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Griechenland 2017
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Abfall und Ökologie

Ich nehme das Thema Kaffeekapseln nochmals auf

Durch den gestrigen Kaffeekapsel Blogbeitrag befasse ich mich heute etwas mit Ökologie und Abfall. Das trifft sich insbesondere ziemlich gut, da ich momentan beruflich an einer interessanten Webseite dran bin (geht nächstens online), die sich genau mit solchen Dingen befasst. Die Webseite ist für einen Weltreisenden, der mit seinem grossen Wohnmobil durch die Welt reist und auf der Webseite jederzeit die aktuellen Verbrauchs- und Umweltzahlen seiner Reise publiziert haben will. Ich beschäftigte mich in den letzten Monaten also intensiv mit Formeln, Treibhausgasen, Co2-Äquivalent und dergleichen.

Es gibt aus meiner Sicht (nicht wissenschaftlich) drei Bereiche: Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und CO2 Ausstoss. Diese drei Dinge haben nicht zwangsläufig immer einen Zusammenhang. Beispiel gefällig? Ein Liter Diesel wird bei der Verbrennung zu ca 3,3 kg Co2, egal wie dieser nun verbrennt. Euro2 oder Euro6-Motor hat dabei also keinen Einfluss, aber in der Ausstossung des Feinstaubes und damit der Umweltverschmutzung ist es eine grosse Differenz!

Zurück zu den Kaffeekapseln: Der Ressourcenverbrauch der Kaffeekapseln ist schlecht, keine Frage. Es wird Aluminium verbraucht, dass man sich sparen könnte. Bei der Umweltverschmutzung ist es dann nicht mehr so tragisch, da ich jetzt mal erwarte, dass diese Kapseln fachgerecht entsorgt werden. Beim Betrieb ist es dann nicht mehr ganz so einfach. Die Kaffeemaschine läuft mit Solarstrom, es wird also nichts zusätzliches Verbraucht, ausser das Wasser in der Tasse. Wenn ich einen Kaffee herkömmlich mit heissem Wasser mache, brauche ich Gas, es wird dort also mehr Co2 freigesetzt und Ressourcen verbraucht. Unter dem Strich werden die Kaffeekapseln aber trotzdem schlechter abschneiden, weil der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung mehr ins Gewicht fällt. 

Ähnlich zum Beispiel bei den Zahlmethoden: Kreditkartenzahlungen brauchen insgesamt 3,8 Gramm Co2, eine Barzahlung 4,6 Gramm, aber der Ressourcenverbrauch ist bei Bargeld um ein vielfaches Höher, auch wenn man das Kleingeld und Noten tausendfach wiederverwendet.

Genau gleiches kann man von den Wohnmobilreisen insgesamt sagen: die Reisen selber sind trotz Dieselverbrauch ziemlich ökologisch gegenüber einem Vergleich mit Urlaub in einem Hotel (geringer Wasserverbrauch, Solarstrom, weniger Abfall, etc.. das habe ich schon mal in einem Artikel ausgeführt), vergleicht man aber wieder zwischen einer Wohnmobilreise und zu Hause bleiben, ist die Wohnmobilreise schlechter, weil völlig unnötig. Aber lebt man in einem "Büssli" und fährt wenig, kann es wieder anders aussehen... Es kommt immer darauf an, was man mit was vergleicht, und da werden in den Statistiken und Vergleichen die meisten Fehler gemacht.

Wie regelmässige Leser ja wissen, bin ich eher ein Verfechter der Elektromobilität. Das erste Gegenargument höre ich jeweils ganz schnell: Viel gescheiter auf Wasserstoff setzen, wenn nämlich alle mit einem E-Auto fahren, reicht die grüne Elektrizität nie und nimmer! Wasserstoff hingegen hat den grossen Vorteil, dass die Energie lagern und transportiert werden kann. Allerdings gibt es auch einen grossen Nachteil: für die Herstellung von Wasserstoff wird Elektrizität gebraucht, und zwar ziemlich viel. Damit ein Auto mit Wasserstoff 100km fahren kann, braucht es rund 3x soviel Elektrizität, wie ein E-Auto. Wenn alle mit Wasserstoff fahren, reicht der grüne Strom also noch viel weniger…

Man kann es wenden wie man will, eine globale, einfache Lösung gibt es nicht. Klar ist, die Ressourcen der Erde muss man schützen, die halten nicht ewig. Da ist der Diesel ein Auslaufmodel, ob man will oder nicht, den erneuerbaren Energien wird die Zukunft gehören. Die Umweltverschmutzung kann man technisch in den Griff bekommen, siehe Wasserqualität der Schweizer Seen oder auch eben der Euro6 Motor. Die Einschränkung des C02 -Ausstosses geht nur mit einer Einschränkung des exzessiven Lebensstils jedes einzelnen. Und dies muss jeder selber für sich finden. Uns war es wichtig, dass wir zu Hause beim Heizen mit Holz oder der eigenen Photovoltaikanlage unser möglichstes gemacht haben. Dafür lassen wir uns unsere Womoreisen und Kaffeekapseln nicht nehmen.


Ach ja: die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) sagt zu Kaffeekapseln: Die größte Umweltbelastung kommt aus dem Kaffee selbst: Diesel- und Benzin im Plantagenbetrieb, Düngemittel, die Zubereitung der Bohnen. Bei Vollautomaten und Filterkaffee rechnet man mit bis zu neun Gramm Kaffee pro Tasse. In Kaffeekapseln sind etwa sechs Gramm. Die CO2-Belastung der Kapsel selbst entspricht der Belastung eines Gramms Kaffee. Werden Aluminiumkapseln rezykliert - und nur dann -, sind sie besser.


Externe Links

14.11.2019 - Zu berücksichtigen wäre beim Kaffeevergleich auch der CO2 Ausstoß bei der Herstellung der Kapselmaschine versus einer Mokka.... Das Weltklima wird man aber so oder so nicht retten ;)

Michael


17.11.2019 - Ob Kapsel oder andere Kaffeezubereitung ist bei der heutigen Umweltdiskussion schon eine "Glaubensfrage". Wir verwenden im WOMO den König Finessa Vollautomaten. Der ist nicht viel grösser als eine Kapselmaschine, hat zwei einstellbare Mengen und für die Tropfschale eine geniale Magnetbefestigung. Der Vorteil: Ein Kaffe kostet keine 10 Rappen, Kaffeebohnen sind überall erhältlich und die umweltgerechte Entsorgung des Abfalls nie ein Problem.

Franz


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