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Lutziesteig Schweiz 2014
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Sicherheit hat Vorrang

Wir müssen umdrehen, weil wir zu breit, zu lang und zu schwer sind. Der Conor Pass ist leider nix für uns.

Dingle

Wir erwachen bei Regen, aber irgendwie ist das gar nicht so schlimm. Wir haben es nicht eilig und auf der Planung steht nichts Wichtiges an. Eigentlich wollen wir nur irgendwie auf die Halbinsel Dingle kommen. Dort habe ich mir einige Übernachtungsmöglichkeiten herausgeschrieben und falls mir bis zum Slea Head kommen, wäre das perfekt. Der Slea Head ist der westlichste Punkt der irischen Insel. Beim nördlichsten waren wir ja auch und vielleicht würde dann auch der südlichste noch drinliegen.

Zuerst geht es auf schmalen Strassen etwas zurück bis wir bei der breiten Atlantikeinmündung von Irlands grösstem Fluss, dem Shannon sind. Dort gibt es eine stündliche Fährüberfahrt und würde uns sehr viele Kilometer sparen. Leider kommen wir nach Navi 5 Minuten zu spät und müssen uns daher auch nicht mehr beeilen. Wir haben Zeit.

als letzte auf die Fähre

Den Fährableger finden wir problemlos, auch die Fähre steht noch dort und ein Angestellter winkt uns wie verrückt zu, dass wir noch mit sollen. Er winkt uns dann auch schräg über die Rampe ein, so dass wir mit dem langen Überhang nicht aufschlagen und schon startet die Fähre, bevor wir die Handbremse angezogen haben. Das war dann wohl eine Punktlandung und wir verloren keine einzige Sekunde an Zeit.

Die Überfahrt schaukelt nicht mal ein klitzelkleines bisschen. Wie man so eine Fähre so ruhig steuern kann? Keine 20 Minuten später sind wir auf der andern Seit schon wieder runter und fahren nun bei besserem Wetter auf der Hauptstrasse quer durchs Land nach Tralee. Das ist etwas eine Abkürzung, die Strasse ist sehr breit und wir kommen so ungewohnt schnell vorwärts. Wir wollen Dingle gegen den Uhrzeigersinn umrunden und fahren etwas später wieder die engen Strassen dem Atlantik nach.

Während wir so gemütlich dahingondeln bei wenig Verkehr, sehen wir plötzlich einen riesigen Sandstrand vor uns und unten ein Parkplatz. Eine Pause tut grad gut und so fahren wir zu den anderen Autos hin und merken dann, dass diese direkt auf dem Sand parkiert haben. Wir schauen uns an und ich folge den Spuren zu den Fahrzeugen, aber ich halte mich so nahe wie möglich am bewachsenen Ufer. Mir ist mit unserem schweren Gefährt auf dem Sandstrand einfach nicht so wohl. Parken geht dann problemlos und wir schauen interessiert den Segelbooten mit Rädern zu, wie sie lautlos über den kilometerlangen Sandstrand rasen. Es ist faszinierend und wir bleiben eine ganze Weile, essen etwas und machen einen Spaziergang.

Strandparkplatz

Währenddessen ein Ire (nicht Irre, aber fast) mit dem PKW auf dem Sandstrand hin und her slidet, und durch Wasserpfützen rast. Das gäbe doch ein gutes Filmchen, wenn wir mit unserem Knutschi über den Strand und durch Restwasser rasen würden! Aber wir schütteln den Kopf und machen es nicht, Sicherheit geht vor. Und es wäre peinlich, wenn wir dann im Sand stecken bleiben, wir haben uns im Winter auf der Nordkapreise schon mal von einem PKW verleiten lassen und das ging nicht so gut aus. Man glaubt es kaum, aber auch wir lernen dazu!

