und frierende Asiaten mit zwei Schweizern
Als wir den Motor starten, ist uns schon etwas mulmig, springt er an oder nicht? Das Thermometer zeigt nämlich -22 Grad und es fühlt sich wie minus fünfzig an. Beim ersten Versuch klappt es bestens, allerdings röchelt und stöhnt der Motor schon ein wenig, so lassen wir ihn drei Minuten etwas warm laufen, bevor wir sachte aufs Gaspedal drücken. Sachte ist angesagt, da es unter den 3cm Neuschnee blankes Eis hat. Aber wie immer bisher, kommen wir gut weg und sind schnell auf der Hauptstrasse. Stichwort schnell: es geht ganze 11:20 Minuten, bis dann aus der Heizlüftung des Fiats endlich warme Luft strömt und die Eisblumen an den Fenstern zu schmelzen beginnen. Die Eisblumen an den Seitenfenstern haben wir während der ganzen Fahrt, so ein Fiat ist einfach nicht gemacht für -22 Grad, ein Italiener eben.
Wir kommen dennoch gut voran und schon 74km später stellen wir auf dem Parkplatz beim Eisschloss in Kemi den Motor ab. Nicht das Eisschloss ist unser Ziel, sondern der einzige Eisbrecher, der Touristenfahrten macht. Herausgefunden habe ich das im Web schnell, aber bis ich gebucht hatte, verging eine Ewigkeit. Überall gibt es Werbung für diese Eisbrecherfahrt mit dem Schiff Sampo in Kemi. Eine Fahrt für 2 Personen kostet 808 €, inbegriffen ist die Besichtigung des Eisschlosses, eine Edelsteinsammlung, Eisschwimmen in Anzügen auf dem Meer, kostenloser Transfer vom Hotel und eine künstliche Indoor-Eisbeleuchtungsshow. Wollen wir das alles? Nein. Wollen wir über 800 € bezahlen für eine dreistündige Fahrt? Nein. Also lassen wir es auf der Seite. Aber dann finde ich später heraus, dass es auch den Eisbrecher Artica gibt. Etwas neuer, moderner, aber Artice macht die gleiche Fahrt wie Sampo. Kostenpunkt 606 €. Na ja, schon besser, aber irgendwie immer noch etwas teuer für uns. Wobei, es reut mich dann schon, wenn wir diese Fahrt nicht machen. So surfe ich nochmals herum und plötzlich bin ich auf einem Angebot eines Ausflugsanbieters, der die gleiche Fahrt mit 20% anbietet, das heisst, wir müssten für die Fahrt nur 430 € bezahlen. Für so ein Schnäppchen wird nicht lange überlegt und gleich gebucht. Leider sehe ich erst später, dass dieses Icefloating, Eisschwimmen im Meer, auch darin enthalten ist. Wer will denn so was? Im kalten Meer mit vielen unbekannten und gefährlichen Viechern im Wasser, die Hunger haben? Und der Grund was weiss ich wie weit unten? Nein Danke. Aber schon zu spät.
So sind wir heute eben in Kemi gelandet bei der Check-In-Halle. Es hat viele Asiaten hier, irgendwie fremd in ihrem Benehmen, und ein Bus am andern fährt mit Leuten vor. Klar, wir wussten, dass es Touristen sind, wir sind ja auch welche, aber zählen wir da auch dazu?
Weil wir etwas zu früh hier sind besichtigen wir die Eisburg, sagen wir es mal diplomatisch: es ist es nicht wert, dafür in die Kälte herauszutreten. Wir haben vor sechs Jahren das Eishotel in Jukkasjärvi besucht und das ist mindestens 100x schöner…
Egal, etwas später sind wir im Chaos, den Shuttlebus zu besteigen, unglaublich, wie sich manche Menschen verhalten oder verstehen wir einfach ihre Mentalität nicht? Der Shuttlebuss führt uns in 10 Minuten zum Industriehafen, wo die Eisbrecher vor Anker liegen. Hier in Kemi ist übrigens die einzige Chrom-Mine Europas, und gerade gestern wurde bekannt, dass diese noch bis 2050 genug Chrom hat und sicher bis dahin weiter unter Tage abgebaut wird. Chrom braucht man übrigens zur Herstellung von Edelstahl. Darum gibt es hier auch einen Industriehafen, wo nur Fahrzeuge hin dürfen, die eine Bewilligung haben (darum können wir nicht mit unserem Knutschi hin).
