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Nordkapp 2018
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Wir sind eindeutig Fahrertypen

Das Wetter ist einfach zu fantastisch, um Bauten oder andere Kunstwerke zu besichtigen, die Natur ist eben doch am allerschönsten

Nach einer wieder bitterkalten Nacht (draussen) freuen wir uns, dass es wieder weiter geht. Wir sind eben doch eher die Fahrer-Typen wie die Steher-Typen. Man sieht doch beim Fahren so viel mehr, als wenn man am Ort stehen bleibt. Und die vorbeiziehende Natur ist eben doch das grösste Kunstwerk.

Bis wir alles bereit haben und endlich abfahrfertig sind, ist es doch schon 12 Uhr aber immer noch -10 Grad kalt. Wir haben es nicht eilig, wollen wir doch nur 130km bis Alta zur nördlichsten LPG-Tankstelle um unser Gas aufzufüllen.

Als wir dann endlich losfahren haben wir Sonne im Rücken und einen tiefblauen Himmel über uns. Wir könnten im Auto jauchzen, so schön ist es. Der weisse Schnee wird immer höher, wie hier oben üblich kein Verkehr und trotz Sonne wird es einfach nicht merklich wärmer. An jedem Parkplatz, an jedem Aussichtspunkt müssen wir stoppen und Fotos machen. Es gibt einfach nichts schöneres, wie unterwegs zu sein.

Blick zurück auf die Gegend von Kautokeino

Wir kommen gut in Alta an, finden auch die Tankstelle problemlos und füllen unser Gasvorrat auf. Wir haben tatsächlich nur gerade 22 l Gas verbraucht! Ich dachte schon, unsere Anzeige sei falsch, denn nun sind wir über eine Woche bei eisigen Temperaturen unterwegs und keinen grösseren Verbrauch. Unsere Isolationen mit Aussenabdeckung und Innen-Isovorhang hat sich voll bewährt. Wir können uns nun also bei der Rückfahrt und ähnlichen Temperaturen zwei Wochen Zeit durch Finnland nehmen, denn dort gibt es keine LPG-Tankstellen.

Während wir in Alta stehen, sehen wir auf der Webseite, dass die Strasse nach Hammerfest nun für den Verkehr offen ist. Auch die Strasse bis Honningsvag wird nun geräumt und die dort eingeschlossenen können nach einer Woche endlich mit ihren Fahrzeugen in Kolonnenfahrt von dort Weg. Nur die Strasse ganz ans Nordkap ist noch immer für jeglichen Verkehr gesperrt und sind sie auch noch nicht am Räumen. Aber falls sie morgen damit beginnen und das Nordkap vielleicht doch noch öffnen würden, müssten wir schon etwas näher dran sein als in Alta.

ein Rastplatz in Alta

So schauen sich Anita und ich nur an und die Entscheidung fällt gänzlich ohne Worte. Wir starten den Motor, nützen das schöne Wetter aus und fahren weiter Richtung Norden.

Kurz nach Alta geht es auf die Hochebene von Sennalandet. Diese Ebene auf fast 400m hat uns schon vor vier Jahren beeindruckt, aber ob wir da überhaupt hochkommen? Für LKW herrscht Schneekettenpflicht. Wir versuchen es und fahren los. Die ersten Steigungskilometer gehen wie am Schnürchen, in der Mitte der Strasse hat es meistens einen schneefreien Asphaltstreifen. Wir schaffen es dann auch bis ganz oben, auch wenn es zeitweise wirklich nur noch Eis auf der Strasse hat. Aber die Räumfahrzeuge fräsen Rillen in dieses Eis und so ist es doch nicht ganz glatt.

Auf der Ebene erleben wir dann ein besonderes Naturschauspiel. Die Sonne genau im Rücken, leichter Bodennebel (ganz genau Frostdunst oder norwegisch Frostrøyk) und Temperaturen von -13 bis -10 Grad, das gibt den Effekt, dass wir vor uns einen weissen Regenbogen sehen. (Der weiße Bogen ist tatsächlich ein gefrorener Regenbogen. Flüssige Wassertröpfchen reflektieren das Sonnenlicht und zerlegen es in die einzelnen Spektralfarben und es entsteht der bunte Regenbogen. Gefrorene Wassertröpfchen, also Eiskristalle reflektieren ebenfalls das Sonnenlicht, können aber nur den Weißanteil reflektieren und es entsteht ein nur weißer Eiskristallbogen.)

Dieser Bogen begleitet uns über mehrere Kilometer! Alles ist weiss, der Nebel, die Strasse, die Landschaft und dann auch dieser Bogen. Wir haben bisher noch nie so etwas sehen können.

der Eisbogen

Der Verkehr nimmt etwas zu, aber es sind alles Norweger, die mit den Autos zu einem Parkplatz fahren, dort auf das Schneemobil umsatteln um dann zu ihren Ferienhäusern zu gelangen. Jedes Haus das wir sehen, hat eine Schneemobilspur, das zu ihm hinführt und es kommen uns neben der Strasse nicht gerade wenige Norweger mit Schneemobile entgegen, einige haben die Kindern zwischen den Beinen oder einen Last- oder Personenanhänger angehängt. Echt faszinierend.

Wir sind von den wenigen Fahrzeugen das Langsamste und so fahre ich bei den Parkplätzen langsam rechts an, nachdem ich den Blinker gestellt habe. Ich kam nie zum Stoppen, die Norweger haben mich dann jeweils sofort überholt und rauschen auf der schneebedeckten Strasse mit 90 davon. Uns ist es wohler, wenn wir nur 70 fahren, 60 wäre wahrscheinlich noch besser gewesen…

Am Fjord Richtung Hammerfest

Richtung Hammerfest hat dann ein ausgeschilderter Stellplatz noch mindestens einen Meter Schnee, der nicht geräumt wurde und so übernachten wir heute auf einem normalen Rastplatz direkt am Meeresufer. Endlich sehen wir nun auch mal Wasser, das nicht gefroren ist.

Es war ein fantastischer Ostertag, der schöner nicht sein könnte. Jetzt kocht uns Anita feine Spaghetti, wir sitzen im Warmen mit Sicht auf das Meer und weisse Berge im Hintergrund, das Außenthermometer zeigt -11 Grad und innen ist kuschelig warm.

Übernachtung

Kvalsund - Repparfjord***
Parkplatz

Direkte Sicht auf das Meer (bei Flut)

Koordinaten: 70.44899,24.300836
letzter Besuch: 4.2018

1.4.2018 - Klar, Museen und Kirchen oder ins Spaßbad kann man auch bei schlechterem Wetter von innen anschauen. Aber schon ein Stadtbummel wird bei schlechtem Winterwetter zur Herausforderung, und eine Schlittenhunde- oder Schneescootertour machen bei strahlenden Sonnenschein auch mehr Spaß als im Schneetreiben. Eine gute Weiterreise wünscht Walter

Walter7149


2.4.2018 - Liebe Anita, lieber Rolf Habe gerade eure Berichte nachgelesen. Toll, was ihr alles erlebt! - Ein richtiges Abenteuer. Wir sind auch auf der ersten diesjährigen Tour nach Frankreich. Momentan stehen wir in den Bergen der Ardèche. Weit weniger pektakulär. Mit morgens 6° auch nicht so kalt, wie bei euch. Tagsüber hatten wir so um die 12°. Gute Fahrt weiterhin, auch von Renate -

- Michael


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