbein, die ich eingefangen habe, sind nicht der Rede wert. Wie sind wir doch Glückspilze! Wir können die Reise fortsetzen!

Ich sollte nun in Zukunft auch etwas mehr mit Anita reden…

 9:14 Uhr Sonnenaufgang
15:39 Uhr Sonnenuntergang
6:25 Std. Tageslänge 

sonnig, -5 bis -8 Grad

247km Fahrt
4:07 Std
59 km/h
10.9 Liter

Übernachtung

Hankasalmen - Hangan lava ****
Finnland, frei

Koordinaten: 62.32419, 26.485532
N 62° 19' 27.1"  E 26° 29' 7.9"
letzter Besuch: 1.2024

Kalt in Kuopio 21.1.2025

wir sind im Winter Skandinaviens angekommen

Es war mit -12 Grad die erste wirklich kalte Nacht auf dieser Reise und da wissen wir noch nicht, dass heute das Thermometer nie einstellig anzeigen wird. Den ganzen Tag haben wir zwischen -10 und -12 Grad. Da wir bisher noch keine wirkliche Angewöhnungszeit hatten, fühlt es sich schon sehr kalt an.

Aber am morgen mache ich zuerst ein paar Temperaturmessungen im Knutschi (und zwei draussen, ein Holzpfahl hat minus 17 und das Eis -16) : vor den Fensterabdeckungen, direkt an der Scheibe, hinter dem Wintervorhang und vor und hinter den Schaumstoff-Dachfensterabdeckungen. Unsere gebastelten Isolierungen bringen schon ziemlich viel, die Scheiben waren gefroren, aber innen genau 8 Grad. Wir haben die Heizung nachts auf 8 Grad eingestellt und erstaunlicherweise hat es im gesamten Knutschi ziemlich genau diese 8 Grad, erstaunlich. Keine Sorge, hinten, dort wo wir schlafen und dort wo die Heizung sitzt, ist es wärmer, habe ich aber vergessen zu messen… Schätzungsweise 18 Grad und unter der Decke ist es noch viel Wärmer.

Nach meinen Messungen ist dann Anita auch endlich bereit, aufzustehen, aber dann muss ich wie jeden Morgen helfen, unsere Bettdecke auszuschütteln. Und ich kriege natürlich wieder die zwei Ecken, die nur Deckenbezug sind und nichts flauschiges drin. Also habe ich wieder ein riesiges Gemurkse, bis die Ecken in den Ecken sind. Und dann, als wir fast fertig sind, sagt meine Holde Kunigunde: «wart, wir müssen die Decke umdrehen, sie liegt falsch». Hä, wie kann eine Decke falsch liegen und wenn ja, wie würde man das merken? «Das oben muss immer oben sein». Und wie merkt man, was immer oben ist? Für mich ein Buch mit sieben Siegeln, Widerstand aber zwecklos. Meine Holde richtet die Decke, wie es anscheinend genau richtig ist. Dann sind wir endlich abfahrbereit, der Motor startet auch bei -12 Grad problemlos und wir kommen auch gut von der eisigen Fläche weg.

Der Strom fliesst vom Motor in die Batterie, wie es sollte, ohne Ladebooster mit ca. 15 A, mit Ladeboster aktuell mit 35A. Es ist eine wahre Freude, ich könnte den Ladebosster noch hochschrauben, so dass ungeführ 65A in die Batterie fliessen würden. Aber das ist heute nicht nötig, wir haben 110km Fahrt bis nach Kuopio geplant und die Batterie muss insgesamt nur 50Ah laden, macht bei 2 Std geplanter Fahrt 25 A. Unsere Lichtmaschine muss übrigens schon vor dem Start nicht richtig gelaufen sein, denn vorher war irgendwie Theorie und Praxis völlig verschieden, und nun ist die Theorie gleich wie es in der Praxis ist (oder umgekerht?).

