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Norwegen 2018
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Reisebericht

Echte Finnen 28.1.2025

Rettungsaktion, Bärenhöhle und Sauna

Gestern spät abends hatten wir noch ein junges französisches Pärchen bei uns im Womo als Gast. Sie haben ihren gemieteten PW im Schnee versenkt und versuchten verzweifelt mit den Händen das Auto zu befreien. Als ich ihr Malheur bemerke, eile ich natürlich gleich zur Hilfe, ausgerüstet mit Antirutschmatten, Schneeschaufel und Taschenlampe. Ihr Erleichterung war ihnen im Gesicht anzusehen, aber trotz gemeinsamen Bemühungen brachten wir das Fahrzeug nicht aus dem Schneeloch. Zu weit waren die Antriebsräder eingesunken, zu fest sass das Auto auf dem Unterboden auf dem Schnee, die Räder hatten keinen Gripp mehr. Der Pannendienst kam erst, als die beiden via Kreditkarte 465 € überwiesen haben, aber gar nicht so einfach mit leeren Handybatterien, kein Internet und -9 Grad. Also lud ich die beiden in unser Knutschi ein, Handy laden, Körper aufwärmen und als dann eine Stunde später endlich der Pannendienest da war, war das Auto schnell wieder auf der sicheren Strasse. Aber das ging nicht mit einem normalen Rausziehmanöver: gemäss Abschleppdienst chancenlos, da sowiso alle Räder auch vom Abschleppwagen durchdrehen. Der Abschleppdienst zog das Auto mit einer kleinen Seilwinde heraus, die am stehenden Abschleppwagen befestigt war. Man lernt immer wieder dazu.

Heute Morgen sah dann unser Knutschi aus, wie ein Schneemobil am Nordpol nach zwei Wochen klaren Nächten: überall war glitzernder, dicker Reif, es sah aus, als ob es – 50 Grad wäre. Also alles abwischen und startklar machen.

Es ging wieder mal durch weisse Landschaften auf weissen Strassen, bei einem Rastplatz machen wir kurz halt. Kiosk und Restaurant geschlossen, der Naturlehrpfad zur Bärenhöhle und Aussichtspunkt durch Tiefschnee aber erreichbar. Über Holztreppen unter dem tiefem Schnee geht’s bergauf, an Infotafeln vorbei, in eine Bärenhöhle und weiter hinauf zum Aussichtspunkt. Wir schwitzen ziemlich, als wir oben sind, geniessen aber die Aussicht über unendliche verschneite Wälder. Runter geht es dann einfacher und im Knutschi heisst es dann wieder, Winterschuhe ausziehen, Fahrbereit machen und weiter.

Aussichtspunkt

In Inari fahren wir durch. Für alle, die uns nun Kulturbanausen vorwerfen, weil wir weder das Sami-Museum noch das Parlament der Samen besichtigen, können wir beschwichtigen: Wir haben dies schon gesehen und zollen diesem Volk grossen Respekt. In unserem Radio laufen sogar während der Fahrt Joiks und wir haben schon einige Filme (auch Spielfilme) über und von Samis geschaut. Wir haben also kein schlechtes Gewissen, wenn wir in der «Hauptstadt» der Samen einfach durch fahren.

Etwas später sind wir wieder auf einem Rastplatz bei einem Denkmal, dass an den Lapplandkrieg hier oben ganz im Norden während dem 2. Weltkrieg erinnert. Das Denkmal ist 200m von der Strasse weg, könnten auch nur 100m sein, aber ich mache mich da alleine auf den Weg, da es Anita bevorzugt, im warmen Knutschi zu bleiben.

Kriegsdenkmal

Mit jedem Schritt gräbt sich meine Schuhspitze tiefer in den harten Schnee, der wie ein kalter Wächter mein Vorankommen erschwert. Der eisige Wind beisst in meine Wangen, als ob die Natur selbst mich herausfordern wollte. Die Kälte kriecht durch jede Schicht Kleidung, ein ständiger Begleiter, der mich an die Härte dieser Expedition erinnert. Doch ich kämpfe weiter – unaufhaltsam, unbeugsam. Als ich endlich das Kriegsdenkmal erreiche, ist es, als würde die Zeit stillstehen. Die Tafel vor mir scheint Geschichten von längst vergessenen Helden zu flüstern, ihre Worte tanzen in der frostigen Luft. Ich mache ein Foto, meine Hände zittern nicht nur vor Kälte, sondern vor Ehrfurcht. In diesem Moment fühle ich mich wie ein Pionier, als hätte ich als erster Mensch den Winter besiegt, um an diesen Ort zu gelangen.