Egal, wir sind auf dem Eisbrecher Artica angekommen, sau kalt, und trotz meinen langen Unterhosen, darüber Jogginghosen und dann noch die Wanderhosen als dritte Schicht, ist mir nicht zu warm. Aber die Faszination, als sich das Schiff in Bewegung setzt, ist grösser wie die Angst vor dem Frieren. Gebannt schauen wir uns die Eisplatten an, die verschoben, vertrinken und verstückelt werden. Hinter dem Eisbrecher bleibt nur noch Chrashed-Ice in XXL-Format. Allerdings muss man auch sagen: es ist etwas schade, dass der Eisbrecher in der Fahrspur der vorangegangenen Fahrten fährt und das ganz grosse Wow etwas ausbleibt. Es gibt nur einen ganz kleinen Moment, wir stehen zuvorderst an der Reeling, als der Eisbrecher mitten im Meer seine «Ankerposition» einnimmt und dafür mit Volldampf auf das Eis fahren muss. Da donnert es gewaltig und das ganze Schiff wird durchgeschüttelt, bevor es steht. Was wäre das eine Fahrt gewesen, wenn es immer durch solch dickes Eis gehen würde…
Als das Schiff steht, werden die Schrauben so gedreht, dass hinter dem Schiff etwa 10m freies Wasser entsteht. Und da darf man dann gruppenweise in die überdimensionierten DonaldDuck-Anzüge und aufs Meer liegen. Wir wären in der 6. Gruppe von 6, verzichten aber darauf. Lieber sind wir die allerersten, die die Gangway runter aufs Eis gehen und dann das ganze Eis und das ganze Meer für uns alleine haben. Alle anderen getrauen sich entweder noch nicht oder wollen Eisbaden gehen.
Wir geniessen es total, und weil das Schiff nicht mehr weiter kann, ist ein starker Mann gesucht, der es aus dem Eis ziehen kann (siehe Bild 1).
Nach und nach kommen dann auch die Inder, Chinesen, Koreaner und weiss wer nicht alles auf das zugefrorene Meer. Der richtige Zeitpunkt, dass wir uns zurück aufs Schiff machen und dort im kleinen Kaffee in Ruhe und an der Wärme (sehr wichtig) eine heisse Schokolade geniessen.
Als wir endlich wieder schön warm haben, treten wir nochmals aufs Eis und sind dieses Mal die letzten, aber wieder alleine.
Die Rückfahrt dann zum Hafen ist wieder spektakulär übers Eis, aber noch viel spektakulärer ist das Anlegemanöver. Der Eisbrecher muss Rückwärts an die Mole. Und beim Rückwärtsfahren schiebt er 20m Eisschollen vor sich her, die er an der Mole auf 10m zerdrückt, aber dann nicht mehr weiter kommt. So wird der grosse Eisbrecher mit einem dicken Tau an den Pollern befestigt, 10x umwickelt, bis alles wirklich fest ist. Danach treten die Matrosen weit weg vom Poller (und wir aus natürlichem Instinkt verstecken uns hinter den grossen Matrosen) und dann gibt das grosse Schiff mächtig Gas. Die Motoren heulen auf, das Schiff erzittert, das Seil zerreisst fasst und die Poller ächzen und stöhnen. Aber weil dadurch so unheimlich viel Wasser gegen das Eis strömt, drückt es die grossen Eisplatten vom Schiff und Mole weg, bis das Crashed-Ice nur noch klein ist. Danach werden die Motoren runtergefahren, das dicke Tau gelöst und der Eisbrecher kann nun ganz in Ruhe zur Mole hin fahren. Eindrücklich und total spannend.
20 Minuten später sind wir beim Knutschi, wechseln noch kurz den Parkplatz und machen es klar für die Nacht. Wärmste Temperatur heute: minus 14 Grad.
9:37 Uhr Sonnenaufgang
15:22 Uhr Sonnenuntergang
5:45 Std Tageslänge
Schneefall, -14 bis -22 Grad
78 km Fahrt
1:09 Std.
78km/h
10,9 Liter
aber Kälteprobleme
Heute Morgen sind alle Bäume weiss überzuckert, es liegt etwas Neuschnee und ist nicht mehr ganz so kalt. Nur noch -9 Grad. Allerdings haben wir etwas Probleme mit der Kälte beim Knutschi, man merkt schon, dass unser Womo offiziell nicht winterfest ist. Dazu später mehr. So gehen wir kurz nach der Abfahrt noch schnell einkaufen und fahren danach Richtung Rovaniemi und den Polarkreis. Die Fahrt ist wunderschön, weisse Bäume, weisse Landschaft, weisse Strassen, weisser Himmel. Es fehlen nur noch braune Elche am Strassenrand und Nordlichter am Himmel. So richtig hell wird es nämlich nicht mehr, die Sonne würde sich nur noch 5 ½ Stunden zeigen und wir haben von morgens bis abends Goldene Stunde, also Sonnenauf- oder Untergang. Aber diese Lichteffekte sind wunderbar.
darum sind wir im Winter in Skandinavien
So geniessen wir die ruhige Fahrt von 110km bis wir in Rovaniemi ankommen. Dort noch schnell Lebensmittel einkaufen und dann muss ich noch etwas basteln (siehe weiter unten). Danach ab zum Weihnachtsmann. Wir waren ja schon zweimal hier, einmal im Sommer und einmal im Frühling. Aber beide Male waren wir praktisch alleine und heute hat es endlich mal viele Leute, wieder viele Asiaten. Sind das die gleichen wir auf dem Eisbrecher? Man könnte es meinen. Das Weihnachtsmanndorf sieht aber echt genial aus, in der Halbdämmerung romantisch beleuchtet. Was will man mehr? Manchmal lieben wir kitschig - und genau heute ist so ein Tag!