Wir kommen locker in Kuopio an, mehr auf das Thermometer schauend wie auf den Tacho. Zuerst geht es direkt zu den Schanzen. Also raus und bei den Finnischen Springer zuschauen. Die werden vom einheimischen Klub «Puijon Hiihtoseura» bald auch im Weltcup für Furore sorgen, prophezeie ich euch. Der Schanzenrekord hier hält übrigens Simon Amman mit 106m.

Start zum Langlauf

Nun sehen wir auch die Langlaufloipe vorbeiführen, also Langlaufski hervornehmen, warm anziehen und wegskaten. Anita hat sich allerdings mit der Kälte etwas verschätzt, nach 200m sind ihre Hände schon abgefroren. Und weil es ja Spass machen sollte, dreht sie wieder und flieht ins warme Knutschi. Ich hingegen gebe Gas und kurze zeit später hole ich Iivo Niskanen ein. Wir reden kurz, bis ich ihn dann stehen lasse…

Na ja, die Loipe ist aktuell nur ungefähr einen Kilometer lang, dann ist man schon wieder zurück. Es hat einfach zu wenig Schnee. Sie warten hier sehnlichst auf Schneefall, der morgen dann auch kommen soll.

Eisreinigung

Nach dem kurzen Langlaufabenteuer beschliessen wir, runter an den See zu fahren und etwas spazieren zu gehen. Wir durchqueren also die ganze Stadt (ist nicht so gross, aber ziemlich eisig) und parkieren in der Nähe des Sees. Nun ziehen wir uns etwas wärmer an und sind kurze Zeit später fasziniert von den Eisläufern, die auf einer abgesteckten Strecke kilometerlang auf dem Eis Schlittschuhlaufen. Wir laufen die Strecke zu Fuss ab und können es irgendwie fast nicht glauben, dass wir da einfach mitten auf einem See herumlaufen. Es ist eisig, aber faszinierend. Zwischendurch kommt von der Gemeinde das Eispräparationsfahrzeug und spritzt einen dünnen Wasserfilm auf die Strecke, damit alles schön glatt bleibt. Ist sein Wassertank leer, wird an einem Eisloch mit einer Pumpe Wasser gefüllt und weiter geht’s. Natürlich gibt es auch heute finnische Eislochbader, aber ganz ehrlich, heute kommen wir nicht mal auf die Idee, uns auszuziehen und auch nur einen Finger hereinzustrecken… Viel zu kalt!

Wir spazieren eine Stunde auf dem Eis herum, bis wir dann wieder beim Knutschi sind. Nun geht es hoch zum Parkplatz beim Puijo-Turm. Hier habe ich für heute Abend einen Tisch reserviert für ein romantisches Abendessen. Die Kälte muss doch gefeiert werden. Wir stellen unser Knutschi auf dem Parkplatz vorher ab und wollen da nach dem Essen übernachten. Meine Holde übertreibt wieder Mal saumässig und macht ein Geschiss, weil unser Womo ganz leicht schief steht. Aber für eine Nacht wird das wohl gehen, oder?

so schlimm ist es nicht, wie Anita tut

Danach marschieren wir Richtung Puijo-Turm los und fahren mit dem Lift nach oben. Die Aussicht ist grandios und die Landschaft mit all den Seen und Inseln sieht super aus. Auch das Nachtessen schmeckt uns vorzüglich, allerdings an das drehende Restaurant müssen wir erst gewöhnen. Es drehen nämlich nur der Boden mit den Tischen, die Fenster mit den Fenstersimsen bleiben starr und plötzlich sind unsere Mützen und Handschuhe weg, d.h, irgendwo 20m weiter hinten...

Puijo-Turm

Aber danach im warmen Knutschi, draussen -14 Grad, ist es eben doch am schönsten.

 9:08 Uhr Sonnenaufgang
15:32 Uhr Sonnenuntergang
6:24Std. Tageslänge 

361km Fahrt
5:56 Std
60km/h
10,5 Liter



Für alle, die Findpenguins nicht haben und den Blog von Anita lesen möchten. Ausnahmsweise ihr heutige Eintrag unten, (aber nicht, dass ich noch mehr Leser verliere und alle nur noch das von Anita lesen...