Na ja, dieses Denkmal ist nun nicht gerade der Touristenhotspot und auch für die Bevölkerung hier anscheinend nicht immens wichtig, denn ich lege die ersten Spuren in diesen Schnee, von geräumt kann keine Rede sein…

Kurz danach biegen wir links ab Richtung Norwegen. Die kommende Strasse ist wieder mal der Hammer: absolut keine Autos, Hügel hoch und runter, alles weiss, einfach toll. Wir geniessen es und stellen unser Knutschi auf einem Hügel mitten auf die Strasse, um ein paar Fotos zu machen. Auf 30Kilometern haben wir gerade mal ein einziges Auto gesehen.

Nach diesen 30 Kilometern sehen wir ein Schild zu einem Campingplatz im Nirgendwo und unter dem Wegweiser ein Schild «open». Das ist was für uns, Blinker raus und schon sind wir an der Reception. Freundlicher Empfang, herzig gemacht, sogar eine Rentierfarm ist angegliedert und die Bemerkung der Chefin: «falls Rentiere auf dem Platz umherlaufen, sie sind nicht gefährlich, sobald wir zu nahe kommen, trotten sie davon!» Das ist doch mal eine Aussage, endlich keine bissigen und gefährlichen Rentiere…

Rentiersichtung

Der Campingplatz ist fantastisch, die Sauna haben wir gleich gebucht und das geschlagene Eisloch im Fluss, um nach der Sauna abzukühlen, ist auch für die Benützung frei. Tja, mal schauen, wie weit wir kommen.

Auf dem Platz gleich neben uns sind dann auch noch Sonja und René, diesen beiden folgen wir auf Findpenguin und sie kurven schon über ein halbes Jahr in Skandinavien umher. Sie haben sicher noch ein paar Tipps für uns!

Und dann, als es 18 Uhr war und wir das Blockhaus der Sauna betreten, sind wir wie im Paradis. Erster kleiner Raum die Umkleide, also Kleider weg und durch die nächste Tür in einen warmen Holzraum. Ein grosser Holzofenwaschtrog mit ganz heissem Wasser und ein grosser Trog mit kaltem Wasser, dazu kleine und grosse Becken und Schöpfkellen, wo man sich nun das Waschwasser nach Temperatur selber zusammenmischt und dann über den Kopf leert und sich gründlich wäscht. So wie es die Finnen seit hunderten von Jahren machen. Danach betreten wir die heisse Sauna mit Fenster in die Winterlandschaft. Was für ein Wohlgenuss. Nach dem ersten Gang dann raus in den Schnee, 10m auf den Fluss laufen, den grossen Holzdeckel öffnen und dann ist es da, das schwarze Loch mit ganz viel sehr kaltem Wasser! Hinabsteigen oder nur den Fuss reinstecken? Nichts da, rein! Und tatsächlich, wir sind nun echte Finnen. Anita etwas mehr wie ich, aber wen interessieren Details? Danach sofort wieder in die heisse Sauna, damit wir wieder richtig heiss kriegen.

Sauna von aussen

Danach gehen wir nochmals in den Fluss und nochmals aufwärmen. Dann ist es Zeit, in die Holzjurte zu schreiten und die finnischen Servelats mit Sonja und René bräteln, Räubergeschichten erzählen, Tipps austauschen. Ein wunderschöner, finnischer Tag geht mit gefrorenen Cola und gefrorenem Wein zu Ende.

 9:50 Uhr Sonnenaufgang
14:46 Uhr Sonnenuntergang
4:56 Std. Tageslänge 

bewölkt, -5 bis -7 Grad

132 km/h
2:01 Std.
64 km/h
8,9 Liter

Übernachtung

Kielajoki - Giellajohka *****
Finnland, Camping
mit Sauna, Rentierfarm und allem, was man sich wünscht, gratis Schneeschuh- und Langlaufskiverleih
Koordinaten: 69.29243, 26.723394
N 69° 17' 32.8"  E 26° 43' 24.2"
letzter Besuch: 1.2025