viel Platz und viel Tempo

Danach geht es weiter bis an den Fuss des Conor Passes. Dort lasse ich gentlemanhaft das hinter mir fahrende Fahrzeug vor, die Fahrerin gibt aber Zeichen, wir sollen die Scheiben runterlassen und redetet freundlich auf uns ein. Wir verstehen in etwa: «Wenn ich euch wäre, würde ich umkehren, da ist noch nie so ein grosses Fahrzeug rübergefahren.» Echt jetzt, die Strasse sieht ziemlich gut aus und so hoch ist dieser Pass ja auch nicht. Ich schaue in Google Maps nach und sehe dort auf den Satellitenbildern, dass die Passtrasse immer einen markierten Mittelstreifen hat. Also ziemlich easy, wir sind da schon ganz schmalere Dinge gefahren. Aber irgendwie ist uns doch nicht so wohl dabei, wenn uns eine Einheimische warnt und in letzter Zeit kam uns auch kein Wohnmobil oder Bus entgegen. Zur Sicherheit marschiere ich 500m zurück bis zur letzten Abzweigung und da sehe ich gross auf einem Schild: Maximalbreite 1.80, Maximallänge 7.20m und Maximalgewicht 2t. Alle drei Masse übertreffen wir bei Weitem! Warum habe ich dieses Schild nicht vorher gesehen? Ich bin überzeugt, wir kämen da sicher über den Pass, aber es ist verboten. Können und dürfen sind zwei verschiedene Dinge. Sicherheit hat Vorrang und darum drehen wir und müssen etwa 20km zurückfahren und die Hauptstrasse nehmen. Nichts ist es mit der Umrundung der Halbinsel.

Egal, wir kommen danach gut in Dingle an und finden am Hafenpier bei all den andern Touristen keinen Parkplatz, eine Höhenbeschränkung verwehrt uns die Einfahrt zum zweiten Parkplatz und wir meinen schon, dass hier wieder nichts wird. Aber just in dem Augenblick sehen wir an eine Hauswand gekritzelt, Parking 5€. Und dann stehen wir direkt am Meer mit viel Platz, müssen 5 € in einen Briefkasten werfen und können danach den ganzen Tag stehen bleiben. Ist doch super so!

Wir schlendern durch das touristische Städtchen, machen Fotos von den farbigen Häusern und trinken in einem Pub ein Guinness. Ich nehme mein Handy hervor und schaue mir meine herausgeschriebenen Übernachtungsplätze an und sehe per Zufall auf Google Map eine Beschriftung «Free Camping». Ist da schon auf Google Map eingezeichnet, dass man dort frei campieren darf? Das wäre ja super! Und auch klar, das müssen wir uns ansehen und ausprobieren.

Jetzt mal ehrlich, wir hatten es noch nie so leicht, Übernachtungsplätze für ein Womo zu finden wie auf der irischen Insel. Einfach super!

Bei diesem markierten Free Camping ist dann aber die Zufahrt schon etwas abenteuerlich und holprig. Ob da schon irgendwann mal ein Womo gestanden ist? Zur Sicherheit laufe ich aber vorher das Strässchen zu Fuss ab, ich will ja sicher sein, dass ich irgendwo drehen kann und morgen auch wieder zurückkomme.

Es klappt bestens, allerdings fahre ich dann doch nicht bis zum Ende sondern wir stellen unser Womo etwa in der Mitte hin, mit fantastischer Aussicht auf das Meer. Man könnte noch weiter Richtung Meer fahren, aber irgendwie getraue ich mich dann doch nicht und die Sicherheit geht vor. Die Strasse ist eher für 4x4 wie für unser Womo.

Abendstimmung

Aber so was nenn ich mal frei stehen! Wirklich fantastisch. Und das Wetter wird auch immer besser, jetzt kommt sogar die Sonne hervor und einem fantastischen Sonnenuntergang über dem Meer steht überhaupt nichts im Wege…


Übernachtung

Dunquin - Free Camping****
frei

holprige Anfahrt, holpriger Platz, Top aussicht

Koordinaten: 52.140439,-10.466147
letzter Besuch: 5.2019