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Norwegen 2018
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Polarkreis

Die letzte Mitternachtssonne

Polcirkeln-Inlandsban

Gestern Abend sassen wir im Womo und bewunderten das Wetter und den blauen See in Nordlappland. Zwei Stunden später sah der See noch immer faszinierend aus, aber eben immer noch gleich schön. Draussen sitzen lag wegen den Mücken immer noch nicht drin. Dann sagte Anita (ja, Anita und nicht ich): «sollen wir weiterfahren und das schöne Wetter während der Fahrt geniessen? Die Aussicht auf den See kenne ich nun!» 20 Minuten später sind wir unterwegs, eine tolle Fahrt in der Mitternachtssonne zwischen Bäumen, Rentieren und Seen.

das letzte Mal Mitternachtssonne

Nach 90km sind wir in Jokkmok am Polarkreis, wo wir letzte Nacht (oder besser gesagt, Tag) übernachtet haben. 

zum Abendessen gabs einen Verwandten

Der Polarkreis ist diejenige Linie, wo am 21. Juni das erste Mal die Sonne nicht unter geht und der Polartag beginnt. Je nördlicher es geht, desto länger dauert dieser Polartag. Unser Polartag geht heute zu Ende und dauerte insgesamt 19 Tage, wir hatten also seit fast drei Wochen nie mehr Nacht. Wegen der Lichtbrechung der Atmosphäre dauert übrigens der Polartag länger wie die Polarnacht. Auch gibt es keinen Ort auf der Erde, wo die Zivilbevölkerung lebt und man mehrere Tage lang so dunkle Nacht hat, dass man immer die Sterne sieht. In der Polarnacht geht z.B. die Sonne in Hammerfest (nördlichste Stadt) drei Monate nie auf und man sieht sie nie, aber der Tag ist dennoch nicht so dunkel, dass man nur die Sterne sieht. Man hat mittags höchstens eine Dämmerung.

Polarkreis in Jokkmokk

Die Erde eiert in ihrer Drehung immer etwas herum, darum verschiebt sich der theoretische Polarkreis aktuell jedes Jahr um 14.5m nach Norden. Irgendwann kehrt das wieder und der Polarkreis wandert Richtung Süden.

Der Standort des Polarkreiszeichens in Jokkmokk, wo wir standen, ist übrigens 1.4km zu weit südlich aufgestellt. Und der eingezeichnete Polarkreis im Weihnachtsdorf in Rovaniemi liegt sogar 2.3km zu südlich und hat nicht mal die richtige Richtung. Die Weltkugel, wo wir den Polarkreis in der Hinfahrt mit dem Schiff überfahren haben, stimmt um 900m nicht, aber es sieht dort eben toller aus, wie am richtigen Standort. Und auch das Polarsirkelsenteret an der E6 in Norwegen ist fast 2km daneben… Darum fahren wir heute Morgen zum Polcirkeln-Inlandsbanan, dieses Zeichen stimmt ziemlich genau und liegt auch bei Jokkmokk. 

So fuhren wir nun die letzten drei Kilometer wieder über Waldwege, bis wir am Polcirkeln-Inlandsban stehen, dort wo der Polarkreis wirklich vorbeigeht. Hier gibt es sogar eine Bahnstation, aber ob jemals ein Zug vorbeikommt? (Ausser natürlich der Polarexpress mit dem Weihnachtsmann).

Als wir das nun abfotografiert haben, überqueren wir nun endgültig diese faszinierende Linie und fahren Richtung Süden. Wir überschritten mit unserem Knutschi den Polarkreis insgesamt nun an 6 verschiedenen Orten, weitere werden in Zukunft dazukommen. Wir träumen schon von der nächsten Winterreise im Hochwinter mit kurzen Tagen, viel Schnee und weissen Bäumen. Jetzt während der heutigen Autofahrt träumen wir aber von Elchen und einer Autowaschanlage für Wohnmobile. Gar nicht so einfach am Sonntag und in der dünnsten besiedelten Gegend von ganz Europa. Beides bekommen wir heute nicht zu Gesicht. Zwischendurch regnet es sogar etwas. Aber nicht so schlimm, unser Knutschi kann nur noch sauberer werden.

Gegen 16 Uhr kommen wir bei Caro und Daniel im Sandsjogarden an. Dieses Ferienresort inklusive Stellplatz liegt direkt an dem See, den wir bisher nur zugefroren kennen. Er hat doch tatsächlich Wasser… Das letzte Mal war noch alles zugefroren und wir waren hier Eisfischen (wir fischten nicht nach Eis, sondern nach Fischen auf einem See durch ein Eisloch), aber ohne Erfolg. Jetzt freuen wir uns auf Rentiergeschnetzeltes als Abendessen, genau das richtige für uns.

Wetterstimmung

Nach dem extrem feinen Nachtessen geniessen wir ein feuriges Spektakel, dass uns der erste Sonnenuntergang seit langem bringt: orange Regenwolken, farbige Regenbögen, hell beleuchtetes Ufer. Einfach toll, was die uns alles bieten! Und da wir wohl wieder einmal eine sehr kurze Nacht haben, sind dafür die Sonnenunter- und Aufgänge viel länger.

Neben dem tollen Campingplatz mit super netten Betreibern ist dieser Ort auch für Fotografen einfach mystisch. Wir sind nicht zum ersten Mal hier und wohl auch nicht zum letzten Mal.

Ach ja, und das Fachsimpeln über Wohnmobile und Fussball wird hier auf Schweizerdeutsch gemacht, wir sind nicht die einzigen Helvetier hier…

Sonnenaufgang: -
Sonnenuntergang: 23:59 Uhr

292km
4:07 h Fahrzeit
70km/h
10.1 l/100km


Übernachtung

Sandsele - Sandsjogarden****
Camping

kleiner Campingplatz mit Hütten direkt am See, von Schweizern geführt

Koordinaten: 65.24334,17.675349
N 65° 14' 36.1"  E 17° 40' 31.3"
letzter Besuch: 3.2018

24.6.2024 - Wunderschöne Bilder, da kommen auch bei uns tolle Erinnerungen auf. Ist aber viele Jahre her und wir waren auf der E45 oft zu schnell unterwegs. Dabei ist das ja auch eine schöne Reiseroute in den Hohen Norden. Weiterhin gute Heimreise euch 2 und Gruss

Andreas


24.6.2024 - Was lesen wir da "Hochwinter"? Das wäre ja mal ein Ding, wenn wir uns in Skandinavien über den Weg fahren. Wir sind jedenfalls von November bis April wieder da oben unterwegs. Wäre sicher interessant, Euch mal persönlich zu treffen ;-) Weiterhin eine gute Reise in unserem derzeitigen Lieblingsland.

- Uwe & Bianka


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