Faszination Sonne 29.1.2025

Goldene Stunde den ganzen Tag

Heute ist Sonne angesagt. Überhaupt, die Sonne ist hier allgegenwärtig. Nicht nur wenn sie scheint, auch beim Auf- und Untergang und sogar nachts. Der Aufgang war heute um 10:01 Uhr und Untergang schon 14:51 Uhr, also eine Tageslänge von 4:50 Std, aber diese fast fünf Stunden hat sie geschienen, wie sie nur kann. Kein Wölkchen am Himmel. Aber das andere Problem: sie steht nur gerade 2.9 Grad hoch oben am Himmel, d.H, wenn ein Wald oder kleiner Hügel Richtung Sonne steht, liegt man im Schatten. Wenn wir die Sonne an diesem wunderprächtigen Tag sehen wollen, müssen wir also auf den kleinen Hügel südlich von uns.

Das andere Phänomen: der Sonnenaufgang wird genau berechnet, wenn der obere Rand der Sonnenscheibe (der Sonnenrand) den Horizont überschreitet. Dabei wird auch die atmosphärische Refraktion berücksichtigt, die das Licht der Sonne ein wenig nach oben „biegt“. Dadurch erscheint die Sonne bereits über dem Horizont, obwohl sie sich geometrisch noch darunter befindet. Genau gleich beim Sonnuntergang, der genau Zeitpunkt ist der letzte Sichtbare Sonnenstrahl. Die Goldene Stunde (beste Zeit um zu fotografieren) wird bei einer Sonnenhöhe von 6 Grad angegeben, aber da heute die Sonne gar nie so hoch steht, haben wir von 10:01 Uhr bis 12:26 Sonnenaufgang und danach bis 14:51 direkt Sonnenuntergang. Das heisst, wir haben den ganzen Tag fantastisches Licht, um Fotos zu machen.

Die Sonne ist aber hier auch in der Nacht bestimmend, in Form von geladene Teilchen des Sonnenwinds, die auf das Magnetfeld der Erde treffen. Diese Teilchen werden wegen dem Magnetismus zu den Polen gelenkt und regen Sauerstoff- und Stickstoffatome in der oberen Atmosphäre an. Wenn diese Atome wieder in ihren Normalzustand zurückkehren, geben sie Energie in Form von farbigem Licht ab – das sind die Nordlichter! Und weil solche Sonnenwinde gestern Nacht unterwegs waren, waren auch wir warm eingehüllt mit Fotoapparat und Stativ unterwegs. Und es war ein fantastisches Schauspiel am Himmel, die in einer total dunklen Gegend wie hier, das Spektakel war dementsprechend. Wir haben es in vollen Zügen genossen und haben so viele fotografiert, bis der Fotoapparat volle Speicherkarte und leere Batterien gemeldet hat. Erst um 2 Uhr sind wir dann endgültig ins Knutschi unter die Decke. Klar, wir haben uns schon 3x auf den Heimweg gemacht, aber immer wieder umgedreht und nochmals geschaut.

Wir hoffen, dass wir das heute Nacht nochmals erleben, aber wir müssen uns wärmer anziehen, es ist schon -20 Grad momentan.

Aber weil das hier so ein fantastischer Ort ist, schönstes Wetter, warum sollten wir weiter reisen? Wenn man 10 Punkte von 10 Punkte für den Ort vergeben kann, sollte man mindestens noch einen Tag bleiben. Und das machen wir.

einfach nur herrlich

Wir packen die Schneeschuhe aus und machen eine kurze Tour auf den nächsten Hügel, um die Sonne auch wirklich zu sehen. Kurz gefasst: absoluter Traum! Tiefverschneite Bäume, blauer Himmel, alleine unterwegs! Anita und ich können das Glück gar nicht fassen und sind einfach nur sehr dankbar, dass wir einen solchen Tag in unserem Leben erleben dürfen.

wir müssen auf einen Hügel, um die Sonne zu sehen

Nach der Schneeschuhtour haben wir nochmals die Sauna für uns alleine reservieren lassen und auch da liessen wir es uns gut gehen, saunierten allein, stiegen ins Eisloch (auch ich) und sind so nun bester Gesundheit und abgehärtet, allem was noch kommen wird. Aber ehrlich, die Minus 15 Grad tagsüber merkte man auch auf dem Weg von der Sauna zum Eisloch, bis man dort ankommt, ist man schon halb ausgekühlt.

