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Fanad Head Irland 2019
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Enttäuscht

Zum ersten Mal auf dieser Reise sind wir ein wenig enttäuscht.

Der Tag beginnt strahlend schön mit Blick über den gesamten Atlantik (mindestens ein grosser Teil davon). Wir haben 10km entfernt in Portmagee eine Bootstour zu den Skellig Inseln gebucht. Das sind die, die so richtig inselig aussehen und die wir nun zwei Tage vom Festland aus bestaunt haben.

Um am Hafen unser Boot zu erwischen, müssen wir die ganz engen Strassen zurückfahren aber hier um halb neun ist noch gar nix los und darum schaffen wir das problemlos. Die 40€ pro Person habe ich gestern über Internet schon bezahlt, so schnappt uns niemand mehr den Platz weg.

Den Little Skellig ist den Vögeln vorbehalten, dort dürfen keine Menschen hin, die grössere Insel nimmt jeweils täglich eine begrenze Zahl von Besuchern auf, ist aber anscheinend schon ein ganzes Jahr vorher zu buchen, also nicht erst einen Abend vorher wie wir wollten. Macht aber nichts, denn ich will einfach ein Top-Bild von den Beiden Inseln machen, das Wetter ist perfekt. Die Sonne bescheint die beiden Inseln einfach super und mit ihr im Rücken erscheint auch das Meer knallblau. Überhaupt, die Farben auf den heutigen Fotos sind fast kitschig, so schön ist das Wetter.

start zur Bootstour

Am Hafen erwischen wir das Touristenboot mit dem alten, hinkenden und etwas knorrigen Kapitän. Nur die Augenbinde fehlt ihm noch für ein perfektes Bild. Es fahren insgesamt vier Boote weg und wir müssen auf unserem Schiff alle die Schwimmwesten anziehen. Warum nur unser Schiff? Ist das jetzt gut oder nicht? Drohen wir zu sinken oder ist unser Knorr-Kapitän einfach vorsichtig?

Alle Schiffe legen ungefähr gemeinsam ab, aber unseres macht schon zu Beginn eine spezielle Route zwischen den Felsen hindurch in eine kleine Bucht, wo sich tatsächlich vier Seekühe (oder Robben) an der Sonne wälzen. Wow, was für ein Anblick! Wir haben glaub den besten hinkenden Kapitän erwischt… Kaum sind wir dann auf dem offenen Meer, empfängt er einen Funkspruch, wo Delphine gesichtet wurden und sofort wendet er das Boot in die entsprechende Richtung. Und echt, keine 10 Minuten später sehen wir vier Delphine nahe am Schiff vorbei schwimmen. Wow, sind die gross und schnell! Es schaukelt ziemlich und wir erwischen kein einziges gutes Foto von diesen Tieren. Macht nichts, der Eindruck in unseren Köpfen reicht völlig.

cool

Nach dieser Begegnung wird das Boot gewendet und fährt schnurrgerade auf die noch kleinen Insel am Horizont los. Diese werden nun immer etwas grösser, blöd nur, dass wir so gerade drauflos fahren. So kann ich kein Foto von beiden Inseln machen, ohne dass irgend ein Teil des Bootes mit drauf ist. Und immer schnurrgerade auf die Inseln los. Sie werden von der Sonne so fantastisch beleuchtet und sehen so super aus, aber immer ein Geländer, Antennen, Radar oder den Bug des Bootes mit auf dem Bild mitten in der Insel. Nicht den allerkleinsten Bogen macht dieser Kapitän. Ich nerve mich innerlich zu Tode, lasse mir aber nichts anmerken. Die erste Kurve macht er erst, als wir so nahe an der Insel sind, dass sie nun auch auf meinem Weitwinkelobjektiv keinen Platz mehr hat. Schöne Scheisse, kein einziges Foto, wo beide Inseln mit drauf sind. Und dann fährt er halbwegs nahe um die Insel und dann wieder schnurrgerade auf die zweite los, wieder dasselbe Problem. Der Kapitän kann ja etwas von Tieren und Wasser verstehen, aber vom Fotografieren hat er echt keine Ahnung. Wahrscheinlich weiss er nicht mal, dass heute keine Filme mehr entwickelt werden müssen.

