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Marokko 2018
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Marokko nervt manchmal

Heute war alles irgendwie zu viel: zu viele km, zu viele Baustellen, zu viele Kristallverkäufer.

Atlasgebirge

Anita und ich sind erledigt, total. Es ist jetzt hier 18 Uhr, stockdunkel, wir tragen schon unsere Pyjamas und haben uns in unserem Knutschi blicksicher eingeschlossen. Wir wollen einfach nur noch unsere Ruhe!

Es begann schon in der Nacht, dauernd viele Hunde die bellen und jaulen, keine Ahnung von wo die herkommen. Bis jetzt fiel uns das noch nie auf, diese Nacht aber nervte es ganz gewaltig.

Morgens dann wieder strahlender Sonnenschein und wir gute Laune, Ent- und Versorgen, Frischwassertank wieder voll. Und wir fahren Richtung Hoher Atlas auf einer kleinen Bergstrasse. Wieder sind wir überwältigt von der Natur und den Ausblicken hinter jeder Kurve. Es ist einfach so unglaublich schön und friedlich, kein Verkehr, freundliche winkende Leute am Strassenrand und hin und wieder ein vollbeladener Eselskarren.

Wir durchqueren erstaunlich viele Bergdörfer, völlig abgelegen und klein. Und da ist es auch nicht verwunderlich, dass es weder eine Tankstelle hat (wir brauchen heute irgendwo noch Diesel) noch einen Bancomaten (auch Bargeld brauchen wir dringend). Alles auch noch nicht beunruhigend.

unterwegs

Dann nach zwei Stunden traumhafter Fahrt stehen wir an der Kreuzung der Haupstrasse Marakkesch- Ouarzazate, der grössten Strasse quer durch das Atlas-Gebirge. Während wir an der Kreuzung stehen kommt ein alter (mindestens so sah er aus) Berber an unser Womo und will uns einen Kristall verkaufen. Wir haben kein Interesse, aber diese Kristalle sind schon unheimlich schön… Aber weil wir kein Interesse haben, fällt und fällt der Preis, und als er dann nur noch 100Dhm (10 €) beträgt, schlage ich doch zu. So, nun ist auch unser fast letztes Geld noch weg.

Aber wir biegen auf die Hauptstrasse Richtung Marakkesch ab und sind seit sehr langem wiedermal im Verkehr. Die Strasse führt berghoch und bergab, ziemlich schön die ersten 20km. Aber keine Tankstelle, keinen Bancomaten. Und dann beginnt die Baustelle. Und das nervt in Marokko! Die können keine normale Baustelle machen, sondern reissen mal auf 60km den gesamten Belag weg und bauen alle Brücken gleichzeitig neu. Aber überall gleich weit, nirgends fertig, überall Schlaglöcher, mit überladenen Lastwagen die mit 20 den Berg hoch schnaufen und noch langsamer bergrunter. Wie wäre es, wenn die Baustelle auf 5km länge beschränkt wäre, dann aber alle dort am Arbeiten sind und das Stück fertig machen und dann den nächsten Abschnitt beginnen? Nein, die beginnen lieber grad alles miteinander…

Und weder eine Tankstelle noch einen Bancomaten…

Die Hauptstrasse durch den Hohen Atlas

Und dann wäre ich gerne die P2016 gefahren, 70km und zwei Stunden durch die Berge. Keine Ahnung ob wir dort durchkommen, aber ganz sicher hat es auf diesem Weg weder Tankstelle noch Bancomaten und ohne Geld dort durch, will ich nicht wagen. Der Diesel wird zwar reichen, aber man weiss ja nie, wenn man wieder drehen müsste.

Also fahren wir sicherheitshalber weiter Richtung Marakkesch. Und dann endlich, endlich eine Afrique Tankstelle. Sind das nicht die, wo man nicht mit Kreditkarte tanken kann? Wir halten trotzdem, aber «no card». In diesem Moment nervt Marokko! Die grösste Hauptstrasse mit am meisten Verkehr aber keine Tankstelle, die Kreditkarten akzeptiert. Aber wir hätten es wissen müssen…

Also weiter Richtung Marakkesch. Und dann endlich viel weiter, eine Tankstelle mit Kreditkarte. Immerhin. Wir lassen voll tanken und beim Bezahlen sehe ich meine erste Gefriertruhe in Marokko mit Glaces. Natürlich kann ich nicht widerstehen und kaufe zwei. Allerdings muss der Tankwart die Gefriertruhe erst mit einem Schlüssel aufschliessen.

Zurück im Knutschi bessert sich die Laune, Tank voller Diesel und zwei Glaces in der Hand. Allerdings, die Glaces kann man nicht wirklich essen, uralt und nicht mal richtig kalt. Ich hätte es wissen müssen, Marokkop nervt schon wieder…

eine der vielen Brückenumfahrungen

Wir fahren weiter bis nach Ait Ourir, einer ziemlich grossen Stadt. Unser einziges Ziel: ein Bancomat für Cash! Das geht dann dort auch problemlos und wir fühlen uns wieder etwas besser mit einem vollen Portemonnaie. Im nächsten kleinen Ort kaufen wir dann 3,7kg Gemüse für 37 Dhm und drei Brote für 6 Dhm (immer durch 10 teilen, dann bekommt man den Euro-Preis). Unser Geld hätte also schon noch eine Weile gereicht.

Aber nun sind wir immer noch 129km von unserem Tagesziel entfernt und das zieht und zieht und zieht sich… Dann endlich kommen wir ziemlich erledigt bei den Cascades d’Ouzoud an. Irgendwo rechts gibt es nach Karte einen Campingplatz. Haufenweise Parkplatzeinweise wollen uns auf ihren Parkplatz locken und winken wie verrückt. Ich fahre zum allerhintersten, der auch von weitem wie verrückt winkt und folge ihm. Er verscheucht mal alle Touristen vor uns aus dem Weg, denn wir fahren quasi durch die enge Fussgängerzone. Ich werfe dem Platzwärter einen fragenden Blick zu und er nickt nur und winkt weiter, wir sollen ihm folgen. Dann geht es ganz knapp an einem ganz engen Tor vorbei und wir stehen im Grünen, das Rauschen der Wasserfälle im Hintergrund. Wow, wir stehen wohl ganz nahe.

Cascade d'Ouzoud

Aber es ist schon ziemlich spät und ein «Führer» kommt zu uns und erklärt uns, dass wir jetzt noch die Wasserfälle besichtigen sollen, denn es hat nun keine Touristen mehr und wir könnten gute Fotos machen. Wir lassen uns weichklopfen, machen das Führerhonorar ab (wir haben ja wieder Geld jetzt), schnappen unsere Fotoapparate und marschieren, fast rennend, zu den Wasserfällen und ganz hinab (100m Höhenunterschied) schiessen vor dem Eindunkeln die Fotos, danach steigen wir wieder alles hoch, bezahlen den Führer und sind total erledigt im Knutschi.

Einfach zu viele Eindrücke heute, zu viele Kilometer, zu lange Fahrzeit, zu wenig gegessen (allerdings haben wir nicht mal Hunger, so kaputt sind wir) und schnaufen nun in unserem Knutschi erst einmal ganz in Ruhe durch.


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