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Andenes Norwegen 2014
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Wir schwitzen

Hoch Temperatur Gegend

Hochgeothermiefeld

Nach einer sehr geruhsamen Nacht an einem wunderschönen Ort erwachen wir heute bei leicht bedecktem Himmel. Die Laune ist spitzenmässig, auch wenn wir wissen, dass wir nun noch ein paar Kilometer auf dieser furchtbaren Strasse vor uns haben. Dann sind wir auf der Ringstrasse, der grössten und besten ausgebauten Strasse in Island. Wir folgen dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke und sind uns das ruhige dahingleiten gar nicht mehr gewohnt. In Island gibt es nur drei Geschwindigkeitsbeschränkungen: 50km in Überbautem Gebiet, 90km/h auf asphaltierten Strassen und 80 km/h auch Schotterpisten.

Wir fahren also mit 90 km/h 30km Richtung Myvatn-See, dann setzen wir den Blinker und biegen rechts ab Richtung Krafla. Irgendwie sind wir noch die einzigen, die samstags um 9 Uhr auf den Strassen Islands unterwegs sind.

Wir fahren 4km bis wir bei der Endlos-Dusche in der Pampa sind. Eine Dusche, bei der 365 Tage 24 Stunden immer warmes Wasser herausläuft. Ist ja klar, dass wir da auch parken müssen und ein paar Fotos schiessen. Und dann kommt das Gefühl über uns, dass wir dringend eine Dusche nötig hätten. Also ziehe ich mich kurzentschlossen aus und geniesse eine ausgiebige, heisse Dusche in der Natur. Während ich dann nach langer Zeit so richtig schön sauber bin, überkommt Anita plötzlich auch noch das Duschenmüssen-Gefühl.

Die Dusche wird aus dem Abwasser des Kraftwerkes gespiessen, wir vergeuden hier also keine Energie.

Nachdem wir sauber und angezogen sind, fahren wir weiter Richtung Krafla-Krater, parkieren unser Knutschi und ziehen die Wanderschuhe an. Wir wollen auf den Krater und oben rund herum, merken aber bald, dass der Parkplatz quasi schon auf dem Krater ist und wir keine 100m laufen müssen. Der See im Krater ist super schön blau, aber irgendwie sind wir das erste mal nicht ganz so himmelhochjauchzend. So wirklich spektakulär ist es nicht, da haben wir uns etwas mehr vorgestellt. Aber immerhin schwitzen wir das erste Mal, denn es wird immer wärmer.

Nach dem Kratersee fahren wir 2km und parken auf dem Parkplatz von Leirhnjúkur, einem Lavafeld und Hochtemperaturgebiet. Nach einem Kilometer Fussmarsch brodelt es aus dem Boden, Schwefelduft in der Luft und ein prächtiges Farbenspiel. Es ist echt eindrücklich, wir klettern über erstarrte Lava und überall dampft es aus dem Boden. Frieren müssen wir nicht, wir können einfach vor so einem Dampfausgang stehen bleiben und die heissen Temperaturen geniessen. Was aber ebenso eindrücklich ist, sind die schwarzen Lavaströme von einem vergangenen Vulkanausbruch. Es sieht aus wie ein schwarzer Gletscher. Wir finden diese Lavafelder sensationell.

Als wir dann wieder beim Knutschi sind fahren wir auf die Ringstrasse zurück und sehen einen Parkplatz mit vielen Autos drauf. Also muss da etwas los sein und wir fahren da natürlich auch hin. Es ist der Parkplatz von Hverarönd, wo es wieder aus der Erde zischt, dampft und blubbert. Es ist echt eindrücklich, welche Kraft die Natur hat, wenn sie hier mit Hochdruck Dampf aus dem Boden presst, und das mit einem ziemlichen Getöse. In anderen Becken blubbert heisser Schlamm seit tausenden von Jahren.

Hier hat es zum ersten Mal ziemlich Touristen, das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Auch bezahlen wir zum ersten Mal einen Eintritt für eine Sehenswürdigkeit, das heisst, wir müssen den Parkplatz bezahlen, ca. 5.- CHF. Es fiel uns bisher gar nicht auf, dass wir eigentlich überall kostenlos waren, sogar für den Campingplatz heute Morgen haben wir nur 14.- bezahlt. Die anderen waren um die 25.-. Soooo teuer ist Island bisher überhaupt nicht.

Als wir genug von blubbernden Schlammlöchern und Duft von faulen Eiern haben, fahren wir wieder nur wenige Kilometer weiter. Jetzt ist Erholung angesagt.

Wir stoppen beim Jarðböðin við Mývatn, einem Naturbad, das ähnlich wie die Blaue Lagune auf Island sein soll. Da wir die Blaue Lagune nicht kennen, können wir keinen Vergleich ziehen, aber hier ist es sensationell. Wir bezahlen ca. 40.- Eintritt pro Person und sind dann im Umkleideraum. Dort muss man sich zuerst ohne Badehosen gründlich waschen, genau nach Anleitung und mit Seife: Kopf, Achseln, Hände, Intimbereich und Füsse, danach darf man die Badehosen anziehen und kann ins Bad (ist in Island übrigens bei jedem Bad so vorschrift).

Das Wasser ist hellblau und 41 Grad warm, tolle Aussicht in die Umgebung bis zum Myvatn-See. Einfach nur toll! Wir genehmigen uns einen Drink direkt vom Wasser aus.

Da wir viele badende Gäste sehen, die mit Handy und Fotoapparaten trotz Fotoverbot im Bad Bilder schiessen und keine Aufsichtsperson etwas sagt, entschliessen wir uns, auch unseren Fotoapparat zu holen. Allerdings haben wir da die Drinks schon leer…

Kurz gesagt: ein Aufenthalt in diesem Bad ist ein Muss! Wir sitzen mehr wie zwei Stunden im warmen Wasser, je nach Aufenthaltsort im Becken ist es etwas kälter oder wärmer.

Als wir wieder bei unserem Knutschi sind, merken wir, dass wir kein Portemonnaie mehr haben. Da beginne ich nun wirklich zu schwitzen, suche und gehe schliesslich zur Reception des Bades. Wie wir denn heissen, meint die Dame nur und schon zückt sie mein Portemonnaie unter der Theke hervor und erstattet es mir zurück. Mir fällt ein Stein vom Herzen und ich bin froh, im Land mit der tiefsten Kriminalität in Europa unterwegs zu sein…

Nun geht es etwa 6km weiter auf den nächsten Campingplatz mit toller Sicht auf den Myvatn-See. Übersetzt heisst das übrigens Mückensee, es soll da Millionen von Mücken haben. Aber jetzt im September schwirrt hin und wieder mal eine vorbei, aber echt, stören tut es nicht. Und übrigens: in Island gibt es keine Mücken, die stechen! Es sind also eher so kleine Fliegen. An alle, die uns vor diesen in Schwärmen auftretenden Mücken gewarnt haben: uns geht es gut und wir sind sehr entspannt. Also keine Panikmache.

Ach ja, wir sitzen jetzt vor dem Womo bei 22 Grad und blicken auf den See mit dutzenden kleinen Inseln.

Übernachtung

Reykjahlíð - Hlíð ferðaþjónusta****
Camping

tolle Sicht auf den See

Koordinaten: 65.6495774,-16.9189293
letzter Besuch: 9.2022

4.9.2022 - Was für eine knackige Landschaft :) Da kommt Freude auf! LG

RichardH


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