 

Ich wache auf und bin todmüde. Wirklich, als hätte ich die ganze Nacht einen Marathon gelaufen – in meinen Träumen natürlich, mit Umwegen durch Labyrinthe und Gesprächen mit Eichhörnchen (keine Ahnung, wo die plötzlich herkamen). Aber dann, der Wendepunkt des Morgens: Mein lieber Mann bringt mir einen Kaffee ans Bett. Und in genau diesem Moment beginnt der Tag, sich von „Bitte nicht!“ zu „Vielleicht doch!“ zu wandeln.

Kaum sind wir abfahrbereit, verabschieden wir uns von diesem wunderschönen See, der sich gestern wie eine Postkarte ins Gedächtnis gebrannt hat, und düsen los nach Kuopio. Unser Ziel? Der berühmte Puijo-Turm. Heute Abend werden wir dort dinieren, und ich schwöre, ich sehe uns schon, wie wir mit einem Glas Wein in der Hand auf die schneebedeckte Landschaft hinabblicken und uns fühlen wie König und Königin des Winters.

Doch bis dahin haben wir noch einiges vor.

Rolf, mein Wikinger, macht sich an die Arbeit, die Langlaufskier startklar zu machen. Er gleitet los, als hätte er in einem früheren Leben ein Rentiergespann angeführt. Ich hingegen bin eher mit der Frage beschäftigt, wie ich meine Finger vor dem sicheren Kältetod bewahren kann. Minus 12 Grad sind keine Kleinigkeit. Nach wenigen Minuten lande ich zurück im Knutschi, der wunderbar warmen Komfortzone unseres mobilen Zuhauses.

Rolf macht noch eine weitere Runde auf der Loipe, während ich es mir im Wohnmobil gemütlich mache. Dann tauschen wir: Gemeinsam schauen wir noch beim Skispringen zu. Diese Waghalsigen, die sich von der Schanze stürzen – ich bewundere sie, während ich froh bin, mit beiden Füssen fest auf dem Boden zu stehen.

Aber jetzt wird’s magisch: Wir fahren zu einem riesigen See. Und Leute, ich sag’s euch, mein Herz macht einen Sprung. Der See ist zugefroren, das Eis glatt wie ein Spiegel, und überall Menschen auf Schlittschuhen – so lässig, als wären sie direkt aus einem finnischen Wintermärchen geschlüpft.

Ich spaziere mit Rolf über den See. Ja, über das Eis. Ich bin hin und weg. Das Eis wird sogar von einer Maschine geglättet – wie in einem überdimensionierten Outdoor-Traum. Es glitzert, funkelt und sieht so surreal schön aus, dass ich am liebsten eine Ode an diesen Moment schreiben würde.

Es sind diese Tage, an denen die Welt einem zuflüstert: „Hey, so wunderschön bin ich, wenn du mal kurz innehältst.“ Und genau das mache ich. Mit kalten Fingern, einem glücklichen Herzen und einem Lächeln, das vielleicht sogar das Eis zum Schmelzen bringt – hoffentlich nicht wörtlich.

Es ist ein Moment, den ich am liebsten in eine Schneekugel packen und für immer bewahren würde.

Als die Sonne langsam am Horizont verschwindet, machen wir uns auf zum Puijo-Turm. Der Gedanke an ein Dinner über den Lichtern von Kuopio lässt mein Herz ein bisschen höher schlagen. Es sind Tage wie diese, die einem zeigen, wie wunderschön das Leben sein kann – mit einem treuen „Knutschi“, einem geliebten Menschen und einer Welt, die immer wieder aufs Neue verzaubert.

Wir geniessen die Aussicht während des Essens, und ich muss zugeben: Es hat etwas Magisches, wenn man während eines leckeren Menüs ganz langsam einen 360-Grad-Blick auf die Umgebung bekommt. Ein bisschen fühlt es sich an wie in einem Film – wir, die Hauptdarsteller, auf einer drehenden Bühne. Die Lichter in der Stadt gehen an. Ein Lichtermeer, das sich im See spiegelt. Ich erwische mich dabei, wie ich einfach nur aus dem Fenster starre und fast mein Dessert vergesse.