Wir machen viele Fotos, amüsieren uns über die Influencer, die ihre HotShots machen und merken, uns fehlt schon noch einiges dafür. Unsere Selfies sind in 10 Sekunden gemacht, und hier lernen wir, dass man mindestens 10 Minuten machen sollte… Danach ab ins Postamt vom Samichlaus, Karten kaufen, den Wichteln zuschauen und die Weihnachtsbriefe der Schweizer Kinder fotografieren. Schreibt nämlich in der Schweiz ein Kind an den Weihnachtsmann, landet der Brief schlussendlich hier und wird gesammelt. Erkennst du deinen Brief auf dem Foto?
Briefe aus der Schweiz an den Samichlaus
Aber wir müssen nun ehrlich sagen, wenn es weniger Leute hat, sind die Wichtel schöner, freundlicher und auch die Details stimmen. Der Kommerz bei so vielen Touristen ist einfach auch grösser und die Einheimischen müssen Geschäfte machen, dann, wenn die Touristen hier sind. Alles verständlich, tut unserer Stimmung aber keinen Abbruch. Nur die Schlange für den Besuch beim Weihnachtsmann ist uns etwas zu lange. Vielleicht probieren wir es morgen früh nochmals?
Hier auf dem Stellplatz sind aktuell sagenhafte 5 Wohnmobile, so einen Auflauf hatten wir auf der ganzen Reise bisher noch nie und es ist auch die erste Sichtung eines anderen Schweizers erfolgt. Gruss an den Stellplatznachbarn.
Wir sind top motiviert und freuen uns an unserem Leben. Jetzt müsste sich nur noch die dichte Wolkendecke etwas auflösen, damit wir wieder mal Nordlichter sehen. Das wird allerdings in den nächsten Tagen etwas schwierig, gemäss Wetterbericht verschwinden die Wolken nicht. Ab Freitag 31. Januar sind aber eine Woche lang sehr starke Nordlichter vorhergesagt, bis dann sollen die Wolken doch hoffentlich verschwinden.
Eines vorweg, unsere neue Dieselheizung leistet gute Dienste. Die Dieselpumpe ist etwas lauter und sie hat etwas länger, bis ganz heisse Luft kommt, gegenüber der alten Gasheizung. Nur: wir hatten schon einige Male eine Fehlermeldung und das ganze Display blinkte und leuchtete rot wie ein Christbaum. Die Heizung ist dann nicht mehr zu gebrauchen und startet auch nicht mehr. Und zwar immer dann, wenn man sie am meisten gebraucht hätte. Meistens dann, wenn wir von draussen kamen, kalt hatten und im Knutschi schnell warm wollten. Oder am Morgen nach dem Aufstehen die Heizung aufdrehen und zack, leuchtender Christbaum. Ich musste jeweils die Heizung ganz abstellen, die Fehlermeldung löschen und nochmals neu starten, nach einigen Starts ging es dann plötzlich wieder.
Gestern bei -22 Grad nach der Eisbrecherfahrt zurück im Knutschi, Heizung rauf, Wechselrichter einschalten und Kaffeemaschine an und zack, Heizung im Störmodus. Und zwar einige Sekunden nach einschalten des Wechselrichters. Das machte mich stutzig und ist eher ein Stromproblem wie ein Dieselproblem. Nachts dann die Erleuchtung. Ich könnte ja mal nachschauen, wie warm unsere Aufbaubatterie ist? Und da der Schock: die Batterie ist im Innenraum unter dem Beifahrersitz, hatte aber nur 0.8 Grad. Bei 0 Grad kann man sie nicht mehr laden, Batterien verlieren bei Kälte Kapazität und so reichte der Strom wahrscheinlich nicht mehr für die Dieselheizung.
Und jetzt im Nachhinein ist es auch klar, jedes Mal, wenn wir im Knutschi kalt hatten und wir schnell warm wollten, steig die Heizung aus. Es war also jedes Mal, wenn die Batterie ebenso kalt hatte.
In den letzten Tagen mit den tiefen Temperaturen fanden wir noch einige Kältebrücken, so auch diejenigen unter dem Fahrer- und Beifahrersitz. Wir haben uns schon überlegt, wie wir diese schliessen könnten, es wäre aber ein Bumerang geworden. Jetzt müssen wir eher schauen, dass unter dem Beifahrersitz mehr Wärme hin- und die Batterie nicht so kalt bekommt. Alles im grünen Bereich also.
Dass der Abwassertank trotz Isolation irgendwann einfriert, war uns bewusst. Darum liessen wir den Auslauf immer offen und stellten ein Becken darunter. Wir wussten auch, dass der Duschablauf bei uns kritisch fürs Einfrieren ist, da leerten wir nach dem Gebrauch einen Deckel Frostschutz hinterher. Nun haben wir aber auch herausgefunden, dass auch unser Küchenablauf eingefroren ist und die Leitung unter dem Womo 10cm im Freien verläuft, bevor sie in den Abwassertank mündet. Jetzt ist die natürlich auch zugefroren und das Küchenwasser läuft nicht mehr ab. Falls Wasser bis in den Abwassertank kommt, fliesst aber auch dort nichts mehr ab, irgendwo ist auch der Ablauf eingefroren. Gespült wird momentan in einem Becken.
