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Norwegen 2018
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Campen ohne Camper

Für einmal eine etwas andere Erfahrung so ohne WC, Wasser, Heizung und bequeme Betten.

mein Nachtlager

Ich bin kaputt, meine Beine fühlen sich an wie zwei Holzpfosten, die Schultern hangen 5cm tiefer, genau gleich wie meine Augenringe von zuwenig Schlaf.

Gestern hatte ich die glorreiche Idee, doch noch die Sternschnuppen der Perseiden zu fotografieren. Es sind zur Hauptzeit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde angesagt, die man sehen könnte, falls es ganz dunkel ist. Also wohin, wo es dunkel ist? Aus meinem Bürofenster sehe ich unsere Berge der Alviergruppe, und einer dieser Gipfel ist der Margelchopf. Ich weiss zwar nicht, wie dunkel es da oben ist, aber ich weiss, dass der Gipfel aus einer fast ebenen Wiese besteht.

Also, kurzentschlossen packe ich nachmittags den Rucksack, verstaue meine Fotoausrüstung drin, etwas Verpflegung und binde dann noch irgendwie unser Zelt drauf. Erste Zweifel an dieser Expedition kommen, als ich den Rucksack ins Auto hieven will, das ganze Gepäck ist satte 18kg schwer. Was habe ich denn da alles dabei?

noch alles gut und auch noch warm

Egal, die Zeit drängt, nachmittags fahre ich die 20m bis zum letzten Parkplatz hoch, ziehe den Rucksack an (mann, ist der schwer) und stürme los. Der steile Aufstieg wird zur Qual, irgendwie bin ich nicht mehr in Form. Aber nach zwei Stunden bin ich total durchgeschwitzt endlich oben auf 2164m. Zuerst ist Kleiderwechsel angesagt und dann muss ich unbedingt das Zelt aufstellen, bevor es dunkel wird. Ich hatte dieses Zelt noch nie in den Händen und das rächt sich jetzt. Als es aufgestellt ist, habe ich nämlich noch eine Zeltstange zu viel. Komisch! Aber nach einigem knobeln finde ich heraus, wo sie hingehört und bin knapp vor der Dämmerung fertig.

Es ist herrlich, ich bin ganz alleine und habe einen fantastischen Ausblick. Aber ich stelle auch fest, dass ich gar nicht so viele Kleider mitgenommen habe und einen Teil schon klitsche nass ist. Und irgendwie ist es hier oben gar nicht so warm…

Schon während der Dämmerung sehe ich Sternschnuppen vorbeirauschen, aber nicht vor meiner Fotolinse. Egal, dunkel ist es dann erst gegen 23 Uhr und ich schiesse viele Fotos und sehe einige Sternschnuppen, bei 30 höre ich auf zu zählen. Bis Mitternacht habe ich schon einige gute Fotos im Kasten und beschliesse nun, die Zeit bis um 3 Uhr morgens im Zelt zu schlafen. Ab dann sollte dann das Maximum der Intensität der Sternschnuppen beginnen.

Blick ins heimatliche Tal

Aber an Schlafen ist irgendwie höchstens zu denken. Als Kopfkissen muss der Rucksack herhalten, die Schlafmatte stellt sich als ziemlich dünn heraus, der Schlafsack liegt zu Hause und Kleider haben ich alle angezogen, die ich habe und friere trotzdem. Wie schön warm und bequem wäre es nun im Wohnmobil!

Um halb zwei Uhr gebe ich es auf, schlafen zu wollen und ich gehe wieder fotografieren. Da friert man wenigstens nicht.

Der Sternenhimmel ist fantastisch, einige Sternschnuppen flitzen am genau richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt durch und ich bin einfach nur zufrieden. Aber hoffentlich sehen die Fotos dann auch am Bildschirm so fantastisch aus, wie hier in der stockdunklen Nacht.

noch eine Sternschnuppe

Gegen fünf ziehen dann plötzlich Wolken auf, ein guter Zeitpunkt, zusammen zu packen und beim ersten Licht den steilen und nicht ganz ungefährlichen Abstieg zu beginnen.

Echt jetzt, ich komme um 7 Uhr zu Hause an, total übermüdet und der Körper fühlt sich an, wie wenn ich zwei Tour de France gefahren wäre. So was ist glaube ich doch nichts für mich, nur mit dem Zelt umherzuziehen. Ich bin doch der Womo-Typ, der etwas Luxus braucht.

Egal, noch schnell ein paar Fotos auswählen, sich ins Bett legen und irgendwie erholen, der erste Termin heute steht schon wieder um 13 Uhr…


13.8.2018 - Hallo Rolf Merci für‘s frieren, hochsteigen, wachbleiben und knipsen. Tolle Bilder die du da geschossen hast. Hoffe du hast dich von den Strapazen erholt.

- Tschuu.ch


16.8.2018 - schicke Fotos!

- noch ein Markus


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