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Marokko 2017
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Gezeiteninsel Mandø

Wir sind jetzt vom Festland abgeschnitten.

Die heutigen Wetteraussichten sagen Nachmittags Regen an, also ist nichts mit Strand. Genau das richtige Wetter, um die kleine Insel Mandø zu besuchen. Die Insel ist nur ca. 3km im Durchmesser, wird aktuell von 33 Personen bewohnt und ist durch eine Strasse erreichbar. Allerdings ist die Strasse nur bei Ebbe befahrbar, bei Flut wird sie überspült. Wir müssen den Gezeitenkalender studieren und sehen darauf, dass heute um 9:20 Uhr Niedrigwasser ist, also wird unser Tagesprogramm dieser Uhrzeit unterworfen. Von Rømø sind es ca. 30km nördliche Richtung bis zur Einfahrt auf diese Strasse, wir düsen also halb Neun los. 

Punkt 9:22Uhr stehen wir vor allen Warnschildern bei der Einfahrt auf die Schotterpiste «Nur mit Kenntnis der Gezeiten zu befahren». Reicht unser Wissen, dass wir diese Strasse befahren dürfen? Kein Mensch weit und breit, also stürzen wir uns ins Abenteuer.

Der Schotterweg auf die Insel

Der Schotter liegt sehr lose und die Wasserpfützen auf der Strasse machen auch nicht einen besonders vertrauenserweckenden Eindruck. Da es noch nicht regnet, müssen es Salzwasserpfützen sein, die von der letzten Flut herrühren. Das Meerwasser reicht manchmal schon bedenklich nahe an den Weg, aber wir müssen jetzt da durch. Wir haben das Gefühl, dass wir wirklich mitten durchs Meer fahren, die Insel sehen wir nämlich noch nicht, die ist so flach. Aber dann, nach ein paar unendlichen Kilometern wechselt der Strassenbelag wieder auf Asphalt und das gibt schon eine kleine Sicherheit, dass dieser Teil jeweils nicht überspült wird. Haben wir das Schlimmste geschafft?

Etwas später geht es dann über einen Damm und wir sind im Innern der Insel. Buah, wir sind gut angekommen und wurden nicht weggespült. Wenn man da einen Platten hätte, dann würde man sich mit Radwechseln wohl sehr beeilen oder mindestens dem Pannendienst ins Gewissen reden, er solle mal Gas geben…

Danach fahren wir das schmale asphaltierte Strässchen (die Hauptstrasse der Insel) weiter Richtung Mandø By, der Hauptstadt (und einzigem Dorf) auf der Insel. Das Schild zum Campingplatz ist nicht zu übersehen und so lesen wir uns einen Platz auf der leeren Wiese aus. Da ansonsten niemand da ist, wollen wir zum Shop im Dorf laufen, um zu fragen, wo wir uns anmelden müssen. Wir sind dort genau richtig, denn der Shop ist Tourismusbüro, Laden und Campingplatzreception in einem.

rund um die Insel

Wir bekommen noch eine Karte der Insel und die ältere Frau entschuldigt sich, dass heute kein so schönes Wetter ist, aber die Insel sei jetzt noch schöner, da es eben keine anderen Leute hier hat.

Zurück beim Womo machen wir unsere Fahrräder bereit, denn es ist noch immer trocken und das Wetter müssen wir ausnützen. Rund um die Insel führt ein ca. 3m hoher Damm und im Innern die kleine Inselrundstrasse.

Es ist einfach herrlich und wir kommen einfach nicht vorwärts. Alle paar hundert Meter klettern wir auf den Damm, machen Fotos und geniessen den salzigen Wind, die urige Landschaft und das Glück, so einen Ort erleben zu dürfen.

Nach 12km haben wir die Insel vollständig umrundet, einige Abstecher auf kleinen Strässchen ins Wattenmeer gemacht, Schafe fotografiert und Landschaften, die Windmühle (das Wahrzeichen und höchste Gebäude der Insel) geknipst und das Schiff mit Rädern auch.

das Wahrzeichen

Uns gefällt es extrem hier. Nach der Runde machen wir uns zu Fuss auf ins Dörfchen, wo wir jetzt schon alle Häuser kennen. Auch den Schopf der Seerettung besichtigen wir und die Säule, wo die Höhe aller Sturmfluten markiert sind. So eine Sturmflut wird uns wahrscheinlich nun grad erreichen, denn der Wind nimmt stark zu und der Regen beginnt waagrecht die Insel zu umhüllen. Dann studieren wir noch schnell das Ausflugsschiff, dass hydraulisch grosse Räder runter lassen kann und so auch über Sandbänke oder Untiefen durchfahren kann. Echt clever…

Wir sitzen nun in unserem Womo, warte bis das Wetter etwas besser wird, und wissen, dass nun weder neue Touristen kommen noch alte gehen können. Die Zufahrtsstrasse ist unter Wasser und nicht passierbar.

ein Schiff mit Rädern

Ach ja, in unserem Wohnort wurde heute die Bank überfallen, wir haben aber ein Alibi, denn wir sitzen auf der Insel fest. Dafür wissen wir nun, warum unser Konto leer ist…

Übernachtung

Mandø - Brugs***
Camping

alles, was man braucht

Koordinaten: 55.274279,8.538312
letzter Besuch: 9.2020