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Finnland 2018
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Wir wollen unser Tempo verlangsamen

Wir haben noch genug Zeit und auf der norwegischen Küste tobt ein Schneesturm.

die Kapelle des Ice-Hotels

Ich lasse meine Anita heute ausschlafen, denn wir haben es nicht mehr eilig. Die Strassen auf der norwegischen Seite sind praktisch alle gesperrt wegen zu viel Schnee und Schneeräumung. Auch das Nordkap ist zu und dort sind ein paar Touristen mit ihren Fahrzeugen in Honningsvag eingeschlossen und können nicht mehr zurück. Also momentan auch keine guten Zeichen für den Abstecher auf die Lofoten.

viele Strassen in Norwegen sind gesperrt

So starten wir gemütlich und fahren zurück nach Jokkmokk einkaufen. Wir brauchen noch Enteisungsmittel und diese fette dicke 40 A-Sicherung als Reserve. Allerdings kennen sie so eine Sicherung an keiner Tankstelle und einen Bitema und die ganz grossen Einkaufszentren findet man so hoch im Norden nicht mehr. Aber halb so schlimm, fahren wir ohne Reserve weiter. Aber ich bin nochmals froh, dass wir so eine Ersatzsicherung dabei hatten, sonst wären wir schön am Arsch. 

Wir haben uns heute 100km vorgenommen und wollen auf einem Aussichtspunkt übernachten und die Nordlichter sehen. Die Abzweigung zu diesem Aussichtspunkt finden wir dann problemlos, allerdings die Strasse da hoch wurde zu einer Langlaufloipe umfunktioniert. Also fällt diese Möglichkeit ins Wasser. Uns auf dem Parkplatz zum Übernachten einzurichten jetzt um 12 Uhr Mittags ist irgendwie nicht unser Ding. Die Beratung dauert keine 10 Sekunden und wir beschliessen, weiter zu fahren.

da wollten wir hoch

Nur wenige Kilometer später zeigt ein Wegweiser zu einem Skigebiet, dem wir dann spontan folgen. Da ist echt noch Hochbetrieb, aber die Lifte sind schon etwas in die Jahre gekommen und die Abfahrten auch nicht wirklich lange. Aber es hätte sogar Stromsäulen bei den Parkplätzen und dadurch auch einige Wohnwagen und Wohnmobile, die hier stehen. 

Da es immer noch erst 12:30 Uhr ist fahren wir dann auch hier weiter. Wir sind eher die Fahrertypen wie die Steher… Wir programmieren das Ziel unseres Navis beim Eishotel in der Nähe von Kiruna.

Die Fahrt dorthin ist wie gestern, vorgestern, vorvorgestern und davor auch wieder schön, aber das Wetter ist mit Wolken verhangen und daher schaut die Landschaft nicht mehr ganz so intensiv aus. Die Laune an Bord ist trotzdem sehr gut, Anita strickt und ich lese, äh fahre.

Richtung Kiruna nimmt dann der Gegenverkehr leicht zu, man merkt, dass die Norweger auch Osterferien haben und mit ihren Schneemobilen nach Schweden fahren. Nicht übertrieben, 50% vom Gegenverkehr fährt mit Anhänger und darauf ein oder zwei Schneemobile. Dazu vorne ein Elchgitter, separate Scheinwerfer und eine Dachbox. Das Elchgitter und die Scheinwerfer will ich auch vor unserem Wohnmobil montieren, würde doch echt cool aussehen. Auf die Dachbox kann ich verzichten und das Schneemobil könnten wir zu Hause doch etwas zu wenig nutzen… Aber hier haben sie schon ein anderes Verhältnis zum Schnee: die alten Menschen haben Kufen an ihrem Rollator, die Mütter gehen mit Kinderwagen auf Schlitten einkaufen und die Männer haben eine Motorsäge und ein Schneemobil…

Beim Eishotel in Jukkasjärvi finden wir sofort einen Parkplatz und sind echt gepannt was uns erwartet. Wir können es uns einfach nicht richtig vorstellen. Wir kaufen zwei Eintrittskarten und treten durch eine Türe mit Elchfell bezogen ins Hotel. Wow, uns verschlägt es auf Anhieb die Sprache: Die Rezeption von einem Künster völlig aus Eis gestaltet, wie alles hier drin, Wände, Decken, Stühle, einfach alles. Und es ist riesig! Vom mit Säulen ausgestatteten Hauptgang zweigen fünf Gänge ab und in jedem dieser Gänge hat es etwa sechs Zimmer, inkl. Zimmernummer und als Türe ein Fell.