Als Krönung des Tages gönnten wir uns im Campingrestaurant, dass eindeutig Gault-Millau-Punkte verdient hätte, ein Rentier-Filet. Das hat nun wirklich gemundet.

Aber es ist schon irgendwie auffällig: bisher war dies bei uns wohl einer der allerschönsten Orte auf unserer Tour und es stehen 3 Womos hier: ein Solothurner, ein Zürcher, ein St.Galler, und kein anderes…

Allzu viel Zeit darf ich nun nicht mehr mit schreiben verlieren, jetzt heisst es warm einpacken, sehr warm, und ab auf Nordlicht-Expedition! 

Ich freue mich wie ein kleines Kind! Die Expedition wird zwar nur 100m über den gefrorenen Fluss und danach nochmals etwa 200m weit sein, bis wir in der totalen Einsam- und Dunkelheit ankommen.

Ach ja, was besonders cool hier ist: der Campingplatz hat eine eigene Aurora-Whatsapp-Gruppe, wo man sich eintragen kann. Sobald jemand hier Polarlichter sieht, schreibt er eine Mitteilung und alle wissen, dass es sich nun lohnt, schauen zu gehen. Hoffentlich kann ich dann eine solche Meldung schreiben, oder mindestens lesen.

10:01 Uhr Sonnenaufgang
14:51 Uhr Sonnenuntergang
4:50 Std. Tageslänge

Schön, -14 bis -23 Grad

0 km

Übernachtung

Kielajoki - Giellajohka *****
Finnland, Camping
mit Sauna, Rentierfarm und allem, was man sich wünscht, gratis Schneeschuh- und Langlaufskiverleih
Koordinaten: 69.29243, 26.723394
N 69° 17' 32.8"  E 26° 43' 24.2"
letzter Besuch: 1.2025

Eisfreies Meer 30.1.2025

Und ich könnte die Wände hinauf

Die Nacht war mit -23 Grad so richtig kalt, das merkt man im Knutschi schon abends. Sogar die Aufbaubatterie unter dem Beifahrersitz hatte nur 0,1 Grad. So schalten wir dann unser kleines Elektroöfeli auf der untersten Stufe an und zielten mit dem Wärmestrahl unter den Beifahrersitz. Inzwischen stiegen wir aber gestern Abend in die Kälte hinaus und genossen 90 Minuten lang die von neuem spektakuläre Lichtschau am wolkenlosen Himmel. Allerdings wussten wir auch, dass nun die Schönwetterphase mit 2 klaren Nächten und einem schönen Tag schon wieder zu Ende geht.

Am Morgen war dann wirklich alles beinhart gefroren an unserem Womo, das Thermometer zeigte mehr wie -20 Grad an, es fühlte sich aber deutlich kälter an. Wir verabschieden uns von Sonja und René, machen uns startklar und auch unser Knutschi läuft beim ersten Mal etwas röchelnd an. Wir machen uns nun auf den Weg weiter in den Norden und schon 30km später überqueren wir die Grenze nach Norwegen. 

Die Landschaft ändert sich, es wird bergiger, es gibt mehr Kurven in den Strassen, es geht bergab und berghoch. Oben auf den kleinen Bergen ist es jeweils -11 Grad, unten im Tal dann wieder -21 Grad. Aber je näher wir dem Meer kommen, desto wärmer wird es, -9 Grad, dann -7 am Schluss sogar nur noch -5 Grad. Wir passieren Porsangmoen, einer der grössten militärischen Stützpunkte Norwegens, den auch ausländische Dienststellen nutzen, um das Überleben in einer arktischen Winterumgebung zu trainieren.

Nachdem wir diesen Militärstützpunkt passiert haben, sind wir 20km später am norwegischen Meer, hier in der Bucht noch gefroren, aber schon wenige Kilometer weiter ist das Meer eisfrei und wir haben ein tollen Blick auf das Wasser, wie nie in den vergangenen zwei Wochen. Zum letzten Mal sahen wir das eisfreie Meer nach den Aland-Inseln. Hier hat es selten Eis, weil die Ausläufer des Golfstrom wärmen. Diese warmen Meeresströmungen transportieren grosse Mengen an Wärme aus tropischen Regionen bis in den hohen Norden und verhindern, dass das Meer zufriert. Dazu ist der Salzgehalt des Wassers höher wie etwa in der Ostsee. Einen Einfluss hat auch die Tiefe des Meeres: die norwegische Küste ist von tiefen Fjorden und Meeresströmungen geprägt, die kaltes Wasser absinken lassen und wärmeres Wasser nach oben bringen. Also kurz, wir wussten, dass es hier kein Eis hat, egal wie kalt die Luft ist.

