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Marokko 2017
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Besteigung des Doms

Eine kleine Exkursion in die Besteigung des höchsten Schweizer Berges, der ganz in der Schweiz liegt

Letzte Meter zum Gipfelkreuz

Um 2:30 Uhr schaltet sich das Licht im Zimmer ein. Ich bin eigentlich recht froh, denn ich habe auf fast 3000m.ü.M. schlecht geschlafen. Sofort gibt es ein gewusel, aufstehen, frühstücken, Rucksack packen, Stirnlampe montieren. Und dann geht es los, wir marschieren um 3:15 Uhr zu zweit bergwärts. Wir marschieren wortlos in die Dunkelheit , die Lichtkegeln der Stirnlampen vor unseren Füssen. Vor uns sehen wir andere Lichtpunkte, die Seilschaften zeigen, hinter uns auch, sogar neben uns. Alle suchen sich einen Weg nach oben zum Gletscher.

Schon 40 Minuten später betreten wir den Gletscher, noch ist es dunkel und wir ziehen unsere Steigeisen an, Seilen uns an und marschieren dann in unserer Zweierseilschaft auf dem Gletscher berghoch. Es ist noch alles gefroren, der Schnee hart und nur zwischendurch müssen wir zweimal über eine Gletscherspalte springen. In unserem Rücken sehen wir, dass die umliegende Berge langsam hell und sichtbar werden. Es sieht grandios aus, aber noch lange vor Sonnenaufgang.

Knapp nach 5 Uhr sind wir an der ersten Stelle, wo wir vom Gletscher eine kleine Felswand, ca. 40m hoch, hochklettern müssen. Zum Glück keine kahle Felswand, eher grosse Schotterblöcke, aber wir bleiben angeseilt, und sichern uns gegenseitig. Auch die Stirnlampen können wir ausschalten, denn inzwischen ist es hell geworden. Oben angekommen, müssen wir hinten gleich wieder runter, nur dass es diesmal aus Eis ist. Mit den Steigeisen an den Füssen aber kein grosses Problem, auch das Sichern am Seil ist abwärts etwas einfacher wie aufwärts.

Nun sind wir wieder auf dem Gletscher und noch immer geht es nur aufwärts. Wir sind auf etwa 4000m und das atmen wird schwerer, leider auch das Gelände, es wird steil, sehr steil. Im Zickzack stapfen wir im Schnee aufwärts, wegen den Gletscherspalten immer noch in etwa 8m Abstand angeseilt.

Jetzt nach 6 Stunden aufwärts bin ich kaputt und müde, auch meinem Partner Ernst geht es nicht besser. Wir können den Gipfel sehen, aber es fehlen noch 100 Höhemeter. Nochmals die Kräfte aufbäumen und den steilen Gipfelhang im Schnee hinaufstampfen. Ausrutschen oder stolpern wäre momentan nicht ideal, aber als wir dann auf 4545m ankommen, ein unbeschreibliches Gefühl. Es hat zwar ziemlich Minustemperaturen auf dieser Höhe, aber die Sonne scheint und das Panorama ist überwältigend! Das Gefühl auch!

Wir bleiben nicht lange auf dem Gipfel und steigen wieder 100m ab, machen dort etwas windgeschützt eine Rast, und versuchen, etwas zu essen. Ich bin so kaputt, dass ich immer noch keinen Hunger habe, aber trotzdem etwas an meinem Colafläschchen nipple und einen Biss eines mitgenommenen Sandwiches herunterwürge. Aber die Pause tut gut, es sammelt sich wieder etwas kraft in den Beinen an.

Der Abstieg geht nun wesentlich einfacher, der Schnee ist inzwischen ziemlich weich geworden, aber wir müssen uns konzentrieren, ausrutschen oder stolpern ist noch immer verboten. Klar, wir sind angeseilt, aber viel braucht es nicht, um auch den Partner mitzureissen, darum wohl besser nicht probieren.

Drei Stunden später sind wir auf dem unteren Teil des Gletschers, für mich der gefährlichste Teil der gesamten Tour. Wir können nicht immer auf dem blanken Eis des Gletschers gehen, denn dort sind wir sicher. Das Eis ist hart wie Beton. Zwischendurch hat es immer wieder grosse Schneefelder und darunter gefährliche unsichtbare Spalten. Wir können die Spalten anhand der Anatomie des Gletschers vermuten, gehen aus Sicherheitsgründe einige Umwege und müssen aber auch mal über Gletscherspalten Springen. Das ist nicht wirklich gefährlich, aber die Gefahr, bei der Landung mit den Steigeisen einen Fuss zu verstauchen ist doch ziemlich gross.

Um 16 Uhr sind wir wieder glücklich bei der Domhütte, total kaputt und mit verbrannter Nase. Auf der ganzen 13-stündigen Tour habe ich nur zwei Bissen eines Sandwiches, 5dl Cola und einen Liter warmen Tee getrunken. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich weniger Esswaren mitgeschleppt…

Ach ja, die nächsten freien Tage sind wieder mit Womo, ist bedeutend weniger anstrengend...

6.8.2016 - Oh Mann, da werden Erinnerungen wach. Wann war ich am Dom? 1984 müsste das wohl gewesen sein. Damals war ich noch jung und zwäg.... Danke für die gedankliche Auffrischung! Bea

- Flohnmobil


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