Rolf schaut mich schmunzelnd an und fragt, ob er mich ans Fenster kleben soll, damit ich gleich bis zum Frühstück sitzen bleiben kann. Ich lache, aber insgeheim überlege ich wirklich, ob ich einfach hier bleiben möchte. Wie gemütlich wäre es, in den weichen Polstern sitzen zu bleiben, bis der Morgen graut?

Nach dem Essen entscheiden wir, noch einen letzten Rundgang draussen auf der Plattform zu wagen – diesmal gut eingemummelt. Der Wind pfeift uns um die Ohren, und ich fühle mich wie in einem epischen Abenteuerfilm.

Zurück im Wohnmobil kuscheln wir uns in Decken ein, trinken einen Schluck Rotwein und lassen den Tag Revue passieren. Es fühlt sich an, als wären wir auf einer anderen Ebene unterwegs gewesen – nicht nur geografisch, sondern auch irgendwie spirituell. Der Turm, die Aussicht, das Essen, der Wind: alles hat seinen eigenen kleinen Platz in diesem wunderbaren Puzzle, das wir Reise nennen. Und ich kann es kaum erwarten, was morgen auf uns wartet.

Übernachtung

Kuopio - Puijo ***
Finnland, frei
etwas schräg
Koordinaten: 62.90881, 27.658707
N 62° 54' 31.7"  E 27° 39' 31.3"
letzter Besuch: 1.2025

Schneefall 22.1.2025

und ein schmerzlicher Verlust

In der Nacht beginnt es wie vorhergesagt zu schneien, aber nicht das beunruhigt uns, denn wir sind beide um 4 Uhr in der Früh wach und können nicht mehr schlafen. Es ist unsere Schräglage, die uns wach hält, ein entspanntes Liegen unmöglich. Wir tauschen die Blicke aus und wissen: wir stehen auf und fahren weiter. Es hat ja wirklich keinen Sinn, Däumchen zu drehen. So sind wir um halb fünf im Schneetreiben Richtung Norden unterwegs. Auf der Autobahn hat es noch wenig Verkehr, die Strasse sieht aalglatt aus, aber es geht ganz gut. Dann werden die Strassen allmählich schmaler und als dann auch die letzte Strassenlaterne verschwunden ist, wird es mühsam: stockdunkel, immer noch Schneefall, Strasse weiss bedeckt, genau gleich wie die Strassenränder. Die Landschaft sieht man im Dunkeln auch nicht. So fahren wir um 6 Uhr auf einen Parkplatz direkt am Strassenrand. Wir kuscheln nochmal ins Bett und 10 Minuten später kommen wir nichts mehr mit. Es ist so schön gerade, dass wir den Schlaf der Gerechten nachholen. Hin und wieder donnert ein LKW vorbei, uns stört es nicht.

4 Uhr morgens beim Start

Dann, um halb zehn ist es hell und wir endlich erholt, also geht die Reise jetzt weiter. Es ist eine schöne Fahrt, die Strassen sind meist schneebedeckt aber geradeaus, es schneit noch immer und nur hin und wieder kreuzen wir ein anderes Auto. Wir fahren durch Finnland, wie man es sich so vorstellt: endlose Wälder, gerade Strassen, Schnee und kalt. Uns gefällt das, wie auch die Finnen. Obwohl wir eigentlich noch nicht wirklich einen kennengelernt haben, müssen sie eine sehr pragmatische Einstellung haben. Warum soll ich eine Heckscheibe vom Schnee befreien, wenn ich nie nach hinten schauen muss? Warum soll ich die gesamte Frontscheibe vom Schnee befreien, wenn mir ein 20x20cm Loch genügt? Warum soll ich das Autodach vom Schnee befreien, wenn der Fahrtwind ihn irgendwann sowiso runterbläst?

