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Rasplatz Schweden 2014
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Geo und isländische Geschichte

Über und unter Wasser

Anita gelbe Taucherbrille, Rolf blau

Wir erwachen im Þingvellir Nationalpark und es schifft, schifft so richtig was der Himmel runter bringt. Also was machen? Die neuen Regenhosen anziehen und unsere Regemäntel. Sogar unser Fotoapparat bekommt sein Regenmäntelchen. Endlich können wir mal unsere Sachen auf Dichtigkeit prüfen, schliesslich haben wir uns auch auf Regen eingestellt.

Wir sind hier genau auf oder zwischen den Kontinentalplatten von Eurasien und Amerika. Diese Platten entfernen sich voneinander und ziehen sich durch ganz Island. Darum gibt es hier auch immer wieder Vulkanausbrüche und Erdbeben. Im Þingvellir Nationalpark sieht man diese Schlucht zwischen den auseinanderdriftenden Platten besonders gut. Der Graben wird jedes Jahr 7mm breiter und 1mm tiefer.

rechts Eurasische Platte, links Amerika

Dazu ist hier quasi das Rütli von Island. Alle wichtigen Entscheide von Island werden seit dem Jahr 930 hier in dieser Schlucht gefällt. Vom ganzen Land strömten die Bauernführer nach einem genauen Ritual hierhin und entschieden am Althing über Gesetze, Recht und Unrecht. Der Ort hier war ideal, Weideland für die Pferde und genügend Brenn- und Bauholz für die rund 4000 Menschen, die jeweils dem Althing beiwohnten (10% der damaligen Bevölkerung). Es wurde übrigens extra ein Fluss so umgeleitet, dass dieser in die Schlucht führte und so genügend Trinkwasser bereitstellte. Der Wasserfall Öxarárfoss zeugt noch heute von dieser Umleitung.

Am 17. Juni 1944 wurde übrigens die Republik Island ebenfalls hier ausgerufen. Das ist dem heutigen Wetter aber so von egal, denn es schifft noch immer Bindfäden. Was kann man bei so einem Wetter machen? Und genau hier? Wir gehen schnorcheln… Wenn wir schon nass sind, kommt es grad auch nicht mehr drauf an.

Schorcheln kann man hier in der Silfra-Spalte, eben genau zwischen diesen Kontinentalplatten in dem Teil, der unter Wasser liegt. Das Wasser kommt vom 60km entfernten Gletscher Langjökull und wird Jahrzehntelang unterirdisch im Lavagestein gefiltert, bis es hier in dieser Spalte wieder austritt. Es soll das klarste Wasser der Welt sein und eine Sicht von über 100m ermöglichen.

Also melden wir uns für eine Schnocheltour an. Weder Anita noch ich haben je geschnorchelt, und das in 2 Grad kaltem Wasser!!!

Also finden wir uns pünktlich vor 13 Uhr bei troll.is auf dem Parkplatz ein, lange Unterhosen, warme Socken und ein enganliegendes langärmliges Unterleibchen wurde gefordert. Dann können wir in einem Anhänger geschützt vom Regen ein dicker, zusammenhängender Traineranzug anziehen. Danach wird uns in ein Gummianzug geholfen, zuerst die Füsse und beine, dann der Oberkörper und Arme. Es ist eine ziemliche Prozedur bis wir bis zum Hals eingepackt sind. Dann stehen wir im strömenden Regen und hören den Instruktionen zu. Das Wasser läuft uns übers Gesicht und die Haare sind klitschnass. Danach können wir uns Handschuhe anziehen, eine Gummihaube über den Kopf und watscheln wie aufgeblasene Enten 100m zum Einstieg. Dort ziehen wir zuerst die Taucherbrille und Schnorchel über und dann noch die Flossen und steigen ins eiskalte Wasser. Das einzige was mit dem Wasser in Berührung kommt sind unsere Lippen und Teile vom Gesicht.

Sicht Anita
Wow, ist das cool, so schwebelos auf dem Wasser schwimmen, ohne etwas zu machen. Und das blaue Wasser, einfach fantastisch. Was sind das wohl für Algen? Wow, ist das tief unter mir und so schön dunkelblau! Die Taucherbrille ist wirklich dicht und ich könnte stundenlang so schweben. Richtig erholsam, still und ganz für mich alleine. Nicht mal kalte Hände habe ich. Mist, muss ich nun schon raus? Sind diese 40 Minuten im Wasser wirklich schon vorüber?

rechts Eurasische Platte, links Amerika

Sicht Rolf
Es ist erstaunlich warm im Anzug. Aber da ist soviel Luft drin, tauchen unmöglich, nur auf dem Bauch liegen oder dem Rücken, nicht mal stehen im Wasser ist möglich. Der Schnorchel im Mund gibt fast einen Brechreiz und mit diesen dicken Handschuhen, kann ich meinen wasserdichten Fotoapparat überhaupt nicht bedienen. Wo sind eigentlich die andern aus der Gruppe? Und vorwärts komme ich irgendwie auch nicht, fehlt mir eine Flosse? Die Taucherbrille ist erstaunlich dicht, kein Problem immerhin. Aber sehen tue ich ausser Felsen unter Wasser irgendwie auch nicht viel. Ziemlich karg. Irgendwo geht es doch links nach einem Felsen hat unser Guide gesagt. Wo ist das? Immerhin sehe ich nun meine Gruppe wieder und auch den Ausstieg. Soll ich grad dorthin schwimmen und raus oder blamiere ich mich? Na gut, dann warte ich halt noch. Uff, endlich wieder Boden unter den Flossen und an der frischen Luft.

Unsere Eindrücke sind also ziemlich unterschiedlich und ich bin froh, als wir nach dem ganzen Umziehen endlich wieder im Knutschi sind. Was übrigens toll ist bei dem Anbieter, wo wir waren (troll.is), dass man Unterwasserfotos kostenlos dazubekommt, bei anderen Anbietern muss man extra bezahlen. Denn von meinen Fotos war kein einziges brauchbar…

Es schifft noch immer und wir beschliessen, wieder Richtung Norden zu fahren, dort soll das Wetter besser sein. Als Abkürzung nehmen wir die 550 und danach die 52. Trotz Regen eine wunderschöne Fahrt durch eine wunderschöne Gegend, auch wenn 20km Schotterpiste folgt. Man kann sich unser Knutschi vorstellen bei diesen nassen Pisten, dreckig braun bis zum Rückspiegel hoch- Man könnte meinen, wir seien einen Schlammweg gefahren.

Wieder auf der Ringstrasse kommen wir dann schnell vorwärts, aber es kommt kein Campingplatz mehr. Wir müssen bis zum Beginn der Westfjorde fahren, bis wir wunderschön direkt am Meer stehen.

Übernachtung

Þingvellir - Syðri Leirar****
Camping

kein Strom aber alles andere

Koordinaten: 64.275999,-21.093221
letzter Besuch: 9.2022