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Nordschottland 2016
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Als einzige Touristen auf dem Souk

Eigentlich wollten wir heute nur einen Angewöhnungstag an Marokko machen, dass wir grad von Null auf Hundert durchstarten, war nicht absehbar.

Im Morgengrauen als es aber noch fast stockdunkel ist, werden wir von monotonem Gebetsgesang von einem Minarett geweckt. Es tönt genauso, wie man es sich vorstellt und in Filmen schon gehört hat. Irgendwie faszinierend und uns wird schon im Bett bewusst, wo wir sind.

Nach einem kargen Frühstück entscheiden wir uns, zu Fuss ins Städtchen zu gehen und uns so langsam an diese Mentalität zu gewöhnen. Zu Beginn war es schon etwas mulmig, wenn uns so eine Gruppe marokkanischer Jugendliche entgegenkam. Bei uns haben wir ja immer das Gefühl, das ist der Pöbel und die haben nur Schlechtes im Kopf. Von den Männern in den traditionellen Gewändern und den Frauen mit den Kopftüchern und den langen Kleidern fühlen wir uns überhaupt nicht bedroht. Nach einiger Zeit aber merken wir, dass wir hier ja in Marokko sind, alle so aussehen und uns niemand etwas schlechtes wünscht. Viele lächeln freundlich, nicken und sind überhaupt nicht gefährlich.

jeder hat eine Sat-Schüssel

Nach einer Einkehr und einem sehr feinen, süsslichen Tee kehren wir gestärkt auf den Campingplatz zurück und machen uns abfahrbereit. Auf dem ganzen Spaziergang durch das gesamte Dorf haben uns nur zwei Fischer vor dem Campingplatz angesprochen, ob wir nicht eine Bootstour zu den Flamingos machen wollen. War also ganz easy und niemand aufdringlich.

Na gut, die Übung war ja jetzt auch nicht so schwer, aber wenn wir morgen noch nach Casablanca wollen, müssen wir ja irgendwie schon etwas Erfahrung haben.

Nach dem Bezahlen des Campingplatzes (ca 8 €) fahren wir 200km über Rabbat nach Bouazza, ca. 20km hinter Casablanca. Es gibt dort einen Campingplatz, wo man mit dem Taxi nach Casablanca fahren kann. Wir fahren die gesamte Strecke auf der Autobahn, die Sicht ist irgendwie milchig und wir wissen jetzt nicht genau ob wegen Smog, Luftfeuchtigkeit, Sand in der Luft oder Rauch. Irgendwie alles ein wenig gemischt. Einmal hatten wir das Gefühl, wir seien in einem kleinen Sandsturm. Perfekt um sich noch mehr an zu klimatisieren.

Sandsturm?

Kurz nach Casablanca wechseln wir unsere Positionen, Anita fährt jetzt und ich lese die Karte bis zum Campingplatz. Auch den finden wir problemlos und werden wieder sehr freundlich empfangen. Es seien insgesamt gerade mal vier Gäste hier und wir können uns hinstellen wo wir wollen. Wir sollen uns aber beeilen, denn der wöchentliche Souk (Markt) findet grad 200m entfernt vom Campingplatz statt und der soll fantastisch sein. Wir sollen unbedingt hin und das noch erleben, meint der Platzchef.

nur Einheimische am Kaufen

Der Ratschlag ist uns Befehl und sofort ziehen wir los. Alles voll uralt-Taxis, noch älteren dreirädrigen Tuck-Tucks, ein riesen Gewirr aus Lautsprecherstimmen, Anpreisungen und Getratsche, gemischt mit unzähligen verschiedenen Düften empfängt uns. Wir sind erschlagen von dem, was wir sehen. Alles Offenverkauf, was man sich nur Vorstellen kann, über die obligaten Gewürze, Mehl, Teigwaren und andere Grundnahrungsmittel, Süssigkeiten, Gemüse, Früchte, Kleider, lebendige Hühner, Truthähne, Kaninchen und toten Fischen, einfach alles. Und alles bei dauerndem Beschall von Stimmen von jeder Seite. Wir sind die einzigen Touristen rund um einheimische Frauen, Männer, Kinder, Aussteller, Verkäufer, Polizisten, Taxifahrer, Helfer, alte und junge. Wir fallen ziemlich auf und jeder Verkäufer lächelt meine Holde Kunigunde an. Ich weiss, dass sie eine Schönheit ist, aber hier hätte sie hunderte von Verehrern. Allerdings muss man auch sagen, niemand ist aufdringlich, keiner nervend und ein unsicheres Gefühl kommt keine Sekunde auf. Aber von den Eindrücken erschlagen, getrauen wir vorerst nichts zu kaufen. Werden wir übers Ohr gehauen? Sind die Lebensmittel ohne Durchfall zu geniessen? Die hygienischen Bedingungen sind nicht gerade so, wie wir es uns gewohnt sind und als wir dann noch durch das Abteil der Metzger und Fischer laufen, an lebendigen Hühnern vorbei kommen, die grad da geschlachtet und gerupft werden, überlegen wir uns, ob wir nun doch Veganer werden sollen.

Aber nach dem ersten Schock kaufen wir dann noch drei Fladenbrote (zusammen -.30 Rp) und einen Sack verschiedenster Gebäck (-.50 Rp). Ging ohne Probleme und wir hatten auch nicht das Gefühl, dass wir wegen den Preisen übers Ohr gehauen wurden.

überall Hühnerfedern

Beim Wohnmobil zurück müssen wir uns zuerst einmal etwas erholen und unsere Gedanken ordnen. Hier in Bouazza ist also jeden Mittwoch Markt und der Campingplatz International ist dafür absolut perfekt gelegen, auch wenn wir von hier aus die Stimmen und Lautsprecherdurchsagen in Arabisch so hören, wie wenn wir selber auf dem Markt wären…

Die Fotos und Filmaufnahmen machte ich übrigens sehr unauffällig direkt aus dem Handgelenk und so, dass es niemand bemerkte. Einfach so durchlaufen und fotografieren hätte ich mich doch noch irgendwie nicht getraut.

Der Training- und Angwöhnungstag war nun echt genial, und sicher haben wir uns zu jedem Zeitpunkt auch gefühlt.

Der Veganer ist nun doch wieder vom Tisch und wir werden uns heute noch Poulet grillen und ein Curryreis dazu machen. Die gekauften Gewürze müssen schliesslich probiert werden. Auch sind wir momentan noch irgendwo froh, auf einem Campingplatz nächtigen zu können, gibt momentan noch ein etwas besseres Gefühl wie irgendwo sonst…

Übernachtung

Bouazza - Camping International***
Camping

jeden Mittwoch Markt nur 200m entfernt

Koordinaten: 33.504824,-7.848183
letzter Besuch: 11.2017

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