Nordkap-Tunnel knapp verfehlt
Nachts bin ich viel draussen, aber es bleibt bedeckt, manchmal klart es kurz auf und dann sieht man grüne Schimmer. Ich muss mein ganzes fotografisches Können aktivieren: die Schweinwerfer des Nordkap-Globus mit Schnee verdunkeln, damit ich lange Belichtungszeiten einstellen kann, so dass man auf den Fotos etwas grünes sieht. Alles nur möglich mit einem guten Stativ, das der Wind zum Glück noch nicht umweht. Nachdem ich drei halbwegs gute Fotos im Kasten habe, packe ich zusammen und krieche bei Anita unter die Decke.
Ich habe den Wecker auf 6 Uhr gestellt, dann soll klarer Himmel sein und da es noch stockdunkel ist, der nächste Versuch starten. Allerdings höre ich entweder den Wecker nicht oder er geht nicht ab, erst eine halbe Stunde später werde ich durch ein schaukelndes Wohnmobil wach. Es stürmt draussen. Mist, wir hätten es wissen müssen: Sturm war von Sonntagmorgen bis Montag angesagt und wir haben es verpasst, frühzeitig vom Nordkap runter zu fahren. Man hätte nur das Hirn einschalten müssen. Bei so einem Sturm und der relativ schmalen Strassen gibt es sicher grosse Schneeverwehungen und das ist Gift für unser Knutschi. Etwa um halb zwölf werden die Busse der Hurtigrouten hierher kommen und die Touristen ausladen, vorher wird sicher ein Räumfahrzeug die Strassen säubern. Wir machen uns bereit, dass wir dann die Ankunft der Busse nicht verpassen und sofort danach runter fahren können.
Allerdings kommt schon um halb 10 Uhr ein Räumfahrzeug mit den Angestellten im Schlepptau, das Räumfahrzeug dreht auf dem Parkplatz und fährt wieder zurück. Also eiligst alles bereit machen und so schnell wie möglich hinterher. Die Verwehungen sind nicht mehr ganz so stark, weil das Räumfahrzeug schon 2x durch ist, aber der Wind bläst von der Seite und die Strasse ohne Schneeverwehungen aalglatt. Die reinste Eisbahn. Zum Glück haben wir die Schneeketten noch auf und so tuckern wir konzentriert mit maximal 40km/h Richtung Honningsvåg.
Die Landschaft und die Lichtstimmung sind phänomenal, rote Sonne, rötliche Landschaft, rötlicher Schnee der über die Strasse geweht wird. Nur das Fahren ist nicht ganz so knusprig, Seitenwind bei unserem Knutschi auf den total vereisten Strassen ist nicht mein Liebling.
In Honningsvåg noch schnell zur Tankstelle und dann vor dem ersten 4km langen Tunnel auf dem Kettenplatz die Schneeketten abmontieren. Ab jetzt ist es ja nur noch flach, da sollte es gehen. Im Sturm Ketten demontieren und möglichst schnell ins warme Knutschi zurück, dann fahren wir los, wir wollen auf die 889 Richtung Havøysund.
Wir haben das Gefühl, der Wind wird noch stärker, als wir vom ersten Tunnel raus sind. Danach sehen wir schon bald die Einfahrt des Nordkaptunnels, also Kamera einschalten und die Einfahrt filmen. Und dann kommt eine Böe, ich merke, wie das Heck von unserem Knutschi nach rechts in den Strassengraben zieht, gebe Gegensteuer, sehe nur noch Tafeln, Kandelaber, Schnee und Eis. Und mein Knutschi driftet mit dem Wind auf der Strasse umher, ich bin nur noch Passagier. Zuerst rechts in den Graben, dann wieder auf die Strasse und gefährlich nahe an die Leitplanke links, bevor es wieder rechts endgültig in den Strassengraben geht! Ich habe keine Ahnung, wie mir geschieht, Anita ist kreidebleich daneben. Zum Glück habe ich mal einen Wohnmobilschleuderkurs gemacht, das rettet uns heute fast. Ich sah nur noch Kandelaber und Tafeln, aber einfach nicht hinschauen, sondern dorthin, wo wir hinfahren wollen. So habe ich mich voll auf die Strasse konzentriert, habe aber keine Ahnung, ob wir Tafeln, Kandelaber gestreift oder voll getroffen haben. Es stellt sich aber heraus, dass wir keine Schramme haben und auch überall knapp vorbei kamen.
