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Kinderdijk Holland 2015
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Polarkreis überfahren

Er hat aber überlebt

Markierung Polarkreis

Wir haben es morgens nicht eilig, unser Ziel ist Bodø und der Platz am Hafen wird nicht wahnsinnig schön sein. Es gibt also keinen Stress, auch für mich nicht, der Hochzeitstag ist vorbei und ich kann wieder normal tun und muss nicht gar alles liebevoll erledigen. So starten wir erst nach 9 Uhr, denn unsere anvisierte Fähre Nr. 17 fährt nach unserem Plan um 10:30 Uhr und ist nur eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt. Wir starten den Motor, biegen auf die 17 ab und fahren den Wegweisern nach. Der Fährhafen kommt schon nach 10 Minuten, wir stellen uns wie gewohnt in die Schlange und geniessen die Sonne. Da ich trotz viel Zeit morgens keine Zeit habe, unser Navi zu programmieren, hole ich es nun nach.

Ups, und nach der doppelten Konsultation von Google Maps merken wir, dass wir im falschen Ort am falschen Fähranleger sind. Mist. Wie machen wir uns nun diskret von hier aus dem Staub mit unserem auffälligen Knutschi? Wir stehen in der Kolonne und können ja niemanden sagen, dass wir am falschen Hafen stehen, da blamieren wir uns ja bis auf die Knochen! Also frischfröhlich vor mich her pfeifen, wie selbstverständlich ins Auto steigen, Motor anlassen und ohne rot zu werden die Kolonne rechts überholen, zuvorderst auf dem Platz eine 180 Grad Wende machen, wo alle zuschauen können, und mit einem Lächeln auf den Lippen davonbrausen. Es hätte ja sein können, dass wir einen Notfall oder es uns doch anders überlegt haben!?

Na ja, eine halbe Stunde später stehen wir dann in Kilboghavn richtig und nicht mehr in Stokkvågen, wo es nur auf die Sackgass-Inseln geht. Der Fähranleger hier ist dann richtig schön, der schönste, den wir bisher erlebt haben. So warten wir auf die Fähre, reden mit anderen Wohnmobilfahrern, die wir schon gestern auf einer Fähre kennen gelernt haben. Es sind immer ungefähr die gleichen Womos auf der gleichen Fähre, alle haben das Ziel Bodø und nachher die Lofoten.

Als wir auf der Fähre sind, nehme ich dieses Mal das grosse Objektiv aus dem Womo, denn wir werden auf dieser Fährfahrt den Polarkreis überfahren und da will ich unbedingt vom Polarkreiswahrzeichen am Ufer ein gutes Foto machen. Es ist gar nicht so einfach, denn es windet extrem stark, wir würden sagen, ein Föhnsturm zieht übers Land. Denn genau so fühlt es sich an, es ist extrem warm, um die 20 – 24 Grad, starker Wind und Föhnwolken am Himmel. Genauso wie zu Hause.

Das Foto gelingt, und Anita und ich sind nun schon zum dritten Mal über dem nördlichen Polarkreis! Irgendwie schon etwas Spezielles. Ab jetzt haben wir vorläufig keine Nacht mehr und die Sonne geht vorerst für uns nicht mehr unter.

Nach einer Stunde sind wir wieder an Land und fahren zur Fähre Nr. 18. Hier landen wir auf Anhieb am richtigen Hafen und sind nach weniger wie einer halben Stunde schon über diesen Fjord.

einer von vielen Stopps

Die Landschaft wird allmählich etwas karger, und als wir später noch einkaufen gehen, merken wir auch, dass die Preise etwas angestiegen sind. Nicht nur beim Diesel, auch bei den Lebensmitteln. Aber wir sind nun schon so weit im Norden, dass sehr vielen hergefahren werden muss und nicht mehr viel Angebaut werden kann.

Der Schnee auf den Bergen kommt immer etwas weiter Richtung Meer hinab und auch der Svartisen-Gletscher sehen wir von der Meereshöhe aus. Wir stoppen viel an den Aussichtspunkten und Rastplätzen, überall gibt es tolle Fotos. Und wir haben es immer noch nicht eilig.

brütender Austernfischer

Anita stellt dann den Blinker nach der Saltstraumenbrücke auf den Parkplatz. Als wir vor 10 Jahren hier waren, hat es geregnet, also einen guten Grund, um nochmals anzuhalten. Wir erwischen um 17 Uhr gerade die Zeit, wo die Strömung unter der Brücke am Grössten ist. Der Fjord «leert» sich und 400 Mio Kubikmeter Wasser strömen ins Meer, nur um drei Stunden später wieder beginnen, zurückzufliessen (Das ist übrigens gleichviel Wasser, wie der ganze Grande Dixence- Stausee im Wallis. Der wird also in 6 Stunden geleert und in den weitern 6 wieder gefüllt). Wahnsinn, so etwas. Es ist die weltweit stärkste Gezeitenströmung und an dessen Ränder bilden sich gewaltige Strudel, die bis zu 10m gross und 4m tief sein können. Extrem eindrücklich. Wir schauen diesem Schauspiel gespannt zu und schwitzen vor uns her, es ist so warm, wie wir es fast nicht mehr gewohnt sind.

Saltstraumen mit Wirbel

Nach knapp einer Stunde fahre ich dann wieder die restliche Strecke nach Bodø, wo wir zuerst noch in den Biltema gehen. (ein grosser Baufachmarkt, wo es alles gibt…) Anita kauft sich dort Wanderhosen (ich habe nix gesagt, kosten nicht mal 30.- CHF. (Outdoorhosen für Damen, Wind- und Wasser abweisend)) und sonst noch ein paar notwenige Kleinigkeiten (z.B. einen Trichter für die Flaschenomeletts).

Danach richten wir uns auf dem Parkplatz am Hafen ein und überlegen uns, was wir machen sollen, jetzt wo es nicht mehr dunkel wird. Wir entschliessen uns, 20 Minuten ins Zentrum zu laufen und dort Fish & Chips essen zu gehen. (Von unserem norwegischen Pizza-Trauma haben wir uns noch lange nicht erholt). Die Stadt soll 42'000 Einwohner haben, aber wo sind die alle? Es ist fast wie ausgestorben, in einigen Restaurants in Hafennähe (Italiener, Thailänder, Chinese, Mexikaner) hat es Leute drin, aber sonst? Bodø ist Kulturhauptstadt 2024 aber irgendwie läuft nicht gerade viel. Und wirklich Charme hat sie auch nicht, immerhin mehr wie Hammerfest (aber das ist auch nicht schwer). Irgendwann finden wir dann Annas Gatekjøkken, wo wir Fish & Chips essen. Was die Essenspezialität Norwegens ist, wissen wir übrigens noch nicht. Nach dem Angebot in den verschiedensten Geschäften, müssten es Hamburger und HotDogs sein…

Wir sind dann um 23 Uhr wieder bei unserem Knutschi und nun muss noch der Blog geschrieben und die Fotos ausgewählt werden. Und dabei müssen wir morgen spätestens um 4:45 Uhr am Fähranleger stehen, denn unsere Fähre geht um 5:30 Uhr.

Gute Nacht am Tag.

Sonnenaufgang: 1:41 Uhr
Sonnenuntergang: -
18 - 24 Grad, windig

Übernachtung

Bodø - Hafen***
Parkplatz Koordinaten: 67.29329,14.402963
N 67° 17' 35.8"  E 14° 24' 10.7"
letzter Besuch: 6.2024