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Camargue Frankreich 2015
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Fazit Schottland mit dem Wohnmobil

Unser persönliches Fazit von einem für uns faszinierendem Wohnmobil-Land

Schottland ist ein super Wohnmobil-Land. Vor allem wer tolle Landschaften, frei Stehen oder grosszügige Campingplätze, historische Burgen und Schlösser liebt, dem gefällt es hier ausgezeichnet. Auch nicht zu vergessen, all den Whisky und die Destillerien.

Wir waren ab dem Fährhafen Newcastle 17 Tage in Schottland unterwegs, fuhren 2400km (was, so viele? Kam uns gar nicht so vor) und schliefen nur an einem Ort zwei Mal.

Verkehr

Der Linksverkehr ist viel das kleinere Problem, wie man allgemein meint. Schon nach zwei Kreiseln hat man es intus und keine Probleme mehr. Manchmal morgens bei der Abfahrt muss wieder schnell das Hirn eingeschaltet werden. Einfach daran denken, die Lenkradseite muss immer dem Strassenrand folgen. Das grössere Problem sind die Strassenbreiten. Es gibt eigentlich nur drei Kategorien: Hauptstrassen, Pseudo-Hauptstrassen und Nebenstrassen. Hauptstrassen sind kein Problem, die Pseudo-Hauptstrassen sind nervig und ermüdend. Sie sind so breit, dass sie einen Mittelstreifen haben, aber die einzelnen Fahrspuren nur ca. 2.70m breit sind, kreuzen mit Autos kein Problem, aber mit Lastwagen, die nicht auf die Bremse gehen kann es sehr knapp werden. Da geht schon mal ein Rückspiegel zu Bruch. Denn mit dem linken Rad auf der äussersten Rille fahrend, ragt der Rückspiegel immer noch genau auf die Mittellinie, und wenn dann ein Lastwagen etwas gar schnell kommt, kann es schon mal scheppern. Die Strassen sind meistens sehr unübersichtlich und darum muss man immer sehr gut konzentriert sein. Der Fahrer hat kaum Zeit, die Gegend zu geniessen.

Glenfinnan

Die Nebenstrassen sind dann so eng, dass man nicht kreuzen kann, sogenannte „Single Track Roads“, aber es hat sehr viele Ausweichstellen und auf diesen Strassen ist das Fahren für Wohnmobilisten entspannend, denn auch die Einheimischen lassen einem meistens den Vortritt.

Die Strassen im Allgemeinen sind aber ziemlich kurvig, rauf und runter und auch holprig. Dellen im Belag, Schächte die ALLE mindestens 5cm niedriger sind als der Asphalt, und einen Flick am Andern, es rüttelt im Womo ständig, das nervt etwas. Durch die meist moorige Landschaft senken sich Teile der Strassen ständig und das bringt dann diese Unebenheiten, und ich habe das Gefühl, dass beim Bau auch an der Qualität des Unterbaus gespart wurde.

Die Schotten fahren schnell Autos, aber rücksichtsvoll. Für meine Verhältnisse sind die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu hoch angelegt, kann man etwa 80 Fahren, darf man 100, ist die Strasse für 50, darf man 70. Die Schotten und die Lastwagen nutzen das aus, die Touristen fahren langsamer.

Wenn in vielen Reiseführern beschrieben ist, dass das Fahren stressfrei ist, meint man damit PW’s. Mit Wohnmobilen ist es anstrengend.

Übernachtungsplätze

Es gibt an vielen Orten Campingplätze, die sehr grosszügig und sehr gepflegt sind. Sie kosten aber durchwegs zwischen 20 – 30 Pfund, was nicht günstig ist.

Aber besser sind die Freistehplätze. Wir hatten nie Mühe, einen geeigneten Platz zu finden. Im ganzen Lande hat es immer Picknickplätze, wo auch übernachtet werden darf. Wir haben nur zwei „no overnight“-Plätze gesehen, wo man nicht über Nacht stehen darf. Je nördlicher man kommt, desto mehr freie Übernachtungsplätze findet man. Picknickplätze, häufig mit WC, sind jeweils an der Strasse schon gut markiert.