Wir fahren durch Lasksev weiter Richtung Olderfjord. Es ist halb zwei und es beginnt schon langsam einzudunkeln? Wie kann das sein? Ach ja, uns wurde wieder eine Stunde gestohlen, als wir die Grenze von Finnland nach Norwegen überschritten haben. Im Dunkeln zu fahren ist nicht unsere Welt, man sieht ja fast nichts von der Gegend und gefährlicher ist es auch bei dieser Glätte.

Da wir in vergangen Jahren schon einige Male in Olderfjord durchgefahren sind, wissen wir, dass es hier einen Campingplatz direkt am Meer gibt, diesen steuern wir an. Wunderschöner Platz direkt am Meer.

Aber dann nimmt das Unheil seinen Lauf!

Die Reception ist über der Strasse in einem schönen Souvenirshop, und das bringt endgültig mein Verderben! Zuerst bei der Anmeldung geht ja noch alles gut, aber dann ist Anita wieder etwas weiter hinten im Laden und kommt auf einmal mit dem Blick eines jungen Dackels auf mich zu. Dieser Blick kenne ich und das heisst gar nichts Gutes! Und dann geht es los: «mein Mantel ist ja schon ziemlich alt, und braun auf den Fotos sieht ja nicht so gut aus und gestern war es so kalt, da habe ich gefroren und hier ist eine echter Daunenmantel viel günstiger, ich habe bald Geburtstag, auf Weihnachten wünsche ich mir nichts» und so weiter und so fort. Ich habe keine Chance, mich zu wehren, der allerschönste, wärmste, modernste und tollste Mantel wird gekauft. (Er sieht übrigens wirklich toll aus…). Also nochmals zur Kasse und nochmals die Kreditkarte zücken.

Mit stolz trägt meine Holde Kundigunde ihr neustes Stück und wir machen noch ein paar Drohnen-Fotos auf dem Campingplatz mit dem dunklen Meer im Hintergrund.

welches Kleidungsstück tauchte noch nie auf einem Foto auf?

Und dann kommt noch das viel grössere Drama: Beim Blog schreiben will ich die Fotos anschauen und auslesen. Wo ist mein Fotoapparat? Das ganz Knutschi wird auf den Kopf gestellt, kein Fotoapparat! Ich habe ihn wahrscheinlich an der Kasse des Shops vergessen. Nur die Schuld dieses Mantels, ich könnte die Wände hinauf! Also sofort zurück, aber der Shop ist schon geschlossen. Mist, keine Fotos von meinem Fotoapparat heute, also müssen die Fotos von der Drohne und Anita’s Handy herhalten.

Ich nerve mich gewaltig über meine Schusseligkeit! Hoffentlich ist mein Fotoapparat morgen im Shop noch nicht verkauft!

9.56 Uhr Sonnenaufgang
13:42 Uhr Sonnenuntergang
4:46 Std Tageslänge  (mit Zeitverschiebung)

stark bewölkt, -22 Grad bis -4 Grad

199 km
3:20 Std.
59 km/h
8,8 Liter

Übernachtung

Olderfjord - Turistsenter ****
Norwegen, Camping
nett, zweckmässig, direkt am Meer
Koordinaten: 70.47866, 25.068611
N 70° 28' 43.2"  E 25° 4' 7"
letzter Besuch: 1.2025

Im Januar am Nordkap 31.1.2025

ein Traum

Kurz nach dem Aufstehen ziehe ich mich an und stapfe durch den frisch gefallenen Schnee zum Shop über der Strasse, in der Hoffnung, dass ich dort meinen Fotoapparat finde. Ein Bus voller Touristen steht schon davor, wenigsten hat das Geschäft schon geöffnet. Als ich eintrete, erspähe ich meinen Fotoapparat schon hinter der Kasse und mir fällt ein Stein vom Herzen. Der grössere Stein fällt aber der netten Angestellten herunter, als ich mich als Besitzer des Fotoapparates ausgebe. Sie hatte riesige Angst, dass nun für irgend einen Touristen seine Ferien im Eimer sind und er schlechte Erinnerungen an Norwegen hat. Ich nehme so das Gerät freudestrahlend in Empfang und da wir hier auch in einigen Tagen wieder durchfahren müssen, werde wir auch dann das Geschäft besuchen und etwas kaufen.

