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Finnland 2018
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Ihr habt die Uhr, wir die Zeit

Nach diesem marokkanischen Ausspruch verbrachten wir heute den Tag.

war echt steil

Das einzige, was wir heute erledigen müssen: einen Bancomaten finden um Bargeld zu haben, Telefonkarten für Internetguthaben kaufen und ein Dromedar für die Weihnachtskrippe besorgen.

Den Bancomaten und das Bargeld haben wir relativ schnell gefunden. Man kann in ganz Marokko jeweils nur 2000Dh als Höchstlimite beziehen (200€). Auch die Telefonkarten, wo man seine Prepaid-Sim-Karte aufladen kann, findet man wirklich überall. 10GB Datentvolumen für 100Dh. Und als wir dann das Bargeld und einen Tee getrunken haben, will Anita endlich ihr gestern gesehenes Kamel für die Weihnachtskrippe kaufen. Das letzte fiel einem Angriff unserer Katze zum Opfer, die dem Kamel bei weitem überlegen war. Und hier gibt es so wirklich schöne kleine Dromedare, die genau die richtige Grösse haben und erst noch aus echtem Dromedarfell. Und das erstaunliche, gestern kostete es beim Händler noch 140Dh, heute beim gleichen nur noch 120. Sollen wir nochmals einen Tag warten? Aber Anita handelt für die 12€ nicht mal mehr, in der Schweiz könnte man dieses Kamel sicher für 80CHF verkaufen. Sollen wir ins Kamelgeschäft einsteigen und eine ganze Herde kaufen?

Fleischkauf

Wir lassen es aber bleiben und kommen dann noch bei einem Metzger vorbei. Das sind jeweils auch so kleine Läden, wo am Fenster ohne Scheibe dann ganze Ziegen, Truthähne oder andere Fleischstücke hängen. Wir haben glaub noch nie so wenig Fleisch gegessen wie in diesem Urlaub. Es ist für uns eben schon etwas gewöhnungsbedürftig einfach so hängendes Fleisch zu kaufen, wo man sagen kann, welche Stücke man will, dann mit einem Hackmesser ungefähr das ausgewählte herausgehauen wird, in Zeitungspapier eingewickelt und dann bezahlt. Die dreckigen Geldnoten mit den gleichen Händen angefasst wird, wie nachher wieder das Fleisch und nirgends irgendetwas zum Händewaschen. Aber wir Europäer sind einfach verweichlicht. Und das Fleisch war übrigens jedes Mal hervorragend. Nur das Kaufen ist etwas gewöhnungsbedürftig und kostet uns etwas Überwindung.

Aber das Einkaufen ist jeden Tag ein Erlebnis, die ganz kleinen Läden, einer hat Früchte, der andere Gemüse, einer Gewürze und der vierte einfach alles, vor allem Wasser und Brot. Diese Kleinstläden sind übrigens auch 10x günstiger wie jeder Supermarkt, da sie immer nur die lokalen Waren haben. 1kg Gemüse bezahlten wir jeweils etwa 10 Dh (1€) und es ist dann egal, ob Kartoffeln, Tomaten, Karotten oder Peperoni. Oder ein Fladenbrot klein 1 Dh oder gross 2Dh (10 oder 20 Cent).

Nach dem Einkauf sonnen wir uns bei rund 28 Grad vor dem Womo, geniessen die Ruhe auf dem Platz mit Sicht in die Wüste. Ich buche noch unsere Rückfahrt von Nador aus nach Almeria und immer wieder schauen wir an diese riesige, grosse, gelbe Sanddüne. Bis wir dann irgendwann entscheiden, diese müssen wir einfach noch besteigen. Macht ja nix, wenn wir erst morgen wegfahren von hier.

eine echte Monsterdüne

Also starten wir unsere Dünenbesteigungsexpedition, wieder bekleidet wie die Marokkaner mit Turban, Schluderhose, Schludderhemd und barfuss. Nur der Rucksack, die Sonnenbrille und der Fotoapparat unterscheidet uns von den Einheimischen.

Wir laufen und laufen durch den Sand und diese riesige Düne will einfach nicht näher kommen. Der Weg täuscht gewaltig und im tiefen, heissen Sand ist es auch nicht gerade einfach. Und dann endlich als wir am Fuss ankommen, liegt ein grausig langer und harter Aufstieg vor uns. Drei Schritte vorwärts, zwei zurück! Wir haben zusammen schon 4000er bestiegen, dann werden wir diesen verdammten Sandhügel wohl auch noch schaffen!

Endlich sind wir oben, total verschwitz aber mit grandioser Aussicht, denn sie ist sicher etwa 200m hoch. Wir sehen von da oben aber auch, dass diese Wüste, die Erg Chebbi, gar nicht so gross ist, denn wir sehen hinten bis an den Rand. Na ja, wenn wir bedenken, wie lange wir nur hatten, bis hierher, dann täuscht das gewaltig bis ans andere Ende…

Gipfelfoto

Wir ruhen uns aus, geniessen den warmen Sand und schauen all den Motogrossfahrern und anderen Gefährten zu, die auch Düne um Düne erklimmen wollen. Es gelingt nicht allen, aber wir sind auf der höchsten!

Runter geht es dann viel einfacher und viel schneller, auch den Campingplatz finden wir auf direktem Weg. Danach dusche ich mal ausgiebig, wechsle wieder in die westliche Kleidung und finde in meinem Schrank sogar noch eine frische Jeans. Man fühlt sich wieder wie neu geboren!

Sollen wir noch eine Sternenwanderung machen?

Abends, schon ziemlich kalt

Übernachtung

Merzuga - Camping Africa****
Camping

bei den Dünen und sehr zurückhaltend, gute Sanitärräume

Koordinaten: 31.095148,-4.005078
letzter Besuch: 11.2017

21.11.2017 - Hätte mir nie gedacht, dass mich die Wüste so anzieht... Ihr seid ja beide schon richtige "Einheimische!" Weiterhin alles Gute! LG Richard

- Richard "Zirbl"


21.11.2017 - Hallo ihr beiden, Gratulation zu Eurer sehr gelungen Homepage. Die Reiseberichte sind nicht nur sehr kurzweilig geschrieben, sondern auch von hohem Informationsgehalt uns sehr schön bebildert. Geradezu perfekt zum "Nachfahren"... Jetzt zu meiner Frage. Was habt Ihr in Marokko bisher an Tieren gesichtet? (Wenn Ihr da so barfuß nachts in den Dünen herumsteigt, habt ihr da keine Angst vor Skorpionen oder evtl. Schlangen)? Wünsche Euch weiterhin eine gute Reise! Gruß Thomas

Thomas


22.11.2017 - danke für das Kompliment. Jetzt im Winter muss man vor den Tieren in der Wüste keine Angst haben, es hat weder Schlangen noch Skorpione (nach Aussage der Berber). Auch sonst muss man keine Angst haben. Was wir sahen sind nur Spuren von Mäusen und Käfern, und dazu hatte es doch einige Fliegen, darum ist der Turban eine gute Sache ;-)

Rolf


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