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Hammerfest Norwegen 2018
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Bizarre Situationen

Eine normale Womoreise ist nun definitiv nicht mehr möglich

menschenleer

Zuerst einmal: wir brauchen kein Mitleid, uns geht es sehr gut, liegen an der Sonne und geniessen unsere letzten Tage in vollen Zügen. Wir haben keinen Grund zur Klage und wir wissen selber, dass wir freiwillig hier in Sizilien sind und auch zu Hause hätten bleiben können.

Aber es ist nun nicht mehr eine normale Wohnmobilreise, wie wir es gewohnt sind. Einfach von A nach B zu reisen ist nun wirklich nicht mehr möglich. Heute Morgen um 8 Uhr begann die Polizei auf unserem Strandparkplatz Kontrollen zu machen. Alle stehenden Fahrzeuge interessierte sie nicht, so auch unser Womo. Aber jedes heranfahrende Auto wurde kontrolliert, ob es das «Selbstdeklarationsblatt» ausgefüllt hat. Darauf muss jeder seine genaue Adresse einschreiben, inklusive Passnr. und der Grund der Autofahrt. Es gibt gemäss diesem Blatt genau vier Gründe: Arbeitsweg, Gesundheit, Heimkehr und «aussergewöhnliche Situationen». Auf dem Strandparkplatz durften keine Leute mehr parkieren, da dieser Parkplatz keiner diesen Gründen entsprach. Ausser einer Ausnahme: alle mit Hunden durften parkieren und ihre Vierbeiner Auslauf gewähren.

Nachdem wir diesem Treiben eine Zeitlang zugeschaut haben, bin ich dann zu diesen Polizisten, die mir sofort klar zu verstehen gaben, dass ich mindestens 2m Abstand halten musste. Danach klärten sie mich freundlich auf. Da wir schon hier parken und uns nicht mehr bewegen, dürften wir da bleiben, aber wenn wir wegfahren, müssen wir dieses ausgefüllte Blatt haben. Das von dem Blatt wusste ich, aber wir haben keinen Drucker im Womo und darum kein Blatt. Die Polizisten hätten auch keines, ich solle in den nächsten Tabacci, dort bekomme man solche Formulare.

hier holten wir unsere Reisegenehmigung

Die Ausgangssperre wird also auch hier auf Sizilien durchgezogen, wenn man aber den langen, menschenleeren Sandstrand sieht, wäre hier ja wirklich keine Gefahr, um andere oder sich selber anzustecken.

Wir schnappen uns dann unsere Fahrräder und radeln durch leere Strassen ins Dorf von Castellamare del Golfo und finden oberhalb des Zentralplatzes endlich ein Tabacci, der offen hat. Dort erhalten wir sofort dieses Formular. Danach suchen wir noch eine Apotheke, um zu schauen, ob sie hier noch Mundmasken haben. Wäre vielleicht doch nicht schlecht auf der Fähre. Aber überall sind sie ausverkauft, steht jeweils schon im Schaufenster angeschrieben. Die Leute müssen vor der Apotheke warten und es wird nur immer einer Person den Zutritt gewährt.

Steine sammeln

Auf der Rückfahrt fahren wir noch etwas durch das Städtchen, allerdings wird man von den wenigen Menschen, denen wir begegnen, wie Aussätzige angeschaut. Darum brechen wir dann ab und fahren auf direktem Weg wieder zu unserem Womo.

Mit gutem Gewissen an den Strand liegen, währenddem alle Einheimischen zu Hause bleiben müssen, finden wir dann doch etwas paradox und fahren mit unserem Womo wenige Kilometer zu einem offenen Stellplatz weiter. Auch hier: die Anmeldung verläuft mit einem Abstand von mindestens drei Metern, aber wir haben unser Knutschi an der Sonne mit Meerblick von oben. Nur ein anderer Corona-Flüchtling aus Norditalien ist auch noch hier und bewegt sein Womo keinen Meter mehr. Wenn er in eine der Polizeikontrollen käme, dürfte er nur noch nach Hause fahren.

verdammt zum nichtstun

Auf der Hauptstrasse unter dem Stellplatz fahren ein paar wenige Camions, noch weniger Busse und etwa alle 20 Minuten mindestens ein Polizeiauto durch.

Wir werden nun also bis morgen Abend auf diesem Stellplatz verbringen, die Sonne geniessen, schön braun werden und fein kochen. Danach dürfen wir nur noch direkt an den Hafen von Palermo fahren, dort auf die Fähre und in direktem Weg nach Hause in die Schweiz.

Zur Beruhigung: die Fähre fährt, die Bestätigung haben wir bekommen, allerdings müssen wir wieder ein anderes Blatt ausfüllen, dass wir uns nicht krank fühlen. Auch falls die Grenzen zur Schweiz heute Nachmittag geschlossen werden, dürfen wir als Schweizer Bürger einreisen und nach Hause fahren.

Ach ja, da Anita im Gesundheitswesen arbeitet, haben wir schon einen Termin, wo sie sich direkt nach unserer Rückkehr auf den Corona-Virus testen lassen kann, ich selber bin kein Risikopatient, also werde ich nicht getestet. Entweder haben wir beide den Virus oder keiner von uns, krank fühlen wir uns nicht.

Von daher, uns geht es gut und Mitleid wäre überflüssig.

Ausblick von der Strasse


Übernachtung

Castellamare del Golfo - Play Time***
Stellplatz

super Meersicht, aber die Strasse verläuft nicht sichtbar unter dem Platz vorbei

Koordinaten: 38.025186,12.890258
letzter Besuch: 3.2020

13.3.2020 - Hallo Ihr Beiden, wünsche Euch ein friktionsfreie Heimreise und freue mich auf die nächsten Berichte. Ciao

Gerhard


13.3.2020 - A hübscha Rescht und denn a guati Heimfahrt.

Mathias


13.3.2020 - Hallo zusammen, bleibt wo ihr seid.Hier gibt es Anzeichen von Rinderwahnsinn:( Grüsse aus Biel Giovi

Giovi


13.3.2020 - Gute Heimreise und bleibts g'sund :)

Richard


14.3.2020 - Ich bin auch für Umsicht, Vernunft und Verantwortungsbewusstsein. Aber solche unlogischen, bizarren und teilweise hirnrissigen Vorschriften der Italiener zeigt die Mentalität eines Landes. Erst alles super locker nehmen und verdrängen, um dann mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen. Das Ergebnis der Corona Ausbreitung wird sein: Länder mit einem guten und stabilen Gesundheitssystem sowie nachvollziehbaren und transparenten Vorsichtsmassnahmen werden die wenigsten Toten haben. Da gehört Italien auf jeden Fall nicht dazu.

Uwe Flad


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