Schneeverwehung auf der Hauptstrasse
Also steigen wir aus, stehen fast nicht möglich und als ich die Schneeschaufel aus der Garage hole, weht der Wind sie mir fast aus der Hand. Wir sind mit allen vier Rädern neben der Strasse, aber zum Glück ist der Schnee nicht so tief, ich muss nur etwa 10cm freischaufeln.
Ein Automobilist hinter uns hält an und bietet seine Hilfe an, allerdings mit dem Hinweis, dass er uns wahrscheinlich mit seinem 4x4 Pick-Up bei diesen glatten Strassen nicht viel helfen kann. Da wir uns noch nicht eingegraben haben, erkläre ich ihm, dass ich die Schneeketten montieren könnte und mit vereinten Kräften, Schneeketten und Abschleppseil am Pick-Up, kommen wir beim ersten Versuch wieder auf die Strasse. Riesiges Glück gehabt. Während wir das Abschleppseil abhängen, kommt die nächste Windböe und drückt unser Knutschi mit den Hinterrädern wieder seitlich von der Strasse. Ich kriege schier einen Schock, als ich das sehe… Zum Glück hatten wir vorne noch die Schneeketten drauf, sonst wären wir wieder am Ausgangspunkt gelandet. Es windet noch immer extrem, Anita hat keine Chance, die eisige Strasse gegen den Wind zu Fuss zu überqueren. Einfach nur krass.
Irgendwie retten wir unser Knutschi dann auf die andere Strassenseite in die Notfallbucht, die rettende Tunneleinfahrt ist nur 20m entfernt! Wir demontieren die Ketten, schmeissen sie in die Garage und warten den Zeitraum zwischen zwei Böen ab um dann so schnell wie möglich in den Tunnel zu kommen.
Der Schock sitzt in unseren Gliedern, aber wir hatten riesiges Glück. Wir hätten auch voll den Kandelaber treffen können oder mit dem Heck seitlich einschlagen, die Ferien wären zu ende gewesen. Aber so, kein Kratzer! Gute Fahrkünste eben! Nein, nicht überheblich werden, reines Glück, aber der Womo-Schleuderkurs hat ganz sicher extrem viel geholfen! Und echt, wir konnten nicht viel dafür, aber auch mit 50km/h sind wir wahrscheinlich zu schnell gefahren.
Im Nordkap-Tunnel habe ich dann richtig Schiss bei der Ausfahrt, aber dort hat es nicht mehr ganz so viel Wind, aber die Strassen noch immer spiegelglatt. Wir fahren mit 40km/h, egal, wenn uns ein einheimisches Auto mit doppelter Geschwindigkeit überholt. Wir machen auch einem Räumfahrzeug gerne Platz, so sind dann vor uns die Schneeverwehungen wenigstens einigermassen weg, auch wenn wir dem Räumfahrzeug nicht folgen können, es fährt für uns zu schnell.
Die Landschaft ist traumhaft, noch immer Sonnenauf- oder Untergang, knallrot, Schnee, den es über die Strasse weht, die Sonne, die sich in der Strasse spiegelt, links das Meer.
Nur unser Ziel, das wir anvisieren wollten, interessiert uns nicht mehr. Wir wollen nur noch auf den rettenden Campingplatz in Olderfjord und unser Knutschi heil abstellen. Wichtig ist, dass wir gesund sind und keine Schäden am Wohnmobil haben. Wohin und wann, das ist Nebensache. Auch ob noch Nordlichter kommen oder nicht, sowas ist uns momentan total egal.
Wir haben ja gerne etwas Abenteuer, aber das heute war definitiv zu viel in zu kurzer Zeit.
9:18 Uhr Sonnenaufgang
14:01 Uhr Sonnenuntergang
4:43 Std. Tageslänge
sehr starker Wind, leicht bewölkt, -4 bis -8 Grad
130 km
3:20 Std.