Toilettenentleerung ist etwas schwieriger, aber bei jedem Campingplatz kann man gegen eine kleine Gebühr auch die Toilette entleeren, wenn man nicht übernachtet.

Ring of Broadgear

Sehenswürdigkeiten

Es gibt viele Burgen, Schlösser, Ruinen und auch Steinkreise von ganz früher, die man vielfach gratis oder auch Innenführungen gegen eine Eintrittsgeld buchen kann. Besonders gefallen haben uns

  • Eilean Donan Castle (Vormittags bis etwa 14 Uhr besuchen, dann ist das Licht für Fotos viel besser)
  • Glenfinnan, die Brücke mit dem Harry-Potter-Zug (um ca 11 Uhr ist die Lock richtig rum, am Nachmittag zieht sie den Zug verkehrt)
  • Dunrobin Castle mit toller Ansicht und tollem Garten, auch der Innenbesuch lohnt sich
  • Forthy Bridge für Fotos war auch sehr eindrücklich
  • Fort William, mit sehr vielen Outdoor-Läden, um sich einzukleiden und spezielle Dinge zu suchen Ring of Brodgaer, Stones of Stennes und Skara Brae auf den Orkney Inseln

Wir waren enttäuscht vom Drumnadrochit, dem Zentrum der Nessi Fans, das kann man getrost auslassen, viel besser ist die Strasse östlich des Loch Ness. Höchstens das Besucherzentrum ist noch lieblich gemacht.

Dunrobin Castle

Da uns Alkohol nicht wirklich zusagt, haben wir auch nur eine Destillerie, die Royal Lochnagar, besucht und dort eine Führung genossen. Muss man ja irgendwie gemacht haben, wenn man in Schottland ist.

Gegenden

Viele schwärmen von der Insel Skye, wir auch! Die Gegend ist traumhaft, Old Man of Stor, Felsformation verbunden mit einer kleinen Wanderung und Quairang, Pässchen mit Bergformationen muss man einfach gesehen haben. Leider hatten wir die drei Tage auf Skye schlechtes Wetter, aber trotzdem war die Insel eindrücklich.

Die Orkney-Inseln waren etwas lieblicher, wie das Festland, gepflegter, bewohnter. Aber auch da traumhaft mit Plätzen zum freien Übernachten. Ring of Brodgaer, Stones of Stennes muss man sehen und beim Ring vor der Haustüre frei übernachten, um Sonnenuntergans- oder –aufgangs Fotos zu machen. Einfach herrlich. Auch die alte Siedlung Skara Brae war super anzuschauen.

Die Nordküste von Ullapool bis John O`Groats war herrlich. Norwegenfans werden da begeistert sein.

Das Highland im Glencoe-Tal ist super anzuschauen, aber die Strasse ist so eine Pseudo-Hauptstrasse, mit dem Womo fanden wir sie schwierig zu fahren, obwohl nur alles geradeaus ging. Die Brücken sind immer noch 20cm schmaler wie der Rest der Strasse und wenn dann ein Lastwagen kommt… Die Fahrt auf der östlichen Seite des Loch Ness rund um den Cairngorms Nationalpark haben uns die Highlands etwas besser gefallen, aber das ist wie überall Geschmackssache.

Wetter und Ausrüstung

Gummistiefel gehören dazu, fast ganz Schottland hat Torf- oder Moorboden, überall kann man nasse Füsse bekommen und da sind Gummistiefel ein guter Begleiter. Das Wetter kann stündlich ändern, bei einem sonnigen Tagesstart heisst das auf keinen Fall, dass es am Mittag nicht schon richtig schütten kann. Eine gute Pelerine gehört einfach dazu. Ebenfalls Mückenschutz, den man überall kaufen kann. Die kleinen Midges können recht lästig sein, besonders in den Highlands. Wir hatten damit aber Glück und blieben drei Wochen fast unbehelligt.

