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Avignon Frankreich 2015
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Melamin oder Bambus

Ist das Bambusgeschirr wirklich so ökologisch, wie angepriesen?

Momentan gibt es in der Schweiz im Manor eine grosse, neue Auswahl von tollem Bambusgeschirr. Anita konnte natürlich nicht widerstehen und hat mal kräftig für unser Womo eingekauft. Schon wieder ist Geld weg, und war das wirklich nötig? Ich weiss, Frauen sagen Ja, und für Männer hätte es das alte Geschirr noch lange getan. Und für mich mal ein Grund, sich nun mit unserem Geschirr zu befassen.

Es gibt momentan zwei Hauptherstellungsstoffe für Camping-Geschirr: Melamin und Bambus.

Melamin

Melamin ist ein weißes, geruchs- und geschmackloses Pulver. Es wird heute industriell aus Harnstoff gewonnen. Harnstoff wiederum entsteht u.a. bei der Verbrennung von Erdgas. Der größte Teil des Melamins wird zu Kunstharzen verarbeitet, dazu wird das Melamin mit Formaldehyd versetzt.

Das ist anscheinend nicht ganz so gesund, wie es aussieht: Die deutsche Verbraucherzentrale schreibt dazu: "Werden säurehaltige Lebensmittel in melaminhaltigen Behältnissen aufbewahrt oder Essen darin erhitzt, können Melamin und Formaldehyd austreten und auf die Lebensmittel übergehen. Melaminhaltige Haushaltsgegenstände sollten daher nur Temperaturen bis zu 70° C ausgesetzt werden. Das entspricht z.B. den Bedingungen beim Einfüllen heißer Getränke oder Speisen in Tassen, Teller oder Schüsseln."

Gut, so schlimm wird es jetzt auch nicht sein, was bei mir aber eher ins Gewicht fällt: Melamin kann nicht recycelt werden. Oder wenn, dann nur mit sehr hohen Kosten.

Bambus

Eines vorweg: Bambusgeschirr dass ähnlich aussieht wie Melamingeschirr hat auch einen Anteil Melamin drin. Die obige Gesundheitswarnung zählt also auch für dieses Geschirr…

Bamboo fiber, sog. Bambusfaser, wird aus dem stärkehaltigen Zellstoff des Bambusbaums gewonnen, wobei diese Bäume nur etwa acht Wochen zum Wachsen haben. Und da sich diese Bäume aus ihren eigenen Wurzeln regenerieren, müssen sie nicht mal neu gepflanzt werden. Im Vergleich zu anderen Pflanzen werden beim Bambusanbau weniger Wasser und weniger Pestizide benötigt. Aus diesem Grund wird das Material als umweltschonende und ökologisch nachhaltige Ressource bezeichnet. Bambusfasern bilden kombiniert mit Maismehl eine Paste, die man anschließend mit Harz (allermeistens Melamin) vermischt.

Bei einem einzigen grossen Hersteller fand ich in einem Prospekt eine Beschreibung, woraus das Bambus-Geschirr wirklich besteht.

  • 100% Vegan
  • über 70% Bambusfasern & Maisstärke schont Ressourcen
  • Geringstmöglicher Anteil an Melamin
  • 100% BPA frei
  • 100% frei von Weichmachern
  •  Spülmaschinengeeignet
  • Recyclebar

Komisch ist einfach, dass dieses Geschirr als Recyclebar angepriesen wird, obwohl es anscheinend etwa 30% Melamin enthält.

Gebrauch

Weder Melamin noch Bambus ist für die Mikrowellen geeignet, aber wer hat schon eine Mikrowelle an Board? Bei vielen Geschirr beider Sorten wird angegeben, dass es nur bis 70 Grad heiss gemacht werden darf. Dies geschieht übrigens nicht wegen der Verformbarkeit oder Schädigung des Materials, wohl eher damit, dass bei heisseren Temperaturen die Möglichkeit besteht, Giftstoffe frei zu setzen.

Bambusgeschirr ist matt, Melamingeschirr glänzt meistens. Dadurch sieht man in den Tellern eher die Schnitte scharfer Messer. Uns gefällt aber die Matte Oberfläche des Bambusgeschirrs besser, auch finden wir, dass die Becher und Tassen etwas besser zum Greifen und nicht so rutschig sind. Unzerbrechlich werden beide angepriessen, aber bei uns hat schon eine Melamintasse einen Sprung bekommen. Bambusgeschirr haben wir erst seit ca. einem Jahr, da ist noch nichts kaputt.

Fazit

Wir glauben, dass es wahrscheinlich mehr auf die Qualität der Herstellung und der einzelnen Marken darauf ankommt. Ganz so ökologisch ist Bambusgeschirr nicht, wie es überall angepriesen wird. Aber es werden doch etwa 70% des Rohstoffs aus nachwachsenden Ressourcen gewonnen, was sicher schon mal nicht so schlecht ist. Aber wirklich recycelbar ist leider auch das Bambusgeschirr nicht, auch wenn uns das Gegenteil weiss gemacht wird. Hat man nun noch Melamingeschirr in seinen Womoschränken, ist es am umweltfreundlichsten, wenn man dieses noch so lange wie möglich braucht. Auch muss man niemand schräg anschauen, der im Womoladen Melamingeschirr noch neu kauft.

Kochkellen aus Holz sind aber immer noch sehr viel umweltfreundlicher und auch Edelstahltöpfe und -Schüsseln sind wegen ihrer fast Unzerstörbarkeit eigentlich immer noch ökologischer.

6.4.2019 - Hallo Ihr. beiden, Bevor wir unser Wohnmobil eingerichtet haben, haben wir auch lange nach einer nachhaltigen Alternative zu Melamin gesucht, das trotzdem leicht ist und nicht klappert. Dabei sind wir auf einen Anbieter gestoßen, der Bambusgeschirr mit PLA (Milchsäure) als Bindemittel herstellt. Damit ist das Bambusgeschirr wirklich kompostierbar - zumindest in Industriekompostanlagen bzw mit viel Geduld im eigenen Garten. Der Hersteller heißt Ecosoulife. Hier findet ihr auch den Artikel zu unserer Ausstattung Viele Grüße, Conny von 720 Days in Europe

- Conny


7.4.2019 - Was spricht denn gegen den Einsatz von herkömmlichen Geschirr?!?

Andi


10.4.2019 - Gegen den Einsatz von herkömmlichen Geschirr sprechen die harten Bodenwellen. Oder nach einer kurvenreichen Fahrt kommt bei ersten Öffnen des Schrankes alles entgegen. Klar gibt es Zeitgenossen, welche immer zwischen jeden Teller ein Moosgummi legen und mit Schaumstoff jedem Geschirr seinen Platz sichern.

Martin


1.5.2019 - Nach Deinem Bericht haben wir einen Abstecher zu Ikea gemacht. Haben Kein Melamin Geschirr mehr. Gegen klappern haben wir ebenfalls bei Ikea Filzgekauft und zwischen die Teller gelegt, klappert jetzt weniger als mit dem Melamin Geschirr. Gruss Michel

Michel


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