Wir sind rundum zufrieden und nach 250km ist es Zeit, eine Pause zu machen. Wir fahren auf eine Raststätte und sehen per Zufall, dass es dort eine Station für Frischwasser- und Entsorgung hat. Der Deckel der Entsorgung ist zwar eingefroren, aber Frischwasser funktioniert, also füllen wir den Wassertank. Weiter hinten sehen wir später sogar noch 8 Womostellplätze mit einem Ent-/ und Versorgungshäuschen. Perfekt. Es kostet zwar 5€ und wir müssen den Schlüssel an der Tanke holen, aber wir sind danach wieder perfekt aufgefüllt und entleert für die nächsten Tage.

geheiztes Frischwasser

Im Restaurant essen wir noch eine Kleinigkeit und dann kämpfen wir uns über die zu spiegelglatte Oberfläche des Parkplatzes. Der Länge nach knalle ich auf den Boden, aber nix passiert. Bei uns würde man nach Anwälten rufen und hier laufen auch die ältesten Frauen über die Fläche, wie wenn es nie etwas anderes gegeben hat. Nur der dumme Ausländer beherrscht das Gehen auf Eis nicht.

Wir fahren noch 25km bis wir zu einem kleinen Meereshafen abzweigen und dort direkt mit Meersicht (oder besser gesagt, mit Eissicht) unser Knutschi platzieren und uns für die Nacht einrichten.

Aber weil wir direkt am Meer stehen, packe ich noch die Angelrute und Eisbohrer ein und mache mich mit Anita auf das dicke Eis (44cm). Etwas weiter draussen wird zuerst mal wieder ein Eisloch gebohrt, dieses Mal etwas Rohschinken als Köder an den Haken (rässer Appenzellerkäse hat letztes Mal nichts gebracht) und dann wird auf dem mitgebrachten Campingstuhl gefischt, man lernt ja dazu. Und damit alles fotografisch fürs Archiv festgehalten wird, gebe ich Anita meinen Fotoapparat und bitte sie, die Szene festzuhalten. Das geht heutzutage ja ziemlich schnell und man muss nicht so lange ruhig sitzen, wie früher bei den Gemälden. Und weil es so schnell geht, will Anita danach auch noch auf den Campingstuhl und fischen. Und weil sie auch grad noch telefonieren muss und auf Instagramm eine Antwort schreiben, gleichzeitig kalte Füsse bekommt und sich bewegen will, erhebt sie sich wieder vom Campingstuhl und mein alles geliebter, sehnlichst gehegter und gepflegter Objektivdeckel, der eigentlich auf das Objektiv gehört, bei Anita aber auf den Oberschenkeln gelagert wird, kullert auf das Eis und direkt gerade los, ohne nur einen Umweg von paar Millimetern, in das 16cm grosse Eisloch, obwohl das Meer hier über 11'380'000cm breit ist! So ein Objektivdeckel schwimmt übrigens nicht, das ist eine Erkenntnis von heute 16 Uhr. Er verschwindet im dunklen Loch des Eises in die unendlichen Tiefen des tiefschwarzen Meeres. Ein gewagter Hechtsprung meinerseits inklusive eines Eisbades einer Hand und eines Unterarmes hat nichts mehr gebracht. Der Deckel ist Weg. Und meine Laune auch. Aber das lasse ich mir nicht anmerken (meine ich zumindest). Ob ich je wieder einmal so eine Liebe zu einem Objektivdeckel entwickeln kann?

noch weniger wie ein Fisch

Egal, wir laufen auf dem Eis ohne Fische und ohne Objektivdeckel zurück, sitzen nun vor den leeren Tellern und stellen uns ein Abendessen einfach vor.

 9:07 Std Sonnenaufgang
15:21 Uhr Sonnenuntergang
 6:04 Std. Tageslänge

Schnefall, -9 bis -7 Grad

333km Fahrt
4:40 Std
71km/h
9,7 Liter

Übernachtung

Ii - Praavantie ****
Finnland, frei

Koordinaten: 65.28662, 25.288859
N 65° 17' 11.8"  E 25° 17' 19.9"
letzter Besuch: 1.2025

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