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Marokko 2017
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E-Mobilität und Zukunft der Energie

Seit wir ein E-Auto fahren, werde ich immer wieder in Diskussionen über die Energiewende verstrickt. Ein paar Gedanken darüber.

Wir fahren nun seit einem halben Jahr ein nur elektrischen PW und sind total begeistert. Für unseren Gebrauch ist das absolut perfekt. Seit da werde ich immer und immer wieder in Diskussionen um den Sinn oder Unsinn der E-Mobilität verwickelt. Erschreckend ist es manchmal, wie Menschen sich eine Meinung bilden, obwohl sie nur sehr, sehr wenige Fakten haben und Dinge nicht zu Ende denken. Davon nehme ich mich nicht überall aus, aber bei einigen Themen gehe ich dann schon auf den Grund, bevor ich eine Meinung haben will. Zur E-Mobilität und Energiewende habe ich in den letzten Monaten ziemlich intensiv recherchiert.

Ausgangslage

Die weltweiten Erdölreserven reichen noch ca. 50 Jahre, wenn wir nichts ändern. Ob das jetzt nur 40 Jahre sind oder doch 100 sind, ändert nicht viel, denn in 150 Jahren werden wir kein Öl mehr haben. Also muss Öl, Gas und Kohle ziemlich zügig abgelöst werden. Atomkraftwerke können auch keine Alternative sein, wenn wir nicht wissen, was wir mit dem Atommüll machen wollen und ihn nicht Entsorgen können. Und alles den nachfolgenden Generationen hinterlassen, kann keine Lösung sein.

Es bleiben die erneuerbaren wie Wind-, Wasser-, Bio-  und Sonnenenergie plus Erdwärme. Nicht alle dieser Energien fallen aber regelmässig an und sind nicht für alle Regionen gleich interessant.

In Mitteleuropa könnte man für die Wärmerzeugung der Gebäude auf Erdwärme und erneuerbare Energien setzen (Pelltes-, Schnitzel-, Holz-Heizungen). Das funktioniert ja schon prächtig. Für die Stromproduktion müsste zum grossen Teil die Sonne herhalten. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nordafrika und im Nahen Osten könnte mittels Solarkraftwerke genügend Energie für den steigenden Bedarf dieser Länder sowie für Europa erzeugt werden. Das Problem dabei: am kürzesten Tag des Jahres scheint in diesem Teil für 7 Stunden keine Sonne, also keine Energie. Man muss also mit einem Teil des Stroms tagsüber Wasser in Seen hinaufpumpen, um dieses dann nachts benützen, wieder Strom zu erzeugen. Mit einem Mix aus Windkraft, erneuerbaren Energien und Thermo-Solarkraftwerken können diese maximal 7 Stunden überbrückt werden (Eventuell muss nachts ja auch nicht jede Strassenbeleuchtung eingeschaltet sein).

Da Strom aber durch grosse Tranksportwege auch Energie verliert, muss man diese Wege möglichst kurz halten, d.H. der Strom müsste dort produziert werden, wo er auch gebraucht wird: auf den Dächern der Häuser. Im Sommer auch hier in Mitteleuropa problemlos möglich, nur im Winter stehen wir wieder an, so dass wir dann auf die Solarpanels in der Sahara angewiesen wären. Norwegen und die Schweiz mit dem grössten Potential der Wasserkraft, müssten seine Stauseen ausbauen. Eventuell den Rheinfall opfern und dafür keine Atomkraftwerke mehr betreiben?

Mobilität

Es wird wahrscheinlich auch eine Zukunft von einem Mix verschiedenster Antriebe geben. In den Startlöchern ist die E-Mobilität, etwas weniger weit ist der Wasserstoff-Motor. Das Problem des Wasserstoffs: der Wert des «Well-to-Well», also von der Produktion bis zur Verteilung, hat Wasserstoff eine Effizienz von etwa 55%. Man muss also eine Energie für 180km produzieren, damit man schlussendlich 100km fahren kann. Bei Diesel und Benzin ist dieser Wert bei etwa 82%, Produktion also für 122km. Selbstgemachter Solarstrom liegt etwa bei 99% und transportierter Strom bei 94%, Produktion also für 101km und für 106km.

