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Andanens Norwegen 2014
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Karelien, das vergessene Land

Wo sich Bären und Wölfe gute Nacht sagen und wir im Wald unverhofft einen offiziellen Stellplatz finden.

grillieren, schliesslich hat es 10 Grad

Wir verlassen den Stellplatz beim Zoo und fahren auf Nebenstrassen ost- und südwärts. Das Wetter ist einmal mehr bombig, die Strassen meistens gut geräumt, die Gegend waldig und hügelig. Einmal mehr eine Traumfahrt.

Wir sind inzwischen in der Region Karelien. Durch verschiedene Kriege seit dem Mittelalter war Karelien russisch, finnisch oder schwedisch. Alle paar Jahrzehnte einem anderen Staat angegliedert. Das letzte Mal änderte die Grenze nach dem zweiten Weltkrieg, als grosse Gebiete an Russland vielen. Ein kleiner Teil gehört nur noch zu Finnland, die Finnen im russischen Teil flohen nach Finnland und die Russen bevölkerten diesen Teil mit Ukrainern. Karelien ist also seit daher getrennt und hat sich weit auseinander gelebt, im Glauben und in der Bevölkerung. Nicht mal die Finnen wollen aktuell eine Wiedervereinigung. Exkurs abgeschlossen…

auskundschaften

Irgendwann gegen 14 Uhr wollen wir entweder einen Übernachtungsplatz finden oder sonst einen Stopp einlegen. Die Möglichkeiten sind gar nicht so vielfältig, denn auf den meisten Waldwegen und –Parkplätzen liegt noch einen Meter Schnee und dieses Gebiet ist nun auch nicht wirklich touristisch erschlossen. Irgendwann sehen wir aber doch ein Schild zu einem Ausflugsparkplatz für Fischer und Wanderer. Sofort zweigen wir ab und folgen dem Strässchen etwa einen Kilometer bis zu einem kleinen Parkplatz und dahinter prangt eine grosse Fahrverbotstafel. Knutschi parkieren, Fotoapparat schnappen und auf einen Spaziergang die Gegend erkundigen.

finnische Eisfischerin

Wir treffen auf einen wunderschönen, zugefrorenen See worauf etwa sechs Eisfischer verteilt auf anbeissende Fische warten. Danach treten wir wieder in den lichten Tannenwald ohne Unterholz, folgen dem Strässchen bis wir zu einigen Blockhütten stossen. Ein schöner Grillplatz am See, Abfallentsorgung und wahrscheinlich kleine Blockhütten zum Mieten während der Saison. Es ist keine Menschenseele sonst hier und wir erkunden weiter. Plötzlich stehen wir vor geräumten Parkbuchten im Wald und es hat sogar Stromsäulen bei jeder dieser Parkbuchten. Es sieht etwas aus wie ein offizieller Stellplatz. Wir schauen uns um und kommen immer mehr zum Schluss, das muss ein Stellplatz sein.

Wir diskutieren, wer Weissen und kommen zum Schluss, dass wir hier unser Knutschi hinstellen und eine wunderprächtige Landschaft aus dem Fenster geniessenkönnten. Da ja keine Person weit und breit zu sehen ist, fahren wir mit unserem Womo die 300m durch die Fahrverbotszone zu diesem geheimen Stellplatz.

Feriensiedlung am See

Zuerst ist es uns noch etwas mulmig, aber es ist soooo schön hier. Inzwischen haben wir auch schon 10 Grad (über Null) und das ist doch das Zeichen, dass wir heute und hier grillieren könnten. Gesagt getan, wir geniessen den Nachmittag in vollen Zügen.

Plötzlich um 17 Uhr kommt ein Caravangespann und stellt sich drei Plätze neben uns auf. Also doch ein Stellplatz. Ich gehe dann scheu fragen, ob sie englisch sprechen und wo und wie man hier bezahlen muss und ob ich überhaupt stehen darf. Ich bekomme nur ein paar Worte als Antwort: „no Problem in e half our“. Na ja, viel schlauer bin ich jetzt auch nicht geworden, aber das war wiedermal eine typische skandinavische Antwort: Nur immer das Nötigste und keine Informationen zusätzlich, was man nicht gefragt wurde. Das ist mir jetzt schon einige Male aufgefallen, z.B. bei einem Stellplatz nur immer kurz und knapp, nie woher wir kommen, was wir vorhaben oder das Angebot des Camping- oder Stellplatzes erklären. Wenn wir dann merken, dass es WLan hat, zurück zur Reception und nach dem Preis und Passwort fragen: ist gratis und Passwort ist …… Hätten sie ja auch am Anfang schon sagen können. Und wenn wir merken, dass es eine Sauna gibt, wieder zurück und fragen, wann die offen ist. Man bekommt immer eine Antwort, aber nur genau das, wonach wir gefragt haben. Nix zusätzlich, gar nix. Aber das ist anscheinend in Skandinavien so, wir erleben es in Norwegen, Schweden und jetzt in Finnland.

faszinierender Wald

Egal, nach einer halben Stunde fährt tatsächlich ein weisser Pickup mit einem Gemeindearbeiter am Steuer (vermuten wir mal) vor, er dreht die Scheibe runter, lässt den Motor laufen und wartet, bis ich zu ihm treten. Ich sage „one Night“ und kriege als Antwort „maksaa kahdeksan euroa viisikymmentä“. Hä? Danach schreibt er mit einem Kuli 8.50 auf ein Blatt Papier und das verstehe ich nun. Ich hole 8.50€ gebe es der Person im Pickup mit laufendem Motor und er gibt mir im Gegenzug einen kleinen Schlüssel und zeigt auf den Stromkasten. Ah ok, ich nehme den Schlüssel, laufe zum Stromkasten, öffne ihn und bringe der Person im weissen, laufenden Pickup den Schlüssel zurück. Er lächelt und braust davon.

Das war ja jetzt mal ein cooler Platzwart und anscheinend haben wir alles richtig gemacht. Die Fahrverbotstafel gilt also nicht für Wohnmobile, die hier übernachten wollen. Wissen müsste man es. Beschrieben auf einer kleinen Infotafel beim Parkplatz vorne auf finnisch und russisch… Und echt jetzt, dieser Stellplatz ist nirgends an der Strasse oder auch nur beim Parkplatz beschrieben, wissen muss man es einfach und ihn finden.

Heute Abend bei Sonnuntergang wollen Anita und ich noch eine Schneeschuhtour um den See machen…

Übernachtung

Kuhmo - Syväjärvi****
Stellplatz

im Wald in der Nähe eines Sees, nicht beschrieben und ohne Wegweiser

Koordinaten: 64.1927416,29.1944977
letzter Besuch: 4.2018

13.4.2018 - Liebe Anita, lieber Rolf Toll, was ihr wieder alles erlebt habt, und was ihr uns Mitleser so lebendig weitergebt. Ihr macht das super. - Wir haben hier in Südfrankreich wohl die Regenzeit erwischt. - Nun, Langeweile haben wir deshalb nicht, aber man stellt sich den Frühling hier doch anders vor. - Weiterhin Gute Fahrt und schön Erlebnisse - Liebe Grüsse, auch von Renate -

- Michael


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