Aber dann hatte ich eine andere absolut geniale wie brillante Idee: Die Dieselheizung pustet etwa 80 Gradige Abgase aus dem seitlichen Kamin, wenn ich diese mit einem Trichter einfange und mit einem Schlauch unters Knutschi führe, taut doch alles wieder auf! Ich bin schon einer der grösseren Intelligenzbolzen. Also ab in den Biltema, Schlauch und Trichter kaufen, und auf dem Stellplatz anfangen zu basteln. Ich bin etwa 40 Minuten dran, bis meine Konstruktion fertig ist, also ab nach draussen und den Trichter über den Abgaskamin ankleben. Aber ich habe nicht Mal Zeit, das Klebeband abzuschneiden, erstickte die Heizung. Sobald ich den Trichter über den Kamin stülpe, gurgelt die Heizung 5 Sekunden später und stirbt ab. Mist, die brillante Idee wird zum Rohrkrepierer…
super geniale Idee in der Theorie
Also ab mit dem Föhn unters Womo. Die Leitung vom Spülbecken ist keine 5 Minuten später schon wieder frei, aber auch noch den Abwassertank zu föhnen, habe ich momentan keine Lust, das kommt später dran.
9:41 Sonnenaufgang
15:11 Uhr Sonnenuntergang
5:30 Std. Tageslänge
222km Fahrt
3:22 Std.
65km/h
10,7 Liter
was für ein Erlebnis!
Gestern spät abends machten wir noch bei Schneefall einen Abendspaziergang durch das Weihnachtsmanndorf. Es war total romantisch, schön beleuchtet und wir fast die einzigen Menschen, die noch dort waren. Einfach nur schön.
Danach im Knutschi machte ich mich an die Planung des heutigen Tages. Ich möchte irgendwann einmal ein Foto von allen Polarkreiszeichen, die bei der Überschreitung des Polarkreises am Wegesrand stehen. Und da habe ich mir zu Hause eines herausgeschrieben, etwa 100km östlich von Rovaniemi. Und ganz in der Nähe gibt es genau auf dem Polarkreis nach Google Maps einen schönen Picknickplatz, wo auch unser Womo platz hätte. Das erklären wir zu den heutigen Tagesziele. Als ich dann auf der Karte nachschaue, wo wir vom Polarkreiszeichen zum Rastplatz durchfahre, sehe ich, dass wir eine kurze Fährstrecke nehmen müssen. Fähre jetzt im Winter auf einem See? Der ist doch sicher zugefroren. Also schaue ich bei der Fährgesellschaft nach und tatsächlich, die Fähre fährt im Winter nicht. Aber: es führt eine Iceroad auf das andere Ufer, also eine Strasse über Eis. Hä? Bei der Planung dieser Reise habe ich überall Eisstrassen gesucht, aber entweder sind sie dieses Jahr nicht offen, öffnen gar nie mehr oder sind nur für Fahrzeuge bis 3 Tonnen. Und diese Iceroad ist für Fahrzeuge bis 12 Tonnen, wir dürfen also locker drüber? Sofort bin ich Feuer und Flamme und freue mich wie ein kleines Kind.
Als es dann endlich morgen ist und ich endlich aufstehen darf, werden noch schnell die Karten vom Weihnachtsmann geschrieben, mit unserem Elektroöfeli die Abwasserleitungen aufgetaut, die Karten auf dem Postamt des Samichlaus eingeworfen, frisches Wasser getankt und dann geht es bei Schneefall endlich weiter. Es hat über Nacht ca. 20cm Neuschnee gegeben, die Landschaft sieht also genial aus. Auf den Hauptstrassen ist nicht schwarz geräumt, aber es geht gut vorwärts. Je weiter wir kommen, desto heftiger wird der Schneefall, desto mehr Schnee liegt auf den Strassen und desto vorsichtiger müssen wir zu Werke gehen. Bei einer Steigung von 7% kommen wir noch knapp hoch, aber es geht auch, weil wir fast die einzigen sind, die auf der Valtatiet 5 unterwegs sind.
heute unterwegs auf einer Hauptstrasse
Exakt nach 119km sind wir beim Polarkreiszeichen auf der Valtatiet 5 und wir stoppen gleich bei der Bushaltestelle. Am Tiefschnee an ist schon seit Stunden kein Bus mehr gefahren und jetzt wird wohl auch grad keiner kommen. Das Polarkreiszeichen ist eindrücklich und eines der schöneren, die wir bisher gesehen haben. Und es steht auch genau auf dem Polarkreis, nicht wie die meisten anderen, einige 100m daneben oder gar Kilometer (wie jenes in Rovaniemi im Weihnachtsmanndorf). Allerdings muss man auch sagen, dass sich der Polarkreis etwas bewegt, jedes Jahr um ca. 14m, oder besser gesagt, er pendelt. In 40'000 Jahren etwa 230km hin und her… Egal, wir fotografieren dieses Polarkreiszeichen und machen uns danach auf den Weg nach Räisälä, dem Fährhafen.
