der wärmste Tag
Nachts wird es plötzlich warm, das Aussenthermometer zeigt +4 Grad an. Das merkt man auch innen, die Dieselheizung muss viel weniger arbeiten. Unserem Knutschi tut das auch mal gut und ist wie Sauna, so können alle eingefrorenen Schlösser (Garage) auftauen und auch die Abwasserleitung, die innen ziemlich vereist ist, in Ruhe auftauen. Morgens frage ich dann den Campingplatzbetreiber, ob es im Ort irgendeine Möglichkeit gibt, unser Wohnmobil zu waschen. Gibt es aber nicht und das ist gut so, denn abends würde es genau wieder gleich dreckig aussehen. Einige Strassen sind ziemlich nass, da es den ganzen Tag so warm bleibt und viel Schnee auf dem Asphalt schmilzt.
Dafür reinigen wir uns noch selber und nehmen eine ausführliche Dusche auf dem Campingplatz. Und man muss es sagen: es ist ein wirklich toller Ort hier, es ist eher ein Stellplatz mit einer sehr guten Infrastruktur, von Duschen über Waschmaschine, Küche etc. Trotz Winter kann man problemlos Wasser tanken und auch WC entleeren. Ein Zwischenstopp im Winter lohnt sich hier auf alle Fälle.
Wir wollen dem Betreiber noch ein Kompliment machen und kaufen auch noch eine Rentierwurst. Daraus entwickelt sich ein längeres Gespräch und er klärt uns über die Rentierzucht in der Gegend auf und warnt uns für die Weiterfahrt, dass hier die grösste Rentierherde Norwegens lebt und vor Fahrzeugen keine Angst hat. Wir sollen auf der Weiterfahrt einfach aufpassen. Und falls ein Teil der 10'000 Rentiere auf der Strasse stehen, einfach aussteigen, sie hätten vor Menschen Angst und verschwinden dann.
Er selber fertigt aus Rentierknochen Schmuckstücke her, aber nur als Hobby. Etwa ein Drittel der hiesigen Einwohner lebt heute noch von der Rentierzucht und 85 Prozent sprechen die samische Sprache. In dieser Gegend spielt das Rentier eine zentrale Rolle. Auf dem Campingplatz kann man übrigens für 70€ ein echtes Rentierfell kaufen (Samen verwerten immer das gesamte Rentier nach dem Schlachten), normalerweise kostet so ein Fell zwischen 120 und 200€. Im Nachhinein hätten wir ein solches Fell kaufen sollen. Allerdings eignen sich Rentierfelle nur dort, wo es keine allzu feste mechanische Einwirkungen gibt. Als Teppiche z.B. sind sie nicht geeignet. Die Rentiere haben hole Haare, die so mehr isolieren, aber eben auch schneller kaputt gehen. Die Samen benützen sie vor allem als Schlafunterlage auf Schnee.
So fahren wir los und halten Ausschau nach Rentieren. Wir sehen allerdings nur einzelne kleine Grüppchen weit von der Strasse weg, wahrscheinlich ist es ihnen mit nun +5 Grad auch zu warm. Nach 40km überqueren wir die Grenze von Norwegen nach Finnland, verlieren dabei wieder eine Stunde, und setzen unsere Fahrt in der Tundra ähnlichen Landschaft fort. Es gibt einige Rentierfarmen auf dem Weg, aber eine grosse Rentierherde im Wintergebiet sehen wir heute nicht mehr.
Danach geht es auf finnischer Seite entlang der Grenze zu Schweden weiter. Die Landschaft sieht immer noch gleich aus wie heute Morgen, die Temperaturen sind auch noch ähnlich und allmählich schmilzt der Schnee auf der Strasse, was in einem ziemlichen Matsch und Holperpartie endet.
Wir haben heute kein besonders Ziel, müssen schauen, wie weit wir kommen, wirkliche Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht mehr (ausser schöne Landschaft). So fahren wir heute 230 Kilometer. Die letzten fast 90km von Karesuvanto auf der höchstgelegenen Bergstrasse Finnlands. Allerdings muss man sich diese Bergstrasse etwas anders vorstellen, wie die Bergstrassen in der Schweiz. Keine Serpentinen, das meiste geht gerade aus, der Start ist auf 330m ü.M. und der höchste Punkt, den wir erst morgen erreichen, ist sagenhafte 565m.ü.M. 93km mit 235 Höhenmetern macht eine Steigung von 0.25%.
