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Auf dem Pilgerweg

Santiago de Compostela

In der Nacht begann es etwas zu winden und die Brandung aus Amerika wurde stärker. Geschlafen haben wir trotzdem sehr gut, auch wenn das Licht des Leuchtturms die ganze Nacht rund ums Knutschi kreiste und uns dadurch bewachte.

So fahren wir erholt und ausgeschlafen die 20km nach Fisterra, übersetzt zum Ende der Welt. Während Jahrhunderten glaubte man, dass hier die Welt endet und dass es nur noch Wasser bis zum Horizont gibt. Erst ein Herr Kolumbus hat dann etwas anderes bewiesen…

Hier am Kap Finisterre steht auch die Wegmarkierung des Jakobsweges mit der Markierung 0,000km. Viele Pilger, die in Santiago de Compostela ankommen, wandern den Weg noch 64km weiter bis hierhin zum Ende der Welt. Dieses Ende des Weges geht aber bis weit vor die christliche Zeit, denn hier war die größte Nähe zu den Inseln der Seligen möglich, welche die keltische Sage jenseits des Horizonts im Atlantik platziert, gleichbedeutend mit der Auseinandersetzung mit dem Tod (Wikipedia, ich wusste das natürlich nicht).

Wir sind nun also beim Kilometer Null. Es ist schon etwas touristisch, das schönste an allem ist unser Stellplatz hoch über dem Meer mit Sicht auf den Leuchtturm. Fast ein Grund, hier zu bleiben.

Allerdings fährt dann ein spanischer Reisebus vor, entlädt 50 gackernde Spanierinnen, die sich sofort über das Kap hermachen, lautstark an den schönsten Fotospots telefonieren, andere machen Selfies und blockieren so die andern Fotospots, weil sie grad auch noch die geschossenen Fotos auswählen und direkt irgendwohin posten, statt andern Leuten Platz zu machen. Jetzt ist nur ein Bus hier, wie ist es dann aber im Sommer, wenn kolonnenweise Busse hierhin fahren?

Wir können uns irgendwie nicht so recht begeistern, vor allem wegen den Leuten. Also nehmen wir nochmals 60km unter die Räder und folgen dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Am Ziel angelangt machen wir noch die eine oder andere Ehrenrunde, bis wir die Einfahrt zum Stellplatz erwischen. Es ist ein grosser Parkplatz für Reisebusse und Wohnmobile fast mitten in der Stadt. Zu Fuss sind es nur 20 Minuten bis zur Kathedrale, und da ist es ja klar, dass wir gleich losmarschieren.

Die Kathedrale von Santiago ist die Grabeskirche des Apostels Jakobus, und darum auch das Ziel aller Jakobswege. Es gibt da ganz verschiedene, da ja jeweils der Startort auch unterschiedlich ist. Es ist ein imposantes Bauwerk, aber ungewöhnlicher sind die ankommenden Pilger. Einige liegen mitten auf dem Platz, erholen sich und denken wahrscheinlich über den zurückgelegten Weg nach. Ander Ankömmlinge liegen sich in den Armen und freuen sich über den zurückgelegten Weg. Wir schauen faszinierend zu und sind etwas neidisch, dass wir so einfach und fahrend hier angekommen sind, wahrscheinlich kein Vergleich mit den Pilgern zu Fuss.

Einige von denen werden dann noch die 64km zum Kilometer Null laufen und dort aus Dankbarkeit ihre Wanderschuhe deponieren und verbrennen.

Wir hingegen statten der Kathedrale noch einen Besuch ab, aber jeder für sich. Der Zutritt mit einem Rucksack ist nicht gestattet, also bleibt jemand draussen und passt auf. Drinnen ist der Hochaltar von einem vergoldeten Baldachin umgeben und sieht toll aus. Auch der Botafumeiro hängt brav an der Decke. Dieser Weihrauchkessel wird bei bestimmten Gottesdiensten pendelnd an einem 66m langen Seil durch die ganze Kathedrale geschwenkt.

Wir überlegen uns, ob wir morgen Sonntag um 11 Uhr die Pilger-Messe in der Kathedrale besuchen sollen. Das wäre doch was, oder? Anschliessen in einer Bar und bei Tappas verwerfen wir die Idee aber wieder. Die Messen werden auf spanisch abgehalten und dauern wahrscheinlich ewig…

Es war schön, hier gewesen zu sein, aber es ist nicht der Ort, der uns extrem viel Eindruck hinterlassen wird. Die Kathedrale und die Altstadt sind schön, aber doch nicht so aussergewöhnlich. Am beeindruckendsten sind die ankommenden Pilger und für die ist es ein mehrfach schöneres Gefühl als für uns, die wir hierher gefahren sind.

Wir werden morgen Sonntag für uns fahrend weiter pilgern, irgendwo Richtung Süden, Ziel noch unbestimmt.

Übernachtung

Santiage de Compostela - Area de Autocaravanes**
Parkplatz

grosser Parkplatz mit Entsorgung

Koordinaten: 42.8942986, -8.53307
letzter Besuch: 11.2021