Wieder beim Womo wird es vom Schnee befreit, entleert und gefüllt, und dann machen wir uns auf den Weg von Olderfjord dem Porsangerfjord entlang zum Nordkap. Für mich sind diese 120km eine der schönsten Strecken auf diesem Planeten, rechts das Meer, links die weissen Berge. Normalerweise bekommt man hier im Sommer Muskelkater im Arm, wenn man jeden Wohnmobilisten grüssen will, der entgegen kommt. Heute kreuzen wir genau ein einziges Womo! Und am Winken an, sind dies Leser von unserem Blog: bitte meldet euch doch kurz, ich war da grad mit Gedanken an einem anderen Ort…

unterwegs entlang am Porsangerfjord

Hin und wieder kommt uns ein Schneeräumfahrzeug entgegen, sonst läuft da nicht viel. Ich könnte mir heute an meinem Geburtstag nichts Schöneres vorstellen, als diese Strecke zu fahren. Wir stoppen an den Parkbuchten, machen Fotos, fahren durch Tunnels, schauen aufs Meer.

Es setzt sich immer mehr Schnee auf der Strasse ab und vor Honningsvåg fahren wir in den Nordkapptunnel ein, zuerst 3km steil runter, dann 3 Kilometer steil hinauf und dann sind wir auf der Insel Magerøya. Das Hurtigrutenschiff steht im Hafen, aber kein anderes Kreuzfahrtschiff weit und breit, also könnte es am Nordkap relativ ruhig sein.

Auf dem Parkplatz, wo man nach Honningsvåg die Ketten montieren könnte, fahren wir durch, warum Ketten, geht ja tipptop. Aber nur 500m später wird der Schnee auf der Strasse immer mehr und ich weiss, dass nun auch Steigungen bis 9% kommen. Also stoppe ich dann doch noch und fliege beim Aussteigen fast auf die Schnauze, so eisig und gefroren ist es unter dem Neuschnee. Nun muss ich nicht überlegen, wir montieren die Ketten. Das Fahren ist einfach entspannter, wie wenn man bergauf zittern muss, ob man nun hoch kommt oder nicht. Und unser Fiat mit Vorderradantrieb hat nun vorne auch nicht eine wirklich gute Traktion. Schnell sind die Ketten montiert und die Reise geht weiter.

Ketten montieren 25km vor dem Nordkap

Schon bald habe ich hinter mir dann zwei riesige Räumfahrzeuge, die nun die Strasse vom Neuschnee befreien. Mit den Ketten kann ich nun locker in eine Parknische fahren und die Fahrzeuge vorbei lassen. Beide Chauffeure werfen mir einen Daumen hoch zu, weil ich ihnen Platz gemacht habe oder weil die Ketten montiert sind?

Egal, wir fahren mit 40km/h weiter, müssen keine Angst haben, stecken zu bleiben. Man wäre 70% der Strecke auch ohne Ketten gekommen, da bin ich mir sicher, aber mindestens einmal beim Kreuzen eines Lastwagens, wäre ich ganz sicher ohne nicht mehr weggekommen.

Es schneit noch immer, als wir die Kugel des Nordkaps in der Ferne sehen und beim Parkplatzhäuschen sitzt nun auch jemand drin, so dass wir Parkgebühren bezahlen müssen, dafür dürfen wir bis morgen bleiben. Es hat neben den Bussen der Hurtigruten gerade mal 7 andere Fahrzeuge hier, zwei Jeeps, drei Kastenwagen und zwei Transporter. Dank den Ketten können wir uns nun den besten Platz mit der besten Sicht schnappen: Wir sehen vom Womo aufs Meer, zu den Klippen und an den Globus! Was kann man Besseres haben?

einfach nur toll!

Sofort warm anziehen und raus zum Globus. Die letzten Passagiere der Hurtigrute, die von Bergen nach Kirkenes unterwegs sind, verlassen das Gelände, ihr Bus-Chauffeur ruft. Und dann sind wir ganz alleine am nördlichsten Punkt, nur Meer, Schnee, Wind, Globus, wir und eine unglaubliche Ruhe. Wir machen Fotos, nicht nur eines, hunderte! Und da merken wir, dass wir noch nie bei Dunkelheit hier waren! Wir waren zweimal bei Mitternachtssonne und einmal tagsüber im Winter. Aber Dunkel war es noch nie! Und die Dämmerung beginnt hier um 13:32 Uhr!

