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Finnland 2014
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Grauwasserentsorgung

Nicht viele kennen die Unterschiede der Schachtdeckel

Meteorwasserschacht, hier kein Grauwasser ablassen

Gestern fragte ich am Schluss des Blogeintrages, wo ihr das Grauwasser entsorgt. Die Antworten auf Facebook haben mich dann schon irritiert und da merkte ich, dass nicht viele den Unterschied einer Kanalisation wissen. Ist ja irgendwie verständlich, aber für mich war das sonnenklar, da ich in meiner Lehre vor vielen Jahren solche Kanalisationen am Reissbrett plante.

Kanalisation ist nicht gleich Kanalisation. Es gibt Meteorwasserkanalisation, also sauberes Regenwasser und Schmutzwasserkanalisation von Häusern, WC etc. Das Meteorwasser fliesst direkt in den nächsten Bach oder See. Schmutzwasser fliesst immer in eine Kläranlage.

Und nun ist es eben nicht egal, ob man das Grauwasser in die Meteor- oder in die Schmutzwasserkanalisation entlässt. Grauwasser gehört richtigerweise in die Schmutzwasserkanalisation. Blöd nur, dass diese Schächte immer schwere Betondeckel haben, so dass sie nicht leicht geöffnet werden können. Da unten stinkt es denn auch meistens. Die Schächte, die so schöne Schlitze im Deckel haben, gehören immer zur Meteorwasserkanalisation, so dass der Regen gut in den Untergrund abtauchen kann und im nächsten natürlichen Gewässer wieder in die Freiheit entlassen wird. Also die Schächte, die eigentlich so schön bequem das Grauwasser aufnehmen, dürfen genau nicht benützt werden. Leert man nämlich das Grauwasser über einem dieser Meteorwasserschächte, landet dieses Wasser ungefiltert im nächsten Bach.

Meteorwasser, wieder nix

Diese zwei Systeme wurden in der Schweiz aus folgendem Grunde getrennt: bei nur einer Kanalisation und einem Gewitter fliesst viel Regenwasser zur Kläranlage, dort wird das meiste Wassermenge inklusive dem Schmutzwasser (Fäkalien, etc) wegen zuviel Wasser über den Überlauf direkt in die natürlichen Gewässer geleitet. Bei getrennten Systemen bekommt die Kläranlage immer gleich viel Wasser, auch bei Regen und sie kann ihre Aufgabe normal erfüllen. 

Grauwasser gehört also nie in die Schächte mit geschlitztem Deckel, ausser der Schacht ist extra dafür gemacht. Zum Beispiel bei Autowaschanlagen oder Entsorgungsstationen. Grauwasser darf also nur dort abgelassen werden, wo es vorgesehen ist oder wo man z.B. Auto waschen darf. Und das ist bekanntlich fast überall verboten.

Schmutzwasser, hier dürfte man

Und übrigens: Alle Regenwasserschächte entlang den Strassen sind mit Schlammsammler ausgestattet. Der Schlamm, der sich dort ablagert, setzt sich meist aus Sand, Gummiteilen vom Pneuabrieb, Laub etc. zusammen. Dieser Schlamm wird regelmässig durch Reinigungsfirmen mit den grossen, orangen Lastwagen und dickem Schlauch geleert. Danach wird dieser Schlamm in einer speziellen Waschanlage so gereinigt, dass man einen Teil wieder als Sand benutzen darf und der Rest, die Schlacke, wird als Giftmüll entsorgt. Dort lagert sich nämlich viele Gummiteile und Schwermetalle ab.

Schacht ist also nicht gleich Schacht!

7.7.2020 - Danke Rolf, für die ausführliche Aufklärung, Das machten sicher viele unserer Gilde bisher aus Unwissenheit ab und zu falsch, so auch wir. - Gruss,

- Michael


7.7.2020 - Hallo Rolf Jetzt habe ich aber eine Frage. Du schreibst: "Das Meteorwasser fliesst direkt und ohne Umweg über eine Kläranlage in den nächsten Bach oder See." Also fliesst das Meteorwasser auch in eine Kläranlage. Somit könnte man das Grauwasser in eine normalen Meteorwasserschacht ablassen. Gruss Klaus

Klaus


9.7.2020 - Hallo. Deutsche - und auch Schweizer Sprache: Schwere Sprache. Ich denke er meinte es so: "Das Meteorwasser fliesst direkt, und somit ohne Umweg über eine Kläranlage, in den nächsten Bach oder See." Ohne die Kommas könnte man es wirklich so verstehen das es direkt über die Kläranlage fließt, ohne vorherigen Umweg. Wahrscheinlich wäre es nach korrektem Deutsch sogar so. Viele Grüße Heiko

Heiko König


9.7.2020 - Danke für den Hinweis mit der Deutschen Sprache. Man hat es tatsächlich in beide Richtung interpretieren können. Ich habe es nun klar umformuliert...

Rolf


28.8.2020 - Das ist in Deutschland nicht so einfach gelöst wie in der Schweiz. In Deutschland gehen die meisten Straßengulli über einen Abscheider direkt in eine Art Versitzgrube und damit in den Untergrund/Grundwasser. In manchen größeren Städten sind einige Gulli direkt an dem Kanal angeschlossen. Um im Regenfall eine Überlastung der Kläranlage zu verhindern werden Regenwassersammler gebaut die ein durchschnittliches Regenereignis abfedern und einen kontinuierlichen Zulauf zur Kläranlage sicherstellen. Und was Zuviel ist geht tatsächlich, reichlich verdünnt, in den nächsten Fluß.

Albert


28.8.2020 - Hallo Rolf, besten Dank für deinen Hinweis. Überhaubt deine Beiträge sind immer SUPER! Vielen Dank und bleibt gesund!

Beat Gabriel


31.8.2020 - Das mit den Schächten war mir auch nicht bewusst ich werde das ändern müssen - ist sowieso besser das Grauwasser auf dem Stellplatz zu entsorgen!

Christoph


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