Frachtschiffe, die weite Strecken überwinden müssen, müssten wahrscheinlich mit Wasserstoff, weiterhin Diesel und/oder Wind fahren. Da hat man Schwierigkeiten, so grosse Mengen Strom platzsparend zu lagern.

Herstellung

Ein Auto-Elektromotor hat ca. 900 Einzelteile, ein gleich grosser Dieselmotor etwa das zehnfache, die Herstellung der Motoren spart also Resourcen. Bei der Herstellung einer Batterie gibt es momentan noch die Schwierigkeit, dass Lithium und die andern benötigten Rohstoffe meistens in Südamerika abgebaut und die Leute und die Natur dort ausgebeutet werden. Das ist allerdings ein Problem der Profitgier der Firmen und nicht der E-Mobilität geschuldet. Im Gegenzug wird es bei Diesel immer Tankerunglücke und Ölpests geben, die die Natur ebenfalls schädigen. Im übrigen wird jährlich etwa 788 Millionen Tonnen Diesel benötigt, nur um den Diesel selber und das Öl auf der Welt zu verteilen…

Elektroautobatterien können recycelt werden, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Allerdings wird die Zukunft einer alten Autobatterie eher als Stromspeicher weiterhin genutzt werden. Ausrangierte Antriebsbatterien könnten z.B. bei den Häusern als Stromspeicher verbaut werden, so dass der eigene produzierte Solarstrom nachts wieder gebraucht werden kann. Da macht es dann auch nichts, wenn die alte Batterie nur noch 50% Ladekapazität hat.

Zukunft

Auch wenn der Wasserstoffantrieb in Zukunft noch optimiert wird, kann er wegen der energieaufwändigen Herstellung nie über eine Effizienz von über 60% kommen und wird darum nur für gewisse Transportmittel eingesetzt werden, wie z.B. Schiffe und Flugzeuge. Für die kleinen Fahrzeuge wird die E-Mobilität mit eigenem Solarstrom die Zukunft sein. Dazu muss aber das Reiseverhalten angepasst werden: Laden tagsüber am Arbeitsplatz und eine Reise muss besser geplant werden und geht nicht mehr ganz so spontan wie bisher. Denn in Zukunft werden E-Autos ans globale Stromnetz angeschlossen und stehen dann keine längeren Fahrten an, wird Strom nachts von der Batterie ans Stromnetz abgegeben und tagsüber wieder aufgeladen. Der Strompreis wird in Zukunft bei sonnigen Tagen günstig sein und nachts am teuersten, also das pure Gegenteil wie heute.

Man kann für oder gegen E-Mobilität sein, aber irgend etwas muss gegenüber heute geändert werden. So weitergehen wie jetzt kann es ja nicht. Dass Norwegen voll auf E-Mobilität setzt und gleichzeitig Erdöl fördert und damit viel Geld verdient, ist auch eine Doppelmoral und nicht so grün, wie sich die Norweger heute geben.

Als allererstes müsste man aber auf das Flugkerosin mindestens gleichviel Steuern verlangen, wie beim normalen Diesel. Damit wäre schon fast die halbe Energiewende finanziert und schlussendlich extrem viel C02 gespart, weil weniger geflogen wird.

Wir persönlich haben die Energiewende schon fast geschafft, heizen mit Holzpellets, fahren mit Solarstrom. Jetzt warten wir einfach auf alte Antriebsbatterien, die man als Stromspeicher für den Bezug nachts benützen könnte…

Nur unsere Ferienreisen absolvieren wir immer noch mit Diesel, sparen dort im Wohnmobil aber viel Wasser und machen auch den Strom selber...


22.4.2019 - Hallo Rolf, danke für den interessanten Bericht. Was mir am besten gefallen würde ist die Kerosinsteuer, damit käme nicht nur einiges an Geld zusammen, sondern die Billigfliegerei (mal schnell irgendwohin Fliegen übers Wochenende) würde sicher einiges bewirken. Gruss

Dominic


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