ein Doppelzimmer

Die Hälfte der Zimmer sind von Künstlern gestaltet, vom King-Kong-Zimmer, über das Astronauten-, Eiskönigin-, Monster- und was weiss ich für Zimmer. Sogar eine Kapelle hat es im Hotel! Es ist echt beeindruckend! Und man kann richtig darin einchecken und eine Nacht darin schlafen, auch die Betten sind aus Eis. Wenn ich das genau Datum gewusst hätte, wann wir hier sind, hätte ich als Überraschung eine Nacht gebucht. Jetzt bin ich froh, dass ich es nicht gemacht habe. Es ist echt kalt im Hotel und ich weiss nicht, ob das ein Spass ist, bei -5 Grad Zimmertemperatur auf einem harten Eisbett zu schlafen. Wir bevorzugen eindeutig unser Knutschi. Aber da wirklich Gäste im Eishotel schlafen, gibt es Feuerlöscher und eine Sprinkleranlage. Nimmt mich wunder, was da brennen sollte…

Es können tagsüber alle Zimmer besichtigt werden, der Eintritt ist zwar ziemlich hoch, aber es lohnt sich echt! Ich bereue keine einzige Krone!

Nach dem Besuch fahren wir etwas ziellos nach Kiruna selber und überlegen uns, was wir jetzt um 16 Uhr noch anfangen sollen. 90km entfernt wäre in Abikso die Aurora Sky Station, nach der Werbung der Ort, wo man am sichersten Nordlichter beobachten kann. Das wäre ja was, da auf heute eine etwas stärkere Aktivität vorausgesagt wird. Also fahren wir einfach nochmals weiter. Die Strassen sind gut, wir kommen gut vorwärts. Nur als ein riesiger Schneepflug in höllen Tempo auf uns zurast, gibt es etwas Aufregung aber Anita hat den Fotoapparat nicht bereit! Und wie bitte schön, soll sie einen Elch fotografieren, wenn sie nicht mal den Schneepflug erwischt?

Es sieht nun in Schweden fast aus wie in Norwegen

Wir fahren an schönen Rastplätzen vorbei, merken uns einige und sind dann tatsächlich an der Talstation der Aurora Sky Station. Aber es prangt ein grosses Schild dort: closed. Mischt, die haben tatsächlich schon Sommerpause, dabei beginnt es ja zu schneien! Mit Nordlichtern würde es heute wahrscheinlich wegen der Wolkendecke sowiso nichts werden, also drehen wir um und fahren zu einem Rastplatz.

Hier sind vier norwegische Womos zu einer Wagenburg hingestellt und die Besatzungen sitzen draussen am Grill, tratschen, trinken und essen. (es ist übrigens -4 Grad). Nach einer kurzen Begrüssung verzeihen wir uns lieber nach drinnen. (Die sitzen jetzt übrigens immer noch draussen, während der Blog online ist).

Zum Titel: wir haben heute doch tatsächlich schon wieder 300km gemacht, obwohl wir doch verlangsamen wollten… Und eine Ersatzsicherung haben wir auch noch keine, jetzt müssen wir in den nächsten Tagen hier oben dann noch einen Womohändler suchen.

Externe Links

Übernachtung

Abisko - Bessijakka***
frei

mit WC

Koordinaten: 68.303059,19.231212
letzter Besuch: 3.2018

29.3.2018 - In Alta gibt es einen grossen BILTEMA, da bekommst Du sicher diese Sicherung. Weiterhin viel Spass und fahrt vorsichtig.

arco1111


29.3.2018 - Es macht jeden Abend Spaß, Euren Tagesbericht zu lesen! Wir waren im Februar im Schnee (oder Eis-)Hotel in Kirkenes und waren ebenfalls schwer beeindruckt. Lasst Euch Zeit, Ihr habt ja schließlich Urlaub ;-) Und der skandinavische Winter wird wohl noch ein Weilchen andauren....

- Klaus + Leo


31.3.2018 - Ich war im Januar 2000 im icehotel immer wieder schön diese Bilder zu sehen. Euch noch viel Spass.! Arnold

Arnold


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