Anita Schweden - Rolf Finnland
Wir stoppen 6km vor der Passhöhe bei der Fussgänger-Hängebrücke Pro Mellan, im Sommer DER Touristenhotspot der Region, jetzt im Winter einsam und verlassen. Man kann zu Fuss von Finnland nach Schweden über diese Brücke und jetzt im Winter ist auch die Eisstrasse über den Fluss geöffnet. Wegen der aktuellen Wärme sind aber die obersten 5cm Eis ein ziemlicher Matsch. Ich würde da jetzt nicht mehr drüberfahren, bleibt man stecken und nachts gefreirt es wieder, sitzt man definitiv fest und kommt erst wieder weg, wenn das Eis schmilzt. Und dann versinkt man im Fluss. (Frage: beginnt das Eis von unten oder von oben an zu schmelzen? Antwort: Eis schmilzt hauptsächlich von oben durch Sonnenstrahlung und warme Luft. Von unten dauert es länger, da das kälteste Wasser (0 Grad) oben unter dem Eis liegt. Wird das Wasser wärmer, sinkt es bis 4 Grad auf den Grund und erst wenn es noch wärmer wird, steigt es wieder an die Oberfläche.)
Wir beschliessen, an diesem ruhigen und dunklen Ort zu übernachte. Vielleicht sehen wir ja wieder Nordlichter, nachdem wir letzte Nacht den fehlenden Schlaf aufgeholt haben.
Selbstverständlich machen wir noch Spaziergänge und schreiten auch über die Brücke. So stehen Anita und ich auf dem Territorium verschiedener Länder, was nicht so speziell ist. Aber wir stehen auch auf verschiedenen Zeitzonen und Anita ist nun in Schweden eine Stunde jünger wie ich in Finnland.
8:29 Uhr Sonnenaufgang
15:05 Uhr Untergang
5:36 Uhr Tageslänge
bedeckt, warm +4 bis +6 Grad
235 km
3:50 Std.
61 km/h
9,4 Liter
wir hatten schon bessere Tage
Es hat schon gestern Abend begonnen. Unser einsames Plätzchen in der Wildnis bei der Hängebrücke blieb einsam bis um 22 Uhr, dann fuhren plötzlich zwei Kleinbusse vor und 10 Leute stiegen aus, etwas später kamen nochmals Kleinbusse und Pws. Schlussendlich waren auf unserem Platz 20 Nordlichtjäger, die eine Nordlichttour gebucht hatten, Zelte aufstellten, Feuer machten und auf Nordlichter warteten. Diese Nordlichter zeigt sich aber nicht und um die zahlenden Gäste bei Laune zu halten, wurde lauthals Gruppenspiele abgehalten. Wir konnten dem Treiben nur zuschauen, Wegfahren wäre unmöglich gewesen. Dann plötzlich um 1 Uhr, als sich immer noch keine Nordlichter zeigten, fuhren dann alle auf Kommando weg und wir waren wieder alleine. Endlich war an Schlaf zu denken. Unser Übernachtungsplatz war also Reinfall Nr.1.
gestern Abend war der Parkplatz plötzlich voll
Morgens haben wir dann etwas länger geschlafen, schliesslich habe wir heute nur eine kurze Tagesetappe und der erste Stopp war schon 6km nach der Abfahrt auf der höchsten Strasse Finnlands. Aber auf der Passhöhe stand kein Schild, kein Hinweis, kein gar nix. Nicht mal ein „Dagewesen-Foto“ war machbar! Was machen? Also kein Foto und irgendwie gefrustet weiterfahren, Reinfall Nr. 2. Nach 30km kommen wir dann in das Feriengebiet Kilpisjärvi, das höchste in Finnland mit einem tollen See. Uns interessiert da das Dreiländereck Norwegen, Finnland und Schweden. Es ist weltweit das nördlichste Dreiländereck und da wollen wir hin. Also fahren wir zum Parkplatz und studieren die Schneebedingungen und den Weg. Mit den Langlaufskis über den hartgefrorenen See und dann mit Schneeschuhen zum Dreiländereck? Mit den Schneeschuhen direkt und 11km hin und 11 km zurück? Beides scheint nicht so spassig zu sein, bei diesem hartgefrorenen Schnee. (2 Tage Plusgrade und jetzt wieder -8). Alternative? Also zurück in das Ferienzentrum und zu einem Touranbieter. Wir erklären ihm, dass wir gerne zu diesem Dreiländereck gehen würden, was er uns empfehlen könnte. Die einzige Alternative sei eine Gruppen-Schneemobiltour morgen um 9 Uhr. Ob es nicht eine private Tour heute mit einem Guide sein könnte? Klar, kann es, kostet aber 600€. Das ist uns nun aber etwas zuviel, dafür dass es keinen Pulverschnee hat und auch nicht sonnig ist. Wenn man bedenkt, für diesen Preis könnten wir auf die Spitzbergen fliegen und dort zwei Nächte in einem Hotel verbringen als nur so einen blöden Betonsockel zu besichtigen. Also schlagen wir das Angebot aus und streichen den Besuch des Dreiländerecks (Reinfall Nr. 3). Wir müssen ja noch Ziele haben, wenn wir das nächste Mal kommen.