39 km/h
11,7 Liter
ruhige Fahrt
Wir haben den gestrigen Tag noch nicht ganz verdaut, siehe Nachlese unten, obwohl wir uns gestern Abend noch beschäftigt haben. Ich habe mir zum Beispiel im Shop vis-à-vis noch eine supercoole, megaschöne Jacke gekauft. Ja in dem Shop, wo ich den Fotoapparat liegen gelassen hatte. Dieses Mal nahm ich ihn aus Sicherheitsgründen nicht mit, darum gibt es noch kein Foto der neuen Jacke. Heute war es schlicht zu kalt, um damit auf Fotoshooting zu gehen, wärmste Temperatur: -9 Grad mit einer steifen Brise, Temperatur fühlt sich an wie -22 gemäss meinem Wetterapp. Anita hat dafür auf dem Campingplatz noch die Wäsche gewaschen und ich den Abwasch durchgezogen. Genau, als wir mit allem fertig waren, konnten wir noch tolle Fotos von den Nordlichtern schiessen.
Heute Morgen fahren wir dann nochmals 4 Kilometer zurück und bieten auf die 889 Richtung Havøysund ab. Die Strasse führt zuerst geradeaus zwischen Birkenwäldern hindurch bis wir an den Snefjord kommen. Sie Sonne scheint knapp über die Hügelkette, beleuchtet unsere Küstenstrasse in magischen Farben, der Wind pfeifft um die Felsen und kein Wölkchen am Himmel. Es ist einfach traumhaft! Wir geniessen die Fahrt in langsamen Tempo, einfach nicht übertreiben. Die Strassen sind zum Teil fast schwarz geräumt vom Wind, an anderen Orten hat es Schneeverwehungen drin. Fast an jeder Parkbucht stoppen und geniessen wir.
Unten am Beginn des Pässchens nach Snefjord ist Kettenobligatorium. Die Strasse sieht allerdings ziemlich gut aus, was machen wir? Die Ketten montieren und das Pässchen hochfahren mit der tollen Hochebene danach und dort irgendwo übernachten, wie der ursprüngliche Plan? Allerdings soll der Wind gegen Abend wieder stark auffrischen, noch stärker wie jetzt, und es wird vor Schneeverwehungen gewarnt. Nein, wir haben heute nach gestern noch keine Lust auf neue Abenteuer. Wir beschliessen, umzudrehen, die schöne Landschaft zu geniessen und ein Stück weiter Richtung Hammerfest zu fahren.
Es ist eine tolle Fahrt ohne Risiko, auch wenn Anita
manchmal etwas zusammenzuckt, wenn eine etwas stärkere Windböe kommt.
Wir fahren bis zur Kvalsundbrua, der Sonnenuntergang ist
schon vorbei, aber es ist noch hell. Bis Hammerfest will ich aber nicht fahren
und ein paar wenige Kilometer vorher habe ich noch einen tollen kleinen Parkplatz
beim Häfelchen von Kvalsund gesehen. Wir kehren dorthin zurück, gehen über der
Strasse noch einkaufen und machen dann unser Knutschi schlafensbereit, inkl.
den Isolierungen. Denn schon jetzt hat es – 13 Grad und die Nacht wird klar. Es
könnte bitterkalt werden, aber vielleicht wieder mit Polarlichtern.
9:00 Uhr Sonnenaufgang
14:11 Uhr Sonnenuntergang
5:11 Std Tageslänge
schön, windig, -9 bis -15 Grad
158 km
Auf diesem wunderschönen Campingplatz in Olderfjord ist es wohl mein Schicksal, schlecht zu schlafen. Das erste Mal wegen meinem vergessenen Fotoapparat und dieses Mal wegen unserem kleinen Ausflug neben die Strasse gestern.
