Headbild
Krka Nationalpark Kroatien 2015
Sie befinden sich: Blog \ Reisebericht

Lofoteninsel Værøy

Wie viele Lieblingsinseln darf man haben?

Eines vorweg: wir sind total verliebt in diese Insel! Nicht mal einen Tag haben wir bisher darauf verbracht, aber uns hat es nun schon den Ärmel hereingezogen. Aber der Reihe nach.

Um 4:30 Uhr schellte der Wecker, aber er hätte gar nicht klingeln müssen, ich war schon wach. Um Mitternacht sind wir vom ruhigen Stellplatz am Hafen in die Warteschlange an der Fähre disloziert. Wir dachten, wir sind super schlau und können so eine halbe Stunde länger schlafen. Es war aber keine gute Entscheidung, die Fähre von den Lofoten kam etwas nach drei Uhr an und wurde zuerst entladen und dann beladen. Natürlich musste jedes Fahrzeug noch den Motor aufheulen lassen und der Kühllaster auf der Spur eins machte auch dauernd Lärm, wenn das Aggregat wieder einschaltet. Also insgesamt schlechte Idee.

Als wir dann um 5:30 Uhr auf die Fähre fahren dürfen, sind wir froh, dass es losgeht. Es sind ca. 10 Fahrzeuge in deren Bauch, andere 60 hätten auch noch Platz. Ein schönes Minusgeschäft, allerdings wäre es auch ein Minusgeschäft, wenn sie voll wäre, denn diese Fähre ist kostenlos.

Wir machen uns in den Sesseln bequem und als die Fähre lostuckert, ist das Meer noch schön ruhig. Aber allmählich werden die Wellen stärker, der Wind bläst von hinten, und das Schiff rollt und schwankt immer mehr. Es schwankt manchmal wirklich bedenklich, so etwas habe ich auf Fähren noch nicht erlebt. Darum habe ich Angst um Anita, die mucksmäuschenstill in ihrem sitz eingekullert ist, keinen Wank von sich gibt aber auch nicht auf die Toilette springen muss oder nach einer Kotztüte ruft. Echt erstaunlich. Und dann nach drei Stunden fahrt ist die Fähre im Hafen und Anita kann sogar aufstehen und ist nicht kreideweis im Gesicht. Kurz: ihr ist nur etwas schummrig, aber keinesfalls schlecht. Viel hätte aber nicht mehr gefehlt…

Im Womo ist ihr aber bedeutend wohler und so fahre ich vorsichtig von der Fähre auf die schmalen Strässchen, biege Richtung Norden der Insel ab und muss nach jeder Kurve wieder stoppen. Das Meer leuchtet manchmal türkisblau wie in der Karibik, die Berge haben die typische Lofoten-Form und ringsum viel natur. Nach nicht mal 10 km sind wir beim alten Flugplatz auf der Landepiste angekommen, wir können uns irgendwo auf dem 800m langen und 20m breiten Rollfeld einen Platz aussuchen. Es sind nur zwei andere Womos hier, also Platz zum versauen.

Später kommen dann noch ein paar wenige Womos und einer der Franzosen weiss wieder nichts bessres, wie 3m neben unser Knutschi zu parken. Ich glaube es einfach nicht, warum suchen die Kuschelcamper immer uns aus? Er hätte 700m Platz! Mehr dazu am Schluss des Eintrages.

schon sehr steil

Wir bekommen vorerst aber nichts davon mit, denn wir machen uns auf zu einem kurzen Spaziergang mit Fotoapparat. 500m entfernt gibt es sogar eine Entsorgungsstation, einfach perfekt. Etwas weiter hinten sehen wir einen schmalen Wanderweg, wo führt der wohl hin? Er führt in die Richtung der steilen Fels- und Geröllwand und wir wollen ja nur etwas erkunden. Es wird aber immer steiler und steiler, und wir sind schnell höher und der Ausblick immer schöner. Jetzt können wir nicht mehr drehen, denn wir wollen wissen, wohin der führt.

Es ist steil, sehr steil, und irgendwann erreichen wir einen Sattel mit fantastischem Ausblick auf die Südseite der Insel. Aber es geht noch höher. Und dann kommen wir auf dem Værøyhornet an, wahrscheinlich dem höchsten Berg der kleinen Insel. Ich überlege mir schon, was ich im Blog schreiben werde und bin mir noch unsicher, ob dieser Berg nun 800m hoch ist oder gar die 1000m Marke knackt. Das muss ich unbedingt noch herausfinden.

Gipfel erreicht, wir fühlen uns wie auf einem 4000er

Aber kurz nach dem Gipfel kommt eine Gipfeltafel, wo nur 346m draufsteht. Das kann doch gar nicht sein, die haben vorne sicher eine 1 vergessen. Mist, ist er doch nicht so hoch, wie meine Kondition sich anfühlt?

wurde da eine 1 vergessen?

Egal, gerade als wir oben sind, drückt die Sonne durch und Anita und ich machen eine lange Pause und geniessen einfach diesen tollen Ausblick. Es ist wahnsinnig schön und genau darum sind wir Fan von Skandinavien und seit heute Fan der Insel Væroy.

