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Marokko 2017
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Ein echtes Wunder und eine Orangen-Pleite

Lass meinen Körper zu einer Kirche, mein Blut zu einer Quelle und meine Haare zu Bäumen werden

Agia Theodora mit den 17 Bäumen auf dem Dach

Das Wetter verspricht für Heute auch noch nicht wirklich Sonne, also ändern wir unseren Plan und das Meer streichen wir vorerst. 50km im Landesinneren gibt es die Agia Theodora, eine kleine Kapelle auf deren Dach 17 Schwarzeichen wachsen. Von den Eichen sieht man weder aussen noch Innen Wurzeln auf den Boden wachsen, auch hält das kleine Dach keinesfalls die tonnenschwere Last der Bäume aus. Und das unter der Kapelle gleich die Quelle des Flusses Pamisos liegt, ist der Boden für richtig gute Legenden.

Ein Grund also für uns, dieses Wunder aufzuklären, woran die Wissenschafter und Botaniker bis heute gescheitert sind. Auf der leeren Autobahn geht es 30km ins Landesinnere, an den Mautstellen werden wir als Camion abgezockt und als wir wieder auf den normalen Strassen sind, zeigt Google in die entgegengesetzte Richtung wie das Navi. Wir müssen danach an der Kreuzung die Karten konsultieren, Google Maps aufrufen und abwägen, welchen Weg wir nun nehmen. Die griechischen Wegweiser können wir jetzt nach zwei Wochen immer noch nicht lesen und auch das griechische Alphabet beherrschen wir noch nicht. Es geht wieder über sehr enge Strässchen Berg hoch und runter, ausser uns ist glaub kein anderer Menschen unterwegs. Wir zweifeln mehrfach, ob wir noch richtig sind, lassen uns aber durch unsere Kartenlesekunst nicht beirren. Und dann plötzlich sehen wir einen Parkplatz mit zwei Reisecars (wo zum Teufel sind denn die durchgefahren?) und einige Autos. Auch wir parkieren und werden sofort von einem freundlichen Griechen in Empfang genommen, „Church right, Food left“. Natürlich gehen wir zuerst zur Kirche.

auch innen nicht die kleinste Wurzel

Wow, die hat ja einen ganzen Wald auf dem Dach und die Bäume sind nicht grad klein. Aussen sieht man echt keine einzige Wurzel den Mauern entlang zum Boden wachsen. Also sofort nach innen, und echt verblüffend, auch innen sieht man nicht das kleinste Würzelchen! Wie ist denn das möglich? Die Wissenschaft hat keine wirkliche Erklärung, denn das Dach trägt nach Statik mehr als fünfmal die Last, die es eigentlich tragen könnte. Die Mauern wurden schon geröntgt und man sah dort im Innern Hohlräume, in denen die Wurzeln nach unten wachsen, was aber nicht alles erklären kann. Stimmt die Legende dann tatsächlich? Man ist fast verdammt, daran zu glauben.

Ein Vater im 10. Jahrundert hatte drei Töchter. Zu dieser Zeit war jede Familie des byzantinischen Reiches aufgefordert, einen männlichen Nachkommen zum Militärdienst zu schicken oder sich mit einer stattlichen Summe von dieser Verpflichtung freizukaufen.

Ohne Sohn und ohne Geld gab es für den Vater aus Melpia nur einen einzigen Ausweg: Seine 17-jährige Tochter Theodora musste sich als Mann verkleiden und in die Armee eintreten. Dort zeigte sie sich als Soldat Theodoris so mutig und kämpferisch, dass sich prompt eine junge Frau in „ihn“ verliebte.

Gekränkt, weil Theodoris ihre Zuneigung nicht erwiderte, behauptete sie, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Der Fall kam vor das Militärgericht. In den Verhandlungen beteuerte Theodora immer wieder ihre Unschuld. Ihre wahre Identität gab sie aber nicht preis. Zum Tode verurteilt, soll sie in der Nacht vor ihrer Hinrichtung folgenden Wunsch an Gott gerichtet haben: „Lass meinen Körper zu einer Kirche, mein Blut zu einer Quelle und meine Haare zu Bäumen werden.“

Ok, das Rätsel um die Kapelle konnten wir nicht lösen und von daher ist es mein erstes Wunder, das ich wirklich überprüfen kann. Darauf lassen wir uns nun im Restaurant mit dem Mittagessen verköstigen. Aber kurz gesagt, es lohnt sich nicht wirklich und haut uns gar nicht vom Hocker, auch wenn es dafür sehr günstig ist.

Wieder beim Auto fahren wir nun nach Gefühl und ohne Navi Richtung Ochsenbauchbucht, an den Kreuzungen nehmen wir einfach die breiteste Strasse die in ungefähr unsere Richtung führt. Unterwegs kaufen wir uns noch an einem Gemüsestand so richtig, feine frische Orangen, 6 Kilo für 4 €. Bei der Bucht kommen wir gut an und machen uns sofort auf eine Fototour. Es sieht schon atemberaubend aus und es hat erstaunlich wenig Leute hier.

Ochsenbauchbucht

Danach überlegen wir lange, wo wir übernachten wollen. Auf dem Parkplatz ist Camping verboten und auf einer anderen Tafel steht auf Englisch, dass parking overnight strictly verboten ist. Trotzdem sehen wir etwa drei Offroad-Pickups, (alle mit ausländischen Kennzeichen aus dem deutschen Sprachraum) die sich in den Dünen eingerichtet haben. Wir wollen es aber nicht darauf ankommen lassen, wir sind ja Gäste in diesem Land und halten uns an die Spielregeln, und fahren dann zum nächsten Campingplatz direkt am Meer.

Ochsenbauchbucht

Wir treffen es wieder echt gut, packen mit viel Freude unsere Orangen aus und sind nach ein paar Minuten so richtig enttäuscht! Furztrocken, kein Saft und kein Geschmack! Das kann ja nicht sein! Aber nach dem auch die 10 Orange genau gleich trocken ist, wandert alles auf den Kompost. Ich habe mich so auf so richtig frische Orangen gefreut! Jetzt müssen wir dann im Februar doch noch nach Sizilien, denn dort gibt es die allerbesten, die ich in meinem Leben schon gegessen habe… Die griechischen konnten nicht brillieren.

trockene Orangen

Übernachtung

Pilos - Navarino Beach***
Camping

direkt am Wasser, sauber und freundlich

Koordinaten: 36.947178,21.706822
letzter Besuch: 9.2017

30.9.2017 - Schön Euer Blog, wollte was zu den Orangen sagen, das sind Sommerorangen und das sind so ziemlich die letzten, die schmecken eben bei weitem nicht wie die Orangen die wir hier ab Anfang Dezember ernten. Die Winterorangen haben viel mehr Aroma/Geschmack, viel mehr Saft und schmecken einfach besser. Sommerorangen nutzen wir nur in Saucen wenn es erforderlich ist. Ab Anfang Dezember machen wir uns fast täglich frischen O-Saft von unseren eigenen Orangen, die sind sicherlich genau so lecker wie die von Sizilien, mit den jetzigen überhaupt nicht zu vergleichen, Sommerorangen sind nur ganz am Anfan der Ernte - ca. Juni- einigermassen zu geniessen.

Hans - J. F. Krause


30.9.2017 - Hey, super und danke für die Infos. Ich wusste doch, dass es bessere Orangen als die jetzigen geben muss. Ich habe mich echt gewundert, dass überhaupt um diese Jahreszeit Orangen verkauft werden. Jetzt bin ich wieder schlauer, danke nochmals

- Rolf


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