Dies macht mir nun doch etwas mehr zu schaffen, wie gedacht. Wir haben schon vieles gemacht, worauf wir nicht so stolz sind, aber da waren wir immer selber schuld. Wenn man auf einem Waldweg stecken bleibt, ist das etwas anderes, wie wenn man neben eine Hauptstrasse kommt. Aber das gestern hätte ganz blöd enden können. Das Wohnmobil nicht mehr unter Kontrolle zu haben, ist ein saublödes Gefühl. Und ich habe noch immer nicht mal das Gefühl, dass es ausschliesslich meine Schuld sei. Klar, ich hätte noch langsamer fahren können, und auch mit den Ketten in den Tunnel wäre nicht wirklich eine Option gewesen. Aber dass einem eine Windböe mit solcher Wucht trifft, dass das Heck ausbricht, damit hatte ich nicht gerechnet. Klar, wenn die Strasse nicht total vereist gewesen wäre, wäre auch das Heck nicht ausgebrochen. Aber das, was danach kam, gegensteuern, zu viel gegensteuern, auf die andere Seite geraten, wieder korrigieren und dann doch neben der Strasse zu landen, ist mir echt eingefahren. Ich hatte unser Knutschi nicht mehr unter Kontrolle und wie ich nicht in das Strassenschild und den Kandelaber geprallt bin, hat sicher mit viel Glück zu tun, aber ganz sicher auch, weil ich einen Schleuderkurs mit dem Wohnmobil absolviert habe. So wusste ich wenigstens, was man theoretisch zu tun hatte und das war in dieser Situation augenblicklich da! Ob ich es danach auch ausgeführt habe, kann ich nicht mal mehr sagen, aber es hat ganz bestimmt genützt. Ich kann jedem nur empfehlen, so ein Wohnmobil-Schleuderkurs zu absolvieren. Wohnmobilland Schweiz führt übrigens mit ASSR so einen Kurs am 16. - 17.5.2025 in Sennwald durch. Mitglieder haben einen Rabatt von 65.- Wer Interesse hat, dabei zu sein, kann sich bei mir melden. Ich werde diesen Kurs ebenfalls wiederholen und vor Ort sein. Dieses Geld hat mir wahrscheinlich gestern einen grossen Womo-Schaden verhindert.
Irgendwie habe ich immer noch weiche Knie und wenn jetzt eine steife Brise um unser Womo pfeift, zuckt nicht nur Anita zusammen.
Hammer fester Wind
Gestern nach dem Znacht am schönen kleinen Hafen von Kvalsund klopfte es plötzlich an unsere Womotüre. Ein norwegisches Pärchen warnt uns: «Sturm kommt, ganz heftig» wir sollen uns hinter das rote Gebäude stellen.
Wenn wir eines gelernt haben auf unseren Reisen: vertraue den Einheimischen betreffend Wetter! Wir wussten, dass in der Nacht der Wind zunimmt und morgen Nachmittag ganz heftig wird, aber wenn uns jemand warnt, müssen wir das ernst nehmen. Also schnell zusammenpacken und dann fahren wir hinter die grosse Turnhalle. Idyllisch - nein, verboten – keine Ahnung. Wir überlegen uns, was sollen wir tun? Wir beschliessen, dass wir trotz Dunkelheit und Wind die 30 km nach Hammerfest fahren und uns dort im Schutz der nördlichsten Stadt der Welt ein Plätzchen suchen.
Die Fahrt dorthin geht gut voran, auch wenn wir langsam und vorsichtig fahren. Es sind nur ganz wenige Fahrzeuge unterwegs in dieser sternenklaren und kalten Nacht. In Hammerfest fahren wir auf den offiziellen Stallplatz beim Hafen, parken so, dass die Schnauze unseres Womos in den Wind schaut und versuchen zu schlafen. Es ist bitter kalt, das Thermometer zeigt zwar bloss -15 Grad an, aber mit dem Wind sagt unser Wetterapp, gefühlt wie -24 Grad. Irgendwie sind wir aber noch nicht 100% sicher, ob das der richtige Ort ist. Ein norwegisches Womo steht ebenfalls da, also dürfte es schon gut sein.
