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Schweden 2014
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Noch warten wir

Weil wir nichts anderes machen können

Wir sind früh wach, der Wind hat in der Nacht etwas nachgelassen und so steigt unsere Hoffnung, dass wir heute weiterfahren dürfen. Also schmeissen wir den Haushalt und fahren mit unserem Knutschi 100m bis zur nächsten Tankstelle. Wir müssen ganz dringend unsere Frontscheibe reinigen, durch den Sturm gestern ist so voll Sand und Dreck, so dass man nicht mehr hinaussieht. Wir reinigen unter heftigem Wind und mit Regenkleidern unser Wohnmobil. Dabei entdecken wir den einen oder anderen Sturmschaden, hat es doch einmal ein kleines Holzbrettchen hingeweht und auch zwei/drei Mal sonst geklöpft. So haben wir nun drei neue Kratzer auf unserer Folierung.

Zeit für Frühstück

Aber uns ging es ja noch gut, denn gestern hat es in Island etwas 20 Auto total demoliert. Bei einem Sandsturm weht es Sand umher, hier in Island mit dem heftigen Wind wurden Steine umhergeweht, quasi ein Steinsturm und so hat es in einer anderen Gegend Autos zerlegt. Auch mussten 120 Menschen gerettet werden, da sie nicht mehr weiterkamen.

In Island gibt es einen sehr guten Wetter- und super Strassendienst, zusammen erstellen sie das App safetrafel.is. Und wenn dort gemeldet wird, dass Strassen geschlossen sind aus welchen Gründen auch immer, sollte man dies glauben. Diese Strassen sind dann nicht abgesperrt und darum gibt es immer Besserwisser, die dann meinen, es betrifft sie nicht. Und wenn dann der Dienst sagt, die Strasse ist wegen Sturm geschlossen, sollte man dies glauben.

Aber die Strassen in diesem App schalten heute einfach nicht auf grün, also gehen wir noch einkaufen und fahren danach wieder auf den Campingplatz zurück. Es ist kalt geworden, ziemlich kalt aber noch immer blauer Himmel, Sonne und viel, viel Wind.

Windspaziergang

Wir ziehen uns also warm an, inklusive langer Unterhosen, zwei Pullis und winddichter Jacke. Und dann machen wir einen Spaziergang zum Meer, Hafen und sonst noch so, wo man im Ort rumkommt. Es hat wirklich noch extrem Wind, wir kommen kaum vorwärts und sehen auch kleinere Sturmschäden an einigen Häusern direkt am Meer. Bei der Feuerwehr hat es die oberste Spitze des Funkmastes geknickt… Als wir dann wieder beim Knutschi sind, wird es schon langsam langweilig. Wir würden gerne weiter, vor allem bei diesem Sonnenschein. Gestern Nacht hatte es wieder leichte Nordlichter, aber wir konnten sie nicht fotografieren, da das Stativ im Wind sicher nicht gehalten hätte und so haben wir es gar nicht erst probiert.

Feuerwehr

Mitte Nachmittag leuchtet dann plötzlich die Strasse von Höfen, wo wir sind, zurück nach Westen grün auf. Sofort ist auf dem Camping eine Hektik und all die, die in jene Richtung müssen, fahren fast gleichzeitig los. Etwas später kommen dann auch neue Gäste auf den Campingplatz. Unsere Strasse, die wir zur Fähre nehmen wollen, leuchtet aber noch tiefrot. Mist, aber der Wind nimmt doch eher wieder ab? Wann wird diese geöffnet? Alle fünf Minuten schauen wir seit zwei Stunden auf das App und hoffen auf die Schaltung nach grün. Aber bei den kommenden, zeitweise sehr starken Böen, kommen Zweifel auf.

Die Neuankömmlinge auf dem Campingplatz parken genau so, wie die Felder eingezeichnet sind und denken sicher, wir spinnen, weil wir total schräg stehen und die Nase frontal genau in den Wind halten. Dann stellen sie ihre Dachzelte auf und merken 10 Minuten später, dass der Wind doch zu stark ist und räumen wieder zusammen, parken ihr Auto um, damit auch ihre Nase in den Wind schaut.

Umgekipte Bänke

Aber weil so viele immer umherfahren, wirbelt es immer wieder Staub und kleinere Steine auf, die es dann wieder durch die Gegend schleudert.

Der heutige Tag hätten wir uns leicht anders vorgestellt, aber es ist nichts zu machen, das Wetter können wir nicht ändern. So machen wir das Beste draus, ich bearbeite ein paar Fotos, sortiere diese und schreibe einen Reisebericht. Wer weiss, wann ich den mal brauchen kann.

Anita ist am Stricken und so verbringen wir den Tag in einem schaukelnden, aber warmen Wohnmobil. Einen Tag auf unserer langen Reise, der nicht nach Wunsch verläuft. Da kann man nichts dagegen sagen, rein gar nichts.

Übernachtung

Höfn - Campingplatz****
Camping

gross, sauber, freundlich

Koordinaten: 64.25874,-15.20409
N 64° 15' 31.5"  E -15° 12' 14.7"
letzter Besuch: 9.2022

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