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Appenzell Schweiz 2014
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Die Quellen von Acheron

Flusswanderung der ganz besonderen Art an einem mystischen griechischen Ort

eine Quelle versorgt den Fluss mit kaltem Wasser

Ich erwische die aufgehende Sonne direkt hinter der Brücke, der Tag beginnt also perfekt. Allerdings beginnt es danach während dem Frühstück zu regnen. So haben wir etwas weniger Wehmut, als wir uns von Patras mit dem Womo die 270km nach Igoumenitsa auf den Weg machen. Die Fähre hätte dafür etwa 10 Stunden, wir schaffen es durch das Hinterland von Griechenland locker in vier Stunden, da liegt sogar noch ein Abstecher nach Gliki drin, um die Quellen von Acheron zu besichtigen.

Wir finden gegen Mittag bei Regen den grossen Parkplatz ohne Probleme, es stehen noch andere zwei Womos hier, die wahrscheinlich da übernachtet haben. Nun sind wir sehr gespannt über den Fluss der Unterwelt und der Toten, wo deren Seele, die einen „mittelmäßigen Wandel geführt haben“ über den Acheron zu einem See gelangen, in dem sie sich reinigen und ihre Verfehlungen abbüßen, bevor sie wiedergeboren werden.

Allerdings warten wir noch eine Stunde im Womo, machen etwas zu essen und schauen danach den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Der richtige Zeitpunkt, die Sandalen zu schnappen und uns auf den Weg zu machen. Hinten am Parkplatz führt ein Fussweg den Fluss hinauf. Schon nach wenigen Metern sehen wir zwischen Bäumen und Felsen die ersten Quellen.

Zauberwald, unten links eine weitere Quelle

Und nicht gerade klein! Überall quirlt Wasser aus dem Boden, das in ziemlichen Bächen in den Fluss läuft. Der Wald ist mystisch, alte, verwurzelt-verknorrte Bäume überall, mit Efeu bewachsen, und zu deren Wurzeln Wasser aus dem Boden sprudelt.

mystisch

Der Abstecher hat sich jetzt schon gelohnt.

da mussten wir durch

Nach etwa 400m endet der Weg am Fluss. Jetzt heisst es, in das ganzjährig 9 Grad kalte Wasser zu steigen und im Flussbett den Fluss bergwärts zu folgen. Anita hat Mühe im kalten Wasser und kriegt in den ersten fünf Minuten Krämpfe, bis sie sich an das kalte Wasser gewöhnt hat.

Anita hat Krämpfe

Danach geht es dann aber besser. Aber diese Wanderung ist wirklich einmalig. Links und rechts sprudeln weitere Quellen aus den Felsen und wir waten einfach flusshoch, immer in der Hoffnung, dass es nicht tiefer wird. Manchmal wird es etwas kritisch, aber weder die kurzen Hosen noch der Fotoapparat wird nass. Aber dann nach etwa 500m ist Schluss, ausser wir würden uns jetzt im Fluss ausziehen und mit den Badehosen die Tiefe durchschwimmen, bis wir wieder waten könnten. Da wir weder Badehosen dabei haben noch im kalten Wasser schwimmen wollen, machen wir weiter Fotos und kehren dann um.

Im Sommer bei 40 Grad muss das ein Hochgenuss sein, die gesamten 3km der Schlucht zu durchwandern, aber heute bei 17 Grad, na ja…

Wieder beim Wohnmobil sind wir aber einhellig der Meinung, dass sich dieser Abstecher ganz klar gelohnt hat. Aber da wir nun beide kalte Füsse haben, ziehen wir uns warm an und fahren die restlichen 50km zum Fährhafen, dort soll es nach Wetterbericht sonnig sein.

Wir kommen nun schon um 16 Uhr an, die Fähre geht um Mitternacht, das Computersystem der Fährlinie läuft nicht, also haben wir Zeit, in die Ortschaft zu fahren und das letzte Mal so richtig griechisch zu essen.

90 Minuten später stehen wir mit dicken Bäuchen wieder am Schalter und können nun problemlos einchecken.

Und jetzt schreiben wir Womoblog und warten, bis die Fähre kommt…

Nachtrag: Einschiffung

Wir erlebten noch ein kleineres Drama. Vom Parkplatz beim Checkin bis zum Pier (500m) hatten wir jetzt eine geschlagene Stunden. Zuerst einmal langen Stau am Zoll. Alles wurde durchsucht, jeder Lastwagen, jedes Wohnmobil in jeden Stauraum geschaut, ob man nicht noch irgend einen Flüchtling oder was anderes ausser Land schmuggelt. Und bei unserer Kontrolle wurde uns dann mitgeteilt, dass NUR der Fahrer im Womo sein und hier über den Zoll gehen darf. Also musste meine Holde Kunigunde mit ihrem Pass und ihrem Ticket aussteigen, zu Fuss zurücklaufen zum Checkin und dort durch die Personenkontrolle. Es war ein Scheiss Gefühl, im "Niemandsland" zu warten und zu hoffen, dass alles gut geht. Wenn sie nun aus irgend einem Grund nicht ausreisen dürfte, wir hätten keine Möglichkeit gehabt, zu kommunizieren, beide Handys waren im Womo. Ich habe mir schon einen Notfallplan zurechtgelegt, was ich machen werde, wenn sie in einer halben Stunde nicht hier ist. Aber dann kam sie dann doch und wir waren wieder glücklich vereint und wenn wir noch nicht gestorben sind, so leben wir immer noch glücklich zusammen...

8.10.2017 - Sehr schön geschrieben. Wir wollen dieses Jahr von Dez - Ende März nach Griechenland. Mal gespannt wie das Wetter dann ist. Eine Frage hätte ich. Wie ist das mit Stellplätzen oder CP? Entsorgung, Preis, gibt es Stellplätze?

- Erich


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