Was machen wir nun mit dem angebrochenen Tag? Wetterapp konsultieren, Google Maps fragen, Hirn einschalten. Wir stehen auf dem Parkplatz, genau 160km von Tromsø entfernt und heute Abend soll es dort den einzigen Wolkenfreien Abend der nächsten Tage geben. Ich träume ja schon lange von einem Foto auf die Stadt mit Nordlichtern, heute könnte es also die Gelegenheit sein. Also Motor starten und ab Richtung Tromsø.
Schon wenige Kilometer später überqueren wir die Grenze zu Norwegen, ab da sind die Strassen schwarz geräumt. Das heisst, der Schnee ist geschmolzen. So kommen wir durch eine schöne bergige Gegend ziemlich schnell vorwärts.
Dann sehen wir ein Schild mit einem Aussichtszeichen bei einem Wasserfall. Also stoppen wir und besichtigen den Wasserfall. Es ist aber eine ziemliche Tortour, die obersten 5cm des Schnees sind total eisig und wir müssen uns an Bäumen und Geländer festhalten, damit wir die 100m Weg schaffen. Ohne Sturz geht es nicht, aber wir bleiben gesund. Der Wasserfall selber sieht von oben schon gut aus, aber von unten wäre es viiieeeel besser. Aber da herunterkommen, keine Chance. Also wieder ein Kampf bis zu unserem Knutschi und weiter.
Wir kommen wirklich gut vorwärts, die Temperaturen schwanken zwischen 3 und 6 Grad, die Strassen Schwarzgeräumt, zwischendurch weit und breit kein Schnee. Wir sind doch im Winter hier nicht im Sommer! Es ist fast ein wenig frustrierend, wenn wir an unsere letzte Winterreise denken, Schnee in Hülle und Fülle.
Wir lassen uns die Laune aber nicht vermiesen und kommen gut beim Campingplatz in Tromsø an. Einchecken geht auf mundart (Schweizer gibt es überall) und dann ist es fast 15 Uhr.
Wir packen unseren Rucksack mit Stativ, warmen Kleidern und Stirnlampen und machen uns auf den Weg zur Bergstation Fjellheisen. Mit der Bahn hoch kann jeder. Zuerst 30 Minuten durch die Stadt laufen zum Start der Sherpatreppe. Von hier ist es knapp eine Stunde bis zur Bergstation. Aber schon auf den ersten 10m kommen wir an unser Limit, total vereist, Die Treppe sieht man unter einer weissen 40cm dicken Eisschicht nicht. Zum Glück haben wir wenigsten ein Paar montierbare Schuhspikes. Anita einen, ich den anderen. Nach 30m denken wir, wie blöd kann man sein, und nur ein Paar solche Schuhspikes zu haben? Wir lassen uns aber nichts anmerken und kämpfen uns regelrecht den Eishang hoch. Wir haben schon 4000er geschafft, und werden wohl nicht vor einem 380m hohen Berg kapitulieren? Der Kopf lässt es uns nicht zu und so schreiten wir Schrittchen für Schrittchen hoch. Als wir etwa die Hälfte geschafft haben, kommt uns ein Norweger entgegen und rät uns dringend, den restlichen Weg nicht mehr zu machen. Es sei viel zu gefährlich, der Rettungsheli soll heute schon 2x ausgerückt sein, um Touristen auf diesem Weg zu bergen. Wir sollen wieder die hälfte Absteigen und dann rechts den anderen Weg nehmen. Dieser sei zwar weiter, aber durch den Schnee viel sicherer.
im Aufstieg mit Tromsö im Hintergrund
Also wieder runter wie auf Eiern und dann beim Abzweiger kommt uns dieser Weg genau gleich eisig vor. Wir kämpfen uns wieder hoch, Anita grummelt hinten, wir wären besser den anderen Weg weiter hoch gegangen, dann wären wir schon lange oben. Die Spuren werden irgendwie immer weniger, die Bergspitze sehen wir nicht und dunkel wird es auch. Wir montieren die Stirnlampen und ich fluche innerlich, wie wir so einen Mist machen können, an einem fremden Berg im harten Schnee schlecht ausgerüstet und fast orientierungslos im Dunkeln unterwegs zu sein. Das Einzige, was ich weiss, die Bergstation ist oben, also wenn wir immer den Berg hoch gehen, irgendwann sind wir am Ziel. Gegenüber Anita kann ich mir aber nichts anmerken lassen, nur noch um die nächste Krete und dann sehen wir die Station sicher schon... (es waren etwa vier Kreten).