Polarkreissignet auf der Strasse 5 in Finnland
Die Strasse ist nun schmaler mit mehr Schnee, wir durchfahren das Skigebiet Suomutunturi und stehen dann einige Kilometer weiter an der Fährenmole. Die Fähre ist eingefroren im See und die Strasse über das Eis gut ausgeschildert und sehr breit. Man darf nur mit höchsten 30km/h fahren und muss zwischen den Fahrzeugen mind. 50m Abstand halten. Auch bei dem Gegenverkehr wird seitlich die 50m eingehalten. Es ist schon ein etwas mulmiges Gefühl, mit unserem Wohnmobil übers Eis zu fahren im Wissen, dass es unter uns Wasser hat. Anita zieht die Schuhe aus, zieht Badehosen und Schwimmweste an und schnallt sich ab, falls wir einbrechen ist sie so gewappnet und es zieht sie nicht runter.
Wir sind weit und breit das einzige Auto, darum inspizieren wir die Strasse zuerst zu Fuss. Es ist wirklich glares, glattes und rutschiges Eis unter dem Schnee. Wie dick mag es wohl sein? Wir wissen es nicht, aber wir haben ja mindestens 8.5 Tonnen reserve. Also besteigen wir unser Knutschi, fahren langsam den Abhang hinunter und danach übers Eis. Unsere erste Iceroad!
Am anderen Ufer sind wir dann etwas langsam und kommen nur ca. 50m weit, dann drehen die Räder in der Steigung durch. Also nochmals rückwärts hinunter aufs Eis und mehr Anlauf holen. Und hier merkt man nun deutlich, dass wir auf einer Eisstrasse sind. Die Beschleunigung auf dem Eis ist sehr, sehr mager, die Räder drehen bei der kleinsten Beschleunigung durch. Also brauchen wir mehr Anlauf, nur schon um zu beschleunigen und die 30km/h zu erreichen. Also nochmals ein gutes Stück zurück und dann sachte, sachte Gas geben. Wir kommen wieder auf die 30km/h und dann sobald es leicht steigt, noch mehr Gas geben. Nun klappt es und wir sind wieder auf der normalen Strasse!
Ab da sind es noch 22km Fahrt bis zu unserem Übernachtungsplatz und ab sofort geht es fast durch den Tiefschnee. Geräumt wurde vor Stunden, jetzt gibt es vielleicht 5 Autospuren im Schnee und ich schwitze schon etwas und bin nicht sicher, ob wir irgendwann dann doch noch die Schneeketten montieren müssen. Aber es reicht jeweils grad knapp, dass wir die Kuppen erreichen. Es ist aber beruhigend zu wissen, dass wir noch Ketten montieren könnten, falls wir stecken bleiben. Wir haben sogar 2 Paar Ketten in der Garage, falls es auch mal steil hinuntergeht, könnten wir auch die Hinterräder mit Ketten bestücken.
Wir kommen bei dem anvisierten Rastplatz gut an und der ist einfach der Hammer! Direkt am See, mit Grillhüttchen, Holzlager, Grill, TrockenWC. Einfach der Hammer und bei diesem Neuschnee sieht alles noch märchenhafter aus. Wir hätten sogar freie Sicht nach Norden wegen Nordlichtern, aber da es stark schneit, finden diese Farbenspektakel ausser Sicht von uns über den Wolken statt.
Wir lassen es uns aber nicht nehmen, feuern den Grill an, holen unsere Lammfelle und da wir kein wirkliches Grillgut zum grillen haben, improvisiert Anita und zaubert Fleisch für Schnitzelbrote her.
Es ist ein toller Abend bei Schneefall und romantischen Feuer, ganz alleine und genau auf dem Polarkreis. Einer magischer Abend, für den sich die gesamte Reise schon gelohnt hat!
9:43 Uhr Sonnenaufgang
15:07 Uhr Untergang
5:36 Std. Tageslänge
Schneefall, -2 bis -4 Grad
157 km Fahrt
2:45 Std
57km/h
10,6 Liter
mit Edelsteinmine
Wir beginnen den heutigen Tag ohne allzu grossen Erwartungen. Draussen wurde es erstaunlich warm, 0 Grad und wir sind auf dem Polarkreis im Januar! Aber das schadet unserem Knutschi sicher nichts, so können wir all das festgefrorene Eis-Schnee-Gemisch etwas entfernen. Unser eigentlich nächstes Ziel ist übermorgen ein Aussichtspunkt, denn da soll es auch klares Wetter geben, wir sind gespannt, ob das dann auch stimmt (Nordlichter).
