Headbild
Dark Hedges Nordirland 2019
Sie befinden sich: Blog \ Reisebericht

Heute bin ich ausländerfeindlich

Wir sind hier auf einem puren Schweizer-Fest, aber wie soll es weitergehen, wenn plötzlich hochdeutsch gesprochen wird?

Ich gebe es zu, obwohl in meiner Verwandtschaft viele Schwinger den Sport ausübten, bin ich zum ersten Mal an einem Schwingfest. Mit Ländlermusik und Jodeln hatte ich bisher nix am Hut. Aber es hat mir den Ärmel hineingezogen, aber wie kann man so ein friedliches, riesengrosses Fest erhalten?

Eigentlich dürfte ich nicht darüber schreiben, je bekannter es im Ausland wird, desto mehr Touristen kommen an dieses Fest. Und jetzt echt: eigentlich gehören Touristen nicht an dieses Fest! Punkt. Basta! Ich weiss, das tönt sehr hart und ich bin beileibe kein Feind von Touristen, im Gegenteil.

Aber das hier ist Schwingen! Und das ist die Tradition für Schweizer und nicht einfach Haligalli. Auf der Tribüne von 56'500 Sitzplätzen hat man nur eine kleine Chance auf Tickets, wenn man Mitglied eines Schwingklubs ist. Alle andern Schweizer haben praktisch keine Chance, ausser man ist VIP-Gast. Und das ist auch richtig so. Es sollen die Leute auf der Tribüne sitzen, die vom Sport und dessen Tradition etwas verstehen. Alle andern kommen ja eh nur wegen dem Spektakel. Und genau auf diese Leute kann der Schwingsport eben verzichten.

Wenn ich Chef des hiesigen Campingplatzes wäre, würde ich den Campingplatz nur mit Schweizern Campern füllen. Erst wenn jeder Schweizer, der möchte, Platz hat, würde ich es für den Rest öffnen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern nur mit Tradition. Auf dem riesigen Campingareal liegt nicht ein Fetzchen Papier herum, kein einziges Stück Abfall liegt dort, wo es nicht hingehört. Jeder sitzt zu jedem, da wird getrunken und diskutiert mit wildfremden Leuten. Hat jemand die Thurgauerfahne vor dem Womo, weiss man schon, welchen Sportlern er die Daumen drückt. Man ist sofort im Gespräch. Gewinnt dann ein andere, feiert man einfach mit den Siegern mit. Null Probleme hier. Wo kann man  weltweit mit einem grossen Messer problemlos ins Stadion kommen? Aber eben, das muss man hier, denn man hat Fleisch, Käse und Brot im Rucksack, richtet sich auf der Tribüne ein und beginnt mit dem Znüni oder Zmittag. Das Bier wird auch in der Arena aus Glasflaschen getrunken, man stelle sich so etwas an einem Fussballspiel vor!

Es hat enorm viele Jungen Leute, vom Land, die alte Spiele spielen und nicht am Handy hängen. Camper ohne Wasser, ohne Strom, ohne Entsorgung, aber wen stört das schon? Man hat ja Kerzen. Das Fest geht auch auf dem Campingplatz bis 3 Uhr morgens, aber keiner, wirklich keiner reklamiert wegen dem Lärm. Ok, um 7 Uhr morgens wenn man wieder zur Tribüne pilgert, gibt es viele brummende Köpfe, aber wen stört dass den schon, wenn es nicht der eigene ist?

Und jetzt haben wir ein Problem hier. Zum ersten Mal überträgt eine ausländische Fernsehstation das Schwingfest live ins Ausland. So werden die Leute dort das riesige und friedliche Fest sehen und werden denken, da muss ich auch mal hin. Und eigentlich gibt es genau das zu vermeiden. Sonst artet es aus wie die Basler Fasnacht, wo es inzwischen mehr Touristen hat, wie Einheimische, oder das Oktoberfest, wo die halbe Welt hinreist und die Münchner die Minderheit sind. So etwas gibt es zu vermeiden. Das Schwingfest und der Schwingsport soll den Schweizern gehören. Nur den Fans! Es tönt hart und ich hätte nie gedacht, dass ich mich zu so einer Aussage hinreissen lasse, aber ich stehe 100% dahinter.

Bleibt alle zu Hause, die ihr euch nicht fürs Schwingen interessiert! So wie unsere Sportministerin die zu Hause bleibt und dafür Bundesrat Ueli Mauer schickt, schliesslich ist er von je her Schwingfan. Die richtigen Leuten sollen am richtigen Ort sein, und das sind momentan alle Schwingfans in Zug. Die andern haben dieses Wochenende hier eigentlich nichts verloren.