Irgendwann sind wir dann tatsächlich oben, nicht nach knapp 60 Minuten, sondern nach 2 Stunden und einer Minute. Und was wir oben sehen, ist eine fantastisch beleuchtetes Tromsø aber auch hunderte, wenn nicht tausende von Touristen und Nordlichtjäger. Wahnsinn! Wir kämpfen uns zum Restaurant durch, die Schlange für die Talfahrt ist draussen vor dem Gebäude länger wie innen, unglaublich. Auch die Schlange vor dem Selbstbedienungsrestaurant ist nicht ohne und einen Sitzplatz zu finden, chancenlos. Es hat hier so viele Leute, wie auf unserer ganzen Reise zusammen. Irgendwann hat dann jeder von uns eine heisse Schokolade, zu essen gibt es nichts, wir können ja nicht mal sitzen.
Also wieder nach draussen und bei der Bergkannte den zweitbesten Platz besetzen (der beste ist schon weg), Stativ aufstellen, Fotoapparat einstellen und warten. Kein Wölkchen am Himmel, top Sicht auf die Stadt, aber kein einziges Nordlichtlein. Nach über einer Stunde einen schwachen Schimmer für 3 Minuten und dann ist es wieder weg. Also warten wir nochmals eine Stunde, nix von nix. Es ist kalt, es ist windig, wir sind müde und wir haben Hunger.
Irgendwann geben wir auf und stellen uns in die Schlange für die Talfahrt. Kurz vor der Bahn merken wir, dass es keinen Ticketschalter gibt und man die Tickets online ordern muss. Ich bin schon leicht genervt, also Handy hervorkramen, Webseite suche, Tickets bestellen, Kreditkarte hervorkramen, Daten eingeben, E-Mail abwarte mit der Bestätigung und dann endlich habe ich zwei Bahnen später unsere Tickets.
Im vollen Bähnchen, dass wir um 21:30 Uhr endlich erwischt haben, plötzlich aaahhh und oooohhh. Die schönsten Nordlichter über der Stadt! Auch als wir unten ankommen, leuchten sie immer noch über den Häusern und auf dem halbstündigen Fussweg zum Campingplatz auch noch. Aus Prinzip mache ich kein Foto von denen, die haben es jetzt einfach nicht verdient!
Wir kommen total erledigt bei unserem Knutschi an, frustriert, kaputt und gegessen haben wir den ganzen Tag auch noch nichts. Anita zieht sich aus und kriecht wortlos unter die Decke. Hat sie sich auch verdient.
8:31 Uhr Sonnenaufgang
15:10 Uhr Sonnenuntergang
6:39 Std. Tageslänge
bewölkt, kein Wind, -10 Grad
205 km
3:16 Std.
62 km/h
8,6 Liter
ein Ruhetag
Wir sitzen im Womo auf dem Campingplatz in Tromsø, es ist der 9. Februar weit über dem Polarkreis und es regnet in Strömen. Also was machen? Irgendwie sind wir kaputt von der gestrigen Wanderung und von den vielen Eindrücken der letzten Wochen. Auch die Umplanungen brauchen jeweils Zeit und Energie, bei mir jedenfalls.
Der heutige Tag schreit gerade so nach einem Ruhetag. Und wenn Ruhetag, dann richtig Ruhetag. Also gehen wir zur Reception und verlängere unseren Aufenthalt bis morgen. Und während wir so in unserem Knutschi sitzen, nach draussen schauen, so schön nix machen, bin ich am rumsurfen und da kommt die Idee wieder auf, Spitzbergen zu besuchen.
Eine Stunde später haben wir einen Flug gebucht, morgen Montag von Tromsø auf die Spitzbergen und am Mittwoch von Longyearbyen zurück. Dazu zwei Nächte im Hotel Radisson Blu Polar. Wenn wir jetzt die Spitzbergen nicht besuchen, wann dann? Und wir können unsere erste Polarnacht erleben, ein Tag, an dem die Sonne nicht aufgeht. Es wird von 9:14 Uhr bis 15:11 Uhr blaue Stunde herrschen, also die Sonne wird dann knapp unterhalb des Horizonts sein.
Wir freuen uns sehr und sind gespannt, wie das sein wird.
8:42 Uhr Sonnenaufgang
15:15 Uhr Sonnenuntergang
6:32 Std. Tageslänger
0km
Die Reise bis hierhin war aber schon toll, darum mache ich nun ein kleines Zwischenfazit.
Übernachtungsplätze sind noch einfacher zu finden wie im Sommer. Es hat sehr wenige Wohnmobilisten unterwegs, überall ist es frei und man kann auf jedem Rastplatz problemlos übernachten, es hat viel weniger Strassenverkehr, und der Lärm ist wegen den schneebedeckten Strassen sehr gedämpft.