Bis dahin sind es noch 240km und so unterteilen wir diese Strecke auf zwei Tage. Ungefähr in der Mitte soll es eine Amethyst-Mine geben, die man besichtigen kann. Amethyst ist eine Quarzart, die ganz geringe Eisenmengen beinhaltet und darum violett schimmert. Das wäre doch etwas, vor allem, weil es sogar leicht Regen vom Himmel fiserlet, dann bleiben wir im Stollen ja schön trocken.
Also fahren wir los und die Fahrt auf den schneebedeckten Strassen bei warmen Temperaturen stellt sich ziemlich anspruchsvoll heraus. Das meiste geht geradeaus mit immer noch sehr wenig Verkehr hier im Norden oben. So kommen wir doch einigermassen gut vorwärts.
Die Stimmung an Bord ist sehr gut, wenn man nämlich bedenkt, dass das im Sommer ein bedeckter regnerischer Tag wäre und jetzt mit Schnee eben doch viel schöner aussieht. Die Stimmung wird immer noch besser, als wir dann vor Vuostimo die Hauptstrasse nach links verlassen und Richtung Pyhä-Luosto-Nationalpark fahren. Die Strasse ist leicht ansteigend, der Nieselregen geht in Nieselschnee über. Die Strasse wird schneebedeckter und die Bäume haben mit jedem Kilometer mehr Schnee auf den Zweigen. Es sieht immer schöner aus, wir sind jede Minute mehr begeistert.
Dann fahren wir auf den grossen Parkplatz des Skigebietes von Luosto und sind erstaunt: heute ist Sonntag, Pulverschnee und fast keine Leute hier. Wo sind denn die alle? Kein Bock auf Skifahren oder Langlauf? Na, uns juckt es nicht, wir platzieren unser Knutschi und schreiten zur Infotafel. Die Edelsteinmine ist 2.5km weit weg, man kann jetzt mit Schneeschuhen, Langlaufskis, Wandern oder mit dem Schneebus fahren. Der Schneebus ist eine Art Pistenfahrzeug mit Anhänger für den Personentransport. Die 70€ für den Schneebus und Eintritt zur Mine ist uns dann doch etwas viel und wir entscheiden uns für unsere Schneeschuhe. Es ist 13 Uhr und wenn wir die 2.5km in 35 Minuten laufen können wir direkt die Minenführung um 14 Uhr besuchen. Perfekt.
Bis wir dann allerding nur schon unsere Schneeschuhe angezogen haben, vergehen 15 Minuten, danach merken wir, dass wir das Geld im Womo vergessen haben und müssen nochmals alles ausziehen und ins Womo. Wir laufen also schon mit ziemlicher Verspätung weg.
Und dann auf dem Schneeschuhweg ein absolutes Wintermärchen! Alle 10 Meter müssen wir stoppen, Fotos machen und uns an der Winterlandschaft satt sehen. Wir kommen nicht vom Fleck, so schön ist es. Und als wir die ersten 500m hinter uns haben, ist es schon 14 Uhr. Macht nix, es ist so schön, dass wir auch ohne Minenführung einen tollen Tag haben. Um 14:45 Uhr kommen wir dann endlich beim Lampivaaran Ametistikaivos an, eine Art Caffè und Bergwerksinfo in einem. Es ist ein tolles, einfaches Blockhaus in den finnischen Wäldern und wir bestellen zuerst mal grad eine heisse Schokolade. Es ist zwar nur ein Schockopulver, dass in heissem Wasser eingerührt wird, schmeckt aber trotzdem lecker. Wir haben hier in Finnland noch nie eine Kuh gesehen, gibt es die da überhaupt und was machen die mit den Ställen, wenn es 30 Grad Minus hat? (Es reicht aus, wenn die Temperatur im Stall ein paar Grad plus beträgt. Die Ställe sind geräumig und hoch, sie verfügen über eine gute Schwerkraftbelüftung. Die Ställe werden nicht beheizt, die Wärme der Kühe hält die Temperatur positiv. Bei strengstem Frost kann die Luft etwas unter den Gefrierpunkt gehen, aber das schadet nicht.)
Anita beim Suchen der Edelsteine
Beim Kaffee fragen wir für eine Besichtigung der Mine, kein Problem, um 15 Uhr findet die nächste statt, kostet aber 40 € pro Person. Ups, auf der Webseite stand etwas von 20€ aber man will ja nicht kleinlich sein… Also buche ich, wenn wir schon mal hier sind und Gelegenheit haben. Pünklich um 15 Uhr werden wir mit einem Schneebus abgeholt. Die Fahrt beträgt nur wenige 100m und dann sind wir dort und werden zuerst in eine Blockhütte gelotst. Dort hält ein Arbeiter der Mine einen Vortrag in englisch über die Mine: es ist die letzte Amethyst-Mine Europas, die sich gegen die Konkurrenz aus Südamerika halten kann. Allerdings arbeiten nur 13 Leute hier, inklusive Kaffeebedienung und Touristenführer. Dafür wird alles hier gemacht, Abbau, Zuschliff. Handel und Verkauf. Die Ausführungen sind sehr interessant und wir erfahren so einiges. Es ist auch keine Mine im eigentlichen Sinn, sondern die Steine findet man an der Oberfläche, darum gibt es hier weder Tunnels noch Schächte. Früher war dieser Hügelzug ein grosses Gebirge, dieses wurde aber in 2 Milliarden Jahre abgeschliffen und wir sind jetzt sozusagen im alten Gestein tief unter den Bergen, nur das die Berge nicht mehr da sind. Diese Hügel hier gehören zu den ältesten Bergen weltweit. (alles Infos von einem stolzen Finnen auf Englisch, wo ich nicht alles verstehe, also ohne Gewähr).
