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Marokko 2017
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Die weitgereiste Büchse oder ich armer Tropf

Das Camperleben kann ungerecht, hart und einsam sein. Und genau so einen Tag erlebe ich heute.

Eigentlich fängt alles gut an: ich darf endlich wieder mit unserem Knutschi unterwegs sein. Es geht zwar nur in unsere Kantonshauptstadt nach St.Gallen an die Ostschweizer Campingmesse, aber immerhin. Schnell ist morgens der Wassertank gefüllt, ein paar Kleider eingeräumt, Laptop und Fotoapparat bereit und meinen Stick mit meinen Vorträgen für die Messe eingeladen.

Dann während der kurzen Fahrt kommt mir in den Sinn, dass ich mal nachschauen sollte, ob unser Knutschi überhaupt genügend Gas in den Flaschen ist. Der Wetterbericht hat kalt und Schnee angesagt. Also schnell unterwegs stoppen und nachschauen. Es könnte knapp werden für die drei kalten Messetage! Aber wir sind ja in der Schweiz und gerade in der Ecke, wo es weit und breit keine LPG-Tankstelle hat. Also fahre ich einen Umweg von 30km bis ich bei der Tankstelle bin. 

Während dem LPG-Tanken kommt ein Windstoss von hinten, öffnet meine Garagentüre, die ich Depp nicht richtig verschlossen habe, und schlägt sie mit voller Wucht gegen die Zapfpistole. Ein riesen knall und eine noch grössere Delle in der fast nigelnageneuen Garagetür! So ca. 2cm gross und 5mm tief. Wenigstens hat es mein Womo nicht noch ganz in die Luft gejagt! Hätte ja sein können, wenn sich die Zapfpistole durch den Schlag löst, Gas ausströmt und gleichzeitig einige Funken fallen und schon WUMMM, zuerst fliegt das Womo in die Luft, danach die gesamte Tankstelle. Aber es passierte ausser der Delle sonst nichts. Das reicht aber, dass ich schon ziemlich säuerlich bin.

Also komme ich dann mit Verspätung und mieser Laune an der Ausstellung an, halte dort zwei gute Vorträge über die Bretagne und unsere Reise nach Marokko und muss danach nochmals einen über die Toskana machen. Dort lässt die Konzentration nach, ich verhasple mich und schlussendlich von mir eine katastrophale Vorstellung. Also schnell weg und im Abendunkel und richtig heftigen Schneegestöber zum Wohnmobil zurück, das gerade neben der Autobahn parkiert ist, und so ein Verkehrslärm, dass man sein eigenes Wort nicht versteht (gut, ich muss ja nicht reden, bin ja alleine), total schräg steht und eiskalt ist. Heizung aufdrehen und sich staunen, warum kein Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Mischt, das Entlüftungsventil des Boilers hat sich wegen der Kälte richtigerweise geöffnet und all mein frisches Wasser hat sich auf und davon gemacht. Kein Wasser, nix zu trinken, leerer Kühlschrank. Meine Laune hebt sich nicht sonderlich an.

Also in die Garage zu unseren Vorräten. Leider hat Anita nach Marokko unser ganzes Womo ausgeräumt und ich finde noch genau die eine einzige Erbs-mit-Karotten-Büchse, die wir schon eine Ewigkeit mit uns herumfahren. Bei jedem meiner Menuvorschläge hatte ich unsere einzige Konservendose drin, und Anita lehnte sie jedes Mal ab. Sogar beim Ausräumen hat sie diese arme Büchse ignoriert. Immerhin jetzt mein Glück.

Also hole ich die Büchse und merke, dass das Ablaufdatum schon im September 2017 abgelaufen ist. Aber egal, solche Lebensmittelkonserven sind doch ewig haltbar!? Im Internet recherchiere ich, dass so eine Konservendose mindestens 18 Monate haltbar sein muss. Also haben wir sie im Winterurlaub Januar 2016 in Österreich gekauft, das könnte auch mit dem Etikett auf der Büchse übereinstimmen. Diese eine Konserve hat uns also in die Winterferien nach Balderschwang, ins Tannheimertal, ins Engadin, nach England, in die Berge, in die Innerschweiz, nach Schottland, in die Bretagne, zum zweiten Mal ins Tannheimertal, an den Gardasee, nach Tschechien, in die Toskana, nach Sardinien, und auch Griechenland und schlussendlich rund um Marokko immer begleitet. Hat Hitze, Eiseskälte, Trockenheit und Feuchtigkeit standgehalten. Eine sehr weit gereiste Konservendose! Und jetzt soll ich sie wirklich essen (den Inhalt)? Es bleibt mir also nichts anderes übrig, denn etwas andere finde ich nicht! 

Bin ich froh, kommt morgen Anita und rettet mich aus diesem harten Leben!

20.1.2018 - Guten Morgen Rolf, du erzählst da ja eine zum Lesen lustige Geschichte - bin grad hellwach:) Hoffentlich hat dir diese weitgereiste Büchse gut getan und du hast gut schlafen können. Ich wünsch dir heute einen Tag mit viel Lebensqualität und guten Vorträgen - machs guet und freu mich schon auf die nächste Story:) Carla

Carla


21.1.2018 - Hallo Rolf. Sei froh das du Anita hast.So ein Camperleben kann schon hart sein. L.G. Dietmar u Angelika

- Dietmar


21.1.2018 - Bei kalten Temperaturen empfiehlt es sich, wenigstens den Boiler auf dem Minimum eingeschaltet zu lassen. So öffnet das Frostschutzventil nicht.

Urs


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