Wenn wir frei stehen, brauchen wir mit allem rund 50Ah Strom, inkl. Dieselheizung, aufladen der verschiedensten Geräten und Beleuchtung. Wenn wir sparen, können wir den Verbrauch auf 35Ah senken.
Grauwasserablässe gibt es praktisch keine, nicht mal auf den Campingplätzen. Die meisten sind total eingefroren oder einfach geschlossen. Das Grauwasser wird man nur mittels Becken los, das man in eine WC-Entsorgungsstation oder normales WC leeren kann. Beim WC sind wir echt froh, haben wir eine Trenntoilette und müssen nur den Urin entsorgen. Das ist relativ entspannt, WC-Kassetten-Entleerungsstationen hat es nur auf den Campingplätzen, die öffentlichen Stationen auf den Rastplätzen sind zu 99% geschlossen, ebenso die öffentlichen WC’s.
Die meisten Frischwasserstellen sind ebenfalls geschlossen, Frischwasser auf den Camping- und Stellplätze ist aber meist kein Problem.
Unsere Innenisolierung ist toll und macht das Leben im Womo bei Kälte draussen kuschelig warm. Bis zu einer Temperatur von -20 Grad haben wir fast keine Probleme, wird es Kälter, gefriert dann vieles ein, und da ist man fast machtlos. Ob das der Küchen- oder Duschablauf ist, oder das offene Abwasserrohr, mit der Zeit friert es dann schon zu. Auch der Motor startet bis -20 ohne Probleme, wird es kälter, hat er dann etwas mehr Mühe.
Wir waren erstaunt, dass z.B. die Wohnraumbatterie unter dem Fahrersitz im Innenraum nach einer kalten Nacht unter Null Grad hat, nur weil sie vorne am Boden unten sitzt. Bei dieser Kälte liefert sie weniger Spannung und das Aufladen funktioniert bei einer Lithiumbatterie nur bei über 0 Grad. Während dem fahren wird es dann vorne immer etwas wärmer von der Heizung des Fiats und dadurch wird auch die Aufbaubatterie wieder wärmer.
Sie macht gute Dienste und muss auch viel arbeiten. Sie hat aber Mühe mit schwacher Stromspannung von der Batterie, wenn diese kalt ist. Bei Batterietemperatur von 2 Grad stellt z.B. die Heizung ab und geht in den Störmodus, wenn wir gleichzeitig die Kaffeemaschine laufen lassen. Nach dem Rücksetzen der Fehlermeldung springt die Heizung wieder an.
Wenn wir auf dieser Reise mit LPG-Tank und Gasheizung unterwegs gewesen wären, hätten wir echt Probleme gehabt, weil wir keine LPG auffüllen hätten können. Der Grund: Strassensperrungen und Wetter.
Ist fast alles bestimmend, vielleicht aber auch, weil wir aktuell nicht in einer stabilen Wettersituation umherreisen. Wir haben Temperaturunterschiede von 30 Grad, von -23 bis +7 Grad und können nicht viele Tage voraus planen. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass an der Küste näher beim Meer, das Wetter unbeständig und stürmisch ist, während dem im Inland eher kalt aber stabil ist. Eventuell werden wir dann auch nach dem Abstecher auf die Spitzbergen aus diesem Grund Richtung Schweden fahren. Die Temperaturen sind diesen Winter auch eher unbeständig, sagen alle hier oben. Es ist viel zu warm und hat viel zu wenig Schnee.
Dort wo die Strassen Schneebedeckt sind, ist das Fahren absolut kein Problem. Das Problem ist nur dann, wenn es tagsüber über Null und nachts unter null ist, dann bildet sich pures Eis und gesalzen wird nicht. Das Eis wird täglich dicker, auch wenn es aufgeraut und gesplittet wird. Der Verkehr ist viel weniger wie im Sommer, von daher sehr angenehm zu fahren. Allerdings rasen die Lastwagen gefühlsmässig schneller wie im Sommer, man ist im Winter mit dem Wohnmobil als Tourist eher bei den langsamen Verkehrsteilnehmern. Im Sommer gibt es so viele, die Wohnmobile mieten und noch viel langsamer fahren, dass man dann schon zu den zügigeren Verkehrsteilnehmern gehört. Das ist im Winter total anders.
Die Tage sind schon kurz, wenn es nur 5 Stunden hell ist. Fahren und besichtigen sollte man im hellen, den Rest kann man auch bei Dunkelheit machen.
Schneeschaufel haben wir schon viel gebraucht, den Besen und Eiskratzer auch. Auch Schneeketten sind absolute Pflicht. Hier fahren viele mit Spikes-Reifen, das ist schon hilfreich, aber nicht absolut nötig. Aktuell bei total vereisten Strassen wären sie besser. Wir kommen mit unseren Winterpneus eigentlich gut zurecht und würden bei einer weiteren Winterreise wahrscheinlich wieder keine Spikes montieren.