Nachtrag

Übernachtung

Zug - EASF****
Stellplatz

Temporärer Stellplatz am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest

Koordinaten: 47.181243,8.497674
letzter Besuch: 8.2019

25.8.2019 - Schade. Bisher habe ich eure Seite gerne besucht. Waren doch. Immer Interessante Reiseberichte mit schönen Bildern zu bestaunen. Auch hatte ich den Eindruck, dass ihr, vielleicht auch aufgrund der vielen Auslandsreisen, etwas Weltoffene seid als viele Schweizer. Nach diesem Artikel muss ich leider stark daran zweifeln. Da möchte man fast den Rat geben: Baut eine Mauer um eure Schweiz und bleibt dort. Wenn ihr eure Kultur nicht mit anderen Teilen wollt dann braucht euch die Kultur im Rest der Welt auch nicht zu interessieren. Wenn jede Nation so denken und handeln würde wäre das Leben sehr viel ärmer. Offensichtlich habt ihr in der Schweiz noch nicht gelernt, gewisse Dinge zu teilen und auch der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Schade. Trotzdem schöne Grüße aus Süddeutschland Thomas

Thomas


25.8.2019 - Hallo Thomas, du hast den Inhalt des Artikels nicht verstanden. Es geht hier nicht um Weltoffenheit, sondern nur, um einen traditionellen Anlass zu erhalten. Das Schwingen gehört den Schwingern und die gehören in die Arena. Sobald die Touristen die Überhand gewinnen, wird es ein weiteren touristischen Event, dessen Tradition danach nicht weiter gelebt wird. Die Tradition verschwindet ins Museum, der Event wird nur noch Kommerz und für die Touristen abgehalten. Es passiert bei so vielen alten Traditionen, siehe z.B. Silvesterchlausen in Urnäsch. Jahrhunderte alt, aber jetzt praktisch nur noch für die Touristen, die Einheimischen ziehen sich zurück. Und danach wird es dies nur noch in den alten Geschichten geben.

Rolf


25.8.2019 - Hallo Rolf, kann deinen Beitrag gut verstehen und nachvollziehen - die Verbände haben es ja selbst in der Hand, wemm Sie die Tickets geben und somit bestimmen, wer zu dem Event kommt - freue mich auf unser morgiges Wiedersehen so gegen 10:00

michael


25.8.2019 - Wenn man schreibt "das ist kein Rassismus, das ist Tradition", dann meint man damit Rassismus. "Ich bin ja kein Rassist, aber.." Ich verstehe, was du bezwecken wolltest, dass bei einem traditionsreichen Sport-Turnier nicht die Situation entstehen darf, dass die wirklich Sportinteressierten keinen Platz mehr haben. Aber du vergreifst dich im Ton. Als Womo-Fahrer bereist du die Welt und möchtest ausgefallene Orte sehen und auch das jeweilige Land erleben. Was wäre denn, wenn dann ein Norweger zu dir sagt, dass er dich auf diesem traditionsreichen Dorffest oder diesem "heiligen" Berg oder dieser wichtigen Straße nicht haben will, weil du kein Norweger bist? Du betreibst einen Blog und wünschst dir Klicks. Vielleicht hast du sogar Affiliate Links oder schaltest Werbung, keine Ahnung.. Und du trägst dieses Fest in die Welt. Und dann wunderst du dich, dass es Menschen besuchen wollen? Klar, du bist nicht der erste, der darüber berichtet. Das tun seit Jahren andere. Das haben auch vor hundert Jahren schon andere. Und mangels Internet hatten sie eine langsame und eher geringe Verbreitung. Heute haben wir dieses Internet und die Welt sieht auch eure kleine Schweiz. Ich denke, daran wirst du dich gewöhnen müssen.

Florian


25.8.2019 - Hallo Florian, Tradition ist nicht Rassismus, das sind zwei total unterschiedliche Dinge die nichts miteinander zu tun haben.

Rolf


7.10.2019 - Ich hoffe doch sehr dass, alle mit der ähnlichen Auffassung auf ihren jeweiligen Reisen, den Besuch von Volksfesten im jeweiligen Land unterlassen. Gehört dann mit zur Konsequenz.

tony odermatt


Diesen Artikel kommentieren oder Fragen dazu stellen