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Die fehlende Stunde

Plötzlich fehlt uns die marokkanische Stunde doch noch

nur coole Fahrzeuge verschiffen nach Marokko

Wir schlafen wie immer in unseren Knutschi einfach fantastisch, obwohl es richtig fest und laut auf unser Womodach prasselt. Wir haben es nicht eilig, es sind nur 370km bis nach Sète und die Fähre legt nach Fahrplan erst um 20 Uhr ab. Und bei dem schlechten Wetter der letzten Tage rechne ich eigentlich mit Verspätung.

Also tuckern wir gemütlich los, entsorgen noch unser Grauwasser und den Abfall, aber frisches Wasser füllen können wir nirgends. Zum Teil sind die Wasserleitungen wegen dem beginnenden Winter schon abgestellt oder der Wasserhahn hat kein Gewinde und dann müsste ich das Wasser mit der Giesskanne umfüllen. Das ist mir zu mühsam. Wenn ich allerdings gewusst hätte, dass kein einziger funktionierender Wasseranschluss ein solches Gewinde hatte, hätte ich es gemacht. Na, jetzt haben wir kein frisches Wasser mehr und müssen dann marokkanisches irgendwo finden.

Danach gehen wir in Frankreich noch einkaufen. Auf Parkplätzen vor Einkaufszentrenten in Frankreichs Süden habe ich immer so ein mulmiges Gefühl. Ich traue diesen Südfranzosen einfach nicht. Also wird unser Womo vor dem Einkauf bunkermässig gesichert: mit den Sicherheitsgurten die Türen gesichert, das Aufbautürschloss zweimal gedreht und alle Rollos an den Fenstern runter, damit man nicht hineinsehen kann. Der Einkauf wird so schnell wie möglich gemacht und als wir zum Womo zurückkommen, ist alles noch wie wir es verlassen haben. Glück gehabt.

Quiz: als wievieltes Auto fuhren wir auf die Fähre?

Dann geht es gemütlich weiter Richtung Süden, bis ein SMS der Fährgesellschaft kommt. Die Fähre fährt heute schon um 19 Uhr und späteste Checkin-Zeit ist 15 Uhr. Mist, unser Navi gibt als Ankunftszeit 15:45 Uhr an, also aufs Gas drücken. Nichts mehr mit bummeln und Mont Ventoux anschauen. Und da sie wegen des hohen Wellengangs nicht so schnell fahren kann, kommt die Fähre statt Donnerstag um 5 Uhr morgens erst Abends um 20 Uhr an! 13 langweilige Stunden auf der Fähre zusätzlich.

Und als es dann die letzten 3km vor dem Hafen im Stau im Schritttempo fahre, werde ich leicht säuerlich. Aber wir schaffen es auf 15:30 Uhr ins Hafengelände, dann mit der Reservationsbestätigung zum Checkin-schalter und dort nochmals etwa eine Stunde Schlange stehen, bis wir die Tickets endlich in den Händen halten.

Und danach heisst es in der 4. Spur hinter all den vollgepackten Büsslis, beladen bis weit übers Dach mit alten Fahrrädern, Stühlen, Matratzen und was weiss ich noch alles. Und dann können wir um 18:52 Uhr endlich auf die Fähre fahren. Quizfrage: wie viele Autos fuhren nach uns noch auf die Fähre? (ein kleiner Hinweis, mehr als minus 1 und weniger als plus 1). 

wir verabschieden uns von Marokko

Aber jetzt liegen wir in der Kabine, Anita geht es momentan noch gut. Das Schiff schaukelt schon ziemlich für seine Grösse, aber wir sind noch nicht grün im Gesicht und konnten auch noch eine Pizza verdrücken.

Ach ja wegen den Süd-Franzosen: ich hatte viele Vorurteile gegenüber diesen Menschen und da ich diese aus der Welt schaffen wollte, heuerte ich in meinem früheren Berufsleben extra zwei Jahre in einem französischem Team an, um diese Leute besser kennen zu lernen. Resultat: alle Vorurteile wurden bestätigt!


31.10.2018 - Hallo Rolf ich lese deine Beiträge wirklich gerne und finde es lustig, wie du frei von der Leber immer alles aufschreibst. Über deinen Blog sind wir auch auf die Idee gekommen, wenn wir jetzt schon in Südfrankreich (momentan in Avignon) sind, fahren wir hoch auf den Mont Ventoux. Allerdings denke ich, dass es morgen mit dem Wetter nichts wird. Mal schauen. Einzig, dass du solche Giftpfeile gegen die Südfranzosen verschisst, kann ich nicht nachvollziehen. Wir werden seit einer Woche sehr zuvorkommen (in ganz Südfrankreich) behandelt und wir fühlen uns eigentlich sehr sicher. Natürlich schliessen auch wir unser Womo ab wenn wir unterwegs sind aber ganz so schlimm, wie du es beschreibst, finde ich es hier absolut nicht...und ich bin auch nicht zum ersten mal in Südfrankreich. Ich wünsche euch nun alles Gute in Marokko und möge das Frischwasser noch zu euch kommen ;-) Beste Grüsse Michi

- Michi


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