Vielen Sehenswürdigkeiten haben geschlossen oder haben nur beschränkt geöffnet, im allgemeinen vielleicht Öffnungszeiten von 10 bis 15 Uhr. Viele sind auch nicht erreichbar, weil der Weg dorthin nicht geräumt ist. Touristencenter auf dem Land sind vielfach geschlossen.
Wir finden es super, was man hier für Möglichkeiten hat, Winterkleider zu kaufen. Egal, ob Marke oder nicht, die Auswahl ist grandios. Zum Beispiel lange Unterhosen: in der Schweiz gibt es vielleicht zwei Modelle in verschiedenen Grössen, hier gibt es überall günstige Modelle, die auch top sitzen. Oder Winterjacken, die den Namen auch verdienen. So haben wir zum Beispiel Winterhosen gekauft, die im Supermarkt 45€ gekostet haben und besser sind, wie jede teure Markenhose in der Schweiz. Unser Tipp: alle Winterkleider hier kaufen und nicht schon in der Schweiz vorher besorgen.
Die Einkaufsläden und Tankstellen haben die gleichen Öffnungszeiten wie im Sommer, ca. von 8 – 20 Uhr oder noch länger.
in die Polarnacht
Wir haben es tatsächlich getan und sind kurzfristig auf die Spitzbergen geflogen. Bis es allerdings soweit war, haben wir zwei Döödle einiges in Kauf nehmen müssen. Dafür hat es nachts geschneit und endlich sieht Tromsø auch etwas winterlich aus.
Morgen haben wir bei unserem Womo Wasser gefüllt und sind vom Campingplatz zur Eismeerkathedrale (norwegisch Ishavskatedralen) gefahren, nur gerade 3km. Wir wollten eines der größten Glasgemälde Europas bestaunen. Es besteht aus 86 rechteckigen Feldern und insgesamt wurden elf Tonnen Glas. Aber trotz heutiger Öffnungszeit ab 10 Uhr ist um halb 11 immer noch nicht geöffnet. Schade. Für Reisende der Hurtigruten werden bei der südgehenden Fahrt Mitternachtskonzerte angeboten, aber für die individuellen Besucher öffnet man anscheinend heute nicht.
Also fahren wir weiter über die spektakuläre Tromsøbrua, knapp über einen Kilometer lang und 36m hoch, damit eben die Hurtigrutenschiffe untendurch fahren können. Nach der Passage dieser Brücke (wir hätten auch einen Tunnel unter dem Meer nehmen können, aber von Tunnels in Tromsø haben wir keine so guten Erfahrungen) biegen wir rechts ab und fahren zu der 5km entfernten LGP-Gasstation, wo wir unseren Gastank wieder auffüllen können. Es passen genau 24 Liter rein, also haben wir bisher nur die Hälfte des Gases benützen müssen. Nicht nur LPG, auch Diesel füllen wir und fahren danach direkt zum Flughafen. Da haben wir etwas Mühe, den Langzeitparkplatz zu finden, es gibt da einige Baustellen unter dem Schnee und mit den verschneiten Tafeln können wir nicht alles auf Anhieb lesen. Aber schlussendlich klappt es und wir sind am richtigen Ort, müssen noch ein Bezahlapp installieren und uns dort registrieren.
Danach wird unser Knutschi sturmfest gemacht, das heisst alles Fenster isoliert, Aussen- und Innenabdeckung montiert, Heizung auf 8 Grad eingestellt und dann sich selber überlassen. So sollte unser Womo 50 Stunden alleine auskommen, mit genug Strom und Diesel, so dass auch die Heizung immer funktioniert.
Danach marschieren wir mit Rucksack und Handgepäck zur Flughalle. Einchecken mit dem Buchungscode geht nur am Schalter, der Automat erkennt nur Pässe und wir haben nur die ID hier. Auch der Schalterangestellte muss zuerst nachfragen, ob die ID reicht, um nach Spitzbergen zu fliegen (diese gehören auch zu Norwegen und ist ja ein Inlandflug). Aber die ID reichen, wir geben unseren Rucksack auf und sind eingecheckt. Dann hoch zur Abflughalle, den Sicherheitscheck geht ein bisschen, den nehmen sie absolut genau. Wir müssen alles ausziehen, Schuhe, Gürtel, Laptop separat in eine Box, Handy auch und alle Kabel. Als wir endlich durch sind und unsere Schuhe wieder anziehen dürfen suchen wir verzweifelt unser Gate. Aber unser Gate, das auf den Bordingkarten steht, gibt es gar nicht. Wir kommen uns vor wie Döödle, die noch nie geflogen sind (sind wir in den letzten 10 Jahren auch nicht mehr). Irgendwann mit Hilfe von Angestellten sind wir am richtigen Ort. (wäre einfach gewesen, wenn wir auf die Anzeigetafeln geschaut hätten, statt auf die Bordingkarte).