Danach geht es für uns eine überdachte Holztreppe hinunter in ein mit Holz überdachtes Abbaugebiet für Touristen. Die eigentliche Mine steht im Winter still, zu viel Schnee und gefrorener Boden, abgebaut wird nämlich ohne Maschinen, nur von Hand. Im Winter lässt man also die Touristen Edelsteine abbauen, behalten darf man nur drei Stücke, wenn man sie in einer geschlossenen Faust halten kann. Findet man ein grösseres Ding, gehört es der Miene.
Wir wühlen im Boden und halten Ausschau nach Edelsteinen, die aussehen wie Glasstücke. Hin und wieder finden wir einen kleinen und dann einen etwas grösseren (keine 5cm, aber immerhin 1cm), wenn es ein Diamant wäre, hätte er 20 Karat! Wow, wir sind stolz, schlussendlich habe wir etwa 9 Steinchen und dieser Brocken. Nach ca. 20 Minuten ist die Suche beendet und jeder kann seine Funde begutachten lassen. Als wir unsere Steine für den Begutachter sortieren, fällt mir der Brocken aus der Hand auf den Boden und verschwindet zwischen den Steinen. Bin ich ein Däpp! Aber ich gebe nicht auf und trage einen Stein nach dem anderen vom Boden ab, bis ich unsere nach 5 Minuten wieder finde. Uff, Glück gehabt.
Nach der Begutachtung haben wir diesen einen Amethyst, einen kleinen Rauchquarz (soll auch etwas besonderes sein) und der Rest sind ganz normale Schneequarze. Jetzt müssen wir die Steine nur noch polieren und wir sind reich.
wir treten im Dunkeln aus der Mine
Als wir dann um halb fünf wieder ans Tageslicht treten, ist es dunkel. Und wir müssen noch die 3km mit den Schneeschuhen zurück.
Es ist aber eine fantastische Tour durch den verschneiten Wald, ohne Licht. Aber der Schnee verschluckt wenig Licht und wir sehen genug. Um halb Sechs sind wir endlich beim Knutschi, ziemlich kaputt, aber unendlich zufrieden mit dem heutigen Tag. Er war viel genialer, wie wir uns den am Morgen nur vorstellen konnten.
Und da wir nun auf dem grossen Parkplatz ganz alleine stehen, entschieden wir, dass wir hier übernachten.
9:39 Uhr Sonnenaufgang
15:08 Uhr Sonnenuntergang
5:29 Std Tageslänge
leichter Regen/Schneefall, 0 bis -2 Grad
96km Fahrt
1:45 Uhr
54 km/h
9,4 Liter
am Boden und am Himmel
Wir machen uns startklar mit dem Wissen, dass wir heute 170km fahren wollen oder müssen. Als Ziel haben wir die Skistation Saariselkä ausgwählt, zum einen weil wir mit dem Wohnmobil bis zur Bergstation fahren können und zum Anderen weil man von dort oben einen 360Grad Rundumblick hat. Der Wetterbericht hat abends ziemlich wolkenlos gemeldet und wenn sich Nordlichter zeigen, sehen wir sie von dort oben ganz bestimmt.
für die Kultur, Kirchenbesuche
Aber zuerst geht es einige wenige Kilometer nach Sodankylä, dort gibt es eine alte, schöne Holzkirche und Sodenkylä ist das La Brévine von Finnland, der kälteste Ort im Land. Wenn man schon im Winter in Lappland unterwegs ist, muss man doch mindestens dort vorbei. Allerdings als wir dort ankommen hat es nur minus 4 Grad und die Einheimischen laufen heute in kurzen Hosen rum, denn die mittlere Tagestemperatur im Januar beträgt hier zwischen maximal -10.5 bis -20,6 Grad. Heute ist also ein richtiger Tropentag für die Einheimischen.