In der Nacht haben wir dann nicht ganz so viel geschlafen, es hat wirklich gerüttelt und geschüttelt im Womo und der Wind soll auf den Nachmittag und Abend noch mehr zunehmen. Unser norwegisches Verkehrsapp meldet in der Umgebung überall Warnungen vor starkem Wind und Schneeverwehungen, an einigen Orten ist die Strasse ganz gesperrt, so auch auf unserer geplanten Weiterreise. So bleiben wir heute zur Sicherheit in Hammerfest stehen, morgen Nachmittag soll es ein Zeitfenster mit weniger Wind geben. Das werden wir nützen müssen, aber was bis dahin? Hier am Hafen fühlen wir uns nicht wirklich sicher, also marschieren wir los ins Touristenbüro. Es fühlt sich wirklich extrem kalt an mit diesem eisigen Wind. Und da wir noch etwas zu früh dran sind, schauen wir uns noch die Kirche an, bevor wir uns dann auf den Weg zum Königlichen Eisbärenclub und der Tourismusinfo machen. Wir sind seit 11 Jahren Mitglied in diesem Club und dürften jeden 3. Sonntag im Januar an die Jahresversammlung nach Hammerfest. Allerdings waren wir noch nie da und jetzt wo wir Zeit hätten, ist sie schon vorbei…
der Hafen, blauer Himmel und starker Wind
Wir begutachten die Ausstellung und lesen die Infotafeln (auch auf Deutsch) über Polarforscher, Köche, Hammerfest und Fischerei. Aber danach fragen wir die freundliche Dame, was uns eben am meisten interessiert: Sind wir sicher auf dem Stallplatz? Sie gibt uns den Ratschlag, auf den Campingplatz zu fahren, er sei zwar geschlossen, aber zum Übernachten seien wir dort besser aufgehoben und hineinfahren könnte man trotzdem. Auf dem Stellplatz am Hafen wisse man bei diesem Sturm nie, ob die Wellen über die Mole herausklatschen werden. Wie, die Wellen bis zu unserem Knutsch und danach vereisen sie? Und morgens erwachen wir in einem Eisblock?
Also wieder zusammenpacken und vor dem Mittag zum Campingplatz, bevor der Wind noch stärker wird. Der Platz ist belegt durch Wohnmobile und Wohnwagen der Einheimischen, die dies als Winterquartier für ihre Fahrzeuge wählen. Wir finden eine Lücke zwischen den abgestellten Womos, können sogar mit Strom stehen, ich muss aber die Lücke selber vom Schnee freischaufeln. Gar nicht so einfach bei diesem Wind!
es ist bitter kalt, gefühlte -24 Grad
Aber wir sind platziert, etwas windgeschützt, während der Wind am Womo rüttelt. Man merkt, dass der Wind stärker und die Böen mehr werden.
Ich habe zwischendurch etwas Angst um unsere Dachfenster, aber alle anderen Womos hier haben die Dachfenster auch noch, also wird auch unseres halten.
Kurz nach Mittag essen wir ein ausgiebiges Frühstück, wir haben ja jetzt Zeit. Bei diesem Wind wollen wir auch in der weltweiten ersten elektrifizierten Stadt der Welt weder auf den Aussichtspunkt noch in ein Museum. Wir müssen im Knutschi bleiben, damit es etwas mehr Gewicht hat und nicht ganz so leicht fortgeweht werden kann…
Hammerfest ist nicht eine wahnsinnig schöne Stadt, wie so viele im Norden. Das hat auch mit dem 2. Weltkrieg zu tun: beim Abzug der Deutschen haben diese alles zerstört und niedergebrannt, und so musste auch Hammerfest in den 50er Jahren wieder neu aufgebaut werden und der 50er Stil der Gebäude sieht man ihnen noch heute an. Trotzdem ist Hammerfest irgendwie anziehend, viele Arktisexpeditionen starteten von hier und lange lebte die Stadt vom Robben- und Walfang.
Wir haben nun aber Zeit, unseren weiteren Reiseverlauf der nächsten Tage zu planen und beschliessen, dass wir morgen das Zeitfenster nützen müssen, um nach Alta zu kommen, falls das geht. Heute war diese Strasse gesperrt und nicht mal Konvoi wurde gefahren. Danach werden wir dem Sturm mit einem Umweg über Finnland zu entfliehen versuchen, bevor wir dann wieder den Weg nach Norwegen Richtung Tromsö einschlagen. Falls die Strasse auch morgen gesperrt ist, werden wir einen neuen Plan fassen.