Dann sind wir im Flugzeug, ein weisses Feuerwehrauto kommt und löscht die Flügel mit Schaum (oder war es der Enteiser?) und dann starten wir Richtung Norden. Mit einer Geschwindigkeit von rund 700km/h auf Flughöhe von 11’500m ist der Flug sehr ruhig. So geht es 950km Richtung Norden, bevor wir den Landeanflug auf Longyearbyen beginnen und dort auf der Schneebedeckten Piste landen (Der Pilot musste vorher noch die Schneeketten montieren und die Piste wurde glaube ich noch vorher gesplittet.)
Der Flughafen dort ist klein, wir also raus aus dem Flugzeug, im Tiefschnee über die Piste zum Gebäude, dort auf dem einzigen Gepäckband warten, bis unser Rucksack kommt und dann vor dem Flughafen in den wartenden Bus steigen. Unser Hotel nennen und ca. 9€ für die Fahrkarte zahlen und schon fährt der Reisebus in die Stadt. Laufen vom Flughafen in die Stadt (2300 Einwohner) darf man nicht, überhaupt darf man sich ausserhalb des Stadtgebietes ohne Schusswaffe gegen Eisbären nicht bewegen. Tönt gefährlich, oder?
So kommen wir schnell im Hotel an und beziehen unser Zimmer. Dann wollen wir den Wirlpool und die Sauna inspizieren. Diese sind momentan aber abgestellt, im Wasser auf der Insel wurden Legionellen festgestellt. Man soll beim Duschen den Brausekopf entfernen, aber beim Trinkwasser bestehe keine Gefahr. Wie geht das denn?
Egal, wir spazieren bei Schneesturm durch die Fussgängerzone und gehen noch im einzigen Lebensmittelgeschäft auf der Insel kurz einkaufen. Danach gehen wir noch fein essen und freuen uns, auf den Spitzbergen zu sein, wo der Nordpool näher liegt wie die Hauptstadt Oslo!
Was uns als erstes auffällt: die Häuser haben alle keine Vorhänge und die Zimmer sind dennoch beleuchtet. In jedes Haus kann man einfach hereinschauen, in unser Hotelzimmer übrigens auch. Auch ist es hier Brauch, die Schuhe vor dem Betreten eines Hauses auszuziehen, so müssen wir im Eingangsbereich des Hotels unsere Fusstreter ausziehen und in Socken durch die Gänge bis zu unserem Zimmer laufen. Speziell, aber wir passen uns den hiesigen Verhaltensregeln natürlich an.
4-Stern Hotel, keine SAC Hütte
In Longyearbyen ist die Jahres-Durchschnittstemperatur bei -6,7 Grad, also genau so wie heute. Morgen ist dann Durchschnitt für den Februar mit -16 Grad angesagt. Hier geht theoretisch die Sonne nach 111 Tagen am 15. Februar wieder das erste Mal auf, aber nur theoretisch, denn die Einwohner müssen wegen den Bergen nochmals 21 Tage warten, bis der erste Sonnenstrahl die Siedlung trifft und alljährlich am 8. März findet dann das grösste Fest statt, wo alle Einwohner der Gemeinde auf den Beinen sind.
8:37 Uhr Sonnenaufgang
Sonnenuntergang unterwegs im Flugzeug
20 km
sehr weit nördlich
Wir haben uns schnell in die Spitzbergen verliebt, das heisst, eigentlich habe wir uns ins Svalbard verliebt, denn so heissen diese Insel eigentlich richtig. Spitzbergen heisst nur gerad die Hauptinsel mit der grössten Siedlung, aber hier ist alles mit Svalbard angegeben.
Svalbard ist der einzige Ort der Welt, wo jeder hierher kommen und leben darf, wenn er denn will. Es ist kein Arbeits- oder Aufenthaltsvisum nötig. Wer also Lust hat, auszuwandern… Es gibt aktuell ca. 20 ausgeschriebene Arbeitsstellen, z.B, werden ein Elektriker, zwei Baumaschinenführer, ein Bezirksschreiber, Auto und Baumaschinenmechaniker, Maler, Schreiner und drei Lehrer gesucht. Die Wohnungssuche dürfte etwas schwieriger werden, zu mieten ist nichts frei aber man könnte ein Einfamilienhaus an bester Lage für 550'000 CHF kaufen. Allerdings ist das Haus dann nicht ganz so exklusiv, ich glaube, alle Häuser hier sind vom einzigen Architekten auf der Insel, sie sehen nämlich alle gleich aus, unterscheiden sich nur in der Farbe und marginal in der Form.
gibt glaub nur ein Architekt auf Spitzbergen
Wenn man hier lebt, bekommt man aber sechs Jahreszeiten: Dunkelzeit, Blaue Stunde, Lichtwinter, Frühling, Sommer und Herbst. Aktuell sind wir in der blauen Stunde, die Sonne geht noch nicht auf, aber es ist tagsüber (10 – 14 Uhr) nicht mehr ganz dunkel. Einfach faszinierend!