Wir hatten die Fahrräder mit, es war aber die erste Reise, da wir sie nicht einmal vom Fahrradträger herunter nahmen. Und jetzt im Nachhinein, wäre es mir nicht möglich, einen Einsatzzweck dafür zu finden. Bei einer zwetien Schottlandreise würde ich die Fahrräder zu Hause lassen.

Obwohl wir erst im September das Land bereisten, hatten wir meist Temperaturen zwischen 13 – 19 Grad, auch nachts wurde es nie richtig kalt, ca. 9 – 15 Grad. Vielfach weht immer ein Wind, auch nachts kann e schnell mal stürmisch werden.

Fähren

Die Fährüberfahrt von Ijmuiden nach Newcastel ist für den Schottlandurlaub perfekt. Früh buchen lohnt sich vor allem für die Hinfahrt, drei Monate müssen es schon sein, je früher, desto günstiger wird es. Auch über eine Commodore Kabine sollte man sich Gedanken machen, geräumig, hell mit Sicht aufs Meer, dazu die Wahl zwischen Frühstück im Restaurant oder in der Kabine, sogar die Getränke in der Minibar sind inklusive. Es ist schon ein anderer Service wie die engen Standartkabinen ohne Fenster und ohne Frühstück. Klar, man zahlt auch mehr dafür, ca. 100 € für zwei Personen, aber aus unserer Sicht lohnt es sich. Wir haben das Nachtessen jeweils vorbestellt, einmal Buffet im 7 Saison, das Essen war erstaunlich gut aber mit allen Nach- und Vorteilen eines Buffet und einmal im Steackhouse, und da war unser Higland-Rumpsteack gegen einen Aufpreis wirklich sensationell!

Die Fähre auf Skye haben wir nicht gebucht, mussten dafür etwa sechs Stunden warten, war aber kein Problem, das Dörfchen ist recht schön. Die Fähre auf die Orkney-Insel haben wir zwei Tage im Voraus über das Internet gebucht, das hat problemlos geklappt, allerdings sind dann auch schon die eine oder andere Fähre ausgebucht. Diese Überfahrt dauert rund 90 Minuten, das reicht aber, bei Wellengang Seekrank zu werden, was dort schon mal vorkommen kann. Für die Rückfahrt benützen wir die Katamaranfähre, die kann nur bis zwei Tage vorher übers Internet gebucht werden, es hat aber meistens Platz, ohne vorher zu buchen. Es lohnt sich bei keiner Fähre, zu früh am Fährhafen zu sein, 90 Minuten vor Abfahrt reicht völlig, meistens ist vorher nix los und parkieren kann man schlecht bis gar nicht. Auf die Checkinzeit aufzutauchen reicht völlig.

Die Hin- und Rückfahrt günstigster Tarif mit unserem Womo und zwei Personen kostet insgesamt ca. 570 €, mit Commodore Kabinen und einem sehr gutes Frühstück 800€

Fotoausrüstung

Da man immer mit Regentagen rechnen muss, muss man fähig sein, auch bei schlechtem Wetter gute Fotos zu machen. Am einfachsten ist dies mit Stativ und einem Grauverlaufsfilter. Dieser Filter entzieht dem Himmel die Helligkeit, Wolken kommen so besser zur Geltung und die Landschaft wird etwas heller und farbiger.

Schlussbemerkung

All diese Angaben sind rein subjektiv so wie wir sie empfunden haben. Wir sind auch keine Schottlandspezialisten, es war unser erster Urlaub dort, aber ganz sicher nicht der letzte.

Externe Links

7.10.2016 - Ein Kompliment & grosser Dank für den sehr interessanten Reisebericht! Diese Bilder...einfach fantastisch!! und das Ganze ist für mich auch sehr hilfreich bei der Frage: Wohnwagen oder Wohnmobil? Diese Lektüre füllt die Waagschale "pro Wohnmobil" mit vielen guten Argumenten.

Simon


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