9:03 Uhr Sonnenaufgang
14:16 Uhr Sonnenuntergang
5:13 Std.Tageslänge
schön - bewölkt, -11 bis -14 Grad, Wetterapp zeigt Windböen bis 100km/h an
201 km
4:39 Std
43 km/h
9,5 Liter
Aber wir sind wieder unterwegs
Es war nun nicht die Nacht mit dem besten Tiefschlaf. Unser Wohnmobil schwankte mehr wie ein Schiff auf der Hochsee und wenn wieder eine starke Böe darüber hinwegfegte, tönte es so, wie wenn der Splitt der nahen Strasse voll an das Womo gepeitscht wird. Gemäss Wetterapp knallten die Windböen bis zu 100km/h durch Hammerfest. Zwischendurch immer wieder einen Blick auf die Wetterprognosen: immer noch die Meldung, dass morgen Nachmittag der Wind etwas nachlässt, bevor er nachts dann wieder so richtig auffrischt. Wenn wir also am Nachmittag nicht bis Alta kommen, hängen wir bis Samstag hier fest. Auf dem App des Norwegischen Strassendienstes leuchten dazu immer mehr Strassen als gesperrt auf. Irgendwie schlafen wir dann doch noch ein paar Stunden.
Und beim Erwachen dann ein komische Stille! Nur hin und wieder eine Windböe, aber dazwischen einfach ruhig. Ein Tritt vor das Womo bestätigt es dann, fast windstill, hin und wieder eine Windböe, nichts Schlimmes. Also packen wir zusammen und nutzen die Gunst der Stunde. Warum warten, wenn der Wetterdienst erst ab 12 Uhr die Flaute angesagt hat?
Schon in Hammerfest merken wir aber, dass wir nachts wohl doch ziemlich geschützt standen, denn in der Stadt weht es schon wieder ziemlich kräftig. Aber kein Vergleich zu Gestern. So fahren wir vorsichtig aus Hammerfest raus, machen noch ein Foto beim Stadtausgang vom Eisbären, Hammerfest nennt sich nicht nur nördlichste Stadt der Welt, sondern auch Stadt der Eisbären.
Vor der Kvalsundbrua ist angegeben, dass der Seitenwind auf der Brücke mit 7m/s weht, also 25km/h, keine Gefahr für uns also. So fahren wir auf grundsätzlich geräumten Strassen Richtung Skaidi. Allerdings gibt es schon noch viele Schneeverwehungen und die Bodensicht ist ziemlich schlecht, aber das hat der Verkehrsdienst von Norwegen hier so gemeldet. Wir sind also vorbereitet und nicht überrascht.
In Skaidi ist die Abzweigung über das Sennalandet, eine raue, offene Fjelllandschaft in der Finnmark, wo die E6 direkt über diese Hochebene führt und ist besonders im Winter oft von starkem Wind, Schnee und schwierigen Strassenverhältnissen betroffen ist. Die Strasse ist aktuell noch geschlossen, um12 Uhr soll die Lage neu beurteilt werden. Also warten wir eine halbe Stunde im Knutschi, essen etwas und sind auf die neue Meldung gespannt. Kurz vor 12 Uhr dann: «Momentan bleibt die Strasse geschlossen, neue Lagebeurteilung um 14 Uhr». Das bedeutet nichts gutes, wenn sie bisher nicht geräumt werden konnte und der Wind wie vorhergesagt um 14 Uhr nachlässt, könnte es dann nochmals dauern. Und wenn diese Strasse gar nicht aufgeht, dann sind wir in der Gegend gefangen und kommen nicht mehr weg!
Wir beschliessen, weiter nach Olderfjord und danach nach Lakselv und Richtung Karasjok zu fahren, die einzige Alternative, denn so viele Strassen gibt es hier im hohen Norden nicht. Nach Lakslev sind es nur 85km und wenn wir dort durch sind, können wir ins Landesinnere fahren und dem Sturm ausweichen. Also haben wir noch 85km schwierige Strassenbedingungen mit Schneeverwehungen, keine Bodensicht und starkem Wind.
Die Fahrt geht aber besser wie erwartet, es kommen uns mehr Räumfahrzeuge wie andere Autos entgegen und auch die Schneeverwehungen sind dadurch nicht so gross wie erwartet. Die Geschwindigkeit ist nicht 80km/h wie man dürfte, aber mit 60km/h kommt man auch vorwärts.