Beim Abstieg müssen wir dann etwas aufpassen, denn die Beine schmerzen schon ein wenig und auch die Kehle ist ziemlich trocken. Für den Spaziergang haben wir nämlich nicht mal einen kleinen Rucksack mitgenommen. Beim Abstieg sehe ich dann meinen Kuschelcamper das erste Mal und ich rege mich fürchterlich auf. Ich bin schon vorher nicht gut auf die Franzosen zu sprechen, und heute erst recht nicht.

Allerdings geniessen wir dann beim Womo trotzdem die immer wieder hervorschauende Sonne, Wärme wäre zu viel gesagt, es sind nur 9,4 Grad. Aber das Wetter soll auf den Abend noch besser werden und wir haben von hier einen tollen Ausblick auf die Mitternachtssonne, die wir heute hoffentlich in voller Pracht sehen können.

Anita uf Vogelpirsch (vom Liegestuhl aus)

Wir sitzen draussen, philosophieren, Anita strickt und wir geniessen die Zeit, denn es ist erst 14 Uhr und wir haben unser Tagespensum schon erfüllt. Richtig Ferien. Anita meint plötzlich: «Sollen wir die Fähre auf die Lofoten wirklich erst morgen nehmen oder schon heute Abend?» Ich verneine vehement, denn diese Ruhe an so einem schönen Ort haben wir uns verdient, und den morgigen Tag grad auch noch, denn die Fähre Richtung Moskenes legt morgen erst um 22 Uhr ab.

Der Wohnmobilfahrer

Der Wohnmobilfahrer ist ein Herdentier, überall wo es Wohnmobilfahrer hat, gesellen sich andere dazu. Jeder sagt aber, er wolle individuell und allein in der Natur stehen. Aber wirklich den Mut hat er dann doch nicht. Und er hat noch ein Prinzip: möglichst sein Hirn nie benutzen.

Hier gibt es das besagt grosse Rollfeld, perfekt gelegen, riesig, jeder kann allein stehen, top -Aussicht aufs Meer und die Berge und von der Gemeinde explizit erwünscht, dass hier übernachtet wird und nicht an einem anderen Ort. Entlang des Rollfeldes führt eine schmale Strasse 500m weiter zu einem Wanderparkplatz. Auf dem Rollfeld stehen 5 Womos, auf dem kleinen Wanderparkplatz 8, Seite an Seite und so, dass die normalen Benützer dieses Parkplatzes gar nicht mehr parken und danach wandern können. Auf der schmalen Strasse gibt es meerseitig zwei Ausweichbuchten, und genau dort parken weitere Wohnmobilfahrer ihr Gefährt am liebsten.

Warum ist das so? Warum haben Wohnmobilfahrer kein Hirn? Wollen sie sparen oder sind sie so arme Kerle, dass sie sich die 15 € Übernachtungskosten nicht leisten können? Man weiss es leider nicht, aber das sind wohl Gründe, warum der natürliche Lebensraum der Wohnmobilfahrer immer mehr eingeschränkt wird und sie bald nur noch in einem Zoo gehalten werden können. Selbst schuld!

Ach ja, mein Kuschelcamper hat jetzt seinen Motor gestartet und ist weggefahren. Wohin will der denn noch in um diese Zeit? 15 € sparen?

Nachtrag: seit der Franzose weg ist, habe ich plötzlich schnelles Internet. Hat dieser in der Pampa hier wohl noch den TV gestreamt, um mich einfach noch hässiger zu machen?

Vorwarnung

Morgen kommt der Blogeintrag wieder spät, weil wie geschrieben, die Fähre erst um 22 Uhr ablegt.

Übernachtung

Væroy - Flugfeld Nordlandshagen*****
frei Koordinaten: 67.68819,12.672377
N 67° 41' 17.5"  E 12° 40' 20.6"
letzter Besuch: 6.2024

6.6.2024 - Hej zäme. Wir kennen das Thema Kuschelcamper nur zu gut, seit der Kastenwagen unser Hauptwohnsitz ist. Verstehen tun wir das Phänomen auch nicht, haben aber bemerkt, dass grundsätzlich alle Nationen kuscheln ausser vielleicht Skandinavier und Briten. Wenn wir länger an einem Platz bleiben möchten, bitten wir unsere kuschelnden Nachbarn freundlich etwas Abstand zu machen. Klappt meistens. Und die Kuschler meinen es ja nicht böse. Liebe Grüsse von Living in a Box /Reto und Sabine

- Sabine und Reto

8.6.2024 - Ja, die Skandinavier sind keine Kuschelcamper: kleine Geschichte dazu: Ich war mal mit einem Bruder meiner Frau (sie ist Finnin) in Finnisch Lappland auf Geschäftsreise. Wir wollten an einem schönen und abgelegenen, recht grossen See das Zelt aufschlagen und übernachten. Mein Schwager schaute über den See und sah jemanden auf der gegenüberliegenden Seite (einige hundert Meter entfernt). Er sagte zu mir: „too many people here“, setzte sich wieder ins Auto und wir fuhren weiter.
Andreas


6.6.2024 - Ja, ja die Kuschelcamper und Sparfüchse kennen wir auch und regen uns leider genauso wie Du über sie auf. Seit 6 Jahren leben wir überwiegend im Wohnmobil und hassen es, Wand an Wand mit anderen zu stehen, vor allem, wenn genug Platz ist. Manchmal setzen wir nochmal um und der Angsthase wundert sich dann, wenn wir ein paar Meter entfernt stehen ;-)

- Uwe & Bianka


Diesen Artikel kommentieren oder Fragen dazu stellen