Wir frühstücken an dem grossen Hotelbüffet noch in der Dunkelzeit und danach machen wir mit vollen Bäuchen einen grossen Spaziergang, zuerst direkt ans Meer, um die Lichtstimmung einzufangen. Danach laufen wir zur leicht ausserhalb liegenden Kirche und durch die Flaniermeile zurück. Viel mehr Möglichkeiten hat man nicht, denn ohne Gewehr darf man den Ort wegen den Eisbären nicht verlassen. In den letzten 50 Jahren sind auf Spitzbergen insgesamt sechs Touristen beim Zusammentreffen mit Eisbären ums Leben gekommen. Umgekehrt sind in diesem Zeitraum rund 50 Eisbären aus Notwehr getötet worden.
etwas ist auf diesem Bild manipuliert, aber nur etwas.
Nach einer kurzen Pause im Hotel ziehen wir wieder los, dieses Mal gehen wir ins Nordpol Expedition Museum. Und auch hier, zuerst die Schuhe ausziehen und dann das Museum betreten. Der Brauch kommt übrigens von den Kohlemineuren mit ihren dreckigen Schuhen. Longyearbyen wurde nämlich erst 1906 als Bergarbeiterstadt gegründet und ist seit da die nördlichste immer bewohnte Siedlung der Welt. Überhaupt ist hier alles das Nördlichste: nördlichste Bar, nördlichstes Pub, nördlichste Hochschule, nördlichstes Museum (heisst aber nicht, dass es auch das beste Museum ist). Wir geniessen es trotzdem und sind einfach glücklich, hier zu sein.
Wir sehen ganz viele Schneemobile, denn hier gibt es mehr Schneemobile als Autos. Das Strassennetz umfasst lediglich etwa 46 Kilometer, und keine Strasse führt in einen anderen Ort. Die Strassen haben hier übrigens auch keine Strassennamen. Die Schneemobile sind das bevorzugte Fortbewegungsmittel. Es leben übrigens 2500 Menschen auf der Insel, es sind aber 3000 Schneemobile registriert.
Trotz den fehlenden Strassen haben wir abends eine Polarlicht-Safari mit einem Kleinbus gebucht. Etwas anderes ist jetzt kurzfristig nicht verfügbar. Die angebotenen Aktivitäten sind momentan sehr spärlich, da es fast keine Touristen hat, auch unser Flieger war nicht mal halbvoll.
Um 18 Uhr geht es vor dem Hotel los und wir sind begeistert. Der Bus fährt nicht nur in der Siedlung umher, es hat tatsächlich etwas mehr Strassen wie wir gedacht haben und so fahren wir mit dem normalen Bus einige Kilometer nach Süden, Westen, Osten in die Eisbärengebiete, wo man nur mit bewaffnetem Guide hinkommt. Wir stoppen an schönen Fotospots bei klarem Himmel und klirrender Kälte. Aber leider zeigen sich die Nordlichter nicht. Wir sind trotzdem zufrieden, denn dank des Vollmondes ist die Beleuchtung der Landschaft grandios.
Ganz am Schluss fahren wir sogar zum sichersten Tresor der Welt. Hier lagern momentan 1,2 Millionen verschiedene Samen von Pflanzen in einem Tunnel im Permafrost. Die Aufgabe besteht darin, eine Absicherung gegen den Verlust der Vielfalt in traditionellen Genbanken zu bieten. Diese Datenbank bietet Sicherheit, wenn andere Genbanken aufgrund von Missmanagement, Unfällen, Finanzierungskürzungen, Krieg und Naturkatastrophen Proben verlieren. Der Svalbard-Tresor ist eine Absicherung für 1'750 Saatgutbanken der Welt.
Danach werden wir durchfroren vor dem Hotel wieder abgeladen und verabschieden uns. Und genau zur Verabschiedung zeigen sich die Nordlichter! Wir machen alle Fotos von den Nordlichtern auf Spitzbergen von unserem Hotel aus!
- Sonnenaufgang
- Sonnenuntergang
0:00 Std. Tageslänger
schön, -14 Grad
0 km
unseres Reisestrecke