So kommen wir gut in Lakslev an und gehen noch einkaufen. Es ist 14 Uhr und da sind wir gespannt auf den neuen Strassenbericht. Die E6 über das Sennalandet wird tatsächlich geöffnet, aber nur für Konvois und der erste Konvoi fährt um 15 Uhr los. Wir haben richtig entschieden, denn in diesem Konvoi beim Eindunklen, wo alle einheimischen Fahrzeuge Spikes drauf haben und die Lastwagen mit Volldampf hinter dem Räumfahrzeug her browsen, das brauchen wir mit normalen Winterpneus und unserem Knutschi nicht. Klar, es ist schon ein bisschen schade, dass wir das Sennalandet dieses Jahr nicht durchfahren, aber auf dieses Abenteuer können wir bei den jetzigen Voraussetzungen verzichten, Sicherheit geht vor.
So fahren wir bei Schneefall Richtung Karasjok, an irgend einem schönen Parkplatz stoppen wir und haben entschieden, hier zu übernachten.
Es war für uns ein guter Tag, wir sind erfolgreich aus dem Sturmtief heraus, hatten Winterlandschaften, wenig Verkehr, keine gefährlichen Manöver und eine gute Stimmung an Bord. Nur allzutolle Fotos haben wir heute nicht, denn es sah alles in ungefähr gleich weiss-grau aus.
Momentan ist es schon stockdunkel (16 Uhr) und auch wieder -10 Grad kalt, also alles im erträglichen Masse. Wir haben sogar einen neuen Tiefkühler, wo wir nun zwei eingefrorene Fertigpizzas lagern können. Der Tiefkühler ist unter den Zwischenbrettern der Garage, dort ist alles steinhart gefroren, von den Türschlössern bis zur Leiter und den Langlaufskis.
Wir hatten übrigens schon wieder Glück: das Nordkap ist aktuell geschlossen und alles was wir in der letzten Woche gefahren sind, wäre nun so nicht mehr möglich. Und so schnell werde die Strassen im kommenden Sturm wahrscheinlich nicht mehr geöffnet.
8:57 Uhr Sonnenaufgang
14:29 Uhr Sonnenuntergang
5:32 Std. Tageslänge
-7 bis -12 Grad, bewölkt, windig, Schneefall
196 km
3:48 Std.
51 km/h
10,3 Liter
Das Wetter wird uns weisen
Schlaf fanden wir nicht viel, obwohl die Nacht sehr ruhig und ohne Windgeräusche war. Es wäre ein Träumchen gewesen, so ruhig und tief zu schlafen, wenn nicht nach den 10cm Neuschnee plötzlich etwas grünes durch die Womofenster geschimmert hätte. Wir natürlich warm eingepackt sofort nach draussen und dann nur wir zwei, unser Womo und die Nordlichter! Keine Strassenlaterne, kein anderes Licht, ausser der Halbmond und die Sterne. Nach vielen Fotos liessen wir den Fotoapparat ruhen und wir genossen einfach die Lichtschau am Himmel. Genau über uns, manchmal vorne, hinten und oben gleichzeitig, manchmal schnell tanzend, dann wieder fast unbeweglich. Um alles zu sehen, liegen wir im Rücken im Schnee und geniessen.
Manchmal verschwanden sie fast ganz, dann leuchtet wieder der ganze Himmel grün. Um 2 Uhr, in einer kleinen Pause, treten wir ins Knutschi und gehen ins Bett, wir sind hundemüde und die -10 Grad hinterlassen auch Spuren. (Jetzt muss ich mal schauen, wie ich die Nordlichter filmen kann, bisher hatte ich jeweils nur schwarz auf dem Film).
So ist es dann auch klar, dass wir morgens etwas länger schlafen, aber durch einen fantastischen Sonnenaufgang bei blauem Himmel geweckt werden. Wir haben doch Ferien und müssen nicht herumhetzen, oder? Also packen wir in Ruhe unsere Schneeschuhe aus und machen uns auf eine kleine Tour in der riesigen Tundra. Der Schnee ist tiefer und lockerer wie wir angenommen hatten und so versinken wir trotz Schneeschuhen bis zu den Knien. Es ist eine fantastische Tour in der Stille und Weite, ohne besonderes Ziel, einfach nur, es geniessen zu können.