Auch die zweite Insel umkreist er so nahe, dass sie unmöglich auf einem einzigen Foto platz hat. Erst auf der Rückseite nimmt er etwas mehr Abstand, so dass sie gut auf ein Bild passt, aber hier haben wir das Sonnenlicht gegen uns und die Insel liegt darum im Schatten und so ist die Insel nur ein dunkler Fleck vor der weissen Sonne. Ich könnte diesen Käpten erwürgen…

Und dann rast er zurück, die Inseln als dunkle Schattenflecken über der weissen Gischt des Schiffmotors, kein blaues Meer, keine besonnte Inseln, einfach nur normale Touristenbilder. Echt jetzt, ich nerve mich darüber. Ein ganz kleiner Bogen mit dem Boot hätte genügt und wir 12 Touristen hätten alle supertolle Bilder. Aber so, rein gar nichts (doch, etwas später stelle ich fest, dass ich ein einziges gutes Foto von der kleineren Vogelinsel machen konnte, aber auch nur, weil ich ein 14mm Weitewinkelobjektiv habe).

Etwas mehr wie zwei Stunden später sind wir wieder im Hafen zurück und ich muss sagen, ich bin schon etwas enttäuscht. Da wird wirklich nur auf die Schnelle Geld gemacht, Touristen rund um die Insel gekarrt und dann wieder zurückgefahren. Klar, die Delphine waren super, die Seehunde auch, aber ich bin wegen den Inseln da raus gefahren. Da ist ja klar, dass ich da dem Unternehmen meine Rückmeldung gebe (was ich übrigens jeweils auch mache, wenn ich zufrieden bin).

Na ja, alles war ja auch nicht schlecht, wir brauchten die Schwimmwesten nicht und kamen wieder trocken beim Knutschi an.

Ring of Kerry

Danach fahren wir dann den Ring of Kerry weiter gegen den Uhrzeigersinn ab und man kann sagen was man will, dass diese Strasse nur Marketing und für Touristen ist, viel zu viel Verkehr hat und rumpelt, aber zwischen Waterville und Caherdaniel ist sie echt Spitze. Die Aussicht an den Parkplätzen zum Meer ist echt gewaltig, vor allem bei diesem Wetter. Auch ist die Strasse überraschend breit und weil alle Busse gegen den Uhrzeigersinn fahren müssen (tun wir auch) absolut kein Problem mit kreuzen. Ich würde jedem Wohnmobilisten auch diese Richtung empfehlen.

Aussicht vom Ring of Kerry

Dann sehen wir plötzlich ein Schild zu einem Campercar Park, also einem Stellplatz, soll es noch 5km gehen. Ok, es sind dann etwa 8km bis wir in Sneem ankommen und mit etwas Mühe bei der Kirche den schön gelegenen Stellplatz finden. Direkt bei Ebbe an einem Fluss und bei Flut am Meer, oder besser gesagt, dann bei einem Fluss mit Wasser.

Im Dorf essen wir noch an einem Verkaufsstand eine Crepe und sonnen uns dann vor dem Womo. Alles in allem wieder ein guter Tag, aber die Bootsfahrt hätten wir irgendwie sparen können.


Übernachtung

Sneem - Goosey Island****
Stellplatz

einfach und sehr zweckmässig, ruhig direkt am Fluss mit Ebbe und Flut gelegen. Keine Sanitärräume

Koordinaten: 51.837711,-9.901041
letzter Besuch: 5.2019

20.5.2019 - Hallo, es sind Kegelrobben auf dem Foto zu sehen :-)

Joachim


21.5.2019 - Hast die Stimmung wieder phänomenal eingefangen, deinen Unmut kann ich nachvollziehen, speziell bei Bootausflügen kann ich auch ein Lied davon singen, da waren es aber auch immer wiedermal Touristen die geglaubt haben sie sind allein am schiff... Weiterhin eine geile Zeit!

Richard


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