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Avignon Frankreich 2015
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Bunkerfriedhof und andere Küstenopfer

Løkken und Rubjerg Knude

alte Zeitzeugen am Strand

Heute Sonntag haben wir es im Regen nicht eilig. Wir schlafen aus und frühstücken dann gemütlich im Trockenen. Danach machen wir uns auf den Weg weiter Richtung Norden. Heute stehen 200km auf dem Plan, also ein ganz schönes Stück. Um einige Kilometer zu sparen, nehmen wir Thyborøn die Fähre. Allerdings sind wir beide nicht glücklich darüber. Ich muss 150m zu Fuss zum Kassaautomaten laufen, damit ich die Fährtickets holen kann, Anita passt auf unser Knutschi auf. Gerade als ich mit Eintippen beginnen könnte, setzt sich die gesamte Autowarteschlange (ca. 10 Autos und unser Knutschi zuhinterst) in Bewegung und fährt auf die Fähre. Nur unser Knutschi bleibt einfach mucksmäuschenstill stehen. Ich beginne zu winken, der Belader der Fähre auch, aber nichts passiert. Also renne ich nun ohne Tickets die 150m zurück zu unserem Knutschi. Erst als ich die Tür öffne, blickt meine Holde Kunigunde vom Beifahrersitz auf und denkt wohl «Huch, wo sind die denn alle hin?» Ich besteige säuerlich den Fahrersitz und rase auf die Fähre. Anita schrieb in ihrem neuen Tagebuch (ein App Namens Journy oder so) das momentan wichtiger als alles andere ist. Sie wäre doch glatt einfach hier geblieben und hätte nicht mal gemerkt, wenn die Fähre fort wäre… Immerhin kann ich dann auch auf dem Schiff die Tickets lösen und zur Strafe schaukelt es auf der kurzen Überfahrt so stark, dass Anita ziemlich die Augen verdreht. Tja, Gott straft sofort.

Auf der anderen Seite angekommen, geht es uns beiden aber wieder gut, und wir fahren auf leeren gut ausgebauten Strassen weiter.

In Grønhøj fahren wir auf den Strand. In dieser Region kann man mit dem Auto von Rødhus bis Løkken auf dem Strand fahren, ganze 19km! Ist ja klar, dass wir das auch tun wollen, wenigstens einen Abschnitt davon.

nicht ganz geheuer, wo sind die andern?

Es ist Sonntag, also am meisten los in der Woche auf diesem Strandabschnitt, könnte man meinen. Das Wetter ist nämlich inzwischen ganz gut. Aber nach 300m sind wir alleine mit unserem Womo auf dem flachen Sandstrand. Irgendwie ist mir dies gar nicht geheuer. Wir fahren dann noch einen Kilometer und stoppen. Der Sand ist hart und sieht gut aus, aber warum hat es keine anderen Fahrzeuge hier? Irgendwie kann das nicht normal sein, sagt mein Bauchgefühl. Hat es wirklich einfach so wenige Leute oder gibt es dafür einen Grund und starten wir ein Selbstmordkommando? Weil wir darauf keine Antwort und ich Schiss in den Hosen habe, drehen wir um und nehmen den sicheren Weg weg vom Strand. Ich will ja nicht unser Knutschi versenken…

Irgendwie ist es mir dann wohler auf dem Asphalt und wenige Kilometer später kommen wir am Strandcamping Løkken an. Direkt oben an den Dünen mit fantastischer Aussicht! Uns gefällt es auf Anhieb.

die hohen Dünen

Also packen wir die Fotoapparate und steigen die 76 Treppenstufen zum Strand hinab. Wir marschieren auf dem flachen Sand Richtung Bunker, den wir von weitem sehen. Hinter dem Bunker dann nochmals einer, und ganz viele andere. Ein grosser Bunkerfriedhof direkt am Sandstrand. Diese Bunker wurden von der 3. Wehrmacht auf den Sanddünen gebaut und da sich das Meer immer mehr Land wegfrisst, stürzten diese Bunker einer nach dem andern auf den Strand. Die Dänen lassen die einfach liegen und warten, bis das Meer diese zerkleinert. Könnte allerdings noch ein ganzes Weilchen dauern. Aber faszinierend ist es schon, diese bizarre Situation anzuschauen. Einige sind ganz schräg, bei anderen nagt das Meer schon am Beton und andere sehen fast aus wie neu. So etwas haben wir echt noch nie gesehen…

Später wieder im Knutschi, wollen wir mit den Fahrrädern noch zum Rubjerg Knude, einem Leuchtturm, der auch vom Meer gerettet werden musste. Der Turm ist bei einer grossen Sanddüne, die vom Wind ins Landesinnere wandert. Das Meer nimmt von der Küste durchschnittlich 3m Land weg und irgendwann war der Leuchtturm absturzgefährdet. In einer aufwendigen Aktion wurde der Turm letztes Jahr 70m ins Landesinnere verschoben, das sollte wieder für die nächsten 25 Jahre reichen.

Rubjerg Knude

Wir kommen erst gegen 18 Uhr beim Knude an, der starke Wind fegt über die Sanddüne uns frontal entgegen, Sandpeeling an den Zähnen inklusive. Es windet so stark, dass wir überall, wirklich überall Sand haben und fast keine Fotos machen können. Wir wollen keine sandgestrahlten Linsen… Aber besteigen müssen wir den Turm dann schon noch (kostenlos) und kämpfen uns danach mit den Fahrrädern im frontalen Gegenwind zurück. Der eine oder andere Fluch kam dann schon von unseren Lippen und ziemlich kaputt kommen wir nach 30km endlich wieder an unserem Übernachtungsplatz an. 

Wieder ein toller Tag, auch wenn wir zuerst duschen müssen und den Sand aus den Zähnen, Ohren und sonst noch überall abwaschen müssen.

Sonnenuntergang

Übernachtung

Løkken - Strand Camping****
Camping

praktisch auf den Dünen hoch über dem Meer

Koordinaten: 57.385776,9.724140
letzter Besuch: 9.2020