Wieder beim Knutschi machen wir es abfahrbereit und fahren um 11 Uhr los. Nach weniger wie 30km sind wir schon in Karasjok, einem Hauptsiedlungsgebiet der Samen in Norwegen. Lapidar sage ich zu Anita «wir könnten da ja den Shop noch schnell besichtigen?» Als ich aber den Satz ausgesprochen habe, bin ich mir bewusst, was ich damit angerichtet habe. Das ist doch der tolle Shop, wo Anita das letzte Mal die superschönen Sami-Stiefel gekauft hat? Ist doch der, der so wunderbare Dinge hat? «Na, das könnte ja wieder teuer werden.» denke ich noch, bevor Anita ganz schnell und laut meine Frage mit «Ja» beantwortet, bevor ich irgend etwas korrigieren oder zurücknehmen konnte.
Also fahren wir auf den Parkplatz und verlassen das Gebäude eine Stunde später mit einem wirklich schönen Tischläufer, Gläseruntersetzer und eine warmen Wollumhang für meinen Holde. Na, gut, es sind wirklich schöne Dinge und mir gefällt der Shop auch.
Also weiter, die 92 Richtung Westen nach Kautokeino. Da müssen wir durch, wenn wir später noch nach Tromsö wollen.
Die Strassen hat noch weniger Verkehr wie die anderen, es hat nun auch wieder Fichtenwälder, und ziemlich Schnee. Auf einem kleinen, geräumten Rastplatz frühstücken wir, machen nochmals Pause, bis wir dann erst nach 14 Uhr wieder losfahren.
Es geht nun wieder über die Tundra auf der Hochebenen, mit viel Schnee und immer mehr Wind. Die Strassen sind eisig und starker Wind, das hatten wir doch schon mal? Also fahre ich ziemlich vorsichtig und mit 50km/h nicht allzuschnell auf den geraden Strecken. Wenn wir hin und wieder ein anderes Fahrzeug hinter uns haben, lasse ich es vorbei und so fahren wir der Dunkelheit entgegen. Der Wind wird immer stärker, die Schneeverwehungen immer grösser, der Abstand der Räumfahrzeuge immer kürzer. Wie geht es wohl allen anderen, die an der Küste entlang fahren? Dort muss es ja noch viel wilder stürmen!
Die meisten Rastplätze sind nicht geräumt oder extrem dem Wind ausgesetzt, also nichts für eine Übernachtung.
So fahren wir bis zum Eindunkeln weiter bis Kautokeino, der ersten grösseren Ortschaft (1400 Einwohner), da waren wir nämlich vor sieben Jahren auf unsere letzten Winterreise auf einem kleinen Campingplatz. Vielleicht gibt es den noch? Wir erkennen ihn sofort und stellen den Blinker, es hat auch ein Schild «open», also alles in Butter. Wir sind seit zwei Tagen die einzigen Gäste und können unseren Platz auswählen. Nr.1 ist unser Favorit, da er gerade hinter dem kleinen Sanitärgebäude steht und dadurch ziemlich windgeschützt ist. Man muss Prioritäten setzen.
Jetzt studieren wir in Ruhe den Wetterbericht und der Strassenzustand und entscheiden uns dann morgen, in welche Richtung es weitergeht. Ursprünglich wollten wir weiter bis Enontekiö in Finnland, eine Alternative dazu haben wir nicht, mangels Strassen. Aber wie es dort weitergeht, nach Schweden oder wieder Richtung Norwegen oder in die Wälder Finnlands? Das Wetter wird uns weisen.
8:32 Uhr Sonnenaufgang
14:51 Uhr Untergang
5:19 Std Tageslänge
schön, bewölkt, windig -1 bis -6 Grad
159 km
2:56 Std.
54 km/h
10,4 Liter
Heute, 6. Februar ist der Nationalfeiertag der Samen. Wir sind in einem Zentrum dieses nordischen indigenen Volkes und haben alles verpasst.
Der Feiertag wurde 1992 offiziell eingeführt und erinnert an den ersten samischen Kongress, der am 6. Februar 1917 in Trondheim (Norwegen) stattfand. Dieser Tag wird in allen samischen Gebieten gefeiert, also in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland.
Typische Feierlichkeiten beinhalten:
unseres Reisestrecke