Wir geniessen noch die Nordkaphalle, Souvenirshop, Restaurant und Filmvorführung. Weil wir schon lange Mitglied beim Royal Northcap-Club sind, können wir auch heute die Nordkapphalle kostenlos betreten, sonst würde es 30€ pro Person kosten. Die Mitgliedschaft von damals 20€ haben wir also schon mehrfach herausgeschlagen.

freie Platzwahl

Im Kino bei der Filmvorführung haben wir die Qual der Wahl: welchen Sitz nehmen wir? Wir sind nämlich die einzigen… Um 15 Uhr wird dann dicht gemacht und wir sitzen im Knutschi. Anita serviert mir eine Schwarzwäldertorte mit Kerzen (gekaufte Schokoroulade) und verwöhnt mich nach Strich und Faden. Abends kocht sie einen feinen Kartoffelauflauf und Rindssteak. Was für ein tolles Nachtessen! Was für ein toller Geburtstag!

(Achtung, ich gebe niemanden Antwort auf Gratulationen, ich will ja geniessen und keine Arbeit…) 

  9:18 Uhr Sonnenaufgang
13:32 Uhr Sonnenuntergang
4:14 Std Tageslänge (von jetzt an werden unsere Tage wieder länger)

Bewölkt, Schneefall, - 6 bis -3 Grad

130 km
2:28 Std.
52 km/h
10,3 Liter

 

Zwischengeschichte

gestern kam Anita plötzlich mit einem Flug auf die Spitzbergen. Sonja erzählte ihr vorgestern, dass das eine Möglichkeit wäre, von Tromsö zu den Spitzbergen zu fliegen, Flugzeit 95 Minuten. Also schaue ich mal nach, wann Flieger gehen würden und wie teuer. Freitagmittag hin, Sonntagmittag zurück, Hinflug ca. 100€, Rückflug nur 50€. Wow, das machen wir! Aber noch schnell schauen wegen den Hotels: viel Platz, ein 4* Hotel inkl. allem für zwei Nächte 350€. Wow, komm, wir buchen. Bevor ich auf den Reservieren Button auf der Webseite klicke, fragt Anita plötzlich: «geht dort die Sonne schon auf!» Berechtigte Frage! Also schnell checken und tatsächlich, die haben noch 24 Std am Tag dunkel. Nacht. Kein Sonnenlicht! Na ja, dann lohnt es sich auch nicht, dahin zu fliegen, wenn man nicht mal die Landschaft fotografieren kann. Am 15. Februar gibt es auf den Spitzbergen das erste Mal wieder Sonnenlicht, genau 1:03 Std. und schon am nächsten Tag ist es dann 2:09 Std hell! Und ab da sind dann auch die Preise wieder teurer, welch ein Zufall.

Übernachtung

Nordkapp - Nordkapp ***
Norwegen, Parkplatz
keine Ent- und Versorgungsmöglichkeit
Koordinaten: 71.1687, 25.7819
N 71° 10' 7.3"  E 25° 46' 54.8"
letzter Besuch: 6.2014

Magerøya 1.2.2025

und eine leichte Enttäuschung

Die Sicht ist klar, als es heute Morgen langsam hell wird. Sonnenaufgang um 9:22 Uhr, wir stehen also mit den Hühnern auf. Allerdings gibt es auf Magerøya, der Insel mit dem Nordkap, keine Hühner. Auch sonst gibt es nicht allzuviel, (Magerøya heisst übersetzt: karge Insel) keine Bäume, Rentiere nur im Sommer (sie werden mit einer Fähre gebracht und im Herbst abgeholt) und auf den 436km2 leben ganze 3100 Menschen. Aber wir waren bisher immer begeistert und so auch heute. Das Wetter ist klarer wie gestern, so entscheiden wir uns, endlich mal nach Gjesvær zu fahren. Vom Nordkap sind es 40km durch verschneite Landschaft. Manchmal fahren wir unter dem Nebel, manchmal im Nebel, manchmal knapp darüber und manchmal hat es gar kein Nebel. Die Lichtstimmung mit der sehr tief stehenden Sonne, die wir aber fast nie sehen, ist mystisch. Wir stoppen, machen Fotos, irgendwie haben wir das Gefühl, wir sind das einzige Auto unterwegs. Wir treffen weder Touristenbusse noch Räumfahrzeuge an.