Wir besichtigen die alte und neue Kirche von aussen, bevor wir uns wieder auf den weiteren schneebedeckten Weg machen. Die Bäume sind weiss, eigentlich ist alles weiss, sogar die Strassenschilder sind so weiss, dass man sie nicht mehr lesen kann. Nur an der Form können wir erahnen, was darauf steht. Kennt ihr denn die Formen der Strassenschilder, die in ganz Europa gleich sind? Rund -> Verbote oder Gebote, dreieckig -> Warnzeichen, viereckig -> Hinweise oder Informationen. Wir interessieren uns heute nur für die dreieckigen und die viereckigen, letztere wegen des vermuteten P als Rastplatz oder Aussichtspunkte und Pausen. Die runden können wir sowiso nicht lesen und die Höchstgeschwindigkeiten können wir im Gegensatz zu den rasenden Lastwagen nicht einhalten. So cruisen wir meist mit 70 km/h auf den weissen Strassen, erspähen wir im Rückspiegel einen Lastwagen, halten wir nach viereckigen Tafeln Ausschau, die ein Parkplatz anzeigen könnten, so dass uns der Camion überholen kann. In der Schweiz darf übrigens ein Anhängerzug maximal 18.75m lang sein (sollte ich noch wissen von meiner Lastwagenprüfung, aber ehrlich, ich musste nachschauen), in Finnland wurde neulich die maximale Länge auf 34,5m angehoben und das sind schon unheimlich lange Dinger, quasi zwei Sattelschlepperzüge aneinandergehängt. Da geht man besser in Deckung, wenn so einer kommt.
Die Fahrt im leichten Nebel ist geprägt von sehr viel weiss, aber dennoch einfach ein Traum. Im Winter will man ja so etwas sehen.
Dann kommen wir endlich am Fusse des nördlichsten Skigebietes der Welt an und stellen den Blinker den Berg hoch. Wir schaffen es, ohne die Ketten zu montieren, ist ja auch nur etwa 2 Kilometer Strasse und nicht allzu steil. Also weit entfernt von Bergstationen in der Schweiz. Als Skifahrer kann man hier mit dem Sessellift hochfahren oder den Skibus nehmen. Wie uns Skifahrer mitgeteilt haben, ist der Skibus schneller…
Oben empfängt uns dann der Nebel ganz und ein eisiger Wind bläst uns um die Ohren, -8 Grad fühlt sich an wie -16 nach Wetterapp. Also zuerst auf dem Parkplatz unser Womo gut verhüllen und dann ab in das kleine Bergrestaurant. Da es schon um 17 Uhr schliesst, müssen wir vorher gegessen haben. Wir bestellen Rentier-Jerky und Rinderkotelett mit geräucherte Rentier-Sahnesauce. Beide Menus sind absolut der Hit und zu empfehlen, falls ihr es mal hier hin schafft.
Danach machen wir einen kleinen Rundgang nach dem Eindunkeln, Sonnenuntergang ist hier schon um 14:52 Uhr. Unsere Tageslänge heute betrug nur etwas über 5 Stunden und das ist schon sehr kurz. Dafür sind jeweils tolle Lichtverhältnisse, denn der Sonnenaufgang geht direkt in den Sonnenuntergang über, goldene Stunde den ganzen Tag.
Nach dem Essen geht im Womo das Warten los, noch ist dicker Nebel, werden wir die Nordlichter sehen? Ich packe mich warm ein und gehe mit Fotoapparat auf den Aussichtsturm auf Nordlichtjagd. Und wie auf Kommando, die ersten Nebelschwaden verziehen sich, die ersten schwachen Nordlichter zeigen sich. Je stärker die Nordlichter werden, desto mehr verzieht sich der Nebel bis wir klare Sicht und ein super Spektakel am Himmel erleben.
Aber nicht nur am Himmel, auch am Boden läuft etwas. Hier ist wirklich ein toller Ort, Nordlichter zu schauen, aber der reinste Horror, Nordlichter zu fotografieren. Im Rücken arbeiten Pistenfahrzeuge mit Scheinwerfern, die jede Dunkelheit zum Tag machen, und von vorne kommen bald Autos kolonnenweise mit Scheinwerfern, weil jeder Tourist in der weiteren Umgebung auf diesen Berg will, um das Spektakel zu sehen. Sie fahren mit Volllicht hoch, suchen einen Parkplatz, steigen kurz aus, während dem das Püppchen kalte Füsse bekommt und mit laufendem Motor und Heizung im Auto wartet, natürlich mit Licht an. Kommt grad mal kein Auto, browsen 10 Schneetöffs auf einer Nordlichtsafari die Wildnis hoch, natürlich mit Scheinwerfer, und die parkenden Autos mit laufenden Motoren merken nicht, dass sie mit ihren roten Rücklichtern die gesamte Szenerie in ein rotes Licht hüllen, damit die Nordlichter möglichst unkenntlich gemacht werden. Gute Fotos machen, ein Ding der Unmöglichkeit, denn wenn es halbwegs mal klappen könnte, zückt ein Tourist gewiss eine Taschenlampe hervor oder fliegt mit einer rot blinkenden Drohne über die Köpfe. Zum Davonseckeln…
So geniessen Anita und ich das Himmelspektakel ohne viele Fotos und freuen uns einfach, dass es mit den Nordlichtern auch noch geklappt hat.
Ich werde um Mitternacht dann nochmals einen Versuch wagen, wenn wir dann wieder alleine sind.
9:38 Uhr Sonnenaufgang
14:52 Uhr Sonnenuntergang
5:14Std Tageslänge
neblig, dunstig, -4 bis -9 Grad
178 km
2:44 Std.
65 km/h
9,5 Liter
unseres Reisestrecke