unterwegs

In Gjesvær ist nicht allzuviel los, eigentlich gar nix (130 Einwohner) und zwei von ihnen begegnen wir auf einem Spaziergang. Dieser Teil der Insel ist aber ziemlich bergig und wir sind froh, liessen wir die Schneeketten montiert, auch wenn vieles ohne gegangen wäre.

vor Gjesvær

Nach unserem Spaziergang fahren wir wieder zurück zum Abzweiger zum Nordkap, fahren allerdings nach Honningsvåg zum Einkaufen. Wir müssen unsere Lebensmittel auffüllen.

Danach entschliessen wir, zurück zum Nordkap zu fahren, es sind starke Nordlichter vorhergesagt und wenn wir Glück haben, haben die angesagten Wolken etwas Verspätung und wir könnten den Globus mit Nordlichtern fotografieren. Eines der Fotos, die mir noch fehlen.

Als wir dieses mal auf den Parkplatz fahren, zücken wir unsere Mitgliederkarte vom Nordkap-Club und müssen so nicht mal Parkplatzgebühren bezahlen. So eine Mitgliedschaft lohnt sich also unbedingt. Für zwei Personen kostet diese einmalig etwa 35 € und ein Besuch auf dem Norkap inkl. Parkplatz und Nordkaphallen für zwei Personen ca. 75€. Es ist also eine gute Investition, die sich schnell amortisiert. Allerdings muss man zuerst am Nordkap gewesen sein, danach ins Touristenbüro nach Honningsvåg und dort ein Beweisfoto vom Besuch vorlegen und dann kann man die Mitgliedschaft abschliessen.

auch vor Gjesvær

Wir sind nun schon zum 4. Mal hier und haben also schon richtig Geld gespart mit dieser Mitgliedschaft.

Obwohl wir vom heutigen Ausflug mit rund 100 Fahrkilometern schon um 14 Uhr zurück sind, wird es langsam dunkel. In diesen 4 Stunden Tageslicht liegen also keine Kaffeepausen drin, da muss man vorwärts machen, damit man etwas sieht.

Und dann, als es langsam dunkler wird, ziehen genau auch wieder Wolken auf. Im Westen, wo die Sonne unterging und es noch heller wäre, wo man also sowiso noch keine Nordlichter sieht, ist es klar und dort wo man Nordlichter sähe, ist alles verhangen.

Es ist schon irgendwie gemein, wir sind nun zum ersten Mal in einer «roten» Zone mit starken vorhergesagten Nordlichtern und sehen sie nicht. Schöner Mist. Zuerst warten wir eine Stunde im Freien, können aber keine grünen Schimmer sehen, und danach geht es jede 30 Minuten nach draussen, rein gar nix ausser dunkle Wolken.

Gemäss Wetterapp wird es ab 2 Uhr nachts klar, aber ob es dann noch Nordlichter gibt? Wecker stellen ist angesagt.

Und da wir nun diese kleine Enttäuschung verdauen müssen, verdauen wir etwas später ein ganz feines Raclette. Käse noch aus der Schweiz mitgebracht, aber während dem der Wind um unser Knutschi bläst, ist das Raclette doppelt fein.

fehlt nur etwas grünes am Himmel

Ach ja, die angesagten Temperaturen von 1-2 Grad haben sich zum Glück nicht erfüllt, auch heute hatten wir den ganzen Tag Minustemperaturen, zwischen 0 und -3 Grad. Perfekt, so friert bei uns nix ein, wir müssen wenig heizen und draussen schmilzt nix.

Wieder ein fast perfekter Tag, der noch ganz perfekt werden könnte. Wir geben die Hoffnung nicht auf.

9:22 Uhr Sonnenaufgang
13:39 Uhr Sonnenuntergang
4:16 Std. Tageslänge

0 bis -3 Grad bewölkt bis leicht bewölkt

108 km
2:35 Std.
41 km/h
12,0 Liter

Übernachtung

Nordkapp - Nordkapp ***
Norwegen, Parkplatz
keine Ent- und Versorgungsmöglichkeit
Koordinaten: 71.1687, 25.7819
N 71° 10' 7.3"  E 25° 46' 54.8"
letzter Besuch: 6.2014

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